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Ich muss zur Verhaltenstherapie - es wird turbulent!

Forensiker

47 Aufrufe

Hallo liebe Blogleser,

 

mit dem Alter wird es besser. Manche Dinge allerdings werden irgendwie schlimmer.

Bei mir ist es eine Flugangst, die sich entwickelt hat. Ich bin bereits über 100x geflogen und hatte nie Angst. Ja gern wäre ich Pilot geworden und interessiere mich sehr für die Technik der Flugzeuge! Doch das Fliegen macht mir keinen Spaß mehr. Im Gegenteil: Es macht mir inzwischen Angst.

 

Wir hatten gar mal hier im Forum zum Anlass der Germanwings-Katastrophe darüber diskutiert. Es ist bei mir immer noch nicht besser geworden.

 

Was ich schön finde: Ich bin nicht allein! In der "Zeit" habe ich einen kleinen Beitrag von Wolfgang Bachmann aus 1990 dazu gefunden. Ist immer noch up-to-date und habe ich ungelogen genau so in den Osterferien erlebt und genau so erzählen können. Daher habe ich den Artikel 1:1 übernommen und nur die Ortschaften ausgetauscht. 

 

"Was hat mich nur dazu gebracht, in dieses verdammte Flugzeug zu steigen? Als ob es keine andere Möglichkeit gäbe, von Frankfurt nach Los Angeles zu kommen.

 

Da versprechen die Fluggesellschaften jeden Komfort an Bord, da wird die Konkurrenz mit besserem Schampus und zwei Zentimeter mehr Beinfreiheit überboten – und in Wirklichkeit schaukeln wir schon seit einer Viertelstunde durch die heftigsten Turbulenzen.

Nur unter Vernachlässigung aller Tischmanieren kann man einen Bissen in den Mund befördern, wenn einem der Appetit nicht sowieso schon vergangen ist. Wie der Dame neben mir beispielsweise, deren goldbereifte Arme sich unauffällig an die Polster klammern.

 

Natürlich habe auch ich Flugangst. Aber soll ich das zugeben? Ein Fünftel aller Nichtflieger bleiben unten, weil sie sich nicht in die Luft trauen. Wie es denen oben geht, sagt keine Statistik. Ich fliege etwa alle paar Monate, doch ich atme jedes Mal wieder auf, wenn die Triebwerke nach der Landung stillstehen. Gewiss werden wir auch heute sicher landen. Schon der Statistik zuliebe. Das Gefährlichste beim Fliegen, heißt es, sei die Fahrt zum Flughafen.

 

Es schaukelt so stark, dass die Stewardessen jetzt schon den Kaffee auf den Boden schütten. Der adrette Herr im Zweireiher spielt noch immer den abgebrühten Vielflieger, obwohl er schon seit Minuten an seinem Gummibrötchen mummelt und keinen Bissen hinunterkriegt. Mit den Fingerspitzen stützt er sich graziös an dem wackligen Tischchen ab, als ob er dort Halt finden könnte. Muss man das Tischchen eigentlich hochklappen, wenn wir abstürzen? Wohin dann aber mit dem Tablett? Und die Schwimmwesten! Einfach so drüber ziehen?

 

Aber das wird das trotz aller Turbulenzen immer noch lächelnde Flugpersonal sicher gleich ansagen; irgendwie unverfänglich, damit keine Panik ausbricht und die Passagiere nicht das Flugzeug ruinieren. Bestimmt gibt es einstudierte Texte, etwa: Bitte halten Sie jetzt ihre Pässe bereit. Da – an der Kabinendecke erleuchtet das Anschnallzeichen! Also doch nicht so ungefährlich, diese Turbulenzen. Die können ohne Vorwarnung selbst bei schönstem Wetter auftreten. Eine kratzende Stimme im Lautsprecher. Wir werden durch ein Gebiet mit Turbulenzen fliegen. Das tun wir doch schon seit zwanzig Minuten! Kann man diesem Taifun nicht ausweichen?

 

Keiner wird einem vorher sagen: Heute ist es ein bisschen unsicher, kommen Sie lieber morgen, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist. Da fliegen wir bei gutem Wetter und mit einer ganz neuen Maschine. Gebucht ist gebucht. Tatsächlich kann jedes Flugzeug abstürzen, sogar mit Prominenten drin. Denken wir an Buddy Holly, der wurde heute noch von seiner Peggy Sue singen ...

 

Als sich der Servierwagen selbständig macht und durch den Gang schießt, denke ich wirklich, gleich ist nichts mehr unter Kontrolle. Warum sammeln die Stewardessen so eilig die Tabletts ein? Nun geht auch das Licht aus. Und wieder an. Halt, wieder eine Ansage. Ah, Landeanflug! Schon? Ging ja schnell.

 

Aber ich sollte mich nicht zu früh entspannen. Noch drohen die gefürchteten Scherwinde. Start und Landung sind ohnehin am gefährlichsten. Immerhin weiß man jetzt, wo man ist. In zehn Minuten in Hollywood. Der Vielflieger am Fenster sieht schon wieder cool in seine Zeitung, die Dame klappert mit ihren Armreifen. Rums! Das war die Landung. Hab’ ich schon besser erlebt. Immerhin können wir jetzt nicht mehr abstürzen."

 

In diesem Sinne...

Euer Forensiker

 

PS. Hier das Video des Fluges bis zum Zwischenstopp in London

 

 



1 Kommentar


Empfohlene Kommentare

Markus Jung
 

Markus Jung  3.740

Geschrieben 12. April

  Zitat

mit dem Alter wird es besser. Manche Dinge allerdings werden irgendwie schlimmer.

 

Kann ich bestätigen. Im Flugzeug bin ich zwar entspannt, aber dafür habe ich eine Höhenangst entwickelt, besonders auf irgendwelchen wackeligen Aussichtsplattformen etc.

 

 

 

Forensiker  1.378

Geschrieben 12. April

Höhenangst habe ich außerdem noch 

 

KanzlerCoaching
 

KanzlerCoaching  1.693

Geschrieben 13. April

Ich habe mal ein paar Monate in Berlin gearbeitet und bin geflogen. Und: Ich fliege extrem ungern, schon immer!

 

Morgens nach Berlin ging ganz gut, weil ich trotz passender Zugverbindungen fast immer in zeitlichen Stress kam, in Frankfurt die Beine in die Hand nehmen und in strammem Tempo zum entsprechenden Terminal marschierte. Wenn ich dann im Flieger saß, war ich erst mal so erleichtert, dass das Start und mindestens die Hälfte der Flugzeit überbrückte.

 

Den Rückflug hab ich dann überstanden, indem ich, wenn der Service mit den Getränken durchkam, ein Glas Wein ganz schnell getrunken habe und dann mit einem leichten Glimmer im Kopf den Rest des Fluges inkl. Landung überstanden habe.

 

Los Angeles wäre mir zu weit. So viel Alk könnte ich gar nicht trinken!

 

 

 

 

Forensiker  1.378

Geschrieben 13. April

 

So viel Alk könnte ich gar nicht trinken!

 

Das soll man ja auch nur machen, wenn es einem gut geht 

 

Ansonsten kann ich inzwischen jeden verstehen, der nicht gern fliegt. Leider.

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