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Neue Praxis gesucht


Vica

862 Aufrufe

Viele der Versprechen der Praxisinhaber haben sich leider als Geschwätz erwiesen. Am Anfang will man das nicht wahrhaben und sucht den Fehler gerne auch bei sich: Schließlich ist man ja neu und kennt die Abläufe ja noch nicht so, das wird sich schon legen :rolleyes:. Dann kam ich irgendwann in so eine Phase, wo ich dachte: Es muss ja der Job Spaß machen, nicht das Drumherum. Wobei...bei anderen schien es aber wesentlich besser zu laufen. Schließlich kam der Zeitpunkt, wo andere Kurskollegen, Freunde und auch meine Supervisoren (das sind Approbierte (Therapeuten oder Psychiater), die die Rechtsverantwortung für meine Fälle haben - die sind extern und haben mit der Praxis nix zu tun) anfangen, mich zu warnen. Selbst als mein Institut der Praxis die Kooperation aufkündigen wollte, weil sie den Verdacht hatten, dass ich finanziell ausgequetscht werde, habe ich da die Praxis noch verteidigt. Tjoa...warum eigentlich? Ich habe manchmal so den inneren Drang, Dinge durchzuziehen, egal wie stark die Widerstände sind. Das hat sich im Fernstudium als wirkungsvoll erwiesen. In der Welt des Gesundheitswesens (überhaupt generell im Arbeitsleben!) hingegen ist das nicht immer angebracht. Manchmal absolut nicht. Zeit, mal seine alten Grundsätze zu hinterfragen und über Bord zu werfen. Darum finde ich aber auch wichtig, solche Storys hier zu erwähnen, weil ja viele von euch wieder in die therapeutische Richtung wollen und ebenfalls einen Fernstudium-Background haben. 

 

Wann kam für mich der Wendepunkt?

Seitdem nun 2 neue Therapeuten eingestellt wurden, sind mir endgültig die Felle davon geschwommen. Ich habe keinen Raum mehr und um den einen verfügbaren streiten sich schon die beiden anderen. 

Um mal Bilanz zu ziehen:

  • Kein Raum - daher ist arbeiten nur noch zu sehr schwierigen Zeiten möglich. Z.B. vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr, wenn alle anderen weg sind. Das nervt auch die Patienten. 
  • Das bedeutet: Ich kann nur unter sehr schwierigen Bedingungen und wenig arbeiten. Dadurch sammle ich weder Stunden, noch Einkommen. Patienten müssen teilweise Durststrecken hinnehmen, da ich es nicht schaffe, sie wöchentlich unterzukriegen. 
  • Sittenwidrig hohe Raummiete (Mein Institut hat den Verdacht einer Querfinanzierung und möchte die Kooperation daher nicht fortführen) 
  • Es wurde versprochen, dass ich die Räume der anderen Therapeuten nutzen darf, wenn die gerade keine Termine haben. Seltsamerweise klappt es aber nie, selbst wenn sie keine Termine haben, darf ich nicht rein. Auf einmal gibt es dann sehr hohe Bedingungen, zu denen ich dann rein kann, das war so nie abgesprochen. Die Auflagen sind so hoch, dass man es sich besser generell sparen kann. 
  • Kein Zugang zu Therapiematerialien (wie zuvor versprochen!), was richtiger Mist ist. 
  • Keine Mitarbeiter, wie angekündigt, die die Tests auswerten. Praktikanten bleiben nie lange. 
  • Eingeschränkter Zugang zum Internet, somit kann ich meinen VPN-Zugang zum Institut nicht nutzen (zum Dokumentieren, Kartenlesen etc.). 
  •  Die Patienten, die an mich weitergegeben werden (nach Vorgespräch mit den Betreibern!), eignen sich nicht für Gesprächstherapien - es handelt es sich um teilweise sehr schwere Störungen, die stationär und die Hände eines Psychiaters gehören. Andere Patienten sind therapieresistent (schon bei vielen Praxen abgelehnt worden) oder das Störungsbild ist absolut unklar. Viele Fälle wurden von meinen Supervisoren abgelehnt, somit musste ich sie niederlegen.
  • Generell seltsame Struktur dort - es werden Dinge versprochen, an die man sich später nicht mehr erinnern kann. Jeder zieht autark sein Ding durch. Mein Gefühl ist da eher, dass ich ein Störenfried bin. Es gibt keine Anbindung an die anderen, da es keine Teamsitzungen gibt. Es gibt keine anderen PiAs und ich habe keine Ansprechpartner. 

 

Es ist mir echt schwergefallen, mich dazu durchzuringen, das hier aufzugeben, trotz aller validen Punkte. Doch es ist insgesamt einfach zu wenig, dafür dass ich das Dreifache an der üblichen Miete zahle. Insgesamt habe ich das Gefühl, mein Geld ist überhaupt hier alles, was zählt. :64_zipper_mouth: Gespräche habe ich natürlich schon geführt. Insgesamt wird da dann immer Verständnis entgegengebracht und angekündigt, dass sich Dinge ändern - und dann widerholen sich alle Punkte. 

 

Da Gejammer aber nicht hilft, bin ich jetzt auf Anraten vieler tätig geworden und suche aktuell nach einer neuen Praxis. Zum Glück hat sich mein Institut da vollumfänglich bereit erklärt, zu helfen und stand mir da sofort zur Stelle. Es gibt aktuell Verhandlungen mit einer Institutsambulanz hier, die zum selben Dachverband wie mein Institut gehört: Dort arbeiten ausschließlich PiAs und Supervisoren und Mitarbeiter sind vor Ort, Räume gibt's genügend. Ebenfalls gibt es dort keine weiteren Mieten (ist in den monatlichen Beitragszahlungen enthalten). Wenn das klappen würde, wäre ich ziemlich happy. Zumal dort auch Leute arbeiten, die ich kenne (u.a. Arbeitskollegen aus der Klinik und sogar noch aus meiner Praktikumsklinik aus dem Master :11_blush:). Es wäre zudem sicher super, mit anderen PiAs zu arbeiten und sich auszutauschen. 

 

Also, Daumen drücken, dass das klappt :11_blush: Für die Patienten ergibt sich kein Nachteil hier, da ich diese mitnehmen darf und kann. Beides liegt 5 Gehminuten auseinander, so dass man keinem einen nervigen Marsch durch die Pampa zumuten muss. Trotzdem muss man halt sehen, wie sie darauf reagieren. 
 

Spannend geht es auch mit Runde 2 der Vorstellungsgespräche für einen psychologischen Nebenjob weiter (mehr demnächst!) 😁

Bleibt gesund und haltet zusammen, 

LG

Feature Foto: Cottonbro/pexels.com 

Bearbeitet von Vica

4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Oh je... Das erinnert mich an meine Zeit der Selbstständigkeit, als ich als HpPsych versucht habe, Fuß zu fassen. 🙈

Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du bald was besseres findest. 🤞🤞🤞

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Spannend wie sehr man selbst immer nicht wahrhaben will, wie sehr man ausgenommen wird. Ist doch eigentlich alles total im Rahmen und Veränderung kraft- und zeitintensiv, also lieber alles so lassen, passt schon irgendwie... bis man es sich selbst nicht mehr einreden kann.

Man braucht leider häufig den Kopf gewaschen von außen, bis man sowas merkt 🙂

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Am 16.3.2023 um 14:29 schrieb unrockbar:

Spannend wie sehr man selbst immer nicht wahrhaben will, wie sehr man ausgenommen wird. Ist doch eigentlich alles total im Rahmen und Veränderung kraft- und zeitintensiv, also lieber alles so lassen, passt schon irgendwie... bis man es sich selbst nicht mehr einreden kann.

Man braucht leider häufig den Kopf gewaschen von außen, bis man sowas merkt 🙂


Ja, das stimmt - meine Menschen hier haben sehr feine Antennen dafür. Ich dagegen leider ein Brett bzw. Garagentor oder sogar Hauswand vorm Kopf...😅 Ich bin schon ziemlich froh, sie als Korrektiv zu haben. 

Ich warte noch auf mein Charakter-Update ins Jetzt und hoffe, ich höre nächstes Mal besser auf das Bauchgefühl. Jetzt muss ich aus dem Schlamassel erstmal raus. 

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