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misconceptions

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Rumpelstilz

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Wieder einmal habe ich einen englischen Titel gewählt: misconceptions.

Warum? Weil es wieder einmal eines der Wörter ist, die m.E. nicht so einfach auf Deutsch übersetzt werden können: Es ist nicht einfach eine 'falsche Auffassung' oder ein 'Missverständnis'. Es ist eher ein verfehltes Konzept. 'Verfehlen' hat für mich eine andere Bedeutung als 'falsch', da es an anvisiertes Ziel beeinhaltet. Und ein Konzept ist nicht genau das gleiche wie 'Verständnis', da es eine Vorstellung, die man sich macht, enthält.

Warum dieser sprachliche Exkurs?

Im 'science'-Kurs ging es heute um das transitionale Modell des Lernens, bei dem der Lehrer als derjenige angesehen wird, der das Wissen 'besitzt', das den Schülern vermittelt werden musst.

Man hat herausgefinden, dass die Schüler Vorstellungen oder eben Konzepte von naturwissenschaftlichen Phänomenen haben (z.B. Strom fliesst in die Lampe, damit die leuchtet), die nicht einfach dadurch zu revidieren sind, dass man ihnen sagt, dass es anders ist.

Dazu gabe es einige recht eindrückliche Videos u.a. von Absolventen des MIT (in ihren Graduationsroben und Mortarbord!), die behaupteten, ein Baum bildet Material für seinen Baumstamm überwiegend aus dem, was er aus der Erde zieht.

Ein Aufsatz hat dann die Thematik beleuchtet, dass neues Wissen immer auf dem aufbaut, was an Wissen im Schüler schon vorhanden ist - auch wenn dieses nicht der naturwissenschaftlichen Vorstellung entspricht. Dh. wissentschaftliche Beobachtungen beruhen immer auf einer Theorie, man muss also wissen, worauf man schauen will. Man nutzt immer die eigenen Konzepte, um zu beurteilen, was man beobachtet.

Für effektiven Unterricht in den Naturwissenschaften ist es also wichtig, dass die Schüler sich selber und dem Lehrer erst mal bewusst machen, welche Vorstellungen sie haben (Objekte bewegen sich nur, wenn eine Kraft auf sie einwirkt. Warum fällt ein Apfel dann auf den Boden, wenn ich ihn loslasse?). Erst wenn die Vorstellung von etwas Schüler und Lehrer klar ist und man herausgefunden hat, wo es an seine Grenzen stösst (Apfel fällt 'von selber' runter) kann ein neues bzw. ergänzendes Konzept zur Sprache gebracht werden, das dann auch mit weiteren Beobachtungen ergänzt werden kann (z.B. Ebbe/Flut).

Aufgabe des Schülers ist, abzuchecken, inwiefern Beobachtungen in sein bestehendes Konzept integriert werden können oder ob und wie das Konzept angepasst werden muss.

Und das ist dann der konstruktivistische Ansatz des Lehrens und Lernens.

Ich habe bei der Lektüre heute an Markus gedacht, dem das Kapitel "Konstruktivismus" bei seine Psychologiekurs sehr fremd war, weil es nach 'ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt' klang. Ich glaube, eine wichtige Ergänzung damals wäre gewesen: Wir machen uns immer eine Vorstellung von den Dingen. Eine schlecht passende ist immer noch besser als gar keine. Assimilation und Accomodation nach Piaget ist das Integrieren in diese und Anpassen dieser Konzepte, sodass die Erfahrungen, die man macht, erklärt werden können. Und nichts anderes macht die Naturwissenschaft.

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1 Kommentar


Empfohlene Kommentare

interssantes Thema, wie schon mal gesagt,w enn ich mal sehr viel Zeit habe muss dich das alles mal vertiefen.

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