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Lernlust und Schule

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paulaken

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Im Kindergarten freute ich mich auf die Schule. Dann war ich in der ersten Klasse und die Realität (und die Wende) schlugen zu.

In der Grundschule war es noch ok. Ab der fünften Klasse war mein Fleiß verschwunden. Hausaufgaben habe ich morgens im Bus oder in der Pause vor der Stunde schnell aufs Blatt geschmiert. Gelesen, heimlich unter der Bank, habe ich schon vorher und das zuhören war dann auch schnell Geschichte.

Später stellte ich dann fest, dass es an meiner Schule problemlos möglich war zu Fehlen. Das habe ich dann doch irgendwann ausgenutzt und teilweise Fehlzeiten von 80% in einem Kurs erreicht. Das Abitur habe ich trotzdem ganz brauchbar bestanden, wiederholen musste ich nie. Meine Noten waren, abgesehen von Latein, auch im brauchbaren Rahmen.

Die Schulpflicht habe ich also, mehr oder weniger, abgesessen. Aber gern war ich nicht dort. Trotz entsprechend fehlendem Interesse galt ich als Streber. Später wurde mir dann vorgeworfen, dass ich zu viel Schwänzen würde.

Klassenkameraden oder Freunde waren also auch kein guter Grund um zur Schule zu gehen. Freunde konnte ich auch außerhalb treffen, dafür brauche ich nicht die Zeit zwischen den Pausen absitzen. So war damals mein Gedankengang.

Mein Problem war wohl hauptsächlich, dass vieles einfach zu oft wiederholt wurde. Was ich beim ersten Mal schon verstanden hatte, wurde noch ein zweites oder drittes Mal erklärt. Und wenn ich etwas verstanden hatte, habe ich auch keinen Sinn darin gesehen, das nun zehn mal zu üben.

Am schlimmsten habe ich meinen Geschichtsunterricht aus der Oberstufe in Erinnerung. Meine Lehrerin hatte deutlich weniger Ahnung als ich und hat eine Menge falsche Dinge erzählt. Anfangs habe ich noch diskutiert und versucht zu erklären, was eigentlich richtig ist. Aber das wollte weder die Lehrerin, noch die Klassenkameraden hören. Also blieb ich irgendwann weg und erschien nur zu den Klassenarbeiten. Auf diesen Kurs hatte ich 14 Punkte im Zeugnis bekommen.

Gelernt habe ich sicher einiges, aber Spaß gemacht hat mir das nicht. Ich wusste, es gibt eine Schulpflicht, also muss ich da durch. Und wirklich wichtige Dinge, wie Lernmethoden z.B., habe ich nie gelernt. Ich kann bis heute nicht auswendig lernen. Ein Überflieger war ich auch nie, das Konzept passte nur nicht zu mir.

Heute habe ich eine Tochter, inzwischen in der fünften Klasse. Sie hat einige Besonderheiten, ist aber recht clever. Trotzdem scheitert sie gerade an der Schule und wir bewegen uns gerade wieder auf den Schulfrust zu, den es schon in der Mitte der ersten Klasse gab. Dort konnte ich durch einen Klassenwechsel den Frust abbauen. Inzwischen sehe ich nicht viele Möglichkeiten, außer zu versuchen, dass sie auf dieser Schule bleiben darf. Aber ich weiß jetzt schon, dass sie wahrscheinlich nicht mehr gern zur Schule gehen wird.

Aber bei 30 Kindern in einer Klasse, gibt es einfach keine Möglichkeit um auch nur ansatzweise individuell zu handeln. Das wäre aber notwendig um mehr Schüler mit Spaß und Erfolg durch die Schule zu bringen.

Inzwischen lerne ich gern. Allein und individuell am besten. Ich möchte Lernen und Wissen dazu gewinnen, aber auch heute noch passt Gruppenunterricht nicht zu mir. Das merke ich auch momentan wieder. Ich besuche gerade eine Weiterbildung, die inhaltlich sehr spannend ist. Aber ich langweile mich oft. Der Vorteil ist nur, dass ich diese Weiterbildung von zu hause aus mache und es damit nicht auffällt, dass ich ca 80% des Kurses zwar zuhöre, aber parallel andere, auch kognitive Dinge, mache.


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4 Kommentare


Hallo,

bei Dir ist doch alles in Ordnung - Du hast vermutlich einfach eine raschere Auffassungsgabe als andere und die

Schule mit dem Abitur verlassen - mit recht wenig Lernaufwand. Super - hab ich mir immer gewünscht.

Das Du jetzt studierst zeigt doch das dein Lerninteresse nicht gelitten hat.

Viel schlimmer finde ich diejenigen, die an unserem Schulssytem scheitern - weil diese System nicht zu ihnen

paßt und die aufgeben und nicht mal einen Schulabschluß hinbekommen obwohl das überhaupt nichts

mit Dummheit zu tun hat.

Hast Du schon überlegt ob deine Tochter im Richtigen Schultyp unterwegs ist?

Meine Nichte ist erst wieder zum Mensch geworden nachdem Sie eine Montessori Schule besucht hat.

Bereits in 2. Klasse wollte die Grundschule an die Förderschule verweisen - dieses Jahr macht das Mädl sein Abitur.

Sie hat einfach länger gebraucht, war langsamer, verträumter, verspielter und das paßte nicht in ein Schulsystem

das möglichst frühzeitig Kinder in Bildungsgruppen aufteilt.

Es gibt alternative Bildungswege die das Interesse und die Freude am Lernen fördern nur muß man als Eltern den

Mut haben diesen "anderen" Weg zu gehen.

Gruß

HarryPotter

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Ja, im Grunde hast du Recht: ich hatte einfach Glück und mit recht wenig Aufwand das Abitur bekommen. Aber die Jahre dahin waren nicht ganz so locker ;)

Im Grunde genommen war es eine Sammlung von stetiger Langeweile, Mobbing/Ausgrenzung, Vorgeführt werden (durch Lehrer - es gibt nur wenig Lehrer, die damit umgehen können, wenn ein Schüler einfach mehr weiß) und ähnlichem. Ich bin bewusst in dem Text nicht auf Lehrer und Mitschüler eingegangen, das wäre ein sehr vernichtendes Bild für die Schule geworden.

Eigentlich wundert es mich, dass ich heute studiere. Die Voraussetzungen dafür hat aber sicher nicht die Schule geschaffen.

Bezüglich meiner Tochter habe ich mich sehr intensiv mit verschiedenen Schulkonzepten, Schulformen und Bildungswegen beschäftigt. Sie hat eine körperliche Besonderheit, die sie im Alltag einschränkt, besonders beim Schreiben in der Schule. Gleichzeitig ist sie aber ein Typ, der sehr starke Strukturen und Lenkung braucht. Am besten würde zu ihr eine staatliche Schule mit sehr kleinen Klassen passen. Freie Konzepte, wie Walldorf oder Montessori, würden dazu führen, dass sie sich mit bestimmten Themen (Deutsch, Schreiben) gar nicht mehr beschäftigt. Auch würden sie die Freiheiten des Konzeptes überfordern.

Ich habe für sie eine Schule ausgesucht, die den bestmöglichen Kompromiss bildet um ihre Stärken zu nutzen, aber auch ihre Schwächen beachtet.

Eigentlich sollte sie ursprünglich auf eine Förderschule für emotionale und soziale Auffälligkeiten. Nach der (Regel)-Grundschule sollte sie auf eine Förderschule für Körperliche und motorische Entwicklung (wenn es nach dem grundsätzlichen Schulkonzept ginge). Sie besucht ein normales Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt.

Durch einen Nachteilsausgleich und engen Kontakt zu den Klassenleitern versuche ich sie nun durch die Schule zu bringen.

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Hallo,

ich glaube die MEISTEN Schüler haben sich auf irgendeine Art "blaue" Flecken in der Schulzeit geholt.

Jeder auf seine ganz eigene Art und Weise. Und wie sinnvoll war diese Zeit für jeden ? - Für mich war die gesamt

Schulzeit von der Grundschule bis zum Schluß nur zum k.... mein Selbstwert ging total verloren bzw. konnte sich

nicht entwicklen.

Durch die "Auffälligkeit" deiner Tochter muß sie natürlich schon allein deshalb noch mehr Hürden

nehmen als andere. Aber Du als Mutter kannst nur deine Teil beisteuern und darfst nicht erwarten

das deine Tochter ohne "blaue Flecke" durch die Schulzeit kommen wird - auch wenn ich Ihr und

allen andern Kindern das wirklich wünsche.

Du kannst ihr nur zeigen das Du an Sie glaubst und zu Ihr stehst. Sie bei Ihrem Weg durch die

Schulzeit möglichst gut unterstützen, auch wenn es mal nicht rund läuft, und mehr kann man als

Elternteil nicht tun - denke ich.

Gruß

HarryPotter

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Markus Jung

Geschrieben

Super, dass du doch gleich an der Blogparade teilgenommen hast :-)

Ich kann bis heute nicht auswendig lernen.

Ich auch nicht bzw. nur mit sehr großem Zeitaufwand. Das macht es gerade in unserem Schul- und auch Hochschulsystem oft schwierig.

Wobei, informell lerne ich viel auch auswendig, wenn es mich interessiert. Nur mir Texte oder Listen Wort für Wort einzuprägen für eine Prüfung bereitet mir große Probleme.

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      Außerdem bin ich total undiszipliniert. 
       
      Ich habe in den zwei Jahren 44 Hefte bearbeitet. Angefangen habe ich damit, alles wichtige raus zuschreiben. Zusammenfassen, bunte Stifte benutzen, Mindmaps, Vokabeltrainer, usw.. Ich habe die ersten Hefte seehr gründlich bearbeitet. Das hat mich nach einiger Zeit demotiviert. Ich fand Fehler in den Heften, der Stoff wuchs mir über den Kopf hinaus, ich wurde nachlässig. Also wurde ich immer gröber in der Bearbeitung der Hefte, bis ich mein Ziel ganz aus den Augen verloren habe. Was ich von den Heften noch weiß? So gut wie nichts, würde ich sagen. Es ist kaum was hängen geblieben.
       
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