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Braucht man als Fernstudent ein dickes Fell?


Anyanka
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Aus (bei mir) aktuellem Anlass - nennt es therapeutisches Schreiben. 
Hier war ja schon ab und an mal Thema, dass man als Fernstudent nicht immer so richtig ernst genommen wird. @Silberpfeil hat ja gerade neulich einen eigenen Blogeintrag dazu verfasst.

Hintergrund: in den letzten Tagen wurde ich mal wieder mit "alten VerdĂ€chtigen" an Aussagen konfrontiert. Zum Beispiel: "Dir steht der Kita-Platz nicht zu, Du bist schließlich NUR(!) Hausfrau und studierst nebenbei.", oder Leute, die sich wundern, dass ich immer noch nicht fertig bin, denn "Meine Cousine hat auch so einen Fernlehrgang bei der ILS gemacht, die war nach 6 Monaten schon fertig - Du brauchst aber lange." Ich kann das nach ĂŒber zwei Jahren Fernstudium inzwischen zwar eigentlich gut wegatmen (man könnte ja sagen - mein Erfolg gibt mir Recht), aber so ein ganz bisschen piekst es doch immer, vor allem wenn es lange ruhig war und sich dann plötzlich hĂ€uft.   

 

Wie ist das so bei Euch? Wenn ihr sagt "ich habe im Moment mit dem Studium viel um die Ohren", wie reagieren andere darauf? Sagt ihr das ĂŒberhaupt, oder redet ihr schon kaum noch drĂŒber (so ist es bei mir tatsĂ€chlich)? Was stellen andere in Eurem Umfeld sich unter einem Fernstudium vor? Herrscht VerstĂ€ndnis oder wird man belĂ€chelt? Und ĂŒberwiegen die positiven Reaktionen ("Toll, dass Du was fĂŒr Dich tust!") oder die negativen ("Naja, wenn man sich sowas aufhalst..."), und woran liegen letztere? Neid? UnverstĂ€ndnis? Unwissenheit?

Und zu guter Letzt: Was sind Eure ultimativen schlagfertigen Antworten und Reaktionen? Wie geht ihr damit um? 

Bearbeitet von Markus Jung
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vor 14 Minuten hat Silberpfeil geschrieben:

Andererseits habe ich meistens gar keine Lust auf diesen (ich wiederhole mich) akademischen PenislĂ€ngenvergleich.  Sobald man beruflichen Nutzen davon hat, erschließt sich das von selbst. Ich denke, spĂ€testens dann wird es auch in Deinem Umfeld ankommen, wie sinnvoll Dein Studium war. 🙂

Ja, das meine ich auch mit "Wegatmen": An guten Tagen pelle ich mir auch echt ein Ei auf solche Aussagen oder fĂŒhle mich im besten Fall noch angespornt. Und ja, am Ende zĂ€hlt das Ergebnis, und ich mache das ja auch in erster Linie fĂŒr MICH (ich böse, egoistische Rabenmutter :scared:), nicht fĂŒr andere. 
An schlechten Tagen bin ich halt immer enttĂ€uscht, wenn sowas passiert, weil meine Wunschvorstellung halt eine andere ist - gerade bei Leuten, die man zu seinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis zĂ€hlt. Ich will nicht bewundert werden, um Gottes Willen, ich will nicht mal Hilfe und UnterstĂŒtzung, aber so ein kleines aufmunterndes Wort vielleicht ab und zu, und die BestĂ€tigung, dass man versteht, das auch 3-fache Mutter den Job wechseln wollen. Aber wie heißt es so schön: Erwarte nichts, dann wirst Du nicht enttĂ€uscht. (Muss aber sagen, dass es natĂŒrlich schon auch Leute in meinem Freundeskreis gibt, die sehr fĂŒr mich da sind und mich moralisch unterstĂŒtzen. Die zĂ€hlen dann einfach doppelt.)

Bearbeitet von Anyanka
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Bei mir gehen im privaten Umfeld die Meinungen auseinander. Die einen haben tierisch Respekt davor, das neben dem Beruf noch durchzuziehen, die anderen können sich das fĂŒr sich nicht vorstellen. Ich hab im Freundeskreis aber auch welche, die im Fernstudium studiert haben, da ist das VerstĂ€ndnis natĂŒrlich mehr da.

Im beruflichen Umfeld wird eher die Diskussion Bachelor/Master und Dipl.-Ing. gefĂŒhrt. Ich war der erste Bachelor bei uns im Unternehmen, die anderen sind alles Dipl.Ing. und meinen ich wĂ€r kein richtiger Ingenieur und sie wĂ€ren ja soviel besser. Ich lĂ€chle darĂŒber einfach nur noch. Klar hĂ€tte ich auch lieber den Dipl.Ing. gemacht, aber ich kann es auch nicht Ă€ndern. Ich weiß, was ich erreicht habe und nur das zĂ€hlt.

 

Zitat

(Muss aber sagen, dass es natĂŒrlich schon auch Leute in meinem Freundeskreis gibt, die sehr fĂŒr mich da sind und mich moralisch unterstĂŒtzen. Die zĂ€hlen dann einfach doppelt.)

Ja das seh ich genau so.

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vor 1 Stunde hat Basaltkopp geschrieben:

Im beruflichen Umfeld wird eher die Diskussion Bachelor/Master und Dipl.-Ing. gefĂŒhrt.

Das ist ja ein Problem, das in vielen StudiengÀngen vorkommt. Wenn mir sowas vorgehalten wird, bin ich oft auch ganz barsch und sage: "Dann bist du eine aussterbende Spezies." Oft kommt dann: "Aber das Diplom war doch sooooo viel besser...". Da sage ich dann dazu, dass Bachelor + Master zusammen mehr ECTS bringen und auch lÀnger dauern als das Diplom damals und es damit "schlechter" ist.

 

Das ist nicht wirklich meine Meinung, aber wenn ich mich provoziert fĂŒhle oder jemand mir blöd kommt, kann ich auch blöd reagieren. Oft fĂŒhrt das dazu, dass die Diskussion doch etwas sachlicher wird oder doch zumindest dann endet und ich mir diesen "akademischen PenislĂ€ngenvergleich" nicht mehr anhören muss. Was fĂŒr mich auch ein gutes Ergebnis ist. 😉

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vor 14 Minuten hat TomSon geschrieben:

"Aber das Diplom war doch sooooo viel besser..."

Das ist ja auch total subjektiv und entspricht vermutlich eher dem Beharren auf bekannten Mustern, der Suche nach der "guten, alten Zeit" und dem Versuch, seinen eigenen Status zu rechtfertigen - eben WEIL man eine aussterbende Spezies ist. Kenne das tatsÀchlich auch aus der Apotheke vom dortigen PhÀnomen der "Vorexaminierten" (seeeeeehr aussterbend, ein Abschluss, der - glaube ich - Ende der 1960er eingestampft wurde). 

Bearbeitet von Anyanka
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vor 11 Minuten hat TomSon geschrieben:

"Aber das Diplom war doch sooooo viel besser...".

 

Da ist dann immer meine Frage: Besser fĂŒr was? Welche Lerninhalte waren anders, und was genau sollten die Lerneinheiten bewirken? Persönliche Weiterentwicklung oder berufliche Kompetenz? 

 

Da kommt dann meistens nicht mehr viel...

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vor 3 Stunden hat Basaltkopp geschrieben:

Bei mir gehen im privaten Umfeld die Meinungen auseinander. Die einen haben tierisch Respekt davor, das neben dem Beruf noch durchzuziehen, die anderen können sich das fĂŒr sich nicht vorstellen.

 

Das geht mir genauso. Wirklich negative oder "blöde" Reaktionen habe ich dagegen noch nicht erlebt. Beruflich habe ich da wohl bisher auch GlĂŒck gehabt - bei meinem alten Arbeitgeber war ich bei weitem nicht die Einzige mit laufendem Fernstudium, in meinem aktuellen Job ist es eher kein Thema, weil fĂŒr meine Kollegen uninteressant. Und wer sich nicht ehrlich und ernsthaft fĂŒr das Thema interessiert, den belĂ€stige ich auch nicht damit...

 

Ich bin aber relativ ĂŒberzeugt, dass die meisten Negativ-Redner eher neidisch sind auf das, was ein Fernstudent schafft - sich bei (mehr oder weniger) vollem Gehalt auch noch einen akademischen Abschluss zu erarbeiten. 

 

Nachtrag: Die "Unwissenden" gibt's natĂŒrlich auch. Meine Erfahrung ist aber, dass die nicht per se negativ reagieren, sondern eher nachfragen bzw. mit ein paar Zusatzinfos ihre Meinung auch recht schnell revidieren.

Bearbeitet von Alanna
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vor 4 Stunden hat Basaltkopp geschrieben:

 

Im beruflichen Umfeld wird eher die Diskussion Bachelor/Master und Dipl.-Ing. gefĂŒhrt. Ich war der erste Bachelor bei uns im Unternehmen, die anderen sind alles Dipl.Ing. und meinen ich wĂ€r kein richtiger Ingenieur und sie wĂ€ren ja soviel besser. Ich lĂ€chle darĂŒber einfach nur noch. Klar hĂ€tte ich auch lieber den Dipl.Ing. gemacht, aber ich kann es auch nicht Ă€ndern. Ich weiß, was ich erreicht habe und nur das zĂ€hlt.

 

 

In Sachsen gibt es das Diplom noch. Beispielsweise an der TU Dresden. Ob es den Aufbaustudiengang vom Bachelor zum Dipl. noch gibt, kann ich grade nicht sagen.

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