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Lernlust - meine Geschichte

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kitsune

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Hier mein Beitrag zur Lernlust-Blogparade :)

In der Grundschule war ich wohl das, was man als absolute Streberin bezeichnet. Selbst meine Klassenlehrerin war manchmal (auf liebevolle Art und Weise) ein wenig genervt von meinem Ehrgeiz. Mir machte Schule einfach Spaß, vor allem nachdem ich lesen gelernt habe - mein Bücherkonsum war enorm, was ich auch meinem Vater zu verdanken habe, der mir ohne Wenn und Aber sämtliche Bücherwünsche erfüllt hat. Ab ca. der 3. Klasse ging es dann leider los mit meinen Kopfschmerzen. Heute weiss ich, dass es schon immer Cluster-Kopfschmerzen waren, damals war das noch nicht bekannt, man ging von Migräne aus. Trotz der vielen Fehlzeiten gehörte ich aber noch zu den Klassenbesten und die Schule war sehr verständnisvoll.

Nach dem Übergang zum Gymnasium wurde aber alles schnell anders. Die Schule hatte überhaupt kein Verständnis für meine Krankheit, trotz guter Noten, und es wurde mir auch unterstellt ich würde schwänzen oder sonstwas. Das Ganze wurde zu einem Teufelskreislauf: je mehr ich in manchen Monaten gefehlt habe, desto mehr Angst hatte ich nun auch, wieder zur Schule zu gehen um mir wieder anhören zu müssen, ich solle mich mit meinen Kopfschmerzen doch mal nicht so anstellen. Die 7. Klasse musste ich dann wiederholen und da begann dann auch eine schwierige Zeit mit Depressionen.

Trotz der Schwierigkeiten wollte ich immer lernen. Ich las sehr viel zu allen möglichen Themen und habe zuhause selber weiter Englisch gelernt, worüber ich heute (als Studentin an einer englischen Uni) wirklich froh bin. Irgendwann bin ich kaum noch zur Schule gegangen. Bei der Therapie zu meinen Depressionen wurde mir dann Schulunfähigkeit bescheinigt - ich war also von nun an aus dem System raus, was einerseits den Druck rausnahm und eine Erleichterung war, andererseits aber auch sehr viel Unsicherheit über die Zukunft verursachte. Ich wollte immer gerne studieren, doch dieses Ziel war nun in weiter Ferne. Ich fing an hier und da zu arbeiten und lernte nebenbei fleißig weiter und las viel. Im Jahr 2009 ging dann ein Kindheitstraum in Erfüllung: ich ging für ein Jahr nach Japan. Vorher lernte ich selber Japanisch - und habe wochenlang den ganzen Tag kaum etwas anderes gemacht. Das zeigte mir mal wieder, dass es wohl nicht an Dummheit gelegen hat das es mit der Schule nicht geklappt hat.

2011 kam dann meine Tochter zur Welt. Kurz darauf erhielt ich auch endlich meine Diagnose Cluster-Kopfschmerz und es gab nun endlich Hoffnung auf Besserung. Diese Hoffnung war es auch, die mich nochmal hat recherchieren lassen und kurze Zeit später war ich für den Abiturlehrgang an der SGD angemeldet. Das Lernen machte mir unglaublich viel Spaß, auch neben dem stressigen Mama-Dasein. Dann fand ich die OU, die mir das Studium auch ohne Abitur ermöglichte. Nach längeren Überlegungen fing ich dann dort an zu studieren und dieses Gefühl, endlich das machen zu können, was man immer machen wollte - unglaublich. Für die meisten Menschen ist das so selbstverständlich. Schule, Abi, dann eben studieren... Ganz normal. Für mich ist es wirklich etwas Besonderes und ich kann kaum beschreiben, wie froh ich bin, doch noch hier hin gekommen zu sein. :)

Manchmal denke ich noch an die schlimme Zeit im Gymnasium zurück. Fragen wie "Was wäre wenn... ich auf eine andere Schule gegangen wäre, mit verständnisvolleren Lehrern? ... ich schon früher meine richtige Diagnose erhalten und dazu Hilfe bekommen hätte?" und so weiter. Andererseits bin ich auch eigentlich froh darüber, wie es gelaufen ist, denn das hat mich nun mal zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, gerade auch auf das eigenständige Lernen bezogen.

Seit ich mit dem Studium angefangen habe, nimmt meine Lernlust auch schon nahezu exzessive Züge an, wie man hier manchmal mitbekommt... :D Aber es macht einfach Spaß und erfüllt mich, und mir ist es allemal lieber meinen Abend mit Büchern und MOOCs zu verbringen als vor dem Fernseher (außer es kommen gute Dokus!) :)

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4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Es ist schön zu lesen, dass du trotz aller Widrigkeiten im Studium angekommen bist und jetzt das lernen kannst, was dich interessiert und dir Freude macht :)

Einiges, was du schreibst, erinnert mich so an mich selbst. Dass man manche Dinge nur über Umwege erreichen kann, diese "Was wäre gewesen, wenn..."-Fragen...

Deine Geschichte hat mich beim Lesen sehr berührt.

Respekt dafür :)

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Heftig. Vielen Dank für deine Geschichte - sehr, sehr beeindruckend.

Besonders krass finde ich es, dass du bereits seit früher Schulzeit mit deinen Kopfschmerzen zu kämpfen hast - und statt Unterstützung und Verständnis eher mit Widrigkeiten und Unverständnis konfrontiert warst, bis hin zur Bescheinigung der Schulunfähigkeit.

Umso schöner, wie du dennoch deinen Weg gegangen bist und jetzt mit dem Studium an der OU auch angekommen zu sein scheinst bei einer Lernform, die genau das Richtige für dich ist.

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