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Psychiatrie, Woche 8: Dankesschreiben, Inspiration & Vorstellungsgespräche

Vica

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Die achte Woche meines Praktikums liegt hinter mir. Zum Corona-Fall auf der Geriatrie - also dem Bereich für unsere alten Patienten - habe ich nichts mehr gehört. Eigentlich steht noch ein letzter Test an und ich weiß nicht mal, wie der zweite ausgefallen ist. Zur Erinnerung: Ein Pfleger dort war positiv getestet worden. Natürlich hatte er relativ engen Kontakt zu den Patienten unter Einhaltung der Hygieneregeln. Da passen tatsächlich alle gut auf. Kniffelig ist, dass er die essgestörten Patienten dort begleitet hat - da muss er selbst mitessen, um eine Vorbildfunktion einzunehmen. Das geht natürlich schlecht mit Maske. Hoffentlich hat es der Abstand getan. 
Dem erkrankten Pfleger selbst geht's wohl nicht so super. Aber das weiß ich nur vom Hörensagen. 

Meine Hospitation ist übrigens zu Ende, da "mein" Patient entlassen wurde. Es war ein schwer Depressiver mit Borderline und Derealisationserleben. Seit Woche 2 habe ich bei seine Einzeltherapien sozusagen als Zuschauer begleitet. Aber ich durfte auch Achtsamkeit mit ihm machen und mit ihm spazieren gehen. Leider galt er auf Station als eher hoffnungsloser Fall. Nicht mal die risikoreiche Elektrokonvulsionstherapie hat etwas genützt. Seine Suizidalität nahm im Verlauf des Aufenthalts eher zu
Ich persönlich habe nie eine Depression von diesem Ausmaß gesehen. Wir haben einige Depressive auf Station, aber dieser Fall toppt alles (sagen selbst die Betroffenen). Viele Depressive bei uns sind so eine Art "Maskenträger". Sie geben sich nach außen fröhlich, gesprächig und "ich-hab-ja-alles-im-Griff"-mäßig, damit niemand das vulnerable Innere sieht.
Mein Patient allerdings ist anders. Die Depression zerfrisst ihn wie ein Krebsgeschwür. Ganz ohne einen bewussten Auslöser.
Zuletzt konnte er sich zu gar nichts mehr aufraffen. Zu seiner Entlassung hat er aber Dankesschreiben an seine Therapeuten, Physios und zu meiner Überraschung auch an mich geschrieben. :) 

 

Derweil muss ich sagen: Stünde ich nochmal vor der Frage eines Themas für die Haus-, Projekt- und Masterarbeit(en): Hier in der Klinik müsste man nicht suchen. Es gibt 1001 Themen dafür, die mir spontan einfallen würden. Die internen Forschungsprojekte hier (wo auch Studis + Praktikanten mitmachen dürfen) liegen zwar wegen Corona noch brach, da hätte ich mich also nicht mehr dran beteiligen können. Aber dennoch gäbe es hier viele, viele Möglichkeiten ein wichtiges, klinisches Thema aufzugreifen. 
Auch deswegen würde ich jedem ein klinisches Praktikum empfehlen, bevor es an die großen Arbeiten geht. 

 

Nächste und übernächste Woche habe ich Vorstellungstermine bei Ausbildungsinstituten und bin furchtbar aufgeregt. Durch CORONA finden diese alle natürlich per Zoom, Skype usw. statt. Oh je, so viele Online-Meetings hatte ich noch nicht und ich habe das Gefühl, dass ich mich immer ziemlich blöde bei sowas anstelle. Keine Ahnung, ob ich mich da gut verkaufen kann :( Aber ich schätze, man muss es eben einfach mal versuchen und vielleicht läuft es ja besser als meine anderen Meetings, die zum Glück keine Vorstellungsgespräche waren. Ist das eigentlich Übung? 


Weiterhin tüftele ich fleißig an der MAsterarbeit. Obwohl ich quasi die gesamte Arbeit nach dem Zubettgehen der Kinder bis hin zu meiner eigenen Schlafenszeit nutze, gilt hier das Prinzip "mühsam ernährt sich das Eichhörnchen". Macht nichts. Auch Schnecken kommen ins Ziel. Außerdem hat @MichiBER mit seiner Online-Druckerei-Empfehlung voll ins Schwarze getroffen bei mir, so dass ich sie schon deswegen schneller abschließen will, um bald so einen tollen Buchdruck in der Hand zu haben :D Ja, ich gestehe, ich bin ein Design- und Verpackungsopfer. Ich achte viel auf die Optik der Dinge. Ist ein Produkt schön verpackt, ist es um mich geschehen :D 

Sachen gibt's.
Aber dahinter steckt Psychologie, Leute :) 

Bleibt gesund, optimistisch und haltet zusammen!

Vica


Feature Foto: Magda Ehrlers | pexels.com

 

 



3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Zitat

Sie geben sich nach außen fröhlich, gesprächig und "ich-hab-ja-alles-im-Griff"-mäßig, damit niemand das vulnerable Innere sieht.

Und bekommen dann in ihrem Umfeld, wenn sie sich denn mal offenbaren, noch die unvermeidbaren Kommentare und Ratschläge („Duuuuuu? Du bist doch immer gut drauf!“, „Duuuuu? Also komm, Dir geht‘s doch so gut, Du hast ein schönes Leben, denk mal an die armen Menschen denen es wirklich schlecht geht.“, „Duuuuu? Ja, Du gehst auch zu wenig raus / machst zu wenig Sport / hast keine ausfüllenden Hobbies / hast ja auch echt zugenommen, das zieht einen natürlich runter.“)
 

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Dein Praktikum klingt auf jeden Fall so, als hättest Du viel gelernt und sehr davon profitiert. 
Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deine Vorstellungsgespräche. Vielleicht ist es online ja auch ein bisschen leichter, weil es für beide Parteien ein bisschen ungewöhnlich ist. Wird schon! 👍🍀

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Online-Meetings, meine Meinung und Erfahrung:

  • Technisch gut machbar
  • ja, du gewöhnst dich schnell daran
  • wenn du richtig drin bist, vergisst du das Setting recht schnell - zumindest, sofern technisch alles läuft. Anstrengend finde ich es dann, wenn es zu Aussetzern kommt etc.
  • Vorteil: Du bist in deiner gewohnten Umgebung und kannst es dir so einrichten, dass es sich für dich drum herum gut anfühlt mit einer Tasse Lieblingstee, Fotos oder was auch immer dir da hilft.

Viel Erfolg!

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