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nächstes Thema: spezifische Sprachschwäche

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Rumpelstilz

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In meinem nächsten Kapitel geht es um spezifische Sprachschwäche (SLI-specific language impairment).

"Spezifisch" ist sie deswegen, weil die Störung bei den betroffenen Kindern nur die Sprache betrifft und "sonst alles ok ist", dh. der IQ ist normal.

Nichtsdestotrotz tritt diese Störung häufig gleichzeitig mit anderen Störungen auf. "Spezifisch" ist sie trotzdem, wenn die Störungen nicht gekoppelt sind.

Zudem muss die Störung zur Abgrenzung von der Dyslexie und Leseverständnisschwäche sowohl die phonologische wie auch die semantische Ebene betreffen. Es muss also eine Störung (wenn es denn das Lesen betrifft) bei der Decodierung wie auch bei der Sinnerfassung vorliegen.

Weiter darf die Störung keine "externen" Ursachen haben, also nicht an einem schlechten Gehör oder einer cerebralen Störung liegen.

Ich halte es zwar für sinnvoll, normal intelligente Kinder mit einer spezifischen Störung entsprechend zu diagnostizieren, sodass sie nicht generell als "schwach" eingestuft werden. Trotzdem: in diesem Kapitel habe ich den Diagnosewahn ein bisschen satt bekommen.

Irgendwann werden die Abgrenzungen so unscharf, dass ich es für müssig halte, sich überwiegend mit ihnen zu befassen. Angenommen, ein Kind hat eine Sprachstörung und es hört schlecht. Ist es hier nicht sinnvoller, im Einzelfall anzuschauen, welche Therapie sinnvoll ist und welche Interventionen nützen, als dass man ewig hintestet, ob die Sprache nur schlecht ist, weil das Kind schlecht hört oder ob die Sprache unabhängig vom Gehör sowieso gestört ist.

Ich merke auch, dass mein Auffassungsvermögen diesbezüglich begrenzt ist: Ich kann nicht unendlich erfassen, was es nur genau bedeutet, wenn 32% der Probanden im Vergleich zur leistungsentsprechenden Gruppe bezüglich akkuratem Lesen im Bereich der phonlogischen Wahrnehmung schwach performen, aber nur 28% im Verlgeich zur altersgleichen Gruppe, im Bereich der anaphorischen Referenzen aber 51%, die altersentsprechung aber 13% liegt... ächz...sowas Seiten über Seiten. Naja, ich halte es auch nicht im Detail für wichtig für mich.

Interessanter war dann eine Studien, in der junge Erwachsene, die als Kind die Diagnose SLI (und entsprechende Unterstützung) erhalten haben, auf ihre Unabhängigkeit hin untersucht werden. Es zeigte sich, dass es eine extreme Bandbreite gibt: Einige führen ein völlig normales Leben, haben teilweise hohe Schulabschlüsse und akademische Karrieren gemacht und sind physisch wie psychisch völlig gesund. Es gibt allerdings schon einen Trend zur problematischen Entwicklung: In allen Bereichen schulische Abschlüsse, Gesundheit, Freundschaften, Zufriedenheit sind SLI-Probanden unterdurchschnittlich. Allerdings war diese Untersuchung rein auf die kognitive Leistung gestützt, es wurde z.B. soziale Hintergründe nicht darin einbezogen.

Offensichtlich wurde dass Leseverständnis in unserer Kultur eine wesentliche Fähigkeit ist, um unabhängig zu leben. Mathematische Mängel, Mängel bei der Schriftfähigkeit und sogar bei der gesprochenen Sprache lassen sich eher kompensieren als Leseverständnis.

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