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Mündliche Abi-Prüfungen Tag 1: Bio und Englisch

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Mupfel

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Nachdem ich am 30.05. meine Prüfungsergebnisse aus den schriftlichen Prüfungen bekommen hatte, bekam ich auch gleich meine Zulassung für den zweiten Prüfungsteil inkl. 2 Prüfungsterminen für die 4 regulären mündlichen Prüfungen (die Mathe Nachprüfung war einen Tag davor).  Da ist mir auch zum ersten Mal aufgefallen, dass das doch ein Vorteil in Hamburg gewesen wäre: Zwischen schriftlich und mündlich liegen etwa 2-3 Monate, hier waren es ca. 4 Wochen (kommt immer drauf dran an, welche schriftlichen Prüfungsfächer man gewählt hat und wie die Termine dafür im jeweiligen Jahr liegen).

Die Zeit ging sehr schnell rum und ich habe sie auch wirklich gebraucht. 8 Fächer gleichzeitig lernen hat für mich nie gut funktioniert, deshalb habe ich erst überwiegend die schriftlichen Fächer bearbeitet und die mündlichen dann nochmal im Turbogang, als ich die schriftlichen Prüfungen durch hatte.

 

Ein weiterer Nachteil war, dass ich mir keine 2 Prüfungsthemen bzw. Halbjahre pro Fach aussuchen konnte, in denen ich geprüft werde. In Hamburg wäre in Sozialkunde mündlich (was ich jetzt schrifltich belegt habe) z.B. klar gewesen, dass der Nahost-Konflikt drangekommen wäre. Es bestand (bzw. war für den Antrag ausdrücklich verlangt) die Möglichkeit, anzugeben, welche Themen man "eingehend und mit besonderem Interesse" bearbeitet hatte. Es gibt aber keine Garantie, dass man auch darin geprüft wird. Letztlich habe ich dann also doch alle 4 Halbjahre und die Themen, die die Kerncurricula dafür vorschreiben, gleichermaßen gelernt.

 

Zwischen den Prüfungen an einem Tag lagen immer rund 3 Stunden. Erst fand ich es ziemlich gruselig, alle 4 Prüfungen an zwei Tagen machen zu müssen. Im Nachhinein war das aber gar nicht so schlecht. An einzelnen Pausetagen hätte ich wahrscheinlich lerntechnisch sowieso nicht mehr viel geschafft. Was dann nicht saß, war eben einfach Pech.

 

Um zu bestehen brauchte man in 2 Fächern mindestens 5 Punkte und in 2 Fächern mindestens einen Punkt. Allerdings auch insgesamt 80 Punkte nach Multiplikation mit dem Faktor 4. 5,5,1,1 hätte also nicht gereicht.

 

 

Biologie

... habe ich verhauen. Und das gleich als erste Prüfung. Danach war ich erstmal super entmutigt, wäre es so weitergegangen, hätte ich es nicht geschafft. 4 Punkte, Katastrophe! Hier hat sich eindeutig gezeigt, dass ich zu viel meine Nase in irgendwelche Bücher gesteckt habe, dafür aber vergleichsweise wenig Originalaufgaben durchgegangen bin. Ich glaube eine oder zwei :rolleyes: Auch habe ich weder anderen noch mir selbst (Selbstgespräche können tatsächlich beim Lernen helfen) großartig biologische Zusammenhänge erklärt. Letztlich wurde mir auch gesagt, dass das das Hauptproblem war (offenbar typisch für Externe). Man muss sich einfach früher angewöhnen, auch über diese Themen zu sprechen, statt es nur im Kopf durchzugehen und auf Karteikarten zu schreiben. Außerdem habe ich das Material zu unkonzentriert ausgewertet. Also auch in Bio sollte mal viel mit Prüfungsaufgaben vorbereiten und üben, die Theorie auf konkrete Sachverhalte anzuwenden.

 

Ich bekam eine Aufgabe zur Artbildung von Wasserschnecken. Zum Material gehörte ein kurzer Text, eine Karte, die die Verbreitung verschiedener Arten zeigt, und eine Tabelle mit verschiedenen äußerlichen Merkmalen der Schneckenarten und deren jeweilige Ausprägung. Wichtig im Text war z.B. dass es eine Landverbindung gegeben hatte (Australien - Neuguinea).

 

Ich sollte dann erstmal erklären, wie sich diese Arten gebildet haben. Hier weiß ich gar nicht so genau, was ich falsch und was richtig erklärt habe. Ich habe aber direkt selbst gemerkt, dass ich da einiges durcheinanderwerfe, habe es aber spontan auch nicht mehr wirklich retten können. Mein Ansatz war geographische Isolation, Unterbrechung des Genflusses, daraufhin entwickelten sich die Schnecken in einzelnen Gebieten unterschiedlich weiter, In diesem Zusammenhang habe ich dann noch Evolutionsfaktoren im Allgemeinen aufgezählt (Mutation, Gendrift, Selektion etc.). Puh, also ich weiß, dass da einiges richtiges dabei war, aber so ganz getroffen habe ich den Kern der Frage nicht. Ich habe mir auch schon die Finger nach dieser blöden Schneckenart wundgegoogelt, habe aber bisher nicht genau das gefunden, was ich da abgefragt wurde :D

 

Bei den Fragen zur Tabelle sollte man die Verwandtschaftsbeziehungen auswerten. Ich wusste zwar was Homologie ist, was man aus Ähnlichkeiten schließen kann und was nicht, konnte das theoretisch erklären, aber nicht wirklich auf dieses konkrete Schneckenbeispiel anwenden. Bei der Tabelle habe ich einfach mal nur Bahnhof verstanden.  Auf die spätere Nachfrage, ob die verschiedenen Arten sich mittlerweile (=Landbrücke weg) miteinander fortpflanzen können, habe ich blöde Nuss auch mit Nein geantwortet. Richtig wäre gewesen, dass zwar Nachkommen zeugen können, aber eben keine fruchtbaren Nachkommen (--> Hybride) . Bestes Beispiel dafür sind Pferd+Esel. Au man...!

 

Danach kamen noch ein paar Fragen aus dem Rest meines Prüfungsberichts, z.B. zur PCR. Auch blöd, ich wusste was das ist, was man damit machen kann und wie es grob funktioniert. Sämtliche Einzelschritte, wer sie erfunden hatte etc. allerdings nicht.  Mit diesen Fragen hätte ich also noch was rausreißen können. Aber da zeigte sich mal wieder eines meiner Haupt Fernabi-Probleme: nicht genau wissen, was man nun gaaanz genau lernen sollte und was nicht. Zu embryolanen Stammzellen hätte ich richtig loslegen können :D

 

Wenn ich so zurückblicke, waren die Aufgaben aber fair und mit Routine gut machbar. Ich habe aber viel in den falschen Hals bekommen und ohne ordentliche roten Faden wiedergegeben. Die paar Punkte gab es aber dafür, dass man mir anmerkte, dass ich das grundsätzlich schon alles gelernt hatte und überwiegend Bescheid weiß, nur das Übertragen auf die Prüfungsaufgabe lief echt bescheiden.

 

Ich hatte schon mit 2 Pünktchen mehr gerechnet, aber mit etwas Abstand war das schon echt nicht so toll, was ich da abgeliefert habe :D

 

Englisch

Ein paar Stunden, nachdem ich wegen Bio schon meine Felle davonschwimmen sah, schlug das dann ins komplette Gegenteil um. In Englisch habe ich 15 Punkte bekommen, obwohl ich da viel mehr damit gerechnet hätte, schwach abzuschneiden. Immerhin hatte ich da eigentlich gar nicht mal so viel Routine sammeln können.

 

Ich bekam ich einen Text über eine deutsche Studentin, Theresa, die gerade in Indien ist. Mit einer Gruppe von indischen Kollegen ist sie picknicken. Die Gruppe hat viel zu viel Essen dabei und auch nicht gerade pappige Stullen, sondern ziemlich opulente Snacks. Ebenfalls vor Ort sind ein paar Kinder, die offensichtlich ärmer sind, da sie deutlich unterernährt aussehen, schmutzig sind, Läuse haben.

Als die Gruppe wieder nach Hause gehen will, haben sie noch massig Essen übrig. Sie wollen es aber lieber den Wölfen hinwerfen, als es den Kindern zu geben.

Theresa scheint das etwas zu schocken und sie fragt nach, ob sie es nicht lieber den Kindern anbieten wollen. Die anderen antworten ihr, dass die Kinder verlaust sind und Touristen wie sie einfach zu weichherzig.

 

Aufgabe 1: Zusammenfassen

Ist mir gut gelungen, ich fand den Text verständlich. Allerdings bin ich hier schon ein bisschen in Aufgabe 2 reingerutscht. Ich habe dann damit übergeleitet, zu sagen, dass ich nun schon auf Aufgabe 2 eingegangen war und darauf nun auch näher eingehen werde. Das war wohl eine super Überleitung. Ich hatte es eher als schlecht befürchtet, es nicht ganz genau voneinander getrennt zu haben.

 

Aufgabe 2: Analysieren, woran die Unterschiede zwischen wealth/decadence und poverty zu erkennen sind. Das war meiner Ansicht nach ziemlich offensichtlich. Einmal Studenten (=bildungsnah etc), die mehr zu essen haben, als sie brauchen, und das auch noch lieber den Wölfen vorwerfen als den armen Kindern. Dem gegenüber die Kinder, denen man schon äußerlich angesehen hat, dass sie arm sind.

 

Aufgabe 3: Einen Satz erklären (ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr, aber es ging um die Antwort des einen Typen, dass die Touristen sich immer so anstellen, wenn sie die armen Kinder sehen). Hier habe ich ein paar verschiedene Möglichkeiten eingebracht. Z.B. dass die EInheimischen diesen Anblick gewohnt sind, es für europäische Augen hingegen schockierender ist. Oder dass sie zwar wissen, dass ihr Verhalten nicht moralisch ok ist, sie es aber nicht sehen wollen und daher Theresa, die hinterfragt, einfach als zu emotional abstempeln...

 

Aufgabe 4: Zum Vergleich eine meiner Lektüren heranziehen und darauf eingehen. Hier habe ich 'Death of a Salesman' genommen. Der Protagonist, Willy Loman, ist ebenfalls der überheblichen Ansicht, dass die Armen selbst für ihr Leid verantwortlich sind und zeigt daher keinerlei Mitgefühl.

 

 

Mein Vortrag war damit beendet. Im anschließenden Prüfungsgespräch wurde dann noch mehr auf die Lektüren eingegangen, vor allem auf 'The Great Gatsby'. Ich sollte z.B. Gatsby und Loman vergleichen, bisschen erklären warum Gatsby so sein könnte, wie er ist etc. Dann noch ein kleiner Ausflug zum "American Dream" (auch Thema des Kerncurriculums) und wie ich das einschätze, ob dieses Erfolgsstreben gut ist oder eher nicht. Solche Fragen 'liebe' ich ja :D Meine Antwort war also: theoretisch ist das nichts Schlechtes, aber wenn man sieht, was es aus Gatsby und Loman gemacht hat, hat der 'American Dream' in diesen Fällen falsche Ausmaße angenommen. Am Ende haben sich beide Figuren selbst ruiniert.

 

Ich bin dann raus und wusste gar nicht, womit ich rechnen soll. Inhaltlich war ich sicher, das ordentlich hinbekommen zu haben. Als wir über die Lektüren redeten habe ich aber z.B. ein paar Mal Charaktere verwechselt bzw. gesagt, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich nicht gerade Teile von 'Death of A Salesman' mit 'The Great Gatsby' verwechsle :-S Das waren die Lektüren, die ich in den Tagen vorher nochmal durchgegangen bin mit Lektüreschlüssel. War wohl etwas zu viel auf einmal.

Außerdem fiel mir dann erst auf, dass ich beim Sprechen wirklich null über die Grammatik nachgedacht habe und hatte Bammel, deshalb auch viele Fehler gemacht zu haben.

 

Tja offenbar habe ich mich da komplett falsch eingeschätzt. Mir wurde gesagt, dass das alles nicht besser hätte sein können und alle Prüfer einstimmig für die Note waren. Ich habe inhaltlich alles abgedeckt, hatte einen guten Wortschatz, habe alles schön miteinander verknüpft und insgesamt nur 4 oder 5 Grammatikfehler im kompletten Vortrag und dem anschließenden Prüfungsgespräch (und einer davon war wohl nur sowas wie im Redefluss „he“ statt „she“ gesagt).Ich habe dann erstmal spontan angefangen zu heulen :D und gesagt, dass ich das für gut, aber niemals für SO gut gehalten hätte aus dem o.g. Gründen. Ich habe das aber wohl schlimmer wahrgenommen, als es war.

 

Nach diesem Prüfungstag wusste ich dann, dass ich die Mindestpunktzahl (80, jedes Fach wird mit den Faktor 4 multipliziert), am nächsten Tag quasi gar nicht mehr unterschreiten konnte. 0 Punkte durfte ich natürlich trotzdem nirgendwo haben. Aber in Religion ist das fast unmöglich und in Erdkunde... möglich wenn man gar nichts hinbekommt aber auch nicht so wahrscheinlich.

 

So nah können Freud und Leid beieinanderliegen :D

 

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3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Bio hört sich anspruchsvoll an. Mündlich ist doch GK-Niveau?

Ich hatte in den PKs im Bio-LK eine Aufgabe zur Evolution, die deiner ähnlich ist (Artbildung etc., nur statt Wasserschnecken gab es bei mir Vögel) und in meiner zweiten Aufgabe ging es in einem Teil davon auch um die PCR. Bei der PCR war ich in den PKs mit den Details auch ins Straucheln gekommen...

 

Glückwunsch zur perfekten Englischprüfung! :thumbup:

Eine mündliche Prüfung, in der ich eine Fremdsprache sprechen müsste, hätte ich mir nicht zugetraut. Und dann mit diesem traumhaften Ergebnis... Großen Respekt für diese Leistung :thumbup1:

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Bio war bei mir auch so ne Sache... ich meine, die Note war im Endeffekt perfekt, aber während der Prüfung hab ich teilweise echt gezittert, weil ich so aufgeregt war. Musste u.a. nen Reflexbogen auf ne ne Overhead-Folie zeichnen, und bei den Axons hat man das Zittern echt gesehen^^

Als zweites Thema hatte ich übrigens auch Evolution, weiß allerdings gar nicht mehr was genau dran kam;)

 

Eine zu sprechende Fremdsprache ins Mündliche zu legen hätte ich mich auch nicht getraut, aber ich hatte ja Glück, als zweite Fremdsprache Latein, da war es ja kein Problem, das als mündliches Fach zu wählen.

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