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Meisterpflicht kommt wieder

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vor 13 Stunden, thb schrieb:

 

Ihr Fliesenleger-Argument gilt für jede Dienstleistung. Wenn Sie in Ihrer Beratung Mist bauen, kostet das womöglich sogar noch mehr als nur Geld. Sollte man ihre Tätigkeit deshalb reglementieren? 

 

Nur der Vollständigkeit halber: Man muss zwischen Dienstverträgen und Werkverträgen unterscheiden. Ein Berater schließt mit dem Kunden einen Dienstvertrag ab, da ist die Beratung geschuldet, aber kein Ergebnis. Und: Ein Dienstvertrag dieser Art ist mitwirkungspflichtig durch den Kunden und schon aus diesem Grund kann kein konkretes Ergebnis (z.B. eine "richtige" Entscheidung) nicht geschuldet werden.

 

Wenn ich einen Vertrag mit einem Fliesenleger abschließe, dann schließe ich mit ihm einen Werkvertrag ab. Und da ist ein korrektes Ergebnis Teil dieses Vertrages. Wenn ein Fliesenleger also nicht eine wirklich profunde Kenntniss von der Materie hat, dann kann er auch kein fehlerfreies Ergebnis garantieren. Je besser ein Betrieb als Ganzes ausgebildet ist, um so größer ist die Chance, dass die Mitarbeiter wissen was sie tun. Und das der Kunde, wenn etwas schief läuft, sein Recht auf Nachbesserung durchsetzt.

 

Ob man meine Tätigkeit mehr reglementieren sollte? Wenn Sie meine Kommentare lesen, dann sehen Sie, dass ich massive Probleme damit habe, wenn jemand nach einem Fernkurs als "Psychologischer Berater" firmiert. Ich empfehle deshalb immer, sich vor einem Beratungsvertrag schlau zu machen, über welche Ausbildung und Erfahrung der Berater verfügt.

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Sie können es wenden und drehen wie Sie möchten: Es gibt schlicht Tätigkeiten, für die eine derartige Zugangsbeschränkung keinesfalls unstrittig sinnvoll ist.

 

Man kann immer darüber diskutieren, wie sehr man bspw. auch diejenigen, die sie ausführen, vor sich selbst schützen will. So könnte man etwa mit bestimmten betriebswirtschaftlichen Grundlagen argumentieren, die Handwerkern erst in Meisterkursen vermittelt werden.

 

Aber das sind aus meiner Sicht alles Scheinargumente, die den Eingriff in den Markt nicht rechtfertigen. Bzw. nur aus der Perspektive bestimmter Interessengruppen.

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Wer ist denn diese Interessengruppe? Es könnte ja auch der Kunde sein, nicht wahr?

 

Aber eigentlich muss man diese Diskussion ja auch nicht führen. Es bleibt Ihnen ja unbenommen jemand zu beauftragen, der nicht in einem Meisterbetrieb arbeitet, ja, der noch nicht mal eine Ausbildung in diesem Beruf gemacht hat. Sie können das sogar per Schwarzarbeit machen. Da sparen Sie dann noch mehr.

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vor 3 Stunden, KanzlerCoaching schrieb:

Es bleibt Ihnen ja unbenommen jemand zu beauftragen, der nicht in einem Meisterbetrieb arbeitet, ja, der noch nicht mal eine Ausbildung in diesem Beruf gemacht hat. Sie können das sogar per Schwarzarbeit machen. Da sparen Sie dann noch mehr.

 

Die Unterstellung ist zwar intellektuell sehr simpel, aber irgendwie auch amüsant. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass in Sachen Schwarzarbeit zwischen Meistern und Gesellen kein Unterschied bestehen dürfte.

 

Genauso dürfte es sich für Gewerke wie die des Fliesenlegers auch bei der Qualität der Arbeit verhalten. Ein abgeschlossener Meisterkurs wird den Gesellen kaum zum x-fach besseren Handwerker machen. Aber glauben Sie das gerne weiter.

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Ich habe schon mit einer ganzen Reihe von Handwerksbetrieben zu tun gehabt. Mit meinen Entscheidungen, Meisterbetriebe zu beauftragen, von denen ich weiß, dass sie auch die entsprechende berufliche Erfahrung haben, bin ich gut gefahren.

 

Und natürlich ist nicht jeder Mitarbeiter in so einem Betrieb selber Meister. Das habe ich auch nie behauptet, dass das notwendig ist.

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Jetzt, KanzlerCoaching schrieb:

Ich habe schon mit einer ganzen Reihe von Handwerksbetrieben zu tun gehabt. Mit meinen Entscheidungen, Meisterbetriebe zu beauftragen, von denen ich weiß, dass sie auch die entsprechende berufliche Erfahrung haben, bin ich gut gefahren.

 

Für die berufliche Erfahrung braucht's den Meister jedoch nicht unbedingt...
 

Das wofür der Meisterbrief tatsächlich Relevanz besitzt, ist die Möglichkeit Lehrlinge auszubilden. Ich habe jetzt nicht extra nachgesehen, aber ich glaube, dass es dafür auch keine Ausnahmen gibt.

 

In diesem Kontext dürfte auch die Formulierung aus der von @jedi verlinkten Seite zu verstehen sein: "Ziel ist es, die Qualität und die Qualifikation im Handwerk zu stärken und die Strukturentwicklung im Handwerk und dessen Zukunft nachhaltig zu sichern." 

 

Ich denke mal, dem Gesetzgeber geht es hier nicht primär um Verbraucherschutz (da gibt es - wenn ich Frau Kanzlers Gedanken aufgreifen darf - sicherlich größere Baustellen als mögliche Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Nachbesserungen, etwa beim Orgel- und Harmoniumbauer oder dem Schilder- und Lichtreklamehersteller 😉), sondern um die Sicherstellung von ausreichend Lehrstellen für die genannten Handwerksberufe, da das vermutlich im gesamtwirtschaftlichen Interesse liegt.

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vor 21 Minuten, jbreiter schrieb:

Das wofür der Meisterbrief tatsächlich Relevanz besitzt, ist die Möglichkeit Lehrlinge auszubilden. Ich habe jetzt nicht extra nachgesehen, aber ich glaube, dass es dafür auch keine Ausnahmen gibt.

 

Der Meisterbrief ist in derartigen Berufen sogar regelmäßig nicht notwendig um auszubilden, vgl. https://www.handwerk-magazin.de/wer-darf-ausbilden/150/519/24057

 

(Randnotiz: Im Zweifel wird es auch mit der Ausbildereignung in der Praxis alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich habe mal, zu dem Zeitpunkt nur mit normalem IHK-Berufsabschluss, einen Azubi gehabt. Man wollte von mir keine Nachweise zur Eignung haben, noch kam jemand meinen Betrieb prüfen. Dafür gab es den hübschen blauen Aufkleber „Top-Ausbildungsbetrieb 201x“, den man vielleicht kennt 🤭. War allerdings die IHK, nicht die HWK.)

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Moin,

 

eines der weit verbreiteten Probleme von denen ich öfter im familiären Umfeld (sind alle Handwerker bzw. auf dem Bau tätig) gehört habe ist, dass sich viele "frische" Gesellen kurz nach dem Abschluss von ihrem Lehrbetrieb verabschieden und einfach ihr eigenes Unternehmen gründen.

Dadurch, dass sie keine weiteren Angestellten haben, können sie entsprechend geringere Preise anbieten und zum Ausbildungsbetrieb eine günstige Konkurrenz darstellen.

 

Wie erfolgreich diese Jungunternehmer im Schnitt sind weiß ich nicht. Aber es schafft natürlich Misstrauen bei den Lehrbetrieben - warum sollten die denn noch weiter ausbilden, wenn die Lehrlinge bei der erstbesten Gelegenheit zur Konkurrenz werden.

 

Ich kann mir vorstellen, dass solche Bedenken bei der Entscheidung einen Einfluss hatten.

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vor 3 Stunden, PVoss schrieb:

Wie erfolgreich diese Jungunternehmer im Schnitt sind weiß ich nicht. Aber es schafft natürlich Misstrauen bei den Lehrbetrieben - warum sollten die denn noch weiter ausbilden, wenn die Lehrlinge bei der erstbesten Gelegenheit zur Konkurrenz werden.

 

Da zeigt sich doch der wahre Kern der Wiedereinführung der Meisterpflicht! Dann schafft das Unternehmen eben eine Umgebung, bei der Gesellen nicht direkt weg wollen. Ich bezweifel, dass alle Gesellen unbedingt selbständig werden wollen, wenn die Rahmenbedigungen passen. Meine Erfahrung mit dem Handwerk früher war aus Mitarbeiter-Perspektive grottig, weswegen ich absolut froh bin, nicht in dieser Branche gelandet zu sein. Die IT & andere Branchen kennen keine Meistertitel und da werden auch nicht alle Azubis plötzlich selbständig. "Mauern" bauen, weil man sonst nichts zu bieten hat -> erbärmlich! Man kann sich nicht nur die Rosinen rauspicken bei einer freien Marktwirtschaft.

Bearbeitet von Muddlehead

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vor 4 Stunden, PVoss schrieb:

Dadurch, dass sie keine weiteren Angestellten haben, können sie entsprechend geringere Preise anbieten und zum Ausbildungsbetrieb eine günstige Konkurrenz darstellen.

 

Angestellte kosten kein Geld und treiben die Preise, sie sind da, um Gewinn zu erwirtschaften. Den Gewinn, den jeder Selbstständige für sich als sogenannten Unternehmerlohn auch kalkulieren muss. Wer sich da als gestandenes Unternehmen im Nachteil gegenüber unerfahrenen Solo-Handwerkern wähnt, macht ganz andere Sachen falsch.

 

Just my 2 cent.

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