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Psychotherapeut werden - Was braucht es dazu? Und welche Nebenwirkungen kann es geben?


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Der Wunsch, nicht nur Psychologie zu studieren, sondern Psychotherapeut zu werden, taucht hier im Forum auf. Und damit auch die Frage, wie man das hinbekommt, wie der Weg ist und wie man diesen Weg ggf. auch abkürzen kann, z.B. durch den Heilpraktiker. 

 

Dass "gut mit Menschen können" und "schon viele hilfreiche Gespräche geführt haben" nicht unbedingt die Qualifizierung für therapeutische Tätigkeit ist, sondern nur eine Voraussetzung von vielen, ist manchmal schwer zu vermitteln. 

 

Ein bisschen davon erklärt dieses Interview!

 

"Zehn Prozent haben bei Psychotherapie Nebenwirkungen" - Gesundheit - derStandard.de › Wissen und Gesellschaft

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Bevor ich hier gleich einen Beitrag verfasse, der eventuell am Thema vorbei geht: Was genau darf/soll hier diskutiert werden?

 

Welche persönlichen Eigenschaften ein Therapeut mitbringen sollte, damit beim Patienten möglichst wenige der im Artikel (der ohnehin sehr schwammig gehalten ist) genannten "Nebenwirkungen" auftreten? 

Oder darf man es allgemeiner halten im Sinne von "Was macht gererell einen guten Therapeuten aus"? 

 

 

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Meinetwegen muss gar nichts diskutiert werden. Ich habe einfach gedacht, dass ein bisschen Information zum Thema  ganz gut wäre. Denn hier werden manchmal schon sehr gewöhnungsbedürftige bis (soory!) gruselige Positionen vertreten, wenn es darum geht, wann man in der Lage ist, jemanden zu therapieren. Und dazu, wer alles in welchen Lebenssituationen Therapie braucht.

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vor 6 Minuten schrieb Luna-Sophie:

Oder darf man es allgemeiner halten im Sinne von "Was macht gererell einen guten Therapeuten aus"? 

 

Wenn es darum geht, dass nicht Empathie als zentrale Eigenschaft genannt wird und dass man dann mit der entsprechenden Empathie auf eine solide Ausbildung inklusive Studium verzichten kann, dann gerne auch das!

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Mir ist auch schon öfters aufgefallen, dass sich viele den Beruf des Therapeut zu einfach vorstellen und als müsste man nicht viel anderes mitbringen, als "empathisch zu sein" oder "sich gerne Probleme anzuhören".

Da frage ich mich immer, woher diese Menschen eigentlich die Gewissheit haben, tatsächlich empathisch zu sein und dies nicht bloß einfach zu glauben.

 

Aber mal ganz davon abgesehen bin ich der Auffassung, dass es als (angehender) Therapeut absolut notwendig ist, sich immer wieder darüber im Klaren zu werden, dass man seinen (potenziellen) Patienten sehr schaden kann, und das nicht erst während der eigentlichen Therapie, sondern schon beispielsweise durch die Vergabe von nicht-zutreffenden Diagnosen. Und genau aus diesem Grund muss man ebenfalls die Bereitschaft mitbringen, sehr sorgfältig und selbstkritisch arbeiten zu wollen. Bei Unsicherheiten sich lieber nochmal mit Kollegen austauschen oder sich anderweitig fachkundig informieren. Dazu gehört auch der Wille, die eigenen Vorurteile oder Vorstellungen von bestimmten Störungsbildern nicht höher zu stellen als wissenschaftliche Erkenntnisse. Man sollte darüber hinaus auch so selbstkritisch sein, dass man die eigenen Grenzen rechtzeitig erkennt und alleine schon aus Fairness dem Patienten gegenüber, diesen im Zweifel lieber nicht diagnostiziert oder therapiert.

 

Bearbeitet von Luna-Sophie
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Vorneweg: Ich habe den Artikel nicht gelesen, kenne aber die Diskussion um das Thema Nebenwirkungen in der Psychotherapie. Auf LinkedIn ist mir erst heute ein Beitrag aufgefallen, der sich wohl auf obigen Artikel bezieht.

 

Letztlich ist das Thema Nebenwirkungen natürlich auch in der Psychotherapie ein wichtiges Thema. Vor einigen Jahren hat die Donau Uni Krems dazu eine Packungsbeilage entwickelt, die es aber mittlerweile nicht mehr online gibt.

 

Einerseits soll Psychotherapie Veränderung bringen. Das ist ja meistens auch der Grund, weswegen die Menschen kommen. Klar, manchmal wollen die nur einfach keine Angst mehr haben oder ihre Depressionen sollen verschwinden. Dass aber damit auch andere Veränderungen einhergehen können, sollte im Laufe der Psychotherapie mit dem Klienten besprochen werden.

 

Die meisten sog. Nebenwirkungen in der Psychotherapie sind nur vorübergehende Phänomene. Oder aber zwangsläufige. Nehmen wir das Thema Depression und Ehe. Was, wenn die Veränderung der depressiven Symptomatik dazu führt, dass die Ehe in die Brüche geht? Das mag weder Therapeut/in, Klient/in oder Ehepartner/in gewollt haben - es kam nun aber dazu. Und zwar aus einer Vielzahl an Gründen, die zwar in der Psychotherapie erstmalig ausgesprochen wurden, aber so in der Form ja schon lange bestanden. Ist also das bereits als Nebenwirkung zu definieren?

 

Oder stellen wir uns vor, es gibt den Fall, dass jemand in der Therapie einen besseren Umgang mit belastenden Emotionen lernt und beim nächsten Streitgespräch mit dem Chef in der Lage ist, diesen Konflikt auszuhalten. Dem Chef gefällt das aber gar nicht und er spricht die Kündigung aus. Manche Menschen werden jetzt sagen: "Dass ich dadurch meinen Arbeitsplatz verlieren konnte, wusste ich nicht. SIE (der/die Therapeut/in) sind Schuld!" Dann kann es aber auch die Reaktion geben: "Es ist doch befreiend, dass ich jetzt nicht mehr mit meinem Chef zusammenarbeiten muss." Wenn also der Verlust der Stelle als Nebenwirkung beschrieben wird, dann kann offensichtlich ein Mensch diese Nebenwirkung negativ sehen, der andere positiv. Aber ist es dann noch eine Nebenwirkung, wenn es positiv ist? Und muss man dann nicht sagen, die Definition von Nebenwirkung hängt vom individuellen Framing ab? Und wenn es so ist, dann ist Nebenwirkung nicht ohne weiteres vorhersagbar. Die Frage ist auch, kann man in der Psychotherapie den Begriff Nebenwirkungen, der sich ja aus der somatischen Medizin herleitet, überhaupt so verwenden oder muss man einen anderen Begriff finden?

 

Wesentlich interessanter finde ich das Thema Behandlungsfehler in der Psychotherapie. Aber selbst das ist nicht klar definiert. Der von mir genannte LinkedIn Beitrag weiter oben stammt von einem Psychoanalytiker, der das Ausagieren von Gegenübertragung als Behandlungsfehler erachtet. Mit dem Begriff kann z. B. ein Verhaltenstherapeut herzlich wenig anfangen. Der würde einen Behandlungsfehler erst dann sehen, wenn nach erfolgter Verhaltensanalyse nicht diejenige Intervention eingesetzt wird, die sich für das festgestellte Verhalten als nachweislich hilfreich erweist. Und ein systemischer Therapeut wird wiederum andere Dinge als Behandlungsfehler benennen... und so geht es weiter.

 

Hier ist doch sehr viel Interpretationsspielraum gegeben, sodass gar nicht so klar diskutiert und kommuniziert werden kann, was das Thema nun ist und wie es angegangen werden soll. Ich vermute, dass die Donau Uni Krems deswegen ihre Packungsbeilage aus dem Internet genommen hat, weil es eben keine klare Linie zu dem Thema gibt.

 

Als Psychotherapeut muss man natürlich darüber Bescheid wissen, dass Dinge auch schief gehen können. Deswegen ist ja auch die ordentliche Ausbildung plus Supervision so wichtig. Dazu zähle ich zunächst aber auch das Stellen einer ordentlichen Diagnose. Wenn ich weiß, womit ich es zu tun habe, kann ich mich viel besser auf mögliche Stolperfallen einstellen. Ich denke da z. B. an das Thema somatoforme Störungen: Das Verbessern der psychischen Lage kann nämlich auch dazu führen, dass plötzlich ein liebgewonnenes Symptom weg ist, das zuvor ein wichtiger Lebensinhalt war. Und nun steht der Mensch zwar psychisch besser da, der Lebensinhalt ist aber weg. Und das führt dann geradewegs in die nächste psychische Notlage. Hier einfach drauflos zu therapieren, wäre schon der Behandlungsfehler. Stattdessen ist gerade in diesem Bereich der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung wichtig, ehe man mit therapeutischen Interventionen um sich wirft.

 

Und da komme ich aus meiner Sicht zum Thema Empathie: Die halte ich nämlich für essenziell, um eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen zu können. Ich nehme mal an, dass aus gegebenem Anlass das Thema hier eher verhalten betrachtet wird. Auch in den verschiedenen Therapieschulen wird es kontrovers diskutiert. Ich denke aber, dass Empathie nicht fehlen DARF. Allerdings ist es auch nicht das Allheilmittel und kann nicht alleine helfen, darf somit auch nicht alleine stehen. Dennoch wird Empathie ganz oft missverstanden, ich glaube sogar, viele Menschen verstehen überhaupt nicht, was mit Empathie im therapeutischen Sinn zu verstehen ist. In das Thema Empathie wird doch oft irgendwas romantisch-verklärtes hineininterpretiert bzw. es wird als Rechtfertigung missbraucht, konsequenzlos alles hinnehmen zu müssen, was geschieht. Auch da herrscht meines Erachtens keine klare Linie. Man müsste wohl erstmal mit ganz vielen Missverständen aufräumen, die es ja selbst unter erfahrenen Therapeuten gibt.

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Kleiner Tipp: In der ZDF Mediathek ist aktuell die Satire Normaloland abrufbar. In Folge 5 "Die Deformation" geht es um eine überforderte Psychotherapeutin. Ist ein kleines Häppchen von 20 min.

Bearbeitet von kurtchen
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Ich hab gerade reingeschaut. Schrill! Allerdings tue ich mir immer etwas schwer, mit solchen Filmen  das Thema Therapie bearbeitet zu sehen. Es bedient mir zu sehr das Klischee vom mehr oder weniger durchgeknallten Therapeuten, der sich mit ebenso durchgeknallten Patienten beschäftigt. Das wird dem Schmerz und der Verzweiflung, die die Patienten oft empfinden, nicht gerecht.

 

Ich mag die Sendung "In Therapie" gerne. Der Regisseur von "Ziemlich beste Freunde" hat sie gemacht und da werden Therapiesitzungen gezeigt. Wobei man wissen und akzeptieren muss, dass der Therapeut ein waschechter Vertreter der Psychoanalyse ist und dass das, was da so selbstverständlich aussieht, dem Drehbuch geschuldet ist. 

 

Trotzdem m.E. mit das Beste, was es zum Thema Therapie gibt, auch weil da eigentlich nur die Gesprächssituation zu sehen ist. Und weil auch deutlich wird, wie schwer es ist, als Therapeut die notwendige Distanz zu wahren und sich nicht in die Rolle des Ratgebers, des Wissenden zu begeben.

 

 In Therapie - Staffel 2 (1/35) - Serie streamen | ARTE

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Ok, das ist interessant. Bin öfter mal in der ARTE Mediathek unterwegs, aber das war mir bislang entgangen. ARTE hat echt gute Sachen.

 

In dem Zusammenhang möchte ich gerne noch auf den Sachcomic Couch Fiction hinweisen. Die Story ist fiktiv, soll aber den Verlauf einer Psychotherapie zeigen. Am Fuß jeder Seite finden sich kurze Erläuterungen, die ein bisschen Hintergrund vermitteln sollen. Liest sich recht kurzweilig und aber als interessierter Laie erhält man doch einen Einblick. Der Fokus liegt allerdings auf Psychoanalyse. Andere Therapieverfahren spielen keine Rolle.

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Am 10.5.2022 um 11:04 schrieb KanzlerCoaching:

"Zehn Prozent haben bei Psychotherapie Nebenwirkungen" - Gesundheit - derStandard.de › Wissen und Gesellschaft

 

Den Artikel finde ich ehrlich gesagt eher reißerisch. Die Medizin wird als Vorbild für die Psychotherapie genommen. Die Frage ist, ob so eine Gegenüberstellung gerechtfertigt ist. Ich hatte schon genug Ärzte, die mich abgezockt haben und deren Behandlung ich für oberflächlich hielt. Auch bei einer Freundin wurden während eines Anamnesegesprächs Fragen gestellt, wodurch das betreffende Thema als Problem wahrgenommen wurde. Ebenfalls wurden mir letztes Jahr bei einem Arztbesuch Fragen gestellt, die für mein Anliegen irrelevant waren und bei denen ich den Arzt komisch angeschaut habe. Es wäre fair, wenn im Artikel dann auch die Häufigkeit der Nebenwirkungen durch eine medizinische Behandlung eines Arztes erwähnt worden wären und wie dem entgegen getreten werden kann.

 

Am 10.5.2022 um 11:04 schrieb KanzlerCoaching:

Dass "gut mit Menschen können" und "schon viele hilfreiche Gespräche geführt haben" nicht unbedingt die Qualifizierung für therapeutische Tätigkeit ist, sondern nur eine Voraussetzung von vielen, ist manchmal schwer zu vermitteln. 

 

Ich erwarte von niemandem Kenntnisse über ein ausdifferenziertes Anforderungsprofil eines Psychotherapeuten, wenn man für sich den Wunsch verspürt, ein entsprechendes Studium aufnehmen zu wollen. Wenn jemand merkt, dass die soziale Ader vorhanden ist, fachliches Interesse am Verhalten und Erleben bestehen und auch die Arbeit mit einem herausfordernderen Klientel nicht abschreckt, dann ist es doch schonmal super. Studium und Weiterbildung stehen ja noch bevor. In dieser Zeit erhält man tiefere Einblicke in die Thematik und gleicht seine Vorstellungen zunehmend damit ab. Nicht wenige entscheiden sich während eines Psychologiestudiums, eine andere Richtung einzuschlagen, sei es innerhalb der Psychologie oder vielleicht auch außerhalb. Wichtig ist meiner Meinung, dass man sich vor so einem Schritt nicht schämen braucht und sich auch keine Vorwürfe machen soll. Vielmehr ist es doch gut, diese Erfahrung gesammelt zu haben.

 

Am 10.5.2022 um 11:04 schrieb KanzlerCoaching:

Der Wunsch, nicht nur Psychologie zu studieren, sondern Psychotherapeut zu werden, taucht hier im Forum auf. Und damit auch die Frage, wie man das hinbekommt, wie der Weg ist und wie man diesen Weg ggf. auch abkürzen kann, z.B. durch den Heilpraktiker. 

 

Zum Heilpraktiker muss ich gestehen, dass ich diesen als weniger kompetent wahrnehme. Ich finde es wichtig, dass zunächst ein Studium die Grundlage für die weitere Therapeutenausbildung ist. Allerdings sehe ich es nicht positiv, dass die Ausbildung zum Psychotherapeuten nach der Reform nur noch Psychologen offen steht. Es gibt Möglichkeiten für alternative Zugänge aber der Wille ist nicht da, diese umzusetzen. Und das finde ich vermessen. Gerade mit Blick auf die Bildungsungerechtigkeit holt man sich verstärkt ein bestimmtes Klientel an Therapeuten in die eigenen Reihen. Ich finde diese Entwicklung nicht gut.

Bearbeitet von psycCGN
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