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Lernstile und Lerntypen - wie lernt man erfolgreich?


DerLenny
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vor 8 Stunden hat moskaliuk geschrieben:

Ich arbeite eher mit dem Modell der Lernstile von Kolb.

 

Soweit ich das bisher mitbekommen hat, hat das Modell von Kolb in etwa das gleiche Problem: es konnten keine Belege für seine Gültigkeit oder Nützlichkeit in empirischen Studien gefunden werden (Metallidou/ Platsidou 2008).
Nicht das andere Modelle wie das von Honey und Mumford  hier arg viel besser wegkommen würden (siehe Duff 2008 und 2004).

 

Die Idee der Lernstile und Lerntypen scheint das grundlegende Problem zu haben, dass viele Personen einen Stil haben, "der ihnen liegt" und diesen Nutzen - er ist also eher eine Heuristik des Lernenden. Dann wurde diese Heuristiken systematistiert - die relevante Frage ist jedoch nicht "wie lernen Menschen gerne" sondern "wie lernt man erfolgreich."

 

Es ist belegt, dass "bessere" Lernstrategien oft von Lernenden schlechter bewertet werden, als weniger gute (Bolinger 2014, Karpicke 2009, Karpicke et.al. 2009). Hier sollte also weniger nach dem Verhalten der Lernenden als nach den tatsächlichen Daten entschieden werden.

 

Referenzen

  • Bolinger, A. R., & Stanton, J. V. (2014). The gap between perceived and actual learning from group reflection. Small Group Research, 45(5), 539-567.
  • Duff, A. (2001). A note on the reliability and validity of the learning styles questionnaire (LSQ). Accounting Education: An International Journal, 10(5), 185–197.
  • Duff, A. (2004). A note on the problem solving style questionnaire: An alternative to Kolb's learning style inventory? Educational Psychology, 24(5), 699–709.
  • Karpicke, J. D. (2009). Metacognitive control and strategy selection: Deciding to practice retrieval during learning. Journal of Experimental Psychology: General, 138(4), 469.
  • Karpicke, J. D., Butler, A. C., & Roediger III, H. L. (2009). Metacognitive strategies in student learning: do students practise retrieval when they study on their own?. Memory, 17(4), 471-479.
  • Metallidou, P., & Platsidou, M. (2008). Kolb's Learning Style Inventory-1985: Validity issues and relations with metacognitive knowledge about problem-solving strategies. Learning and Individual Differences, 18(1), 114-119.
Bearbeitet von DerLenny
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vor 8 Stunden hat DerLenny geschrieben:

die relevante Frage ist jedoch nicht "wie lernen Menschen gerne" sondern "wie lernt man erfolgreich."

 

Sind nicht beide Fragen relevant? Natürlich möchte ich keinen Lernstil nutzen, der am Ende keinerlei "Lernwert" bringt, aber ich möchte mich auch nicht "erfolgreich" drei oder mehr Jahre lang mit einem Lernstil rumquälen, mit dem ich nicht gerne arbeite.

Ist es überhaupt möglich, sich über Jahre zu motivieren, wenn sich der Lernstil nur an der Effektivität, nicht aber auch an persönlichen Vorlieben orientiert? Ich würde die Hypthese aufstellen, dass gerade bei Langzeitprojekten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beidem die Wahrscheinlichkeit erhöht, das (Studien)-Ziel auch wirklich zu erreichen.

 

Bearbeitet von Alanna
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Vielleicht wäre es sinnvoll, im ersten Schritt zu klären, was denn bedeutet, etwas "erfolgreich gelernt" zu haben. Wenn man die Klausur gut besteht? Wenn die Hausarbeit oder die Thesis die Zahl x an Zitaten aus Grundlagenliteratur enthält? Wenn man in der Lage ist, komplexe Fragen zu bearbeiten, die eine Transferleistung erfordern? Wenn man im Arbeitsalltag nach dem Studium erfolgreich Studieninhalte anwendet und seine Kenntnisse theoretisch und praktisch übers gesamte Berufsleben weiter entwickelt, weil man im Studium gelernt hat, wie man so etwas macht?

 

Ich denke, für jeden dieser Schritte ist eine andere Form des Lernens angemessen und erfolgreich. Die Hypothese von Alanna zum Verhältnis von Spaß und Effektivität passt da ganz gut dazu!

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Geschrieben (bearbeitet)
vor 2 Stunden hat Alanna geschrieben:

Sind nicht beide Fragen relevant?

 

Nehmen wir mal die beiden Extreme, wobei mir klar ist, dass keine der Varianten so realistisch ist.

Jemand lernt durch primär durch LEsen der Information. Es stellt sich schnell eine Bekanntheit ein. Durch den Mere-Exposure-Effekt wird das Lernen dadurch angenehm empfunden.

Die Reproduktion liegt aber deutlich hinter der Erkennung, die Chancen stehen hoch dass das Ergebnis der Prüfungsleistung sich nicht mit der Selbsteinschätzung des Wissens deckt.

Durch die systemische Unterstützung wird das Prinzip "mehr des Gleichen" genutzt - der Aufwand für die Vorbereitung steigt, die Gesamtsituation wird schlechter bewertet werden.

 

Gegenbeisiel, es wird auf ein System gesetzt, welches sich auf die Lerntheorie stützt. Der Studierende wird das Gefühl haben, einzelne Themen nicht lang genug bearbeitet zu haben, durch die Abfrage wird klarer werden wo die Lücken sind. Das Ergebnis ist eine deutlich geringere Einschätzung des Wissens als in der erst genannten Situation. Bei gleichem Lernaufwand ist allerdings die Reproduktionsleistung höher.

Wenn nun ein Vertrauen in das System geschaffen wird ("Trust the process") kann hier dem initialen Missfallen entgegen gewirkt werden. 

Ich würde auch gerne mal prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Imposter Syndrom erfolgreicher Personen und der Lernmethode gibt. Wer immer ausserhalb der Komfortzone lernt/arbeitet wird eine geringere Selbsteinschätzung haben - einfach weil dies dem täglichen Erlebnis in der Aufgabe entspricht.

 

vor 35 Minuten hat KanzlerCoaching geschrieben:

Vielleicht wäre es sinnvoll, im ersten Schritt zu klären, was denn bedeutet, etwas "erfolgreich gelernt" zu haben.

 

Absolut wichtiger Punkt. Hier auch die Frage: Warum lernt man?

Ist ein tiefes Verständnis einzelner Punkte in vielen Forschungsbereichen absolut notwendig, so gibt es wenig Personaler die "fehlerfreies Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis" als Muss-Kriterium auf der Liste haben. Hier dürften eher Punkte wie kreatives Problemlösen genannt werden - was aber in den wenigsten Bildungseinrichtungen eine große Rolle spielt.

 

Dazu kommt, das heute eine konnektivistische Herangehensweise Vorteile hat, die aber durch Klausuren schwer geprüft werden kann.

 

Auch ist das Feld relevant - die Art der Wissenbereitstellung ist bei einem Chirurgen sicherlich eine andere wie bei einem Architekten, wobei beide eine ähnliche Verantwortung für Menschenleben haben.

 

Ich wollte hier allerdings weniger eine Grundlagendiskussion über das Bildungssystem führen, als darauf hinweisen, dass der Nutzen von Lernstilen nicht empirisch belegt werden konnte, und das Hochhalten dieser Ideen dafür sorgt, dass viele Personen ein schlechtes Aufwand:Nutzen Verhältnis im Studium haben.

 

vor 35 Minuten hat KanzlerCoaching geschrieben:

Kenntnisse theoretisch und praktisch übers gesamte Berufsleben weiter entwickelt, weil man im Studium gelernt hat, wie man so etwas macht?

Ein Fokus auf Meta-Kognitive Strategien im Studium erscheint mir sinnvoll. Ich habe mich auch einige Male gefragt, warum "Lernen lernen" kein Pflichtkurs oder zumindest ein Zusatzangebot an Hochschulen ist. Der Bedarf ist da, und der Nutzen wäre immens.

Bearbeitet von DerLenny
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Spannende Diskussion. Vielleicht kurz aus Anbietersicht: erfahrungsgemäß ist der überwiegende Teil der Studierenden (zumindest in Fernstudiengängen) mit "einfachen" Lernformaten deutlich zufriedener (lt. Evaluationen) als mit elaborierten Lehrmethoden, die zwar höhere Kompetenzlevel erreichen aber deutlich zeitaufwendiger für die Teilnehmer:innen sind.

 

Man kann also als Hochschule noch so tolle didaktische Modelle etablieren, meist toppen relative einfache (und stupide) Formate und Tools die anspruchsvolleren Ansätze... zumindest bei der Kundenzufriedenheit (und damit, mittelbar, auch bei der Studierendengewinnung).

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vor 51 Minuten hat phoellermann geschrieben:

Man kann also als Hochschule noch so tolle didaktische Modelle etablieren, meist toppen relative einfache (und stupide) Formate und Tools die anspruchsvolleren Ansätze... zumindest bei der Kundenzufriedenheit (und damit, mittelbar, auch bei der Studierendengewinnung).

 

Das hängt doch direkt damit zusammen, welche Prüfungsformen angeboten werden. Wenn das Formen sind, die das Auswendiglernen voraussetzen, dann werden solche Anbieter sicher bevorzugt. Wenn man Prüfungen macht, die den Transfer zur zentralen Form machen, dann kommt man ja mit den "stupiden" Formaten nicht so wahnsinnig weit.

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Ich sehe hier auf Seiten des Anbieters erstmal recht wenig Aufwand... mir würde es ja schon reichen wenn keine Mythen verbreitet werden würden und ggf. Informationen zum aktuellen Stand der Lerntheorie in der einen oder anderen Form vermittelt werden würde.

 

Aktuell ist Auswendig lernen, oder generell Lernen definitiv einer der Hauptpunkte im Studium - hier zumindest eine grobe (evidenzbasierte) Übersicht zu geben kann schon sehr viel helfen.

Und sei es nur, dass dadurch ein Bewusstsein für das Thema geschaffen wird.

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vor 1 Stunde hat phoellermann geschrieben:

... und wenn man die Prüfungen "zu schwer" macht und zu viel Transfer fordert, fallen zu viele Studierende durch und gehen woanders hin. So ist das halt: ein klassischer Zielkonflikt.

Das ist einer der Gründe, warum ich die Kommerzialisierung im Bildungswesen - hier bei den privaten Hochschulen - für keine gute Lösung halte.

 

Denn damit sagen Sie ja indirekt, dass der Anbieter die meisten Studenten hat, bei dem der akademische Abschluss am leichtesten (weil am anspruchslosesten) zu bekommen ist.

Bearbeitet von KanzlerCoaching
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