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Eine andere Art des Lernens


Kruemmelchen

614 Aufrufe

Der Anfang ist ja schon etwas her.

Die erste Blockveranstaltung liegt schon länger hinter mir und in der Zwischenzeit habe ich immer wieder versucht die Techniken im beruflichen Kontext, auch wenns super schwer ist in der klassischen Medizin, einzubringen.

Natürlich bin ich häufig an die Grenzen des Möglichen gestoßen, denn in der Notfallmedizin funktioniert es einfach nicht. Da muss ich diagnostizieren und nicht beraten.

Allerdings werde ich in letzter Zeit immer häufiger dazu gezogen wenn es um "heikle" Gesprächsführungen geht. Da habe ich immer Mal wieder die Möglichkeit systemisch tätig zu werden - zumindest ansatzweise. Sei es nun im Kontext mit Angehörigen oder auch gerade mit den betroffenen Personen. Das eine oder andere Mal bin ich da allerdings schon fast an meine Grenzen gestoßen.

Auch die Intervisionen, welche wir mindestens einmal im Monat abhalten, konnten diese Problematiken bei mir nicht aufklären. Dieses liegt evtl. daran, dass meine Intervisionsgruppe alle beraterisch tätig sind und deren Klienten in den meisten Fällen freiwillig kommen und sich Hilfe erwünschen.

Wenn ich allerdings (in meinem Beruf) berate, dann immer weil es richtig miese Informationen gab und ich die Patienten und Angehörigen auffangen und ihnen Halt geben musste. 

Also bin ich heute Morgen enthusiastisch gestartet in meinen Lehrsupervisionstag und ich war voller Hoffnung, dass ich unter Umständen einen Schups in die Richtung bekommen würde, damit mir persönlich klar wird, wie ich mit diesen Beratungssituationen besser umgehen könnte. 

Es ist auf keinen Fall so, dass ich mich mental dazu nicht in der Lage fühle oder es nicht schaffe mich zurückzuhalten oder sonst was. Aber ein bisschen Handwerkszeug wäre da schon hilfreich. 

Als der Rat mit einer Supervision für unser Personal aufploppte musste ich mir leider ein bisschen auf die Zunge beißen. Immerhin scheinen insbesondere Krankenhäuser da immer noch in der Steinzeit zu leben. Pflegerisches und ärztliches Personal müssen so etwas einfach können und das professionell. 

Anscheinend gibt es für diese Art der Beratungssituationen keine wirklichen Hilfestellungen. Selbst langjährige BeraterInnen gaben heute zu, dass gerade Beratungen in "Zwangsituationen" nicht nur unbefriedigend sondern auch teilweise fast unmöglich sind. 

Anscheinend stelle ich mich also intuativ gar nicht so dusselig an, denn immerhin schaffe ich es den PatientInnen und Angehörigen einen Halt zu geben.

Aber ich muss sagen, dass ich meinen Supervisior heute doch schon ordentlich gefordert habe mit meinen Spezialfällen.

Und auch wenn es sich so anhört, als wenn ich nicht ganz zufrieden bin, kann ich ganz klar sagen: Ich bin sehr überzeugt von diesem Weg und hoffe, dass ich irgendwann nicht nur die unterschiedlichen Tools (und davon gibt es super viele) erlerne sondern auch die innere Haltung einnehmen kann. 

Auch wenn es etwas konfus klingt, wollte ich euch nur einmal einen Überblick über den aktuellen Stand geben. Denn ich bin der Meinung, dass professionelle Beratung auch professionell erlernt werden sollte. Immerhin ergeben sich Beratungssituationen in fast unendlichen Kontexten.

Zum Glück habe ich ja noch meine unterschwelligen Beratungen, in denen ich eine sinnvolle Tätigkeit ausübe und mein erlerntes Wissen sogar ohne Widerstände ausüben kann

5 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Was mich zu Deinen beruflichen Situationen interessiert: Spielt hier der Faktor Zeit eine Rolle? Also muss es trotz der, für die Betroffenen, Ausnahmesituation schnell gehen? Oder hast Du hier die Möglichkeit, Dir die notwendige Zeit zu nehmen, bis Du das Gefühl hast, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um das Gespräch zu beenden?

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vor 55 Minuten schrieb Markus Jung:

Was mich zu Deinen beruflichen Situationen interessiert: Spielt hier der Faktor Zeit eine Rolle? Also muss es trotz der, für die Betroffenen, Ausnahmesituation schnell gehen? Oder hast Du hier die Möglichkeit, Dir die notwendige Zeit zu nehmen, bis Du das Gefühl hast, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um das Gespräch zu beenden?


In diesen Fällen: Tod eines Angehörigen oder auch wenn der Patient erfährt, dass er eine infauste Prognose hat, dann darf ich mir die Zeit nehmen, die benötigt wird

Das sind einfach Themen die kann man nicht zwischen Tür und Angel oder gar unter Zeitdruck besprechen

 

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vor 2 Minuten schrieb Muddlehead:

Solche Situationen "ständig" bewältigen zu müssen und das nicht mit nach Hause zu nehmen....Hut ab.


Das ist ja zum Glück nicht ständig der Fall, sondern eher die Ausnahme. Natürlich nimmst du manche Dinge mit nach Hause.

Keiner kann von sich behaupten, dass er da komplett einfach einen Schalter umlegen kann. Aber man muss Strategien entwickeln und damit klar zu kommen.

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vor 23 Stunden schrieb Kruemmelchen:

dann darf ich mir die Zeit nehmen, die benötigt wird

 

Das tut gut zu lesen, dass dies auch in der heutigen Zeit noch möglich ist, wo das Gesundheitswesen stark kommerzialisiert ist. 😊

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vor 4 Minuten schrieb Markus Jung:

 

Das tut gut zu lesen, dass dies auch in der heutigen Zeit noch möglich ist, wo das Gesundheitswesen stark kommerzialisiert ist. 😊

Das ist aber auch wirklich eine Ausnahme, denn meine Chefs und auch die der anderen Fachdisziplinen greifen da gerne auf mich zurück. 
Immerhin haben sie dann mehr Kapazität und sie wissen, der Patient ist in guten Händen

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