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Umgang mit moralisch fragwürdigen Dozenten?


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Hallo liebe Community,

ich bin, nach Absprache mit Markus, ein Zweitnick. Das Thema finde ich sehr heikel und um den Dozenten zu schützen, möchte ich das Thema so anonym wie möglich diskutieren.

 

Ich habe nach einem Dozenten gegoogelt, weil ich ihn in der engeren Auswahl für die Abschlussarbeit habe. Dabei fand ich auf seinem Facebook-Profil einiges, was mir missfällt: Er leugnet den Klimawandel und auch ein wenig rechte Tendenzen sind erkennbar. Das schließe ich daraus, dass er Zeitungsartikel teilt und dazu schreibt: schon wieder so ein "Einzelfall"

 

Auf der einen Seite denke ich, dass die private Meinung eines Dozenten mich nichts angeht. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob eine Person mit solchen moralischen Vorstellungen wirklich kompetent ist um Studenten im Bereich Sozialwissenschaften/Geisteswissenschaften zu lehren.

 

Was meint ihr? Wie würdet ihr mit diesem Wissen umgehen? Würde es euch stören/irritieren? Würdet ihr in Kontakt mit der Hochschule treten?

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Zuerst einmal: Ja, das würde mich ganz klar stören. Nicht, weil ich diesem Menschen keine private Meinung gönne, sondern weil ich denke, dass solche Meinungen nicht "rein privat" sind.

 

Ob ich mit den Hochschule in Kontakt treten würde, würde ich von einigen Kriterien abhängig machen.

 

Ich würde mit seine offiziellen Auftritte auf LinkedIn und Xing anschauen. Bei Xing würde ich mir anschauen, in welchen Gruppen er ist und was er dort ggf. verfasst.

 

Ich würde mir anschauen, aus welchen Medien er Zeitungsartikel teilt. Es gibt eine ganze Reihe, die sehen auf den ersten Blick ganz liberal oder neutral oder konservativ aus, gehören aber auf den zweiten irgendwelchen obskuren Verlagen an.

 

Und ich würde bei Facebook auf die Aussagen inhaltlich mit Widerspruch eingehen - höflich, sachlich natürlich - und dann beobachten, wie er darauf reagiert.

 

Äußerungen wie "schon wieder so ein "Einzelfall" " deuten auf verdeckte Agitation hin. Wenn dann auch noch Medienkritik im Sinne von "gelenkten Staatsmedien" kommt oder "Man wird doch noch sagen dürfen …", dann würde sich bei mir die Sorge verdichten, dass da jemand einem Spektrum (rechts, Verschwörungstheorien o.ä.) angehört. Und dann ist seine Meinung eben nicht "rein privat", sondern dann ist damit zu rechnen, dass dieser Mensch seine verdeckte Agitation auch in seinem beruflichen Umfeld betreibt.

 

PS: Das wäre dann übrigens keine Frage von "moralisch fragwürdig", sondern von "politisch"!

Bearbeitet von KanzlerCoaching
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vor 19 Minuten, newName schrieb:

Er leugnet den Klimawandel und auch ein wenig rechte Tendenzen sind erkennbar. Das schließe ich daraus, dass er Zeitungsartikel teilt und dazu schreibt: schon wieder so ein "Einzelfall"

 

Das mit den Zeitungsartikeln kann ich gerade nicht so ganz nachvollziehen, weil mir dazu mehr Informationen fehlen. Dass er den Klimawandel leugnet ist halt seine Meinung und die darf er äußern.

 

Bewertet der Dozent denn fair? Pflegt er einen guten Kontakt zu den Studierenden und hilft kompetent und fachlich weiter? Das wären Kriterien, an denen ich mich jetzt zuerst orientieren würde. 

 

Wenn du ansonsten Bauchschmerzen bei dem Gedanken an den Dozenten hast, würde ich mir einen anderen suchen. Ich fände es unnötig, ein allzu großes Fass deswegen aufzumachen. Es geht dir primär ja "nur" um deine Abschlussarbeit. Darin solltest du deine Kraft investieren :) 

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Puh, das ist wirklich ein schwieriges Thema.
Ich persönlich würde so jemanden, wenn ich eben die Wahl habe, eher nicht als Dozent wählen, da ich da auch die zwischenmenschliche Komponente wichtig finde.
Aber wenn er rein akademisch arbeitet und lediglich eine politische Meinung hat, die mir missfällt, aber nicht im strafbaren Bereich ist, wüsste ich nicht, was dagegen spricht, dass er an einer Hochschule arbeitet. In besonders heiklen Fällen, bieten Hochschulen ja dann Alternativen an - ich denke da an den Fall "Lucke". 

Wichtig ist, dass es auch ein Teil einer Demokratie ist, die Meinungen anderer zu akzeptieren, aber eben auch zu diskutieren.

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Na ja, wenn er vom Kaliber "Lucke" ist, dann werden Diskussionen vermutlich schwierig werden.

 

Mir fiel bei der Schilderung von newName eher Xavier Naidoo ein, der schon lange undercover sehr diskussionswürdige Meinungen vertritt, Meinungen, die sich denen der Reichsbürger gefährlich angenähert haben. Dem hat man jetzt die Bühne genommen und das ist m.E. auch gut so.

 

Da ich diesen Dozenten nicht kenne, möchte ich ihm das nicht unterstellen. Deswegen würde ich einfach noch ein bisschen ums Thema herumsuchen.

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vor 34 Minuten, newName schrieb:

Was meint ihr? Wie würdet ihr mit diesem Wissen umgehen? Würde es euch stören/irritieren? Würdet ihr in Kontakt mit der Hochschule treten?

 

Das Wichtigste zuerst. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5:

 

Zitat

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

 

Seine Meinung musst du nicht teilen, du kannst sie sogar entschieden ablehnen. Bevor du aber zur Gesinnungspolizei wirst, dreh das Ding gedanklich mal um und stelle dir vor, du wärst in einer entsprechenden Stellung und Studierenden würden deine Positionen so sehr missfallen, dass sie dich gern aus dem Job mobben möchten. Dann schlaf mal ne Nacht drüber.

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Ich sehe das ähnlich wie @psycCGN: Wenn du selbst Bauchschmerzen bezüglich dieser Sache BESONDERS in Bezug auf deine Abschlussarbeit hast, dann such dir lieber einen anderen Dozenten. Das betrifft dich direkt und konkret, mehr als dass er seine Meinung auf Facebook postet. Wenn du glaubst, du kannst in der Zusammenarbeit mit ihm kontroverse Themen umschiffen, muss seine Meinung für dich nicht zu einem Problem werden.

 

Wichtig ist, fühlst du dich jetzt noch wohl mit deiner engeren Auswahl? Oder sind deine Bedenken bereits jetzt zu groß, um ihn noch zur engeren Auswahl zu zählen?

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  • Admin

Ich sehe es so:

 

1. Wenn dir auffällt, dass dir die Äußerungen des Dozenten so missfallen, würde ich mir an deiner Stelle gut überlegen, ob das die Basis für eine intensive Zusammenarbeit ist, wie sie bei einer Abschlussarbeit notwendig ist bzw. ob du das dann so trennen kannst, oder seine Äußerungen auch bei fachlichen oder formellen Rückmeldungen an dich immer mitschwingen würden.

 

2. Wenn es eindeutig radikale (!) rechte Äußerungen wären, würde ich die Hochschule vermutlich schon informieren, da so etwas ja indirekt auch dem Ruf der Hochschule schaden könnte. 

 

3. Ein pro-aktiver Ansatz wäre es, wenn du offen auf den Dozenten zugehen würdest, ihn auf die Beiträge ansprechen würdest und versuchst, mit ihm darüber in eine Diskussion zu gehen, um mögliche Missverständnisse auszuschließen und dir ein besser fundiertes Bild zu machen. Diese Vorgehensweise bringt natürlich auch Risiken mit sich.

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Vielen Dank für eure Antworten.

 

 @Frau Kanzler

Vielen Dank, ich werde mir die anderen öffentlichen Auftritte bezüglich dieser Kriterien ansehen. Ich habe die Facebook-Seite nach ein wenig scrollen schnell wieder geschlossen. Ich war wohl zu irritiert.

 

vor 7 Stunden, psycCGN schrieb:

Bewertet der Dozent denn fair? Pflegt er einen guten Kontakt zu den Studierenden und hilft kompetent und fachlich weiter? Das wären Kriterien, an denen ich mich jetzt zuerst orientieren würde. 

 

Das kann ich aktuell noch nicht beurteilen, es sind noch zwei Pflichtmodule, die ich bei ihm belegen muss. Bisher hatte ich keinerlei Kontakt zu ihm.

 

 

vor 6 Stunden, thb schrieb:

 

Seine Meinung musst du nicht teilen, du kannst sie sogar entschieden ablehnen. Bevor du aber zur Gesinnungspolizei wirst, dreh das Ding gedanklich mal um und stelle dir vor, du wärst in einer entsprechenden Stellung und Studierenden würden deine Positionen so sehr missfallen, dass sie dich gern aus dem Job mobben möchten. Dann schlaf mal ne Nacht drüber.

 

Mir missfallen die Ausdrücke "Gesinnungspolizei" und "aus dem Job mobben" extrem.

 

vor 6 Stunden, Markus Jung schrieb:

2. Wenn es eindeutig radikale (!) rechte Äußerungen wären, würde ich die Hochschule vermutlich schon informieren, da so etwas ja indirekt auch dem Ruf der Hochschule schaden könnte. 

 

3. Ein pro-aktiver Ansatz wäre es, wenn du offen auf den Dozenten zugehen würdest, ihn auf die Beiträge ansprechen würdest und versuchst, mit ihm darüber in eine Diskussion zu gehen, um mögliche Missverständnisse auszuschließen und dir ein besser fundiertes Bild zu machen. Diese Vorgehensweise bringt natürlich auch Risiken mit sich.

 

Vielen Dank, das sind interessante Ansätze. Das Klimawandel-Leugnen kann ich noch stehen lassen, mit den rechten Tendenzen habe ich aber große Schwierigkeiten. Rechtsradikales Gedankengut hat, für mich, nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Aber das ist eben auch meine persönliche Ansicht.

 

Über den dritten Punkt muss ich noch einmal nachdenken. Natürlich habe ich auch Angst, es sind noch zwei Pflichtmodule bei ihm, aber vielleicht kann ich den Kontakt und die Konfrontation auch indirekt suchen. 

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Folgende weiteren Informationen:

 

Gruppen, unter anderen, XXX in der AFD (das XXX dient der Anonymisierung)

 

Zitate des Profils:

Im Fall der .... (Name) gibt es auch eine zweite Wahrheit

Was darf man in Deutschland noch sagen

...die Einzelfall-Einschläge, äh Einstiche kommen näher: dazu der Artikel einer lokalen Tageszeitung mit einem Artikel zu einem Nicht-Deutschen, der seine Ehefrau erstach (Europäer übrigens)

Artikel aus der Jungen Freiheit

 

Ich denke, eine gewisse politische Tendenz wird deutlich. Xing-Profil oder LinkedIn gibt es nicht.

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