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Psychotherapie-Studium im Kontrast zum Heilpraktiker Psychotherapie


Conny@SH

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Ich wollte mal jahrelang Heilpraktiker werden. Aus vielen Gr√ľnden hat das nie geklappt.¬†ūüėē

 

Was mich als Schweizerin sicher auch unbewusst blockierte, war der Umstand, dass Heilpraktiker in Deutschland kein echter Beruf ist, sondern ein geduldetes Rechts-Gebilde neben den √Ąrzten und Psychotherapeuten mit Approbation. Heilpraktiker legen keine Berufspr√ľfung ab, sondern gehen beim Gesundheitsamt zu einer √úberpr√ľfung. Wer sich mit dem Thema befasst, weiss um die enormen Durchfallsquoten bei HP-√úberpr√ľfungen und den Umstand, dass diese Pr√ľfung nicht gew√§hrt, dass jemand am Ende auch eine standardisierte Mindestqualifikation hat (was man ja eigentlich erwarten m√ľsste). Ganz verheerend finde ich, dass es eine Schulmedizinische √úberpr√ľfung ist und Naturfachliches Wissen weder gepr√ľft wird, noch eine entsprechende Fachausbildung am √úberpr√ľfungstag nachgewiesen werden muss. Nur bei den Psychotherapie-Heilpraktiker verlangen einzelne Gesundheits√§mter einen solchen Nachweis.

 

Da es bisher kein staatlich geregelte Ausbildung gibt, kann der Gesetzgeber Heilpraktiker nach Gutd√ľnken in der Aus√ľbung der Berufsfreiheit einschr√§nken, was auch geschieht. Ob das richtig ist oder nicht, soll hier nicht Thema sein, sondern nur als Hinweis, dass es einem HP passieren kann, dass er Methoden pl√∂tzlich nicht mehr praktizieren darf.¬†

 

Nat√ľrlich haben die hohen Durchfallquoten weniger mit Willk√ľr der Pr√ľfer zu tun haben, sondern mit Massen an Anw√§rter, die sich mit Kursen oder selbstorganisiert auf die √úberpr√ľfung vorbereiten und eben doch nicht genug wissen. Das Wissen, das ein Anw√§rter zur √úberpr√ľfung mitbringen muss, ist durchaus nicht zu untersch√§tzen. Mittlerweile kommt das Niveau vermutlich dem 1. √Ąrztlichen Staatsexamen schon ganz nah. Das √§ndert aber alles nichts daran, dass Heilpraktiker wenig Berufsschutz haben.

 

Ganz anders ist in der Schweiz. Da gibt es f√ľr Heilpraktiker geregelte Berufsausbildungen und eine ordentliche berufsrechtlich geregelte Berufspr√ľfung, wie bei allen anderen Berufen auch. Hat man die Berufsabschlusspr√ľfung bestanden, kann einem diese auch nicht wieder weggenommen werden. Und nein: eine R√ľckkehr in die Schweiz kommt f√ľr mich nicht in Frage. Und irgendwie bin ich auch nach √ľber 20 Jahren Deutschland √ľber die Deutsche L√∂sung einfach nicht wirklich gl√ľcklich und st√∂rt mich.

 

Nun gibt es in Deutschland auch noch den Konstrukt der in Fachgebiete beschränkten Heilpraktiker - z.B. Psychotherapie. Das vorgenannte gilt auch hier.

 

Da ich durch pers√∂nliche Umst√§nde die letzten 4 Jahre intensiv mit Psychologie und Psychotherapie in Kontakt kam, habe ich an mir selbst F√§higkeiten erkannt, die brach liegen. Der Psychotherapieweg √ľber die alte Studienordnung war f√ľr mich nicht mehr umsetzbar.¬†

 

Da ich kein Abitur habe und 54 j√§hrig bin, sehe ich den Weg klassisch bis zu einer Kassenpraxis nicht mehr f√ľr mich. Zumal die Richtlinienverfahren eh nicht meine Wahl w√§ren.

 

Nun kam ja hier vorige Tage die Meldung zum ersten Psychotherapie-Fernstudium der IU Health. Puh, da wurde ich kurz kribbelig.

Weiss jemand hier, ob es möglich ist, mit dem Psychotherapie-Studium nach der neuen Ordnung (mal unabhängig ob Fernstudium oder Präsenzstudium) genauso wie ein Arzt nach dem Studium eine Privatpraxis zu eröffnen. Also auf eine Richtlinienverfahren-Ausbildung zu verzichten und sich in einer oder mehreren der x anderen Psychotherapieverfahren auszubilden und eine Selbstzahlerpraxis hochzuziehen ?

 

Ein Arzt kann das ja auch. Der muss ja auch keinen Facharzt ranhängen und kann eine Privatpraxis mit dem erfolgreich absolvierten Medizin-Studium eröffnen.

 

Bleibt dann noch die Frage nach der Zukunft der Heilpraktiker beschr√§nkt auf das Gebiet der Psychotherapie ? Welchen Grund gibt es noch f√ľr den Gesetzgeber diese Heilpraktiker Psych aufrechtzuerhalten, wenn das neue Psychotherapiestudium die Erlaubnis zum Heilen durch die Approbation beinhaltet ?

 

Das w√§re ja wieder Wasser auf die M√ľhlen derer, die die HPs gerne abgeschafft sehen.¬†

 

Mich w√ľrde durchaus noch Biodynamische, bioenergetische Psychotherapie, Traumatherapie und psychokinesiologische Arbeit reizen. Aber fundierter ausgebildet als √ľber den Heilpraktiker-Weg. Ein Schweizer hat doch einfach einen Hang zu Qualit√§t¬†ūüėČ

 

Und in der heutigen Zeit denke ich auch gerne international. Wer weiss, wo mich das Leben noch hintragen k√∂nnte. Mit einem Deutschen Heilpraktiker-Schein w√ľrde ich nicht mal in der Schweiz ernst genommen und d√ľrfte damit auch nicht praktizieren. Da hiesse es auch: Ausbildung nach Schweizer Standards, mit Pr√ľfung und Zulassungsverfahren.¬† - N√∂, kein Bock. Danke...

 

In anderen L√§ndern kennt man den Heilpraktiker-Konstrukt gar nicht und ein Medizinstudium w√§re unabdingbar, um international heilend t√§tig sein zu d√ľrfen.¬†

 

Wie sieht es den mit den Psychotherapeuten international aus (zumindest Europa )?

 

Ich freue mich √ľber alle Hinweise zu meiner Hauptfrage und Nebenbemerkungen, damit ich hoffentlich etwas schneller einen √úberblick bekomme und nicht wochenlang ausufernd recherchieren muss und hoffen, dass der Algorithmus mir nach Tagen neue Suchwege ebnet.

Bearbeitet von Markus Jung
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vor 3 Stunden schrieb Conny@SH:

Weiss jemand hier, ob es möglich ist, mit dem Psychotherapie-Studium nach der neuen Ordnung (mal unabhängig ob Fernstudium oder Präsenzstudium) genauso wie ein Arzt nach dem Studium eine Privatpraxis zu eröffnen. Also auf eine Richtlinienverfahren-Ausbildung zu verzichten und sich in einer oder mehreren der x anderen Psychotherapieverfahren auszubilden und eine Selbstzahlerpraxis hochzuziehen ?

 

An sich kann man eine Selbstzahlerpraxis hochziehen, ja. Daf√ľr ben√∂tigst du nicht unbedingt ein Psychotherapiestudium. Je mehr Qualifikationen du vorweist, einen umso kompetenteren Eindruck kannst du nat√ľrlich vermitteln. Und da es hier um eine Selbstzahlerpraxis geht, meine ich, sind Qualifikationen und Kompetenzen ebenso wichtig, wie in jeder anderen Praxis auch. Ich muss gestehen, dass ich lieber zu einem Therapeuten in eine Selbstzahlerpraxis gehen w√ľrde, der beispielsweise Psychologie studiert hat, ausgebildeter systemischer Therapeut ist und √ľber Berufspraxis verf√ľgt als in eine Praxis mit einem Heilpraktiker als Therapeut, der irgendwelche "nebul√∂sen" Therapieausbildungen besucht hat (Mal ganz davon abgesehen, dass viel passieren muss, damit ich √ľberhaupt in eine Selbstzahlerpraxis gehe). Ich glaube allerdings, der Titel des HP ist wichtig, um eine psychotherapeutische Praxis zu er√∂ffnen, die sich eben so nennen darf. Trotzdem darf man sich selbst wiederum nicht Psychotherapeut nennen. Und mit dem HP kann man wohl mit einigen privaten Krankenkassen abrechnen.

 

 

vor 3 Stunden schrieb Conny@SH:

Bleibt dann noch die Frage nach der Zukunft der Heilpraktiker beschr√§nkt auf das Gebiet der Psychotherapie ? Welchen Grund gibt es noch f√ľr den Gesetzgeber diese Heilpraktiker Psych aufrechtzuerhalten, wenn das neue Psychotherapiestudium die Erlaubnis zum Heilen durch die Approbation beinhaltet ?

 

Hier habe ich folgenden Link gefunden: https://medwatch.de/2021/07/28/heilpraktiker-beruf-abschaffen-gutachten-berufsfreiheit/

Das ganze Thema ist zur Zeit ergebnisoffen.

Bearbeitet von psycCGN
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Ich habe den Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie und kann zum Thema Selbstzahlerpraxis vielleicht folgendes sagen:

Den Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe gibt es ungebrochen, vielleicht mehr denn je. Aber oft sind diejenigen, die diese Hilfe ben√∂tigen, nicht diejenigen, die sie aus eigener Tasche bezahlen k√∂nnen. Es gibt nat√ľrlich privat Versicherte, mit denen man in der Theorie abrechnen kann. Hier muss allerdings gesagt werden, dass es entscheidend auf die Versicherungsgesellschaft sowie den konkret abgeschlossenen Vertrag ankommt. Oft sind speziell psychotherapeutische Leistungen durch Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie ausgeklammert oder nur auf die Geb√ľH H√∂chsts√§tze beschr√§nkt, die aus den 80er Jahren stammten. Eine vollumf√§ngliche √úbernahme der Kosten erfolgt also kaum. Bei Beamten hat die Beihilfe die √úbernahme von psychotherapeutischen Leistungen durch Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie ausgeschlossen, indem es die entsprechenden Ziffern aus dem Geb√ľH nicht erstattet.¬†

 

Kurzum: Die Bereitschaft, selbst f√ľr eine Psychotherapie zu bezahlen, ist eher gering unter der Bev√∂lkerung bzw die finanziellen M√∂glichkeiten eingeschr√§nkt. Die Arbeit mit einem Kostentr√§ger w√§re einfacher, ist aber h√§ufig blockiert. Daher sind viele Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie meiner Erfahrung nach darauf angewiesen, ein zweites Standbein zu haben. Viele arbeiten als Trainer oder bieten Pr√§ventionskurse an. Viele f√ľhren eine Praxis nur als Nebenbesch√§ftigung und verdienen das Gros ihres Einkommens √ľber den Hauptberuf. Ich kenne eine Kollegin, die in ihrem Hauptberuf t√§tig ist, eine Praxis betreibt, in einer Heilpraktikerschule unterrichtet, Therapie- und Methodenausbildungen organisiert und dann noch Pr√ľfungsliteratur f√ľr Heilpraktiker Psychotherapie ver√∂ffentlicht plus gelegentlich Vortr√§ge h√§lt. Wenn sie sagt: "Ich bin in meiner Praxis voll ausgelastet" meint sie damit eher 3 bis 5 Klienten pro Woche. Mehr bekommt sie bei dem Programm zeitlich gar nicht unter bzw nur, wenn sie das andere pausiert.

 

Um erfolgreich mit seiner Praxis als Heilpraktiker zu sein, muss man m.M.n. etwas anbieten, was es sonst so in der Umgebung nicht gibt und bezahlbar ist. Es gibt immer wieder Heilpraktiker Psychotherapie, die es doch irgendwie schaffen, eine einigerma√üen gut laufende Praxis zu haben. Den letzten, den ich in dieser Richtung kennengelernt habe, hat Hypnose zur Gewichtsreduktion und Raucherentw√∂hnung angeboten. Das schien tats√§chlich einigerma√üen eintr√§glich zu sein. Aber die meisten Kollegen gehen irgendwann dazu √ľber, Ausbildungen in dem anzubieten, was sie erfolgreich durchf√ľhren. Sobald das eintritt, geben viele ihre Praxen auf und widmen sich vollst√§ndig der Ausbildung, weil damit in k√ľrzerer Zeit besser verdient werden kann als in einer Praxis.

 

Um nun aber zur√ľck zum eigentlichen Thema zu kommen: Auch als Psychotherapeut nach neuem PsychThG wird es √§hnlich schwierig sein, mit einer Selbstzahlerpraxis finanziell eintr√§glich zu arbeiten. Mag sein, dass es einfacher sein wird, auch andere T√§tigkeiten auszu√ľben (z.B. Gutachtert√§tigkeiten o.√§) oder freiberuflich mit Unternehmen zu kooperieren (z.B. T√úV), damit lie√üe sich ein zweites Standbein einfacher aufbauen. Die Abrechnung mit Versicherungen/ Krankenkassen bleibt m√∂glicherweise gleich schwierig. Zumindest hei√üt es bisher, dass man zur Abrechnung mit Kassen die fachpsychotherapeutische Weiterbildung erlangen muss (5 Jahre Dauer). Ob die Kassen bereit sind, auch Psychotherapeuten ohne diese Weiterbildung zu bezahlen, bleibt wohl abzuwarten und wird vermutlich auch davon abh√§ngen, wie die Versorgungslage aussehen wird. Ich habe da keine Glaskugel, um hieraus sichere Erkenntnisse abzuleiten.

 

In anderen L√§ndern herrschen tats√§chlich auch andere gesetzliche Vorgaben. Von einer d√§nischen Psychologin habe ich mal gelesen, dass man dort nach dem Psychologiestudium ohne langwierige Therapeutenzulassung direkt mit Krankenkassen abrechnen kann. Sie war √ľberrascht, als sie nach Deutschland kam und hier erstmal den Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie ablegen musste bzw mit der Wahl einer teuren PT-Ausbildung konfrontiert wurde. Wie die Regelungen genau in anderen L√§ndern aussehen, kann ich aber nicht sagen. Oftmals sind die Gesundheitssysteme sehr verschieden, sodass das Thema Selbstzahler anders gesehen wird (Franzosen scheinen jede ambulante Behandlung erstmal selbst zu bezahlen und einen Teil des Geldes von der Krankenversicherung zur√ľckzufordern, sodass man hier dem Konzept des Selbstzahlens wahrscheinlich offener gegen√ľber steht).

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Endlich komme ich noch dazu, zu euren Beitr√§gen was zu sagen. Vielen Dank √ľbrigens f√ľr die ausf√ľhrlichen Antworten.

 

vor 18 Stunden schrieb psycCGN:

An sich kann man eine Selbstzahlerpraxis hochziehen, ja. Daf√ľr ben√∂tigst du nicht unbedingt ein Psychotherapiestudium. Je mehr Qualifikationen du vorweist, einen umso kompetenteren Eindruck kannst du nat√ľrlich vermitteln. Und da es hier um eine Selbstzahlerpraxis geht, meine ich, sind Qualifikationen und Kompetenzen ebenso wichtig, wie in jeder anderen Praxis auch.¬†

Da gebe ich dir absolut recht. Und da denke ich dann auch an Threads hier um Forum rund um die Coaching/Beratungs-Thematik, in denen Frau @KanzlerCoaching¬†immer wieder sinngem√§ss darauf hinweist, dass noch so viel Qualifikation und Geldinvestition am falschen Punkt, mangelnde Beratungskompetenz (auch Lebens-/Berufserfahrung) nicht ausgleichen kann. Und den Wert letzterer ist nat√ľrlich nicht zu untersch√§tzen. Ich finde √§hnliches gilt in diesem Fachzusammenhang auch f√ľr alle Therapeuten, wobei es da auch noch praktisch-technisches Werkzeug resp. manuelle Handlungskompetenz sein kann.

 

vor 18 Stunden schrieb psycCGN:

Ich glaube allerdings, der Titel des HP ist wichtig, um eine psychotherapeutische Praxis zu eröffnen, die sich eben so nennen darf. Trotzdem darf man sich selbst wiederum nicht Psychotherapeut nennen.

Korrekt. Es geht allerdings auch um den Anspruch zu Heilen. Wer "Heilen" will, muss Arzt, Voll- oder ein Sektoraler Heilpraktiker sein oder dann in Zukunft also "studierter" Psychotherapeut.

 

vor 18 Stunden schrieb psycCGN:

Und mit dem HP kann man wohl mit einigen privaten Krankenkassen abrechnen.

Genau. Sollte man allerdings sicher auch nicht √ľberbewerten bez√ľglich der wirtschaftlichen Erwartungen. Da geht es dann meines Wissens nach vor allem um die sogenannten Voll-HP. Die HP Psych gehen da wesentlich leerer aus. Da stehen auch die HP Psych bei Privaten KVs doch in erheblicher Konkurrenz zu Psychologen mit entsprechenden Fachausbildungen ohne Kassenzulassung (die gibt es ja auch - nicht vergessen, noch lange nicht jeder erh√§lt oder will einen Kassensitz).

 

vor 18 Stunden schrieb psycCGN:

Hier habe ich folgenden Link gefunden: https://medwatch.de/2021/07/28/heilpraktiker-beruf-abschaffen-gutachten-berufsfreiheit/

Das ganze Thema ist zur Zeit ergebnisoffen.

 

Ich weiss. Und ganz ehrlich. Es ist besch√§mend, wie wenig gerade auch die Heilpraktikerverb√§nde tun. Es ist nicht so, dass sie nichts tun, das will ich gar nicht sagen. Da wurden durchaus Unterschrifteninitiativen lanciert und Gegen-Gutachten entwickelt und mit der Politik aktiv gesprochen. Aber: die Verb√§nde ziehen nicht an einem Strang. Die einen wirken abwartend zur√ľckhaltend und andere gehen eben aktiv in die Offensive. Aber eine echte Lobby sieht f√ľr mich anders aus. Wo bekommt den die breite √Ėffentlichkeit √ľberhaupt etwas mit davon, dass die Zukunft der Heilpraktikerberufsaus√ľbung unklar ist. Wer sich damit nicht befasst, weiss es nicht und das wird der gr√∂sste Teil der Bev√∂lkerung sein, was ich nachvollziehen kann. Die Bev√∂lkerung hat gerade (und die n√§chsten Jahre) ganz andere Probleme als sich um den Erhalt der Heilpraktiker zu k√ľmmern oder gar zu wissen, dass die Politik deren Existenzberechtigung ernsthaft in Frage gestellt hat. Das sage ich nicht einmal vorwurfsvoll, sondern ganz n√ľchtern beobachtend. Um was soll sich denn die Bev√∂lkerung in D noch alles k√ľmmern. Ich weiss welchen Weg die Heilpraktiker in der Schweiz gegangen sind. Und da ist die Naturheilkunde und auch alles rund um Psychologische Beratung/Coaching nicht nur in der Kultur v√∂llig anders verankert (sprich Teil der Volksseele und somit des t√§glichen Lebens), sondern auch im Gesundheitswesen generell ganz anders verankert und die √Ąrzteschaft f√ľhlt sich davon nicht bedroht. Da gibt es auch nicht so die 2-Klassen-Gesellschaft zwischen Privaten und Gesetzlichen Leistungstr√§gern. Da zeigt sich der Unterschied eher in der H√∂he der Kosten√ľbernahme. Das ist mit Deutschland und der historisch speziell geschundenen Volksseele einfach nicht vergleichbar und da sehe ich f√ľr die HPs schon nicht die rosigsten Zeiten, wenn da nicht m√§chtig was passiert. Und da meine ich eine √Ąnderung der Grundsatzhaltung von Bev√∂lkerung, Funktion√§ren bis zu Praktizierenden. Und da "f√ľrchte" ich, sind nach 2 Jahren "C" in diesem Land andere Priorit√§ten wirklich wichtiger als der Erhalt der umfassenden Therapiefreiheit von Heilpraktikern oder gar des Berufsstandes. Wenn es besser l√§uft, sch√∂n, aber ich versuche n√ľchtern realistisch zu sein.

 

vor 16 Stunden schrieb TomSon:

Den Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe gibt es ungebrochen, vielleicht mehr denn je. Aber oft sind diejenigen, die diese Hilfe ben√∂tigen, nicht diejenigen, die sie aus eigener Tasche bezahlen k√∂nnen. Es gibt nat√ľrlich privat Versicherte, mit denen man in der Theorie abrechnen kann. Hier muss allerdings gesagt werden, dass es entscheidend auf die Versicherungsgesellschaft sowie den konkret abgeschlossenen Vertrag ankommt. Oft sind speziell psychotherapeutische Leistungen durch Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie ausgeklammert oder nur auf die Geb√ľH H√∂chsts√§tze beschr√§nkt, die aus den 80er Jahren stammten. Eine vollumf√§ngliche √úbernahme der Kosten erfolgt also kaum. Bei Beamten hat die Beihilfe die √úbernahme von psychotherapeutischen Leistungen durch Heilpraktiker f√ľr Psychotherapie ausgeschlossen, indem es die entsprechenden Ziffern aus dem Geb√ľH nicht erstattet.¬†

Erg√§nzend zum Beitrag von @psycCGN¬†und meinen Gedanken ist das von dir bestens auf den Punkt gebracht. Ich finde, so muss man das Thema tats√§chlich betrachten, um sich nicht selbst in den wirtschaftlichen Erwartungen zu betr√ľgen. Dazu passen dann ja auch deine Erg√§nzungen aus der Praxis. Das deckt sich mit dem, was ich aus dem HP-Forum h√∂re. Und gerade die letzten 2 Jahre haben dort einige, die lange Jahre als Voll-HP gearbeitet haben, die Segel vor√ľbergehend gestrichen (auch wegen den Einschr√§nkungen durch "C" und die einrichtungsbezogene Impfpflicht) und griffen auf ihre Basisberufe zur√ľck. Das hat mich teilweise schon ersch√ľttert zu h√∂ren, was so abgeht.

 

vor 16 Stunden schrieb TomSon:

Aber die meisten Kollegen gehen irgendwann dazu √ľber, Ausbildungen in dem anzubieten, was sie erfolgreich durchf√ľhren. Sobald das eintritt, geben viele ihre Praxen auf und widmen sich vollst√§ndig der Ausbildung, weil damit in k√ľrzerer Zeit besser verdient werden kann als in einer Praxis.

Ich finde gerade das nur zum Teil gut. Nat√ľrlich kann ich nachvollziehen, dass man sein Wissen weiterverkaufen will. Aber dieser Trend, dass jeder XY sich berufen f√ľhlt, einen Kurs anzubieten, verw√§ssert auch ganz sch√∂n den Bildungsmarkt und geht f√ľr mich in die Richtung, jeden Bachelor solange zu tranchieren, bis es nur noch Experten-Bachelors gibt, aber keine echten Generalisten mehr. Und das hat f√ľr mich nichts mehr mit echtem Wissenszuwachs zu tun, sondern aus dem immer gleichen immer mehr zu machen und sich zum Pseudo-Experten hochzuschwingen, in dem ich dem eigentlich Gleichen eine Nuance zuf√ľge (die aber nur scheinbar neu ist) und eine andere Verpackung gebe, damit der nicht ausreichend informierte Konsument es nicht merkt, dass er nur alten Wein in neuen Schl√§uchen kauft. F√ľr mich ist das bald noch die gr√∂ssere Scharlatanerie als manch ein Hokuspokus den manche Heilpraktiker oder "graue Heiler" (solche, die als Gesundbeter, Geistheiler und Gesundheitsberater) mehr oder weniger hart an der Grenze zum Heilpraktikergesetz arbeiten ohne HP zu sein) anbieten. Wobei mir dann die "Grauen" noch die liebsten sind, da ist es dann doch noch am ehesten zu bemerken ist, dass vielleicht nicht alles ganz bodenst√§ndig ist, was angeboten ist. Bei Kursen finde ich es schon schwieriger, da die Verpackung doch meistens seri√∂s wirkt.

 

vor 16 Stunden schrieb TomSon:

Ob die Kassen bereit sind, auch Psychotherapeuten ohne diese Weiterbildung zu bezahlen, bleibt wohl abzuwarten und wird vermutlich auch davon abhängen, wie die Versorgungslage aussehen wird.

Oh, danke f√ľr die Bemerkung. Ist ja naheliegend - bei den HP Psych ist es eben sinngem√§ss. W√ľsste also nicht, warum die Kassen es in Zukunft auch bei akademischen Psychotherapeuten lascher handhaben sollten. In diesem System gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass irgendwelche Reglementierungen und Gesetze entsch√§rft werden.¬†

 

 

Insofern viel Stoff zum Nachsinnen und die F√ľsse erst mal still halten. Und da ich mir gestern Abend auch endlich mal das tolle Interview zwischen @Markus Jung¬†und Frau @KanzlerCoaching¬†zu Gem√ľte gef√ľhrt habe, meine ich gerade klar zu haben, dass weder der eine noch der andere Schritt f√ľr mich der richtige ist, sondern ich erst mal umziehe und dabei das Leben neu auf mich zukommen lasse. Ideen gibt es allerdings schon f√ľr Option Drei.

 

 

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Eine Möglichkeit ist vielleicht noch alternativ ein Bachelor in Sozialer Arbeit und vielleicht noch eine Weiterbildung in beispielsweise systemischer Therapie oder Traumatherapie, etc.

 

Das geht ja wesentlich schneller, und man hat sogar eine gute Aussicht auf eine Anstellung. Die Inhalte des Studiums kann man ein wenig dahingehend lenken, dass sie große Überschneidungen mit einem Psychologiestudium haben, vielleicht sogar praxisbezogener in Bezug auf die Adressaten sind.

 

Viel Erfolg bei Deinen √úberlegungen¬†ūüôā

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vor 58 Minuten schrieb SabiS:

Eine Möglichkeit ist vielleicht noch alternativ ein Bachelor in Sozialer Arbeit und vielleicht noch eine Weiterbildung in beispielsweise systemischer Therapie oder Traumatherapie, etc.

Das halte ich mittlerweile f√ľr eine gute Alternative, wenn man nicht zwingend im klinischen Bereich t√§tig werden will. Hier sehe ich zwar f√ľr die freiberufliche T√§tigkeit nicht so wahnsinnig viele M√∂glichkeiten, kenne aber in meiner N√§he einige Bildungszentren, Beratungsstellen, Initiativen und Vereine, die auch dieser Berufsgruppe eine beratend-therapeutische Ausrichtung ihrer Arbeit erm√∂glichen.

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Noch eine Anmerkung zur Abrechnung von Psychotherapie mit privaten Krankenversicherungen: Selbst wenn diese den Heilpraktiker PT anerkennen, sind die Leistungen oft, gerade im ambulanten Bereich, auf einen Höchstbeitrag limitiert.

 

In meinem Vertrag sind das zum Beispiel f√ľr ambulante Psychotherapie 2.600,00 EUR innerhalb von 3 Kalenderjahren, ohne Dynamik, wird also nicht an steigende Kostens√§tze angepasst.¬† Gibt nat√ľrlich auch Vertr√§ge, wo mehr abgedeckt ist, mir war dieser Bereich bei Vertragsabschluss nicht wichtig.

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vor 4 Stunden schrieb SabiS:

Eine Möglichkeit ist vielleicht noch alternativ ein Bachelor in Sozialer Arbeit und vielleicht noch eine Weiterbildung in beispielsweise systemischer Therapie oder Traumatherapie, etc.

 

Das geht ja wesentlich schneller, und man hat sogar eine gute Aussicht auf eine Anstellung. Die Inhalte des Studiums kann man ein wenig dahingehend lenken, dass sie große Überschneidungen mit einem Psychologiestudium haben, vielleicht sogar praxisbezogener in Bezug auf die Adressaten sind.

Manchmal sieht man vor lauter Wald die B√§ume nicht mehr¬†ūüôɬ†danke f√ľr deine Anregung. Zu studieren ist noch so ein alter Jugendtraum und hat einfach noch verdammt viel "Ladung", aber auf Halde studieren mag ich in meinem Alter auch nicht mehr und die Theorielastigkeit eines Psychologie-Studiums sehe ich derzeit auch als Problem, so sehr mich das Thema an sich reizt.¬†

Frau @KanzlerCoachings Anregung (im Interview und auch in anderen Threads), die berufliche Basis zu nutzen, finde ich auch wichtig und unterst√ľtze ich. Allerdings endet mein Weg in der Pflege am Bett f√ľr mich definitv und ich werde auf gar keinen Fall eine Fachqualifikation zur Pflegefachfrau anstreben. Ich litt am Bett in der Pflege genug und ich habe mir eine Deadline f√ľr in max. 3 - 4 Jahren gesetzt, wo ich deutlich sehen will, dass sich mein R√ľckzug aus der praktischen Pflege nachhaltig abzeichnet. Diesbez√ľglich hinkt das nat√ľrlich mit allen 5-Jahres-Studieng√§ngen, h√§tte ich h√∂chstens anvisiert, um endlich noch eine akademische Kurve zu bekommen. Doch so richtig passend ist das alles noch nicht mit Wunsch, Wirklichkeit und Machbarkeit.

 

vor 3 Stunden schrieb TomSon:

Das halte ich mittlerweile f√ľr eine gute Alternative, wenn man nicht zwingend im klinischen Bereich t√§tig werden will. Hier sehe ich zwar f√ľr die freiberufliche T√§tigkeit nicht so wahnsinnig viele M√∂glichkeiten, kenne aber in meiner N√§he einige Bildungszentren, Beratungsstellen, Initiativen und Vereine, die auch dieser Berufsgruppe eine beratend-therapeutische Ausrichtung ihrer Arbeit erm√∂glichen.

Der klinische Bereich reizt mich schon, aber eben zu welchem Preis. Ich muss leider priorisieren und das f√§llt mir wirklich schwer, zumal noch Groll in mir liegt, √ľber verpasste Chancen durch fr√ľhere Fehlentscheidungen und Einfl√ľsse anderer, die ich damals so nicht wahrgenommen habe. Auch das will "verdaut" werden.

 

Hast du mir als Gedankenanregung Beispiele oder Links zum Selberlesen der erwähnten beratend-therapeutischen Ausrichtungen in solchen Institutionen ?

 

Ich sehe schon, die Umzugsvorbereitung und -Umsetzung dient auch dem inneren Ausmisten und Umsortieren. Passt.¬†ūüėä

 

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