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Braucht es eine Nationale Bildungsplattform?


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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Ende April den Startschuss gegeben für den Aufbau einer Nationalen Bildungsplattform. Zunächst werden mit 150 Millionen Euro die Entwicklung von Prototypen, Curricula und didaktischen Konzepten unterstützt.

 

Ich füge euch den kompletten Text einer entsprechenden Mitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bei und frage mich und euch, ob es wirklich sinnvoll ist, hier eine neue zentrale Plattform aufzubauen, oder ob das Geld nicht sinnvoller investiert wäre, wenn es in vorhandene Strukturen investiert würde. 

 

Einige Ansätze wie ein Ort für alle Bildungsabschlüsse könnte ja durchaus etwas sein.

 

Nachfolgend der Volltext:

 

Karliczek: Startschuss für Aufbau einer Nationalen Bildungsplattform
150 Millionen für Entwicklung von Prototypen, Curricula und didaktische Konzepte

 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat zum Beginn dieser Woche den ersten Schritt für den Aufbau einer Nationalen Bildungsplattform unternommen. Mit 150 Millionen Euro will das Ministerium die Entwicklung von bis zu vier Prototypen unterstützen. Diese stellen den Kern für eine nutzerorientierte Infrastruktur dar. Flankierend werden Projekte gefördert, die insbesondere auch auf die Verknüpfung digitaler Bildungs-Szenarien und lernpfadorientierte Curricula über die Plattform abzielen.

 

Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

 

„Am heutigen Tag habe ich den Startschuss für den Aufbau einer Nationalen Bildungsplattform gegeben. Die Plattform ist Kernstück eines neuen digitalen Bildungsraums für Deutschland und einer Modernisierung der Bildung insgesamt. Als Bundesregierung wollen wir damit für alle Menschen – vom Schulkind bis zum Rentner - in unserem Land den Zugang zu digital gestützten Bildungsangeboten erleichtern und damit verbessern. Die Initiative Digitale Bildung, die ich gemeinsam mit der Bundeskanzlerin gestartet habe, nimmt damit weiter Gestalt an.

 

Die Corona-Pandemie hat klar gezeigt, wie groß die Bedeutung digitaler Lehr- und Lernangebote für unser Bildungssystem schon heute ist. Auch wenn die Pandemie viele technische, inhaltliche und didaktische Herausforderungen digitaler Formate aufgeworfen hat, so hat sie uns auch gezeigt, dass es bereits sehr gute digitale Bildungsangebote gibt.

Wir wollen bestehende und neue digitale Bildungsplattformen zu einem bundesweiten und europäisch anschlussfähigen Plattform-System verknüpfen. Wir wollen, dass mit der Nationalen Bildungsplattform eine Infrastruktur entsteht, über die in größtmöglicher Breite digital gestützte Bildungsinhalte zugänglich und vernetzt werden.

 

Zentrales Ziel ist es, den Lernenden individuelle Bildungspfade zu eröffnen, die nicht auf eine Bildungseinrichtung oder einen Bildungsabschnitt begrenzt sind, sondern die gesamte Bildungskarriere unterstützen. Daher der zentrale Gedanke der nutzerzentrierten Vernetzung über eine Metaplattform. Dieses Projekt soll damit keine neue Lernplattform im engeren Sinne sein.

 

Idealerweise sollte in den nächsten Jahren damit jeder auf einfache Weise das für ihn passende Angebot finden und sicher nutzen können: Lehrende gutes digitales Unterrichtsmaterial, passende pädagogische Unterstützung und Beispiele guter Praxis, Lernende individuellen Zugang zu passfähigen Lehr-/Lernszenarien sowie breiten Zugriff auf hilfreiche digitale Werkzeuge. Auch die Volkshochschulen werden vertreten sein. Zudem soll man hier seine Bildungszertifikate – also Zeugnisse und Diplome – verschlüsselt ablegen können. Das ist ein großes Projekt für die Modernisierung der Bildung in den nächsten Jahren.“

 

Hintergrund:

 

Im Rahmen der Förderbekanntmachung werden folgende drei Ziele adressiert:

  • Entwicklung von Prototypen für eine Nationale Bildungsplattform als Teil einer verteilten digitalen Serviceinfrastruktur, die gemeinsamen Regeln und Standards folgen (Ziel 3). Um den Zugang und die Integration der Lehr- und Lernangebote zu ermöglichen, sollen zunächst Basis-Architekturen konzipiert werden, welche die Anforderungen an Interoperabilität, Sicherheit und Transparenz gewährleisten. Auf dieser Grundlage soll die über technische Machbarkeitsnachweise die prinzipielle Durchführbarkeit der benötigten Kernfunktionalitäten belegt werden, präferiert in Form von Prototypen oder Minimal Viable Products.
  • Um diese Basis-Architekturen im Rahmen eines agilen Vorgehens frühzeitig und praxisnah zu erproben und zu validieren, sollen digital gestützte Bildungsangebote, die nutzerzentriert auf die Vernetzungsfunktionen der Nationalen Bildungsplattform zurückgreifen, entwickelt oder für diesen Zweck angepasst werden. Dies können bestehende und/oder neue, institutionen- und methodenübergreifende Curricula sowie lernpfadorientierte Lehr- und Lernangebote sein, welche unter Nutzung klar definierter Prozesse und Standards mit den spezifischen Anforderungen der Nationalen Bildungsplattform kompatibel sind (Ziel 1).
  • Es sollen über die Nationale Bildungsplattform Angebote für Lehrende (weiter-)entwickelt und vor allem über diese digitale Infrastruktur vernetzt zugänglich gemacht werden. Durch digitale Lehr- und Lernszenarien soll Methodenwissen sowie Digitalkompetenz auf Seiten von Lehrenden in allen Bildungsbereichen geschaffen werden (Ziel 2).

Die Prototypen sollen bis zum Jahresende technologische Konzepte definieren, die in der zweiten Jahreshälfte 2023 die Freischaltung einer ersten Beta-Version der Bildungsplattform ermöglichen.

 

Ein besonderes Augenmerk wird auf Datensouveränität und damit auf Datenschutz gelegt. Lernende und Lehrende sollen ihre Daten selbstbestimmt verwalten und über ihre Nutzung entscheiden können. Daten und Leistungsnachweise müssen digital sicher hinterlegt werden, um in wechselnden Lern- und Lehrkontexten darauf zugreifen zu können.

 

Über die Projekte, die im Rahmen dieser Bekanntmachung gefördert werden, sollen die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden und ihre individuellen Lernpfade durch digitale Bildungsangebote ins Zentrum gerückt werden. Über alle Altersstufen und Bildungsbereiche soll es möglich werden, sich ungehindert durch digital gestützte Lehr-/Lernszenarien zu bewegen. Dies schließt auch analoge Angebote ein, die digitale Komponenten integrieren.

 

Die Nationale Bildungsplattform soll dazu individualisiert Information, Orientierung, Zugang und Teilhabe ermöglichen und erworbene Kompetenzen dokumentieren. Die Vision des digitalen Bildungsraums zielt somit darauf ab, bestehende und neue digitale Bildungsplattformen und Angebote zu einem auch im OZG-Kontext bundesweit und europäisch anschlussfähigen, nutzerzentrierten Ökosystem mit gemeinsamen Standards und offenen Schnittstellen zu verknüpfen: Für ein individuell passfähiges, flexibles und anschlussfähiges Lernen in der digitalen Welt.

 

Die Richtlinie wurde am 26.04.2021 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Bis zum 25.05.2021 können Förderanträge für die Prototyp-Entwicklung der Bildungsplattform (Ziel 3) eingereicht werden. Für Lehr- und Lernangebote und –szenarien (Ziel 1 bzw. 2) ist die Antragseinreichung bis zum 08.06.2021 möglich. Antragsberechtigt sind staatliche und nicht staatliche Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände, Vereine und sonstige Organisationen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.

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Zur Nationalen Bildungsplattform hat der Bundesverband der Fernstudienanbieter nun Stellung bezogen. Nachfolgend die Stellungnahme im kompletten Wortlaut.

 

Die Bildung der Zukunft ist digital!

Stellungnahme zur Nationalen Bildungsplattform

Der Bundesverband der Fernstudienanbieter begrüßt die Bemühungen der Bundesregierung, lebenslanges Lernen fest in Bildungs- und Berufskarrieren zu verankern und unterstützt die Pläne um die Nationale Bildungsplattform. Die Nachfrage vor allem nach digitalen Qualifizierungsangeboten wächst kontinuierlich. Daher verweist der Verband auf die dringende Notwendigkeit, zügig einheitliche Qualitätsstandards für digitale Bildung zu definieren.

Der Deutsche Bildungsmarkt erlebt derzeit massive Umbrüche. Die Attraktivität und Akzeptanz digitaler Bildungsangebote steigt enorm. Das belegen die Zuwächse bei Anbietern, Kursangeboten und Teilnehmenden. Dabei wird das Potenzial von DistancE-Learning und digitaler Bildung hierzulande noch nicht annähernd ausgeschöpft. Gerade die Corona-Krise hat große Mängel und Versäumnisse vor allem im schulischen Bereich jüngst offengelegt.

„Das Homeschooling, wie es vielerorts in den vergangenen Monaten betrieben wurde, hat vollkommen zurecht schlechte Noten bekommen. Denn das, was Kindern und Eltern geboten wurde, hatte mit digitaler Bildung, wie wir sie verstehen, reichlich wenig zu tun“, informiert Verbandspräsident Mirco Fretter. „Erfolgreicher Fernunterricht ist eben weit mehr als die Übertragung eines Arbeitsblattes via E-Mail oder WhatsApp an den Schüler“, schmunzelt er. Der funktionierende Einsatz der richtigen Hard- und Software sei sicherlich wichtig, mache aber allein noch lange keinen guten Fernunterricht oder gar digitale Bildung aus. Es bedarf durchdachter und speziell auf die Zielgruppe entwickelter Lehr- und Lernpfade. „Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn wir heute von digitaler Bildung sprechen und ihren Einsatz fördern wollen, benötigen wir auch verlässliche Qualitätsstandards, die dem Lernenden garantieren, dass Lernerfolge auch erreicht werden können“, stellt er klar. Genau das ist auch die Forderung, die der Bundesverband den Initiatoren der Nationalen Bildungsplattform mit auf den Weg gibt.

Bereits 2020 wurde die Schaffung einer Nationalen Bildungsplattform als Bestandteil der digitalen Bildungsoffensive der Bundesregierung angekündigt. Die Förderung der Entwicklung von vier Prototyp-Plattformen wird aktuell vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschrieben. Eine erste Beta-Version soll in der zweiten Jahreshälfte 2023 veröffentlicht werden. Insgesamt sollen laut BMBF bis 2025 für die Entwicklung der Plattform und des digitalen Bildungsraums bis zu 630 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. In seiner Stellungnahme zum Vorhaben appelliert der Bundesverband der Fernstudienanbieter an die Projektpartner, dringend die Qualitätssicherung von Bildungsangeboten mit in den Fokus des Vorhabens zu rücken.

Die Schaffung einer Nationalen Bildungsplattform ist ein großes und ambitioniertes Vorhaben. Bestehende und neue digitale Bildungsplattformen sollen zu einem bundesweiten und europäisch anschlussfähigen Plattform-System verknüpft werden. Dieses soll jedem Nutzer einen zentralen Zugang zu Bildungsangeboten ermöglichen.

„Natürlich begrüßen und unterstützen wir die Idee einer gemeinsamen Bildungsplattform“, so Mirco Fretter. „Doch parallel zur technischen Realisierbarkeit des Vorhabens sollten wir dringend auch jetzt schon darauf achten, welche Qualitätsversprechen wir Lernenden - egal welcher Altersstufe - mit auf den Weg geben wollen und können.“ Deshalb fordert der Verband einen ordnungspolitischen Rahmen für digitale Bildung, der für alle Anbieter digitaler Qualifizierungsangebote bindend sein muss. Konkret geht es hierbei um eine fachkundige Qualitätssicherung von Lerninhalten anhand von vorgegebenen Kriterien. „Um Mindeststandards für digitale, asynchrone Bildungsangebote zu definieren, muss das Rad dabei keineswegs neu erfunden werden“, gibt Fretter gleichwohl zu bedenken. Denn Fernunterrichtsanbieter in Deutschland entwickeln bereits seit Jahrzehnten Bildungsangebote, die höchsten Qualitätsanforderungen folgen. Das Fernunterrichtsschutzgesetz (kurz: FernUSG) bietet ihnen einen klar definierten ordnungspolitischen Rahmen und gewährleistet Lernenden zuverlässigen Verbraucherschutz. So müssen Fernstudienangebote, die der beruflichen Weiterbildung dienen, staatlich zugelassen sein. Über die Zulassung entscheidet die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU). Die Behörde prüft vor jeder Zulassung, ob versprochene Lehrgangsziele mit den zur Verfügung gestellten Materialien und Aufgaben erreicht werden können. Ein wesentliches Qualitätskriterium von Fernunterricht ist zudem die Lernerfolgskontrolle. Diese kann in Form von Prüfungen oder speziellen Aufgabenstellungen erfolgen und kennzeichnet die Nachhaltigkeit der Methode. „Eine Lernerfolgskontrolle ist die einzige Möglichkeit zu prüfen, ob Wissen über eine Qualifizierungsmaßnahme auch tatsächlich vermittelt werden konnte und schließlich zu einer Transferleistung führt“, ergänzt der Verbandspräsident:

Gern bietet sich der Bundesverband der Fernstudienanbieter den Initiatoren und Partnern der Nationalen Bildungsplattform als Ansprechpartner für die dringend notwendige Definition von Qualitätsstandards digitaler Bildungsangebote an. „Ist in diesem Punkt ein Konsens gefunden, sind wir der festen Überzeugung, dass die Nationale Bildungsplattform DIE Chance sein kann, einen einheitlichen ordnungspolitischen Rahmen für digitale Bildung zu schaffen, der sowohl staatlichen als auch privaten Anbietern einen gleichberechtigten Wettbewerb ermöglicht und gleichsam Lernenden höchste Bildungsqualität gewährt!“

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