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Beginn der PT1+2


TomSon

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Ich bin seit ca. 6 Wochen nun offiziell in der Ambulanz unserer Abteilung eingesetzt und kann erste Eindrücke berichten.

 

Zunächst arbeite ich aktuell 5 Tage pro Woche, da ich ja immer noch im Forschungsprojekt angestellt bin (3 Tage Forschungsprojekt, 2 Tage Ambulanz). Das entspannt zumindest die finanzielle Situation, denn in der Ambulanz bekomme ich ein halbes PiA-Gehalt. Davon ließe sich natürlich kein Lebensunterhalt bestreiten, aber auch mit dem eigentlichen PiA-Gehalt von ca. 1000€ geht das nicht wirklich. 

 

Der Hauptauftrag in der Ambulanz besteht darin, Erstgespräche durchzuführen und dann zu sehen, ob wir die Menschen in die Institutsambulanz einschließen können (dann erfolgt eine weitere Betreuung, siehe unten) oder an andere Stellen verweisen müssen. 

 

Erstgespräche sind sehr diagnostiklastig. Es geht darum, primär herauszufinden, ob eine Diagnose vorliegt, die wir im psychosomatischen Setting auch angehen können. Das sind in erster Linie Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen, somatoforme Störungen (Schmerzstörungen, aber auch Reizdarmsymptomatiken o.ä. funktionelle Störungen), Essstörungen, psychoonkologische Fälle und Adipositas-Sprechstunden. Es gibt auch noch andere Erkrankungen aus dem somatischen Bereich, die psychisch sehr belastend sein können (eigentlich jede chronische Erkrankung), sodass auch solche Patient:innen mitbehandelt werden - ich denke da z. B. an Tinnitus oder Neurodermitis u.ä.

 

Am Anfang habe ich das für ein bisschen "langweilig" gehalten, immer nur Diagnostik zu machen (sind ja fast immer dieselben Fragen, die man da stellen muss). Aber so langsam empfinde ich das als sehr wertvoll, weil es sehr spannend ist herauszufinden, was denn nun alles hinter der Depression oder der Angst steckt und auch, wie die Leute trotzdem bis jetzt damit zurecht gekommen sind oder eben auch nicht. Es stimmt schon irgendwie, dass keine Erkrankung der anderen gänzlich gleicht, weil ja doch viele Faktoren und auch Komorbiditäten reinspielen. Besonders wertvoll finde ich in dem Zusammenhang unsere wöchentlichen Treffen (die PiA-Supervision, aber auch die interdisziplinäre Fallbesprechung), da hört man dann auch viel über Fälle, die die anderen Behandler (PiAs wie ich, angestellte Psycholog:innen, aber auch Ärzt:innen) so haben und wie die damit umgehen. 

 

Wenn wir die Menschen weiterbetreuen, dann geht es darum, dass sie stationär oder teilstationär aufgenommen werden. Dafür gibt es z. T. lange Wartelisten, sodass wir sie bis dahin auch in der Ambulanz betreuen, z. B. in verschiedenen Gruppenangeboten (störungsspezifisch), z. T. auch über Verlaufskontrollen, die dann telefonisch oder auch vor Ort erfolgen. 

 

Im Moment ist die Anzahl der Patient:innen, die ich persönlich betreue, noch nicht so hoch. Das liegt auch daran, dass wir doch auch wieder Menschen weiterverweisen müssen. Teilweise passiert das auch, wenn die Störung nicht schwerwiegend genug ist, weil man das gegenüber dem Medizinischen Dienst dann nicht rechtfertigen kann, diese Menschen bei uns zu behandeln. (Die Krankenkasse kann dann auch im Nachhinein einfach die Zahlung der Behandlung verweigern.)

Es gibt aber auch Menschen, denen in anderen Einrichtungen, z. B. in der Psychiatrie, besser geholfen werden kann. Da zählen z. B. Suchterkrankungen dazu, aber auch jegliche Psychosen und demenziellen Erkrankungen.

 

Mittlerweile bin ich, glaube ich, ganz gut in der Ambulanz angekommen und habe mich auch in die Abläufe eingefunden. Ganz schlimm fand ich zu Beginn das Ordnungs- und Ablagesystem, das dort herrscht. Ich hadere da immer noch ein bisschen. Ich will da auch nicht zu viel erzählen, aber WARUM muss man EXCEL nutzen, um bestimmte Abläufe zu verwalten, wenn man ein Krankenhausverwaltungsprogramm hat?????? Und das Ordnersystem ist... die absolute Katastrophe. Ich suche immer noch verzweifelt nach dem RICHTIGEN Urlaubskalender (es gibt schon unzählige, die ich gefunden habe - sind nur einfach nicht die aktuellen), um meinen Urlaub für 2024 vorzuplanen. Aber ich schätze, da muss ich einfach etwas länger dabei sein, um das Chaos soweit durchdrungen zu haben.

 

Ansonsten habe ich jetzt seit langem wieder mal Ausbildungswochenenden - gleich drei hintereinander (zwei regulär, eines muss ich nachholen). Bei der letzten Selbsterfahrung konnte ich nicht dabei sein, da ich im Urlaub war. Es muss aber ordentlich in der Gruppen-Kiste gerappelt haben. Ich bin also gespannt, was mich da wieder erwartet. Irgendwann werde ich auch darüber berichten. 

 

✌️

1 Kommentar


Empfohlene Kommentare

Ach schön, dass du eine PT-Stelle hast! :) 

Ich glaube auch: Diagnostik ist einfach underrated. Ich überlege derzeit auch, mich in der KJP komplett in den Diagnostik-Bereich statt auf die Gespräche zu fokussieren. 

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