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Rezension: Das Beratungsgespräch - Skills und Tools für die Fachberatung

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Markus Jung

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Mir liegt die eBook-Version des Buchs "Das Beratungsgespräch: Skills und Tools für die Fach-Beratung" von Adelheid Wimmer, Josef Wimmer , Walter Buchacher und Gerhard Kamp als Rezensionsexemplar vor. Leider gab es keine Version für den Kindle, so dass ich am PC mit den Adobe Digital Editions gelesen habe. Es ist aber (mittlerweile?) auch eine Kindle-Version bei Amazon erhältlich. Und in gedruckter Form gibt es das Buch natürlich auch. (Amazon-Link*)

Es hat mich sehr gefreut, mal ein Buch über die Fachberatung zu finden, da ein großer Teil der sonstigen Literatur und auch mein Fernlehrgang zum Psychologischen Berater den Schwerpunkt eher auf die psycho-soziale Beratungsarbeit legt, die für mich in der beruflichen Praxis ja allenfalls eine Nebenrolle spielt. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die Unterstützung bei der Frage für (oder gegen) ein Fernstudium erhoffen.

Das vorliegende Buch kann mann sich in weiten Teilen wie einen Werkzeugkoffer vorstellen. Es werden verschiedene Tools in für sich weitgehend abgeschlossenen Kapiteln vorgestellt. Manche sehr knapp, manche etwas ausführlicher. Verbindungen zwischen den einzelnen Kapiteln sind nicht immer ersichtlich. Das Buch scheint auf Seminaren zu basieren, zumindest werden fast alle Inhalte auch nochmal in Form von Flipchart-Seiten dargestellt. Zum Teil fand ich diese Visualisierungen hilfreich, zum Teil durch die Wiederholung aber auch eher ermüdend.

Bevor es um die Praxis geht, werden zunächst einige theoretische Grundlagen vermittelt. So geht es im ersten Kapitel darum, was denn eigentlich Fachberatung ist, was sie von anderen Formen der Beratung unterscheidet und wo es Überschneidungen gibt (eine klare Abgrenzung ist oft gar nicht möglich).

Folgende Definition bildet die Basis für das Buch:

Unter Beratung verstehen wir eine kommunikative Situation, für die der Berater Fähigkeiten und Fertigkeiten („skills“) und Werkzeuge („tools“) braucht, um gemeinsam mit dem Klienten einen Problemlösungsprozess zielorientiert gestalten zu können.

Der Berater bringt also "Skills" und "Tools" mit ein, die im weiteren Verlauf des Buchs vermittelt oder zumindest genannt werden, während der Klient seine Ressourcen mitbringt.

Es folgt dann eine Abgrenzung zur psychosozialen Beratung und zur Prozessberatung.

Ein guter Fachberater verfügt laut Ansicht der Autoren über Fachkompetenz und Beratungskompetenz. Die Beratungskompetenz setzt sich zusammen aus methodischer Kompetenz, sozialer Kompetenz und personaler Kompetenz. Dazu wird ein Fünf-Säulen-Modell der Fachberatung (Fachwissen, Rollen- und Funktionsklarheit, Theorien und Modelle, Instrumente und Techniken sowie Selbstreflexion) vorgestellt und es werden sieben Aufgaben des Fachberaters (Fachwissen haben und aktuell halten, Beratungssituation gestalten, Kommunikationstools einsetzen, Lebensrealitäten erfassen, Kooperieren und Konfrontieren sowie sich selbst kennen und für sich sorgen) genannt. Anstelle dieser drei sehr ähnlichen, im Buch aber separat abgehandelten, Modelle hätte ich mir ein gemeinsames Konzept gewünscht.

Wie immer, wenn es um Beratung geht wird auch hier deutlich gemacht, wo die Grenzen liegen (zum Beispiel wenn es in Richtung Therapie geht, die ein Berater weder leisten kann noch darf) und wie Überweisungskompetenz aussieht (eben kein "abwimmeln").

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit psychologischen Aspekten der Beratung. Auch hier werden wieder verschiedene Konzepte recht isoliert für sich nacheinander kurz (meist 1-2 Seiten) abgehandelt, zum Beispiel Menschenbilder, mehrere Kommunikationsmodelle, Wertschätzung und Wertequadrat sowie Transaktionsanalyse, TZI und Körpersprache. Die Ausführungen können hier meiner Meinung nach allenfalls als Anregung dienen, sich mit einzelnen Themen intensiver zu beschäftigen.

Im dritten Kapitel geht es um die Praxis der Beratung, um Grundsätze, verschiedene Rollen des Fachberaters sowie Grundlagen zum Gesprächsablauf. Mit der Gesprächsführung geht es dann auch in Kapitel vier weiter. Hier werden in insgesamt 23 Unterkapiteln eine Vielzahl von Bereichen kurz angeschnitten wie zum Beispiel das Modell Schulz von Thuns der verschiedenen Seiten einer Nachricht, Verhandlungsmodelle, Umgang mit Konflikten oder Beratung am Telefon. Hier sollte meines Erachtens jeder für sich schauen, womit er etwas anfangen kann bzw. wo er für sich noch Handlungsbedarf sieht und vielleicht auch tiefer einsteigen möchte.

In Kapitel fünf werden einige Kreativitäts- und Visualisierungstechniken vorgestellt, die zum Teil aus dem Bereich der Moderation stammen (Brainstorming, Prio-Punkte kleben etc.), natürlich wird auf MindMaps eingegangen und auch die SPOT-Analyse (strenths, problems, opportunities, threads) wird vorgestellt - die ich bisher immer als SWAT-Analyse mit W für Weaknesses kannte, aber inhaltlich dürfte sich das wohl nichts tun.

Kapitel sechs verspricht einen Notfallkoffer für schwierige Situationen, es geht dann aber eher um den Umgang mit schwierigen Typen von Klienten - es wird auf fordernde, aggressive, wütend-tobende, enttäuschte, (besser-)wissende, "unehrliche", verzweifelte und sich beschwerende Klienten eingefangen sowie auf solche mit Verständnisproblemen und "Prinzipienreiter".

Im siebten Kapitel steht dann die Person des Fachberaters im Mittelpunkt. Insbesondere geht es darum, wie er mit den Belastungen des Berateralltags und den besonderen Herausforderungen wie dem ständigen Zeitmangel zurecht kommen kann. Unter anderem wird auf das Parato-Modell, Zeitfresser und Entspannung eingegangen.

Zum Abschluss wird noch ein Blick in die Zukunft der Fachberatung gewagt, bevor die Autoren vorgestellt werden und die Anhänge (Literaturliste und Stichwortverzeichnis) folgen.

Insgesamt fand ich dieses Buch sehr nützlich, um einen Überblick über verschiedene Bereiche der Fachberatung zu erhalten sowie viele Tipps über mögliche Werkzeuge und Vorgehensweisen. Dabei wirkt auf mich das Buch eher wie eine lose Sammlung, aus der sich jeder etwas heraussuchen kann und dann ggf. weiter einsteigen kann - denn dazu werden die Themen im Buch aufgrund der Fülle der Möglichkeiten zu oberflächlich behandelt. Ich werde sicherlich auch künftig immer wieder mal auf dieses Buch zurückgreifen, um mir Anregungen zu holen und vielleicht auch das eine und andere Thema noch weiter zu vertiefen.

* = Affiliate-Link


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4 Kommentare


Fernstudienakademie

Geschrieben

Spannende Rezension!

Hast Du denn das Gefühl, das Gelesene hat Deine eigenen Beratungsfähigkeiten verändert/verbessert? Würdest Du anderen in der Beratung Tätigen dieses Buch empfehlen?

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Markus Jung

Geschrieben

Vor allen Dingen war das Buch für mich eine gute Auffrischung. Ich habe schon zu Zeiten als Angestellter angefangen, mich für Kommunikation zu interessieren und alle betrieblichen Seminare genutzt, die ich dafür bekommen konnte (Kommunikation, Konfliktmanagement, Verhandlungsführung etc.) und auch danach immer wieder mal was in der Richtung und auch in Richtung Selbstmanagement gelesen. Vieles davon (Eisbergmodell, Watzlawick, Schulz von Thun, Pareto, usw.) kommt hier im Buch in stark abgekürzter Form wieder vor und wird dadurch erneut ins Bewusstsein gerufen.

Und ja, ich würde das Buch durchaus anderen Beratern empfehlen, die ein wenig reflektieren möchten oder an Anregungen interessiert sind, wo sie sich weiter entwickeln können. Und das Buch enthält auch viele Tipps für konkrete Situationen. Nur durch das Lesen selbst verbessert sich sicherlich keine Beratungskompetenz - das Gelesene muss dann schon auch umgesetzt und ausprobiert werden. Und tatsächlich erinnere ich mich in einigen Situationen (nicht nur im Beratungskontext) an manche Inhalte, zum Beispiel daran, dass es verschiedene Kommunikationstypen gibt, die auch unterschiedlich behandelt werden wollen, um mal eins heraus zu greifen.

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Fernstudienakademie

Geschrieben

Aufgrund Deiner Rezension habe ich das Buch jetzt einfach mal bestellt. Bin gespannt!

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Markus Jung

Geschrieben

Da bin ich jetzt aber auch sehr gespannt, was du berichten wirst und freue mich auf den Austausch darüber.

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      Guten Morgen,
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      Wir arbeiten beide Vollzeit, deswegen werden wir in Teilzeit studieren. Ich möchte euch mal unsere Ausgangssituationen schildern.  
      Vor allem mein Verlobter sucht schon länger nach einer Weiterbildungsmöglichkeit. Woran ist es bisher gescheitert? Die Kosten. Und die Zeit. Mein Verlobter arbeitet im Öffentlichen Dienst und hat 10 Stunden Tage, die um 6 Uhr beginnen. Dh wir stehen um 5 Uhr auf, entsprechend müde ist man am Abend und fällt ins Bett. Da am Abend noch von 17-21 Uhr in der Schule oder FH zu sitzen... nicht realistisch. Und die gemeinsame Zeit wird auch nochmal weniger. 
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