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Supervisoren


Vica

301 Aufrufe

Kann man eigentlich in der Ambulanz/Praxis-Zeit fröhlich Patient:innen aufnehmen und therapieren, wie man lustig ist? 😄 Das hĂ€tte was: Man mĂŒsste nur irgendwie einen Raum in einer Praxis organisieren und könnte ja eigentlich loslegen und seine 600 Behandlungsstunden sammeln. Irgendwie nice, dafĂŒr, dass man noch gar nicht approbiert ist - oder?

NatĂŒrlich ist das nicht so - die Therapiestunden mĂŒssen bei PiAs supervidiert werden und zwar in einem VerhĂ€ltnis von 1:4. Das bedeutet, dass jedes 4.GesprĂ€ch (pro Patient) nachbearbeitet wird. Supervisor:innen sind approbierte Psychotherapeut;innen (oder Psychiater:innen) mit Supervisions-Weiterbildung. Eine Supervisionssitzung kostet zwischen 80 und 100€, 50 davon ĂŒbernimmt das Institut. Einzelsupervisor:innen sieht man, wie der Name schon sagt, einzeln. Gruppensupervision ist hingegen eine Sache, bei der man natĂŒrlich als Gruppe auftaucht (5 Maximum, 4 Minimum -> man muss nicht derselbe Kurs und auch nicht dasselbe Ausbildungsinstitut sein). 
Einzelsupervision geht idR 45 Minuten, wo man bis zu 3 Pat. besprechen kann.
Gruppensupervision geht 180 Minuten und findet meistens abends statt, denn nur da können alle. Jeder kann hier bis zu 3 Pat vorstellen, wÀhrend einer mit dem Supervisor spricht, hören die anderen zu (bei uns ist es also keine Gruppendiskussion)
Supervisor:innen segnen auch Berichte fĂŒr KrankenkassenantrĂ€ge ab und können Therapien mit Patient:innen auch ablehnen. 

Supervisor:innen können ziemlich interessant Persönlichkeiten sein. 

Einzelsupervisor
Mein Einzelsupervisor hat seine Praxis ungefĂ€hr 10-15 Fahrradminuten (je nach Ampellage) von mir entfernt. Wir sehen uns so im 4-Wochen-Rhythmus. Es ist ein ehemaliger leitender Psychologe einer Klinik, der sich jetzt auf Supervision spezialisiert hat. Er kocht immer Kaffee fĂŒr mich, wenn ich komme. Sein Steckenpferd ist die Emotionsfokussierte Therapie. Das ist insbesondere fĂŒr traumatisierte und depressive Patient:innen oder solche mit Angststörungen geeignet. Klaro fließt das dann auch in die Therapieempfehlungen mit ein. Ich finde das nicht schlecht, vor allem da EFT-Seminare aus dem Ausbildungs-Curriculum gestrichen wurden.  Er hat etwas Herbes an sich, aber auch einen trockenen britischen Humor, den ich ziemlich schĂ€tze. Da er lĂ€ndlich gearbeitet hat, versteht er insbesondere die Sorgen und Nöte von Patient:innen, die aus den Dörfern kommen, denn dort herrschen mitunter andere soziale DrĂŒcke. DiesbezĂŒglich rĂŒckt er immer wieder meinen Blick gerade. Ich muss auch sagen, dass ich mit ihm nicht immer einer Meinung bin, stellenweise war ich auch schon recht angesĂ€uert. Allerdings komme ich genau bei solchen Reibungspunkten stark ins Arbeiten. Auch hat er mir bereits einen Patienten gestrichen und war der Erste, der merkte, dass in meiner alten Praxis was nicht stimmt. 


Gruppensupervisor ("Gandalf")
Wie der Name schon sagt, ist dies ein Supervisor, den ich mit einer Gruppe aufsuche. Wir treffen uns ebenfalls alle 4-6 Wochen, aber online, da wir alle weit auseinander wohnen.  Ich bin mit 5 anderen aus unserer Gruppe zusammen. In Natura kennen wir ihn auch: Bei dem wir auch die  Selbsterfahrung auf dem Land gemacht haben, er kennt uns daher ziemlich gut. Dieser tritt zwar bescheiden auf, ist aber ein hohes Tier innerhalb der dritten Welle, hat viele Werke ins Deutsche ĂŒbersetzt, kannte noch Klaus Grawe, ist befreundet mit Andrew Hayes und war es mit Aaron T. Beck. Er ist ein Experte fĂŒr kognitive Umstrukturierungen, hat aber auch die Doppelapprobation PP/KJP. Ein ziemliches weiser Typ, dabei aber auch unkonventionell, der nicht so sehr hasst wie starre Strukturen - das gibt es relativ hĂ€ufig in solchen Leistungs-Dingern wie Psychologie, dass man dazu neigt, den hohen Anforderungen mit Überstruktur zu begegnen (zB sich peinlich genau an Manuale zu halten, statt individuell Lösungswege zu finden). Er ermutigt uns immer wieder, ungewöhnliche Wege zu gehen, was ich super finde. Mich erinnert er stark an Gandalf 😄 "Gandalf" möchten wir nicht mehr missen. Sein Wissensreichtum ist unglaublich. NatĂŒrlich ist er dann auch fordernd. Er antwortet auf keine Frage direkt, sondern immer mit Anekdote oder Denkaufgabe. 


Berner-Master-Supervisorin (Gruppe)
Unser Institut hat ja eine Kooperation mit der Uni Bern und hierfĂŒr mĂŒssen wir 3 Patient:innen nach dem Berner System

behandeln.  NatĂŒrlich braucht es auch dafĂŒr Supervisor:innen, welche ebenfalls den Berner Master besitzen. Unsere Gruppe hat sich ĂŒber ein Schwarzes Brett gefunden. Wir treffen uns ebenfalls online, da auch diese Teilnehmer:innen weit auseinander wohnen. Diese Ă€ltere Dame ist ebenfalls ziemlich unkonventionell, humorvoll und genauso wie "Gandalf" gegen Perfektionsdruck. Sie ist gleichzeitig sehr fordernd und stellt sehr schneidende, fundamentale Fragen, die vor allem darauf abzielen, verhĂ€rtete Vorstellungen in Frage zu stellen (,,Gibt es Ihrer Meinung nach eine Pflicht, sich glĂŒcklich zu fĂŒhlen?"). Ich mag sie ebenfalls sehr. Außerdem ist sie ein sehr gutes Rollenmodell fĂŒr Online-Therapie.  

KJP-Supervisor:in to be
Da ich ja auch KJP mache, muss ich noch insgesamt 6 ambulante FĂ€lle fĂŒr Kinder- und Jugendliche behandeln. Das ist aktuell noch nicht der Fall, somit habe ich dann natĂŒrlich auch noch keine:n Supervior:in.  


Jede Supervision muss dreifach dokumentiert und 2x unterschrieben werden. 

Ihr seht, warum man mit der Ambulanz alleine gut beschĂ€ftigt ist 😄 Besonders anstrengend sind Supervisionen allerdings, wenn man neben der Praxis noch einen Klinikjob hat.  Man kommt gefĂŒhlt gar nicht mehr in den Feierabend, wenn man bis spĂ€t abends noch Gruppe hat. DarĂŒber kann ich im Moment nicht klagen - umso besser, sich der Ambulanz Vollzeit zu widmen. 

Bleibt gesund und haltet zusammen,

LG

Feature Foto: SHVETS_Production/pexels.com

Bearbeitet von Vica

3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

TomSon

Geschrieben

Mal eine kurze RĂŒckfrage zur Freigabe von Patient:innen durch Supervisoren: FĂŒhrst du ein ErstgesprĂ€ch mit den Patient:innen, sprichst dann mit dem/der Supervisor:in und erhĂ€ltst dann ein 👍 oder 👎?

 

Oder filtert der/die Supervisor:in die Patient:innen, ohne dass du vorher ein GesprĂ€ch fĂŒhrst (wobei dann die Frage wĂ€re anhand welcher Kriterien)?

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Am 11.5.2023 um 14:10 schrieb TomSon:

Mal eine kurze RĂŒckfrage zur Freigabe von Patient:innen durch Supervisoren: FĂŒhrst du ein ErstgesprĂ€ch mit den Patient:innen, sprichst dann mit dem/der Supervisor:in und erhĂ€ltst dann ein 👍 oder 👎?

 

Oder filtert der/die Supervisor:in die Patient:innen, ohne dass du vorher ein GesprĂ€ch fĂŒhrst (wobei dann die Frage wĂ€re anhand welcher Kriterien)?


Das ErstgesprĂ€ch muss immer ein Approbierter aus der Praxis oder der Institutsambulanz machen. Dieser entscheidet, ob die Person mit Krankheitsbild augenscheinlich fĂŒr PiAs geeignet ist. Dabei werden Patienten auch gefragt, ob sie zum/zur PiA möchten. Falls das okay ist, nehme ich dann Kontakt auf. Im Grunde machen diese Approbierten die Freigabe.
Der Supervisor kommt da noch nicht ins Spiel. 
Dann sieht das so aus:
- Sprechstunde 1 zum Kennenlernen
- Probatorik 1
- Probatorik 2
- Probatorik 3 (SpÀtestens hier muss der Patient dem Supervisor vorgestellt werden)
- Probatorik 4
- Antrag an die KK, Bericht geht an Supervisor. 

Nur in besonders krassen FĂ€llen sagt der Supervisor, dass wir den Fall abgeben. Er kann das zu jedem Zeitpunkt entscheiden. Bei mir war es jetzt aktuell 2x der Fall 😅

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