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Neun Bewerbungen, neun Einladungen - Teil 2


Vica

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Das Coaching war jedenfalls eine richtig gute Idee. Ich wurde richtig aufgebaut und habe wertvolle Tipps mitgenommen. Meine Bewerbungen waren, wie ich es mir gedacht hatte, top. Im Probebewerbungsgespräch mit dem Coach (spezialisiert auf Klinik/Ärzte/Psychologen) stellte sich heraus, dass ich zwar sympathisch rüberkäme, aber meine Vorzüge nicht richtig in den Mittelpunkt rücke, u.a. fehlte die Motivation. Außerdem stellte sich heraus, dass die Ambulanz (auch in einer Praxis!) eher als Störfaktor rüberkommen wird, selbst bei nur 1 Tag pro Woche und auch wenn ich die Klinikarbeit in Teilzeit mache. Der AG würde aber wohl den Braten mit dem Nebenjob riechen und davon ausgehen, dass ich dann irgendwann weg bin, sobald die Approbation durch ist - wenn ich das nicht sehr glaubhaft abgrenze. Darum schätzte er aber auch mein Vorhaben, eine Klinik bzw. psychologischen Arbeitsplatz NEBEN der Ambulanzzeit zu finden, insgesamt als "nicht easy" ein. Das mit der Ambulanz als Nachteil überraschte mich sehr - schließlich hielt ich die Praxis für ein Qualitätsmerkmal und beweist ja im Grunde, dass man noch mehr Wissen (=weniger Einarbeitung) mitbringt. Aber tatsächlich hatte es in allen Gesprächen viele Fragen dazu gegeben.
Er riet mir, es auch nicht zu löschen oder zu verschweigen, da der AG im Endeffekt eh damit klarkommen muss. 
Wir übten außerdem noch eine Selbstpräsentation ein, was mir schwer fiel, aber die sich echt professionell anhörte. Das Coaching hat mir sehr viel gebracht und es hat mir vollem echt den Rücken gestärkt. 

Also: Weiter ging's mit der Stellensuche nach einer Klinik oder sonstigen psychologischen Arbeit in Teilzeit neben der Ambulanz 😄 Mein Gedanke war auch, mich da breiter aufzustellen und bloß nicht nur in Kliniken zu schauen. 


Stelle Nr. 4: Schulpsychologin
Voraussetzung: Master in Psychologie, Erfahrung mit pädagogischer Arbeit, am besten in Schulen, auch in Form von OGS.
Beschäftigungsart: Zwei Jahre Elternzeit-Vertretung 
Aufgabenbereich: Beratung von Kindern und Eltern, Lehrern sowie pädagogischem Personal,, Diagnostik von z.B. Hochbegabung,  Dyskalkulie, Legasthenie, Lernschwierigkeiten, psychologische Hilfe bei Gruppenkonflikten, Mobbing, sonstigen Schwierigkeiten und und und. Immer an verschiedenen Schulen. 
Schwierigkeit, hier genommen zu werden: Habe da keinen Einblick zu, weiß aber, dass der Bereich beliebt ist. 
Ausgang: Unbekannt

Die Stelle war für den Kreis ausgeschrieben und kam vom zuständigen JA in einem anderen Bezirk, in den man noch gut pendeln konnte. Ich spielte unterwegs schon mit dem Gedanken, mir im Falle einer Zusage ein E-Bike zuzulegen. Doch es kam mal wieder anders: Vor Ort war man erstmal entsetzt, dass heute ein Vorstellungsgespräch stattfinden sollte. Niemand hatte mich auf dem Schirm, dabei hatte ich ja explizit den Termin bestätigt. Ich fühlte mich sofort an Stelle Nr.2 erinnert, wo genau dasselbe passiert war und merkte, wie ich anfing innerlich zu kochen. Aber ich kann bei sowas besonnen bleiben. Es fing sofort rege Geschäftigkeit an, die ganze Abteilung wurde aufgescheucht. Der Hauptverantwortliche war allerdings nichts da - Auswärtstermin. Es ging also ans Improvisieren. 30 Minuten später als geplant ging es dann los. Das Ganze glich dann einer Infoveranstaltung, sogar Power Point wurde bemüht. Zu den Einstellungsbedingen konnte leider nichts gesagt werden, da überfragt. Mir taten die Leute echt leid. Das Gespräch war dann letztlich sehr menschlich und wirklich okay, aber zu meiner neu einstudierten Präsentation kam es gar nicht. Sie notierten sich dann, wann ich anfangen könnte und ob ich auch länger als die befristeten 2 Jahre bleiben könnte etc. pp. Es würde außerdem lange dauern, bis man sich meldet, da man erst zum nächsten Schuljahr suche, also eher im Hoch- bis Spätsommer. (Stellenbeschreibung: Ab sofort). Ich habe seitdem auch mal nachgefasst, aber keine Antwort erhalten.

Stelle Nr. 5: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (inkl. Promotion)
Voraussetzung: Master in klinischer Psychologie, gute Noten, Erfahrung mit wissenschaftlichen Projekten. (Insgesamt aber vor allem: Fit sein in Statistik + Testdiagnostik, SPSS und mind. R draufhaben)  
Beschäftigungsart: Zwei Jahre Befristung, danach Entfristung 
Aufgabenbereich: Stationär: Datenerhebung und Interpretation, universitär: Promotion über spezifisches Projekt. 
Schwierigkeit, hier genommen zu werden: Stelle war überregional und sogar in der ZEIT ausgeschrieben, zwei Bewerbungsrunden, daher wohl eher schwierig. 
Ausgang: Absage (Rangplatz 2) 

Auch die Einladung kam recht schnell, angesetzt waren zwei Bewerbungsgespräche. In der ersten Runde kam ich weiter. Ausnahmsweise kam es hier mal zu keiner Verzögerung. Ich war selbst überrascht, hier eingeladen worden zu sein, weil mein Lebenslauf nur dem unteren Rand des Anforderungsprofil entsprechen konnte, jedoch hatte ich durch die Masterarbeit Erfahrung mit riesigen Datenerhebungen und Interpretationen, was interessanterweise auf großes Interesse stieß. Nun kam auch die Selbstpräsentation zum Einsatz, die dich mit dem Coach gemacht hatte und die kam wirklich super an. Leider habe ich das Projekt nicht genau verstanden. Getreu dem Motto "Da wird man schon reinwachsen", wollte ich aber dann nicht 2-3x nachhaken. Das wurde mir dann im Follow-Up-Gespräch (Zusage mit neuem Termin kam 1 Tag später) mit der Leitung der Forschungseinrichtung etwas zum Verhängnis, da ich erklären musste, "warum genau" ich mich auf dieses Projekt beworben hatte. Das hatte ich natürlich geahnt und formulierte dann allgemeinere Interessen an wissenschaftlichem Arbeiten, was auch okay ging. Die zwei hatten auch direkt ein Promotionsthema für mich, die Idee entstand innerhalb des Gesprächs.
Allerdings: Einige misstrauische Nachfragen zur Ambulanz. Bleibe ich in der Praxis? Will ich mich nicht niederlassen? usw.
Direkt im Anschluss konnte ich hospitieren und meine "zukünftigen Team-Kollegen" (so hieß es) kennenlernen. Diese verwöhnten mich wirklich (mit Kakao und Keksen- habe mir mal wieder alles andrehen lassen) und zeigten mir die Einrichtung. Danach das Übliche, das ich auch schonmal gehört hatte: Alles schnell per Du, wann kommst du, wann fängst du an etc. 
Es klang wirklich gut und schnell vertraut - aber mittlerweile wusste ich, dass das gar nichts heißt und vermutlich mit jedem Bewerber so laufen wird. 
Aber: Am verabredeten Tag der Entscheidung hörte ich nichts weiter, da war es mir eigentlich klar, dass das nichts wird (ich glaube übrigens nicht an Entscheider, die in der Zeit zufälligerweise krank oder im URlaub sind). Nach mehrmaligen Nachfassen meinerseits kam schließlich die Erklärung, dass sie sich für jemanden ohne Ambulanz entschieden haben, ich aber auf Listenplatz 2 gelandet sei (tja, aber knapp daneben ist bekanntlich auch vorbei). 

Stelle Nr. 6: Psychosozialer Dienst
Voraussetzung: Master in Psychologie, Gruppenpsychotherpieweiterbildung, KJP-Ausbildung 
Beschäftigungsart: Unbefristet
Aufgabenbereich: Gruppen- und Einzelgespräche
Schwierigkeit, hier genommen zu werden: Vermutlich eher weniger bis mittel 
Ausgang: Breadcrumbing, unbekannt

Der Anruf des Personalers, der deutlich nervöser war als ich, erreichte mich relativ ungünstig, während ich bei Rewe zur Primetime an der Kasse stand. Er war so nervös, jedes "Mhmm" meinerseits unterbrach ihn direkt. Schließlich bekam ich zu hören, dass meine Bewerbung ihnen super gut gefallen hätte und sie mich unbedingt einladen wolle. Dies könne aber noch ein paar Wochen dauern, ob das schlimm sei? Es bestünde Personalnotstand und keine Möglichkeit, Gespräche abzunehmen (ich sagte dann, das sei kein Problem, was soll man auch sonst sagen?). Ich erfuhr noch, dass es sich nicht um den Verband selbst handelt, sondern um eine Einrichtung selbst, die dieser untergeordnet ist. Ob ich davon schon gehört hätte? Nein, musste ich ehrlicherweise zugeben, noch nie - dabei kenne ich mich etwas aus damit. Ich wurde gefragt, ob ich jetzt schon Fragen hätte, dann könne man die gleich klären, aber ich verwies auf meine Situation und gab dann an, dass ich bestimmt im Gespräch dann ganz viele Fragen haben würde. Drei Wochen später hatte ich eine Mail, dass man sich bald melde. Erneute drei Wochen dasselbe. Dann riss der Kontakt ab. An die Nummer des Personalers geht zudem niemand. Wie  das ausging? Es kam nie zu einem Gespräch. Aber das Interesse kann ja nicht riesig sein, sonst würde man auch hier nicht riskieren, dass jemand woanders zusagt. 


Bleiben am Ende nur Stelle 7, 8, 9 für ein Happy End. Wird es eins geben? 😅 Mehr demnächst.

Bleibt gesund und haltet zusammen, 
LG

Feautre Foto: Vlada_Kaprovich/pexels.com 

Bearbeitet von Vica

5 Kommentare


Empfohlene Kommentare

🙈 Oh je. Man fragt sich schon, warum Stellenausschreibungen so klingen, als ob man am liebsten gestern anfangen sollte, aber dann irgendwie nichts mehr zurückkommt???

 

Ich hoffe sehr auf ein Happy End für dich. 🍀

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Jetzt habe ich mir zum Lesen extra ein Stück Kuchen geholt und dann dieser Cliffhanger. Nicht schön! ;-)

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Überall werden qualifizierte Kräfte gesucht und dann allerdings passen sie nicht. Es ist so bitter, dass Arbeitgeber immer noch so handeln

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Ich kann tatsächlich nachvollziehen, dass eine Nebentätigkeit nicht so gut ankommt. Also nicht, weil ich das persönlich verteufle (würde es am liebsten selbst auch so machen), sondern weil die Chefs immer Angst haben, in 12 Monaten wieder jemanden zu suchen. Dann lieber die 2. Wahl, statt zu riskieren, dass jemand zeitnah wieder abspringt.

 

Kriege bei meinen Werkstudenten auch graue Haare, aber entlassen will ich niemanden. Alle 6 Monate neu ausschreiben ist ein riesiger Aufwand und dann immer neu einarbeiten etc .... ne dann behalte ich meine Pappenheimer lieber und wer nur für paar Monate Zeit mitbringt, ist direkt raus bei der Bewerbung. Schon bei so niedrigschwelligen Jobs. Das kann ich mir auf großer Skala schon gut genauso vorstellen, dass man dir das nachteilig auslegt. Wobei ihnen eigentlich egal sein sollte, was du nach der Arbeitszeit noch so machst ...

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Am 21.3.2023 um 11:33 schrieb Explorer:

Jetzt habe ich mir zum Lesen extra ein Stück Kuchen geholt und dann dieser Cliffhanger. Nicht schön! ;-)


Spoiler:

 


Ein Happy-End ist in Sicht.

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