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Waldorf

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Über Waldorf

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    Benutzer

Informationen

  • Status
    Aktiver Fernstudent
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    HS Emden-Leer
  • Studiengang
    Medieninformatik
  • Wohnort
    Köln
  • Geschlecht
    m
  1. Waldorf

    Die Sucht der 1

    Tja, ich kenne das - von früher - , würde aber sagen: kommt drauf an. D.h., ob einem die ganzen 1en denn etwas bringen. In vielen Fächern kriegt ja eh fast jeder Depp eine 1 und für eine 3 muss man sich schon selten dämlich anstellen. In den "harten" Fächern sieht das schon anders aus. (Als Mehrfachstudi kenne ich Geistes- und Sozialwissenschaften und seit neuestem auch Informatik). Da würde ich - wenn ich mir denn noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen würde - eher versuchen, eine 2 anzupeilen: zum Einen wegen des Arbeitspensums und zum Anderen, weil ich die Gefahr sehe, dass man mit einem zu guten Abschluss als "Nerd" abgestempelt wird. Hinzu kommt ein viel zu wenig beachteter Aspekt: schließt man sein Studium mit 1 ab, findet dann aber keinen adäquaten Job, denken sich die "Entscheider" sicher, "was stimmt denn mit dem/der bloß nicht?" Hat er/sie es an "Eigenverantwortung" fehlen lassen, bringt er/sie nicht die nötigen "Soft Skills" mit etc. ... ? Ich überlege daher, meine Zeugnisse künftig zu fälschen, um meine Chancen zu verbessern. D.h. die Noten nach unten zu korrigieren. Das müsste eigentlich erlaubt sein, oder? Außer natürlich bei den Bewerbungen bei Ghostwriter-Agenturen. Bin bisher nur bei einer in der Kartei (erst seit kurzem). Wie es aussieht, herrscht da auch nicht gerade ein Mangel an Mitarbeitern. Also muss ich es wohl noch bei ein paar anderen probieren. Ob ich mich dann freue, wenn der Studi, der meine Arbeit selbstredend nur als Vorlage benutzt , eine 1 dafür bekommt - wenn ich das denn erfahren sollte - keine Ahnung ...
  2. "Und so bin ich dann statt Arzt Finanzarzt geworden." O-Ton Carsten Maschmeyer, gerade eben, bei "Menschen bei Maischberger" zu seinem krummen Lebenslauf und dem roten Faden
  3. " ... um Kopf und Kragen reden. ..." Ich denke mir öfter mal: Sooo völlig anders war das mit der Demokratie in der "Deutschen Demokratischen Republik" und bei uns im Westen gar nicht. Im Osten durfte man "die Partei" nicht kritisieren, bei uns "die Wirtschaft" nicht. Also jeweils die Machthaber.
  4. Vor ein paar Tagen las ich irgendwo, dass es außer in Hessen derzeit im Westen (NRW, Rheinland-Pfalz) am besten aussieht. Besser noch als in Ba-Wü und Bayern. Weiß gerade nicht mehr die Quelle, aber es klang zumindest seriös. Dass es in Berlin schlecht aussieht, ist ja nix Neues. Hamburg wusste ich noch nicht.
  5. @wasserfall Da hast Du sicher Recht. Meinst Du, man kann daraus ableiten, dass die Chancen für Neu- (und Quer-) Einsteiger etwas besser sind? Kann sein, bin mir da nicht so sicher. Eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass eben weil die Mitarbeiter in der IT-Branche im Durchschnitt etwas jünger sind als in anderen Branchen, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf sich warten lassen werden. Vor dem akut drohenden und total "dramatischen" Fachkräftemangel wird ja nun schon länger ausgiebig "gewarnt". Komisch nur, dass die Gehälter kaum steigen. Laut VDI soll das Durchschnittsalter der Ingenieure in Deutschland bei "gut 50 Jahren" liegen. Angeblich würden "in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller Ingenieure in den Ruhestand wechseln". Tatsächlich ist es laut DIW - dem ich eher Glauben schenke - aber so: "Laut Mikrozensus waren 2008 in Deutschland rund 750000 Ingenieure tätig. Ihr Durchschnittsalter lag bei 43,3 Jahren. Weniger als ein Drittel von ihnen war 50 Jahre und älter." Dass seitdem das Durchschnitssalter derart stark angestiegen soll, hält der DIW für unrealistisch. Was Wunder ... Siehe: http://www.diw.de/de/diw_01.c.394853.de/themen_nachrichten/kein_mangel_an_ingenieuren_in_deutschland_erkennbar.html
  6. Das sehe ich alles ein. Mir ist schon klar, dass ich dann am Ende mit anderen Studienabsolventen konkurriere, die wesentlich jünger sind als ich. Denen Arbeitgeber vor allem deshalb den Vorzug geben dürften, weil sie meist nicht aufmucken und seltener krank werden. Dass ich mit Leuten in meinem Alter, die schon zig Jahre Berufserfahrung in der IT-Branche haben, nicht mithalten kann, ist mir auch klar. Wobei mir vor einem halben Jahr hier jemand schrieb, dass ich immerhin dann den Vorteil hätte, dass ich auf dem neuesten Stand bin. Häufig bekommen ja Leute mit viel Berufserfahrung in der IT-Branche dann Probleme, wenn sie ihren Job verlieren und sich vorher fachlich nicht auf dem Laufenden gehalten haben. Und natürlich hieß es auch, dass ich so früh wie möglich versuchen sollte, Berufserfahrung zu sammeln, d.h. während des Fernstudiums. Werde ich nach dem 2. Semester, d.h. ab diesem Sommer, versuchen. Zurzeit weiß und kann ich einfach noch zu wenig. Dann werde ich ja sehen, ob das Zukunft hat. Wenn ich keine Gelegenheit haben sollte, Berufserfahrung zu sammeln, dann muss ich es eben knicken. Aber wie gesagt, so hohe Erwartungen, wie manche hier anscheinend glauben, habe ich gar nicht. Ich sehe das unter dem Aspekt: es gibt nicht viel zu verlieren. Selbst wenn ich nachher nur Freelancer-Jobs am unteren Ende der Anforderungs- und Honorar-Skala mache, geht's mir zumindest fianziell schon mal besser. Wenn es so wäre, dass in der IT-Branche der ganz große Fachkräftemangel grassiert - wie es dank der fleißigen PR-Strategen vom VDI und anderen Verbänden fast täglich durch die Medien geistert - dann sollte ich doch eigentlich ganz gute Chancen haben. Ich glaube da nicht wirklich dran. Und der demographische Wandel ... So alt sind die meisten Mitarbeiter im IT-Bereich nicht, dass sich das so bald großartig auswirken würde. Das sind solche "strukturellen" Hintergründe, die mich tatsächlich beschäftigen. Auch wenn manche hier meinen, man solle sich über so was keine Gedanken machen, da die Guten und Fleißigen, die immer schön stromlinienförmig ihr seit Grundschultagen feststehendes Berufsziel verfolgen, sich ja immer durchsetzen ...
  7. "... dass dahinter vielleicht ein Talent, eine Idee, eine 'Ich mach das gern' steckte, und das es schon seltsam anmutet, wenn all das dann plötzlich verschwunden sein soll. " Ist klar. Dass man vielleicht mehrere Talente und Interessengebiete hat, kann ja nicht sein. Davon abgesehen habe ich durchaus Verständnis dafür geäußert, dass Arbeitgeber Bedenken haben, ältere Mitarbeiter auf Anfängerposten einzustellen. U.a. deshalb ja auch meine Idee, es u.U. lieber gleich als Freelancer zu probieren. Schlechter als jetzt kann das auch kaum laufen. Aber sicher, total naiv von mir. Dass es ein Fehler war, nicht schon früher einen Schlussstrich zu ziehen, ist mir auch klar. Aber man soll sich ja nicht so viel mit der Vergangenheit beschäftigen. Außerdem leuchtet mir die Logik nicht ein: Wenn ich die Branche nicht wechsle, sondern Bewerbungen schreibe und versuche, doch noch irgendwo unterzukommen, ist es falsch. Wenn ich die Branche wechseln will, ist es auch falsch. (Noch mal woanders als "freier Mitarbeiter" zu knechten, um dort an ein Volo zu kommen, ging ja schlecht, weil ich dafür inzwischen schon "zu alt" war.) Aber gut, ich verstehe schon die Aggressionen. "Die Struktur ist falsch" - das sagt schon alles. Was heißt denn "falsch"? Klar, die meisten Leute halten Strukturen ja generell für "gut" und "richtig" und naturgegeben. Mir geht's nicht um richtig oder falsch, sondern darum, die Strukturen zu berücksichtigen. D.h. nicht darauf zu warten, bis eines schönen Tages der "Fachkräftemangel" in der Medienbranche ausbricht. Ach ja, und was soll bitte daran spießig sein, eine Festanstellung anzustreben? Zumal in einer Branche, in der die wenigsten Freelancer an die Gehälter der Angestellten auch nur annähernd herankommen. (In der IT-Branche sieht das ja wohl etwas anders aus). Was soll's. Die Diskussion bringt eh nix.
  8. @ chillie Na ja, wer was verändern will, sollte erst mal den Ist-Zustand analysieren. Ein Blick in die Vergangenheit kann dabei nicht schaden. Zumal man dabei oft feststellen kann, dass bestimmte angeblich alternativlose Dinge gar nicht "schon immer so" waren. Wenn sie es nicht waren, dann heißt das, dass sie es auch in Zukunft nicht sein müssen. Mir ging es eigentlich nicht darum, hier jemanden zu "missionieren". Eher darum, zu verstehen, warum die meisten hier so denken wie sie denken. Konkret: Der Tenor in diesem Thread, so wie ich ihn verstanden habe, lautet: Wenn jemand bisher nur von Aushilfsjobs gelebt hat und dann studiert, dann hat er zwar nur eine kleine Chance. Aber da es sonst wenig Alternativen gibt, sollte er es ruhig mit einem (Fern-)Studium versuchen. Hat dagegen jemand wie ich schon ein Studium zu Ende gebracht, dann sollte er auf jeden Fall in seinem angestammten Bereich bleiben. Und: Wenn jemand erst eine kaufmännische Lehre gemacht hat und dann zum Designer umschult, ist das vollkommen in Ordnung. Schlägt aber jemand den umgekehrten Weg ein, d.h. studiert erst brotlose Künste, hat irgendwann die Schnauze voll und studiert etwas, das auf dem Arbeitsmarkt halbwegs gefragt ist, dann heißt es: bäh. Warum? Meiner Auffassung nach, weil unterstellt wird, Arbeitgeber müssten misstrauisch sein, wenn jemand es in seinem Bereich "zu nichts gebracht hat". Jemand wie ich ist nach dieser Denke also in einer Zwickmühle, aus der er nicht mehr herauskommt: Sagt man offen, dass man angesichts der Arbeitsmarktlage in seiner Branche keine Chance mehr sieht, ein auskömmliches Einkommen zu erzielen, wird man seiner "Eigenverantwortung" nicht gerecht. Sagt man, dass man leider zu doof oder zu faul ist, hat man auch keine Chance. Dann besser erst gar nichts zu Ende bringen. Dann denkt Cheffe vielleicht, der startet jetzt mal richtig durch. Ist ja tatsächlich in der Praxis oft so. Ich kenne jedenfalls mehr Leute, die nichts zu Ende gebracht haben und dann, nach einer Umschulung oder einer komplett neuen Ausbildung einen Job gefunden haben, als Leute aus meiner Kategorie, die das geschafft haben. Deshalb denke ich auch darüber nach, meinen Lebenslauf einfach zu fälschen. Ist das eigentlich strafbar, wenn man Qualifikationen gezielt verschweigt? Natürlich ist es individuell betrachtet, tendenziell besser, wenn man in seinem Bereich bleibt, statt noch mal ein langwieriges Studium auf sich zu nehmen. Nur habe ich über Alternativen schon so lange nachgedacht, dass ich irgendwann - nach reiflicher Überlegung - zu dem Schluss gekommen bin, es doch besser mit einem Branchenwechsel zu versuchen. Aber gut, wenn ich dann trotzdem keine Chance bekomme - wegen des ach so gesunden Misstrauens unserer lieben Arbeitgeber - , dann werde ich die Verantwortung dafür natürlich auf mich nehmen. Ist ja meine Eigenverantwortung, mir einen Job zu backen. Dann arbeite ich eben brav weiter bis zur Minirente in meinem angestammten Job, wie man es von mir erwartet. Und wenn ich dann in Rente bin, hänge ich mir, wenn ich das Haus verlasse, ein Schild um, auf dem steht: "Ich war doof und faul, deshalb müsst ihr nun meine Rente aufstocken. Schande über mich."
  9. @ soona Das "aus dem Bauch heraus" ist eine Unterstellung. Und ich nehme an, dieses "wenn das schon bei der ersten Berufswahl nicht geklappt hat", soll heißen: Wer im einen Job "versagt", wird auch in jedem anderen Job versagen. Also lieber nach den eigenen Fehlern suchen, um vielleicht doch noch in seinem angestammten Berufsfeld einen Fuß auf den Boden zu kriegen. Äußere Umstände spielen natürlich keine Rolle: zur falschen Zeit am falschen Ort, Arbeitsplatzabbau, sinkende Honorare ... Bloß keine Umorientierung hin zu einer Branche, wo es besser aussieht. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass dieses schon fast hysterische Beharren darauf, dass der Schuster bloß bei seinen Leisten bleiben soll, mit der seit der Einführung von Hartz IV betriebenen Gehirnwäsche zusammenhängt. Davor war es ja durchaus üblich, für die hohen Arbeitslosenraten strukturelle Gründe verantwortlich zu machen. Zugleich war es üblich, dass das Arbeitsamt Leuten, die in ihrem Berufsfeld nicht Fuß fassen konnten - warum auch immer - , eine Umschulung anbietet. Oder sogar eine "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" - quasi ein staatliches Eingeständnis, dass es einfach zu wenig Jobs gibt. Dann hieß es plötzlich: Umschulungen bringen eh nix. Jeder einzelne Arbeitslose ist selbst schuld an seinem Los. Also müssen die "Parasiten" (Zitat: Wolfgang Clement) erst mal zur Arbeit erzogen werden. Wenn jemand z.B. keinen Job als Maurer findet, dann kann das nicht daran liegen, dass auf 1.000 freie Stellen 10.000 Bewerber kommen. Nein, es kann und darf sich nur um persönliche Defizite handeln. Deshalb muss der Maurer dann erst mal lernen, Bewerbungen zu schreiben. Auch der promovierte Physiker. Vier Wochen. "Die Briefmarke immer schön rechts oben hinkleben." LOL Dass so viele Leute diese kranke Ideologie völlig kritiklos nachbeten und sogar aggressiv werden, wenn jemand es wagt, sie in Frage zu stellen, ist leicht zu erklären: Wenn es stimmt, dass strukturelle Gründe bzw. äußere Faktoren keine Rolle spielen, dann ist die Selbstwirksamkeit des Jobsuchenden (und auch des Arbeitsplatzbesitzers) maximal. Wer stets fleißig und angepasst ist und sich regelmäßig - gerne auf eigene Kosten - weiterbildet, dem kann nichts passieren, dem droht kein Arbeistplatzverlust. Im Grunde sind wir längst wieder im Frühkapitalismus angekommen. So wie in England, als die ohnehin schon Privilegierten per Dekret die Allmenden unter sich aufteilten und damit einen Großteil der Landbevölkerung ihrer Lebensgrundlage beraubten. Allzu viele Fabriken gab es noch nicht, daher konnte nur ein kleiner Teil der verarmten Ex-Bauern zum Industriearbeiter umschulen. Als sich dann immer mehr Landstreicher bettelnd umhertrieben, hieß es: "Komisch, wie konnte das passieren? Faules, versoffenes Pack!" Und die faulen Landstreicher wurden entweder ins "Arbeitshaus" verfrachtet oder gleich nach Australien verfrachtet. Womit die "Elite" zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hatte. Der Unterschied: Damals gab es noch kein Internet. Die wenigsten konnten sich regelmäßig eine Zeitung leisten. Aber dafür gibt es ja heute ausgeklügelte PR-Kampagnen und Lobby-Gruppen, die diese steuern wie z.B. die INSM.
  10. Ich versuche, die hier aufgestellten bzw. wiedergegebenen Bewerbungsregeln mal auf die Praxis zu übertragen. Fiktives Beispiel: Ich bin gelernter Fischer. Dummerweise hat ein Tanker das Meer verseucht und nun gibt es keine Fische mehr. Ich verliere meinen Job. Was mache ich? Umschulen zum Pfarrer. Den Berufswechsel verkaufe ich dann, indem ich sage, ich sei nun "Menschenfischer" geworden, also quasi in der Branche geblieben. Bloß nicht hinterfragen, welchen Sinn dieser ominöse "rote Faden" haben soll. Da könnte einem womöglich auffallen, dass es im Grunde nichts weiter als spießiges Schubladendenken und heiße Luft ist. Zu Ende denken sollte man das Ganze auch besser nicht: Was macht etwa der Bergarbeiter, dessen Mine stillgelegt wird? Nach China auswandern, wo es noch genug Minen gibt? Oder sich eine neue Tätigkeit suchen, die sich irgendwie, auf Teufel komm raus, per "rotem Faden" mit der alten verknüpfen lässt. Also statt Kiosk eröffnen vielleicht besser Kanalarbeiter? Auch da buddelt man ja in der Erde herum.
  11. @ KanzlerCoaching O.k., keine Antwort ist auch eine. Dann halten wir also fest: Sie halten einen "geraden" Lebenslauf für eine Qualifikation und haben keine Ahnung, was man gemeinhin unter Diskriminierung versteht. Im Übrigen wissen Sie anscheinend nicht, was Sie wollen: Theoretisch diskutieren oder die eigenen Möglichkeiten evaluieren - beides ist verkehrt. Unter diesen Voraussetzungen erübrigt sich natürlich jede Diskussion. Im Übrigen ist es schon sehr auffällig, wie Sie stets im Ungefähren bleiben, wenn hier Leute konkrete Fragen stellen - oft noch nicht mal direkt an Sie gerichtet. Gerne geben Sie Ihren Senf dazu, tragen auch gerne zur Verunsicherung bei, aber eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage: nee, bloß nicht. Ist klar, Sie würden sich bei Ihrer Akquise ja auch sonst selbst das Wasser abgraben. Durchaus verständlich, aber alles andere als hilfreich.
  12. Richtig. Offensichtlich haben Sie dennoch eine andere Definition von Diskriminierung als ich. Sie betrachten also einen "geraden" Lebenslauf als Qualifikation und werten diese offenbar höher als andere Qualifikationen. Nehmen wir mal an, der Arbeitgeber sieht das anders und stellt mich ein, weil meine Noten besser sind und genügend Praxiserfahrung durch Praktika oder Studi-Jobs mitbringe. In meinen Augen ist das keine Diskriminierung, sondern eine - durchaus gerechtfertigte - andere Gewichtung von Qualifikationen. Verstehe ich Sie richtig? Sie meinen, durch Hartz IV sei Diskriminierung abgebaut worden? Durch den Zwang, auch Arbeit anzunehmen, die zum Überleben nicht reicht? Oder war das eher ironisch/zynisch gemeint? Die "Möglichkeit, einen Arbeitsplatz zu bekommen und sich somit von seiner Hände (und seines Kopfes) Arbeit zu ernähren" ist ja dadurch nicht besser geworden - mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil des Satzes. Im Gegenteil: viele früher noch halbwegs gut bezahlte Tätigkeiten sind nun durch Zeitarbeitsjobs ersetzt worden. Und der Quasi-Zwang, jeden Job anzunehmen, hat die Macht der Arbeitgeberseite, die Löhne zu drücken, noch weiter verstärkt. "Entwicklungs- und Bildungschancen für die nächste Generation"? Die sind dadurch auch noch weiter abgebaut worden. Was Diskriminierung wirklich bedeutet, können Sie hier nachlesen: http://www.vodafone-stiftung.de/presseinfomodul/detail/153.html Danach werden bei der Notenvergabe in der Grundschule und bei den Schullaufbahnempfehlungen Arbeiterkinder stark benachteiligt, Mädchen leicht bevorzugt und der Migrationshintergrund spielt nur eine geringe Rolle. Aber auch das lässt sich natürlich leicht wegdiskutieren, indem man es zur Qualifikation erklärt, als Akademikerkind geboren worden zu sein. Was in breiten gesellschaftlichen Kreisen ja tatsächlich so gesehen wird.
  13. @KanzlerCoaching Danke für den Artikel (und die Übersetzung). Sehr interessant. Ich habe nur an einer Stelle ein Verständnisproblem: Wieso werden Migranten benachteiligt? Und inwiefern? Fakt scheint ja zu sein, dass sie nun weniger Vorstellungsgespräche bekommen als vorher. Heißt das, dass sie vorher von den entsprechend "sensibilisierten" Unternehmen bevorzugt wurden? - im Gegensatz zum allgemeinen Trend. Wenn ich das richtig verstehe, dann haben diese Unternehmen (oder ein Teil davon) im Zweifel lieber einen Migranten aus einer verrufenen Banlieu mit 3-er Schulabschluss eingestellt als einen Sprössling aus "guter Familie" mit einer 2 vor dem Komma. Das ist zwar verständlich, nur würde das m.M.n. eher bedeuten, dass die informelle "affirmative action", d.h. ein Ausgleich für bestimmte Benachteiligungen durch Bevorzugung auf anderen Gebieten, durch die anonymisierten Bewerbungen aufgehoben würde. Man kann ja darüber streiten, aber ich finde, dass die Benachteiligung sozialer Gruppen besser an der Wurzel angepackt werden sollte. Denn sonst ändert sich an der Basis aller Erfahrung nach (zumindest in den USA) wenig und die "affirmative action"-Maßnahmen werden immer mehr ausgeweitet, statt dass sie sich - wie vorgesehen - irgendwann von selbst überflüssig machen würden. Siehe dazu auch: http://www.zeit.de/2012/11/P-Zeitgeist Oder habe ich das falsch verstanden? Aus dem Artikel geht das für mich nicht klar hervor. Vielleicht wissen (oder verstehen) Sie da mehr als ich.
  14. Natürlich wird der Einfluss von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Nationalität nicht völlig ausgeschaltet. Einen Effekt gibt es trotzdem. Das hat erst vor kurzem eine Studie in Frankreich (?, meine ich) ergeben, wo man einen Modellversuch dazu gestartet hat. Die Bewerbungen für diverse Großunternehmen gingen an eine zentrale Stelle, wo sie dann anonymisiert wurden. D.h., auch bei den Einstellungen gab es letztlich einen Effekt, also weniger Diskriminierung. O.k., es ist spekulativ, ob man in den USA mehr solcher Arbeitgeber findet. Ich glaube schon. Aber belassen wir es dabei. Wie gesagt, ich kann es gut nachvollziehen, dass Arbeitgeber sich Sorgen um das Betriebsklima machen, wenn ältere Mitarbeiter sich in einem jüngeren Team unterordnen sollen. Ich bezweifle nur, ob die Einschätzung des Gewinnpotenzials wirklich immer so objektiv erfolgt. Wie ebenfalls schon gesagt, ich halte die in Deutschland verpönten Eignungstests da für mindestens genau so hilfreich wie die hier so beleibten, teils esoterisch angehauchten Psychotests. Zur Ermittlung des Gewinnpotenzials ein Beispiel: Ein guter Bekannter von mir, der ebenfalls einen recht krummen Lebenslauf hat. In Kurzform: Abi, Studium zum Übersetzer (FH) mit geringem Einsatz und mäßigem Abschluss, danach keinen Bock mehr drauf; mehrere Jahre Jobben auf dem Golfplatz (gute Bezahlung), im Winter Statsknete; dann kurz vor der Y2K-Euphorie Weiterbildung zum IT-Fuzzi (von vielem ein bisschen Ahnung, von nichts wirklich); zwei, drei Jahre als Programmierer gearbeitet und dabei nach eigener Aussage viel Mist gebaut; anschließend in derselben Firma etliche Jahre als Übersetzer technischer Dokumentationen tätig. Vor einem halben Jahr oder so bewirbt er sich bei einer anderen Fa. als Übersetzer. Die versuchen ihn zu überreden, ob er sich nicht vorstellen könne, doch noch mal zu programmieren. Er: eher weniger. Der Personaler: vielleicht überlegen Sie es sich noch. Dürfen wir Sie später noch mal anrufen? ... Wäre es für dieses Unternehmen nicht schlauer, einen ein oder zwei Jahre jüngeren Informatik-Absolventen (mich z.B., wenn ich denn schon fertig wäre ) zu verpflichten, als jemanden, der ausdrücklich sagt, dass ihm Programmieren nicht liegt und der das schon seit zehn Jahren nicht mehr gemacht hat? O.k., vielleicht ein Einzelfall. Ich vermute allerdings, dass es mehr darum geht, dass mein Bekannter nun schon etliche Jahre scheinbar zielstrebiger Berufstätigkeit nachweisen kann. Umgekehrt ist es ja so, dass Leute, die länger als ein oder zwei Jahre arbeitslos sind, quasi als nicht vermittelbar gelten. Als Ausschuss. Mit einer rationalen Einschätzung des Gewinnpotenzials hat das wenig zu tun. Ach ja, nur damit wir nicht aneinander vorbeireden: Ich habe bisher "nur" zwei Studiengänge absolviert und beide abgeschlossen, einer davon ein Magister mit drei Fächern (von denen ich nur zwei erwähnt habe).
  15. Vielleicht ist es tatsächlich naiv. Zumindest glaube ich aber, dass es einen Unterschied macht, wenn in Bewerbungen das Alter nicht angegeben werden muss/darf. Dann bekommt nämlich wenigstens die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Auch was die Kultur des Misstrauens betrifft, sehe ich da gewisse Unterschiede. Vielleicht auch naiv. Das ist natürlich ein Argument. Deshalb war/ist(?) mein Ziel auch eher, als Freelancer zu arbeiten. Da dürften solche Faktoren wohl eine deutlich geringere Rolle spielen. Soll im IT-Bereich ja nicht sooo einfach sein, das gleich nach dem Studienabschluss zu bewerkstelligen, aber viele schaffen es trotzdem. Sicher. Nach meinem Eindruck geht es aber gar nicht wirklich um "krumm" oder nicht krumm. Wieso ist ein Lebenslauf krumm, wenn jemand erst im kaufmännischen Bereich arbeitet und dann Design oder meinetwegen Psychologie studiert? Wenn jemand wie ich aber erst Geschichte, Soziologie, Journalistik studiert und anschließend Medieninformatik, dann ist der Lebenslauf krumm? Der entscheidende Unterschied liegt doch wohl darin, dass eine kaufmännische Lehre als "solide" angesehen wird. Die Fähigkeiten, die man sich in einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium aneignet - sich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten z.B. - interessieren in Wahrheit nämlich niemanden - bei uns. Könnte auch mit der Kultur des Misstrauens und der Risikoscheu zusammenhängen. Das glaube ich auch. Ich könnte mir nur vorstellen, dass in kleineren Betrieben solche individuellen Aspekte überhaupt zum Tragen kommen können, d.h. in einigen. Oder anders herum: dass in Konzernen generell nach Schema F aussortiert wird. Das gilt aber doch in jedem Alter, oder? Ich habe mich übrigens schon darauf eingestellt, dass ich wohl mein zwar begrenztes, aber immerhin vorhandenes Vitamin B einsetzen muss, um mich zumindest mal als Werksstudent o.ä. beweisen zu können. Eine andere Möglichkeit in meinem Fall wäre, mich in 3D-Animation und -Rendering einzuarbeiten und in dem Bereich ein Praktikum zu machen (durch Vermittlung). Die Frage ist nur, was ich mache, wenn sich in zwei Jahren herausstellt, dass dieser Bereich leider tot ist. Daher bin ich bisher davon ausgegangen, dass ein einschlägiger Studienabschluss nicht schaden kann.
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