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Remote Learning und Covid-19: Treiber akademischen Fehlverhaltens?


polli_on_the_go
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Ich bin vorhin über einen Artikel/Kommentar  auf metro.co.uk gestoßen mit dem Titel

 

"Why more university students are cheating amid the Covid-19 pandemic"

 

Er bezieht sich zwar auf Institutionen im UK, aber einige Aspekte fand ich dennoch interessant.

 

So z.B., dass im Vergleich zu 2018 ein Anstieg um 40 Prozent bei akademischem Fehlverhalten bei den Russelgroup Universities verzeichnet wurde.

 

Zwei Thesen sind, laut Artikel

Zitat

But the remote learning associated with the past year has worsened the issue

....

He says that amid the pandemic, cheating has become ‘normalised’.

 

Nun ist das hier zwar ein Forum chronischer "Remote Learners", aber ich fände tatsächlich interessant, ob der Ort der Prüfung wirklich so viel Einfluss auf akademisches Fehlverhalten hat. Naja und dann wäre sicherlich auch interessant, welche Rolle dabei die Prüfungsform spielt.

 

Nicht unerheblich finde ich tatsächlich aber auch die Annahme der Normalisierung und da frage ich mich, ob da nicht auch das Bild vom "schummelnden Akademiker" (gehäufte Identifizierung von Plagiaten in Arbeiten von Personen mit wichtigen Funktionen und nicht unbedingt oft mit wirklichen Konsequenzen), aber auch die Tatsache, dass man scheinbar zunächts nur ein "DuDuDu" bekommt, den "Es ist doch nicht so schlimm, haben alle schon mal gemacht" verstärken.

 

Dazu passt vielleicht auch diese Annahme aus dem Artikel:

Zitat

However, he also thinks that universities need to look at their entire systems to deal with accused cheaters. The problem is partly a technology one, but he also says that processes for suspected cheaters are ‘amateurish’.

‘This means that innocent students are found guilty and that cheats go unpunished,’

 

Wie erlebt ihr das? Und da einige ja auch Präsenz und Fernstudium kennen, macht die Umgebung akademisches Fehlverhalten leichter oder annehmbarer ?

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Ich kenne sowohl Präsenz als auch die Onlinevariante. Für mich macht es nur insofern einen Unterschied, als dass ich Zuhause (mit meinen Hunden unter dem Schreibtisch) wesentlich entspannter bin. Betrogen habe ich im Studium (bisher?) gar nicht. Möglich gewesen wäre es, aber letztendlich betrügt man damit ja nur sich selbst - und die Konsequenten sind ggf. drastischer als in der Schule. (Da hatte ich zu jeder Prüfung meinen obligatorischen Spickzettel dabei - und ihn auch oft genug genutzt ;) .)

 

Vielleicht ist das auch eine Frage des Alters und/oder der Kosten des Studiums? Mit Anfang 20 erscheint einem Vieles viel dramatischer, als es eigentlich ist und wenn man dann unter Druck das erste Mal "unbeobachtet" ist... 

 

Ich bin durch mein Onlinestudium in Schweden in der komfortablen Situation, dass es zwar Zeit, aber kein Geld kostet. Vergeige ich eine Prüfung, ist das ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Wäre ich aber an einer Britischen Uni eingeschrieben und müsste mehrere tausend Euro Semestergebühr berappen, sähe die Sache wahrscheinlich schon ganz anders aus - mit oder ohne Covid. 

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vor 28 Minuten schrieb TheProcrastinator:

Ich bin durch mein Onlinestudium in Schweden in der komfortablen Situation, dass es zwar Zeit, aber kein Geld kostet. Vergeige ich eine Prüfung, ist das ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Wäre ich aber an einer Britischen Uni eingeschrieben und müsste mehrere tausend Euro Semestergebühr berappen, sähe die Sache wahrscheinlich schon ganz anders aus - mit oder ohne Covid. 

Ja, mein Gedankengang. Was ich bisher für meine Bücher für meinen Schwedischen Master gezahlt habe, entspricht nicht mal einer Monatsrate in einem deutschen Fernstudium. 

 

Interessant finde ich, dass Briten ihre Studienkredite und Studiengebühren teilweise gar nicht so berühren. Denn wenn sie unter einem bestimmten Einkommen bleiben, zahlen sie seltenst mehr als einen Teil der Zinsen zurück. 

 

Das mit dem Alter ist ein interessante These, oder ist es vielleicht eher die Reife.

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  • Community Manager

Vieles bleibt da vermutlich auch Spekulation. Der Anstieg des Fehlverhaltens bezieht sich ja vermutlich auf das aufgefallene Fehlverhalten. Möglicherweise fällt es bei Distanzprüfungen eher auf, wenn geschummelt wurde, als bei Präsenzprüfungen? 

 

Natürlich auch denkbar, dass sich Studierende zu Hause unbeobachteter fühlen und eher dazu neigen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele sich zumindest mit Proctorüberwachung zu Hause mehr beobachtet fühlen, als in einem Präsenzklausurraum. 

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vor 53 Minuten schrieb Markus Jung:

Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele sich zumindest mit Proctorüberwachung zu Hause mehr beobachtet fühlen, als in einem Präsenzklausurraum. 

Geht mir definitiv so. Vor allem, weil man den Proctor, im Gegensatz zu einem "Präsenzüberwacher", ja nicht sieht - ich käme nie im Leben auf den Gedanken, bei einer Online-Klausur zu betrügen. Ich wüsste auch gar nicht wie, vor laufender Kamera und wo inzwischen sogar ab und an auf verstecke Mini-Kopfhörer kontrolliert wird. 
Und ehrlich gesagt will ich mir meine Leistungen auch lieber ehrlich erarbeiten, auch wenn ich manchmal so frustriert bin, dass ich am liebsten hinschmeißen würde. Auf eine erschlichene Note könnte ich nicht stolz sein. (Was nicht heißt, dass ich nicht während der Schulzeit auch schon mal besch... hätte - aber da hatte ich irgendwie nicht diese direkte Auswirkung auf meinen späteren Job vor Augen, für den das, was ich jetzt lerne, ja sitzen muss.)

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vor einer Stunde schrieb Markus Jung:

habe ich den Eindruck, dass viele sich zumindest mit Proctorüberwachung zu Hause mehr beobachtet fühlen, als in einem Präsenzklausurraum

Das kann ich mir auch vorstellen. Zugleich denke ich, dass eigentlich auch Formate wie Open Book Modelle, wo man es theoretisch gar nicht mehr nötig hat seinen Spicker zu nutzen akademisches Fehlverhalten weniger "notwendig" machen. Die im Artikel auch genannte Zusammenarbeit von mehreren Personen über z.B. WhatsApp Gruppen verhindert das natürlich nicht.

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Eine befreundete Professorin an einer Präsenzhochschule meinte übrigens, es sei ganz offensichtlich so viel wie noch nie gepfuscht worden bei Prüfungen. Studenten, die sie aus Seminaren kennen würde und die dort kaum einen geraden Satz in der gelehrten Fremdsprache herausgebracht hätte, hätten in Prüfungen auf einmal eine 1 geschrieben. In so kurzer Zeit könne man die Lücken nicht aufgeholt haben.

 

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Mir fallen auf Anhieb einige Ansätze  ein, mit denen sich vermutlich auch bei einer Proctor-überwachten Online-Klausur betrügen ließe, ohne dass das hinterher nachweisbar wäre.

 

Gleichzeitig erinnere ich mich an meine letzte Klausur in Präsenz vor einigen Jahren, bei der ich mich phasenweise kaum konzentrieren konnte, weil ständig um mich herum die Spickzettel raschelten ;-).

 

Wo ein Wille und je nach Weltanschauung genügend kriminelle Energie, da ein Weg. Wie immer im Leben.

 

Ich denke aber nicht, dass gerade Online-Prüfungen, jedenfalls nicht überwachte, das Cheaten befördern. Für 99,9% der Leute macht es das Format schwerer. Und das Verhältnis von Aufsicht zu Prüflingen ist wesentlich besser als es in Präsenz je sein könnte. Dazu kommt, dass sich aufgezeichnete Klausuren im Nachgang stichprobenartig überprüfen lassen. In Präsenz ist das unmöglich.

 

Was ich mir aber vorstellen kann, ist vermehrtes Teamwork und Kreativität bei Open Book-Klausuren, die wahrscheinlich für Präsenzhochschulen auch regelmäßig die Alternative in den letzten 1,5 Jahren waren.

 

Aber auch da muss ich an einen Freund denken, der vor 30 Jahren schon die Diplomarbeit für einen Kumpel schrieb, der heute erfolgreicher Steuerberater ist. ¯\_(ツ)_/¯ 

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