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Meilenstein Mastermodul: Medizinische Grundlagen


Silberpfeil

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Das Modul Medizinische Grundlagen ist aus dem Masterstudiengang Soziale Arbeit und zum einen mein erstes Mastermodul überhaupt, das ich belege, und zum anderen das erste aus dem medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich meines Zertifikatsstudiums.

Die Studienbriefe behandeln die Themen:

1. Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung

2. Körperliche Erkrankungen und Behinderungen

3. Psychische Erkrankungen und Behinderungen

4. Sucht

5. Armut, Wohnungslosigkeit und Krankheit.

 

Auf den ersten Blick dachte ich, dass die Themen sehr auf die Bedürfnisse die Zielgruppe - künftige Sozialarbeiter:innen - abgestimmt ist. Sehr schnell kam ich dann aber an den Punkt, den ich schon in meinem Bachelor faszinierend fand: dass Gesundheit und Krankheit sehr abhängig ist vom sozialen Status. Es macht also keinen großen Unterschied, ob ich angehende Pflegefachkraft, Sozialarbeiterin oder Lehrerin bin, prinzipiell schaue ich auf dieselben Klienten.

Faszinierend fand ich das, weil ich vor dem Studium immer dachte, dass das Patientenklientel ein Querschnitt aus der Bevölkerung ist. Dass das nicht so ist, welche Gründe es dafür gibt und welche Konsequenzen das hat, hat mir neue Horizonte eröffnet.

 

Abgesehen davon habe ich meine Ausbildung in Frankfurt am Main an einem konfessionellen Krankenhaus absolviert. Den Pflichteinsatz in der ambulanten Pflege durfte ich in einer besonderen Einrichtung leisten: der Elisabeth Straßenambulanz der Caritas. Die ESA versorgt wohnungslose Menschen ohne Krankenversicherung medizinisch und pflegerisch, denn auch - oder besonders - wohnungslose Menschen sind chronisch krank und benötigen Medikamente oder pflegerische Leistungen. Es war einer der Einsätze, die mich am meisten geprägt haben: dass Menschen in dieser wunderschönen, prunkvollen Stadt in Nebenstraßen der Zeil oder auch direkt auf dem Vorplatz der Konstabler Wache im Winter ohne Schuhe im Dreck schlafen müssen und häufig ohne eigenes Verschulden in diese prekäre Lage gekommen sind, hat nachhaltig mein Denken verändert.

Von daher passt es sehr gut, dass die Studienleistung für dieses Modul keine Klausur, sondern eine Komplexe Übung sein wird, die sich hauptsächlich mit dem 5. Studienbrief befassen wird.

 

Thematisch ist für mich viel Wiederholung dabei, besonders natürlich der Teil der körperlichen und psychischen Erkrankungen. Neu und interessant war für mich im 1. Studienbrief alles zu den Themen Autismus Spektrum Störung und ADHS. Zum einen war das relevant in meinem Unterricht in Arzneimittellehre, da angehende Heilerziehungspfleger:innen häufig Bedarfsmedikation ausgeben. Zum anderen ist es als Lehrkraft auch sehr nützlich, hier zumindest Grundkenntnisse zu haben, wenn Lernende mit Problemen aus diesen Kategorien im Unterricht sitzen.

Als kleines Überraschungsbonbon fand ich dann den Studienbrief über Sucht noch absolut spannend. Nicht, dass ich das Thema vorher langweilig gefunden hätte, denn es begegnet mir in vielen verschiedenen Kontexten. Als Beispiel hatte ich erst kürzlich einen Patienten, der wegen einer ganz anderen Ursache (Unfall) auf Intensivstation war. Er hatte aber auch eine Alkoholabhängigkeit, und den Entzug hat er durch die Tage andauernde Narkose (umgangssprachlich das "künstliche Koma") sozusagen verschlafen. Natürlich haben wir uns gefragt, was passieren wird, wenn er nach Hause entlassen wird.

Der Studienbrief behandelt erst mal das Konstrukt Sucht und die Entwicklung von Sucht, wobei es hier sowohl auf neuronaler als auch auf entwicklungspsychologischer Basis behandelt wird. Dann gibt es noch Überblicke über die Wirkungen von psychoaktiven Substanzen und das Suchthilfesystem in Deutschland.

 

Alles in allem also ein wirklich lohnenswertes, spannendes Modul! Da hier im Forum häufig die Qualität von Studienmaterial Thema ist, habe ich auch die Kapitel, in denen ich umfangreiche Vorkenntnisse habe, mal daraufhin gelesen und kann sagen, dass die Tiefe angemessen ist für die angesprochenen Berufsgruppen. Der Fokus liegt nicht auf der Betrachtung der Physiologie und Pathologie, sondern viel mehr auf dem Kontext zur Lebenswelt.

 

Insofern stelle ich es mir für die Autoren auch schwierig vor einzuschätzen, was angehende Sozialarbeiter:innen im medizinischen Feld für Kompetenzen brauchen und welches Wissen dafür notwendig ist. Die Eingrenzung eines Themas ist häufig die größere Herausforderung als die anschließende Konzeption des Inhalts. Beispiel: Es werden in den Studienbriefen natürlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus und im Anschluss Skeletterkrankungen thematisiert, da diese zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland zählen. Wenn man hier noch den Einfluss der Ernährung unter dem Gesichtspunkt des sozioökonomischen Status bearbeiten würde, wäre der Studienbrief vermutlich 100 Seiten länger geworden.

Einzig das Thema Salutogenese fand ich etwas kurz abgehandelt, da gerade dieses Modell viele Ansatzpunkte zur Prävention und zur Entwicklung von Resilienz beinhaltet.

 

Ich bin gespannt auf die Komplexe Übung und werde berichten. Und übrigens: ich habe noch 1,5 Wochen Ferien. 🌼🥳

 

Viele Grüße

Silberpfeil

 

Bearbeitet von Silberpfeil

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