Springe zum Inhalt
newName

Umgang mit moralisch fragwürdigen Dozenten?

Empfohlene Beiträge

Meiner Meinung nach muss man hier ein paar Dinge unterscheiden.

 

Einmal die Frage nach der Meinungsfreiheit, also die gesetzliche Ebene. Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland  sehr gut geschützt. Solange eine Aussage niemanden beleidigt, zu Gewalt aufruft u.ä., wird sie von der Meinungsfreiheit erfasst. Die zitierten Aussagen und Artikel dürften ziemlich sicher von der Meinungsfreiheit geschützt sein. 

Die AfD bzw. Teile davon werden ja jetzt vom Verfassungsschutz beobachtet, aber solange sie nicht als verfassungswidrig eingestuft sind, ist es auch erlaubt, die AfD zu öffentlich unterstützen und in ihr Mitglied zu sein. Möglicherweise ändert sich das irgendwann (nicht sehr wahrscheinlich, selbst die NPD existiert ja noch), aber bisher ist es so.

 

Eine zweite, ganz andere Frage ist, ob jemand mit solchen Ansichten an einer Hochschule unterrichten sollte. Die Hochschule ist ja nicht verpflichtet, jemanden zu beschäftigen, nur weil dessen Meinung von der Meinungsfreiheit geschützt ist. Einfaches Beispiel: Das Institut für Klimafolgenforschung wird keinen Klimawandelleugner beschäftigen wollen und ein Institut für Antisemitismusforschung keinen antisemitischen Verschwörungstheoretiker, auch wenn deren Meinungsäußerungen gesetzlich erlaubt sind. Das liegt im Ermessen der Hochschule.

Ob eine Hochschule aber jemanden entlassen (im Gegensatz zu: gar nicht erst einstellen) dürfte, weil dessen private Meinung ihren Werten widerspricht, weiß ich nicht. Für mein persönliches Empfinden wäre es wichtig, ob es sich dabei "nur" um eine Meinung auf einem privaten Facebook-Profil handelt oder ob sich diese Ansichten auch in der Lehre niederschlagen. Bei letzterem würde ich die Hochschule vermutlich informieren, weil es ja nicht in deren Interesse sein kann, dass jemand die Plattform der Hochschule für politische Agitation nutzt. Im Gegensatz zu Frau Kanzler würde ich aber nicht automatisch davon ausgehen, dass das so ist - vielleicht benutzt der Mensch auch einfach Materialien der Hochschule und seine private Meinung ist gar nicht zu merken. Dann würde ich persönlich eher nichts sagen.

 

Ganz interessant fände ich auch, wie (im Gegensatz zu was) diese Person denkt. Leute in rechten Filterbubbles und Klimawandelleugner sind meiner Erfahrung nach nicht besonders offen für fremde Meinungen, Selbstreflexion oder wissenschaftliche Erkenntnisse. Das wäre an einer Hochschule eher unpassend. Wenn der Mensch Werte der Wissenschaft vertritt, sollte er eigentlich offen dafür sein, in seinen Ansichten kritisiert zu werden. 

 

Und eine dritte Ebene ist die persönliche. Ich persönlich würde dem Dozenten im Studium wohl so weit wie möglich aus dem Weg gehen. Wenn das nicht möglich ist, würde ich zuerst mit der Person selbst in Kontakt treten und erst, wenn das nichts bringt oder es zu eskalieren droht, die Hochschule einschalten. Spätestens, wenn du selbst Nachteile wie z.B. eine ungerechte Bewertung befürchten musst, sollte das auch die Hochschule interessieren. Ich finde aber nicht, dass du moralisch dazu verpflichtet bist, die Hochschule zu informieren. Ich fände es auch legitim, einfach zu versuchen, da möglichst gut durchzukommen, schließlich ist der Dozent dir gegenüber in einer Machtposition. 

 

Erstmal würde ich wahrscheinlich abwarten und mal sehen, wie das Modul ist und wie sich die Person in der Lehre verhält. Davon würde ich abhängig machen, ob ich überhaupt was mache und wenn ja, was.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Anzeige: (wird für registrierte Benutzer ausgeblendet)

Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum es eine Entscheidung darstellt die Hochschule zu informieren. Wäre ja nur eine Frage, wenn er wirklich fragwürdige Einsichten verbreitet und du dir überlegst ob du dieses Verhalten deckst, weil eben „illegal“. Teile deine Irritation der Hochschule mit, wenn du das Thema nicht beiseite schieben kannst. Wenn sein Verhalten von deutschen Gesetzen gedeckt ist, hat er nichts zu befürchten. Und wenn sich die Hochschule dem sich nicht unterwirft, ist es eben das Leben, das AG & AN nicht zusammenpassen. Und wer seine Meinung öffentlich postet, sollte auch in ser Lage sein, dies mit anderen Einrichtungen, ausser Facebook, diskutieren zu können. 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Mal ne doofe frage. Hat die Person ein Fach in dem seine/ihre private Meinung überhaupt  eingehen kann? Prinzipiell hast du wahrscheinlich in deinem sonstigen umfeld viele Personen deren private ansicht du nicht teilst, die du aber nicht mitbekommst. 

Weiterhin halte ich es wenig aussagekräftig anhand eines herausgebers eines artikels den jemand verlinkt etwas rein zu interpretieren. Die heutige Medienlandschaft ist ja schon auf links gepolt d.h. die einzigen die noch anderweitige Beiträge bringen kommen fasst zwangsläufig aus der rechten Richtung.

Vor zehn jahren hättest du wahrscheinlich den kurs/das modul absolviert und nichts wäre dir aufgefallen. Aber heute ist die versuchung immer gleich da mal nachzuschauen was die Person sonst noch macht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 2 Stunden, ClarissaD schrieb:

Bei letzterem würde ich die Hochschule vermutlich informieren, weil es ja nicht in deren Interesse sein kann, dass jemand die Plattform der Hochschule für politische Agitation nutzt. Im Gegensatz zu Frau Kanzler würde ich aber nicht automatisch davon ausgehen, dass das so ist - vielleicht benutzt der Mensch auch einfach Materialien der Hochschule und seine private Meinung ist gar nicht zu merken.

 

Vermutlich ist der Begriff "Agitation" zu massiv. Es muss aber auch gar keine bewusste Agitation sein, die sich abspielt. Es genügt, wenn die Grundüberzeugung einfließt. Bei geisteswissenschaftlichen Inhalten ist das kaum vermeidbar.

 

Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass man damit immer konfrontiert ist. Stimmt. Das finde ich auch so lange nicht dramatisch, so lange das offen passiert, alle Beteiligten über die diversen Grundeinstellungen Bescheid wissen und die Quellen, auf die sich jemand beruft, "seriöse" Quellen sind. Die "Junge Freiheit", die er da verlinkt, ist das eindeutig nicht. Das ist ein ziemlich übles Blatt!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 5 Minuten, Thomislav schrieb:

Mal ne doofe frage. Hat die Person ein Fach in dem seine/ihre private Meinung überhaupt  eingehen kann? Prinzipiell hast du wahrscheinlich in deinem sonstigen umfeld viele Personen deren private ansicht du nicht teilst, die du aber nicht mitbekommst. 

Weiterhin halte ich es wenig aussagekräftig anhand eines herausgebers eines artikels den jemand verlinkt etwas rein zu interpretieren. Die heutige Medienlandschaft ist ja schon auf links gepolt d.h. die einzigen die noch anderweitige Beiträge bringen kommen fasst zwangsläufig aus der rechten Richtung.

Vor zehn jahren hättest du wahrscheinlich den kurs/das modul absolviert und nichts wäre dir aufgefallen. Aber heute ist die versuchung immer gleich da mal nachzuschauen was die Person sonst noch macht.

 

Lesen Sie einfach hier ein bisschen herum und googeln die im Impressum der Zeitung genannten Personen. Die WELT gehört ja auch zum konservativen Zeitungslager, der Münchner Merkur beispielsweise auch. Und die BILD.

 

Aber keine ist zu vergleichen mit dem, was die Junge Freiheit ständig veröffentlicht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 12 Stunden, newName schrieb:

Es ist ein Sozialwissenschaftliches Grundlagenfach, welches ich als erstes bei ihm/ihr besuchen werde. Inhalt sind auch beispielsweise Menschenbilder und Kommunikation.

 

Das sind die Themen, die er unterrichtet.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Gast

Wenn das Lesen der Jungen Freiheit und die Zustimmung zu einzelnen dort veröffentlichten Beiträgen nun schon ausreicht, um sich für die Hochschullehre zu disqualifizieren, dann sind wir als Gesellschaft bankrott.

 

Ich denke, das ist – zum Glück – noch nicht der Fall, und auf diesem Level sollte eine inhaltliche Auseinandersetzung noch möglich sein.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor einer Stunde, thb schrieb:

um sich für die Hochschullehre zu disqualifizieren

 

Dann sollte dieser Dozent vielleicht seine Zustimmung und die Gründe dafür öffentlich machen und vor allem diskutieren. Bei Facebook geht er wohl auf die Kommentare und Nachfragen nicht ein.

 

PS: Vielleicht haben wir aber auch nur eine unterschiedliche politische Sensibilität.

Bearbeitet von KanzlerCoaching

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

@newName: Nun sind ja ein paar Tage vergangen. Wie hast du dich denn entschieden und wie ist es in der Sache weitergegangen?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

@newName: hochinteressantes Thema. Ich persönlich unterscheide zwischen Rechtskonservatismus und wirklichen Rechtsradikalen, die den braunen Terror 1933 - 1945 verharmlosen oder sogar verherrlichen. Klimawandel in Frage stellen & COVID19 Maßnahmen als zu streng geißeln, das finde ich vertretbar.

 

Postet er Videos / allgemein Inhalte, die klar auf einen Hintergrund als (Neo)nazi hindeuten ? Dann würde ich mich gegen ihn oder sie als Dozent entscheiden.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Kostenlos ein neues Benutzerkonto erstellen.

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden



×
×
  • Neu erstellen...