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Interview mit Jutta Cram: Autor und Lektor - Freunde oder Feinde?

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Fernstudienakademie

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Im letzten Teil des Interviews mit der Lektorin Jutta Cram wurde deutlich, welchen Berufsweg sie hinter sich hat, wie sie überhaupt darauf gekommen ist, Lektorin zu werden, und wie sie die Zusammenarbeit mit den Autoren gestaltet.

Hier nun Teil 2 des Interviews mit Jutta Cram:

Anne Oppermann: Gab es auch schon mal Autoren, die „beleidigt“ waren über Dein Lektorat und Deine Verbesserungsvorschläge? Wie schaffst Du es da, die Wogen wieder zu glätten?

Jutta Cram: Klar, das kommt schon mal vor, aber sehr selten. Und meistens hilft dann ein Gespräch mit dem Autor, in dem man erklärt, warum man den Text so korrigiert hat, und der Autor einem darlegt, warum er damit nicht einverstanden ist. In der Regel findet man am Ende gemeinsam eine Lösung, mit der alle Beteiligten glücklich sind.

A.O.: Fungierst Du manchmal auch als Vermittler zwischen Autor und Verlag, wenn es da in der Zusammenarbeit „knirscht“?

J.C.: Nein, ich habe es auch noch nicht erlebt, dass es dort so „knirscht“, dass vermittelt werden müsste. Und da unsere Auftraggeber in der Regel die Verlage und nicht die Autoren sind, ist auch ganz klar, wem wir uns verpflichtet fühlen.

A.O.: Du arbeitest ja als freiberufliche Lektorin: Wie kommst Du selbst an Deine Aufträge?

J.C.: Fast ausschließlich durch Weiterempfehlungen. Ab und zu kommen wir auch mal durch unseren Internetauftritt bzw. unseren Eintrag bei lektorat.de an neue Kunden, aber den meisten Neukunden wurden wir empfohlen. Und die Kunden, die einmal mit uns zusammengearbeitet haben, versorgen uns in der Regel auch immer wieder mit Aufträgen. Unsere Kundschaft ist also im Wesentlichen eine Stammkundschaft.

A.O.: Manche Autoren lassen ihr Buch bzw. ihr Exposé ja auf eigene Kosten (vor-) lektorieren, bevor sie es beim Verlag einreichen. Ist das wirklich nötig? Lohnt sich das für den Autor?

J.C.: Wenn ein Autor sein Manuskript ungefragt an einen Verlag mit der Bitte um Veröffentlichung schicken will, könnte ich mir schon vorstellen, dass ein solches Lektorat sinnvoll ist. Denn dann macht das Manuskript gleich einen besseren Eindruck und die Chancen, dass es angenommen wird, steigen. Wenn allerdings der Verlag einen Autor unbedingt für einen Titel haben will und bereits ein Vertrag besteht, dann ist alles, was über die dort aufgeführten Leistungen hinausgeht, Kür. Im Prinzip nimmt der Autor dem Verlag damit einen Teil der Kosten ab. Das kann er tun, er muss es aber nicht.

A.O.: In welcher Form sollen die Manuskripte eigentlich beim Lektorat eingereicht werden? Soll der Text z.B. schon bestimmte Formatierungen enthalten?

J.C.: Das kommt ganz auf den Verlag an und darauf, ob wir auch den Satz der Bücher übernehmen bzw. die Bücher in einer bestimmten Formatierung abliefern sollen. Natürlich ist unser Aufwand – und damit auch die Kosten für den Auftraggeber – geringer, wenn wir die Manuskripte bereits formatiert bekommen. Allerdings sind viele Autoren auch nicht wirklich fit im Umgang mit Word und machen alles nur noch schlimmer, wenn sie versuchen, ihr Manuskript zu gestalten. Mit den manchmal von Verlagsseite vorgegebenen Doku-Vorlagen können zahlreiche Autoren nicht viel anfangen.

A.O.: Übernimmst Du eigentlich auch selbst das Layouten der späteren Bücher?

J.C.: Ja, wenn der Verlag das so wünscht.

A.O.: Worauf sollte ein Sachbuchautor bei der Auswahl eines Verlags achten?

J.C.: Da kann ich keinerlei fundierten Rat geben, da ich mit der Vermittlung von Verlagen überhaupt keine Erfahrung habe. Allgemein kann man wohl sagen: Das Thema sollte ins Verlagsprogramm passen, das Autorenhonorar sollte angemessen sein und der Verlag sollte in den Buchhandlungen ausreichend präsent sein, also über ordentliche Vertriebswege verfügen.

A.O.: Juckt es Dich eigentlich auch ab und an in den Fingern, selbst ein Buch zu schreiben?

J.C.: Nein, überhaupt nicht.

A.O.: Jutta, vielen Dank für das spannende Gespräch!

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20 Kommentare


Empfohlene Kommentare

A.O.: Juckt es Dich eigentlich auch ab und an in den Fingern, selbst ein Buch zu schreiben?

J.C.: Nein, überhaupt nicht.

Frau Cram, eine neugierige Frage: Sie haben überhaupt keine Lust mal selbst etwas zu verfassen und zu veröffentlichen? Schwer vorstellbar, aber gut, jeder ist anders. Wer viel mit Schreiben, Korrigieren, Lektorieren, usw. zu tun hat, der muss doch zwangsläufig mal dahin kommen … (zumindest in meiner Vorstellung). Es ist ein gutes Gefühl, fremde Texte in Form zu bringen, aber noch besser ist es, den eigenen Text vor sich zu haben. :) Vielen Dank für diese interessanten Einblicke, auch Teil 1.

Viele Grüße

werkstattschreiber

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Jutta, vielleicht schreibst Du ja doch mal ein Buch. Titel:

"Lust und Leid - leidenschaftlich lektorierend leben"

:rolleyes:

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@Sabine

Da müssen noch mehr Ls rein... ;)

Lust und Leid - leidenschaftlich lollilutschend, lächelnd und luxusliebend lektorierend leben ;)

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@ Werkstattschreiber

Na ja, genau genommen verfasse ich ja ständig etwas und veröffentliche es, unter anderem in Form von Beiträgen bei Xing. ;-)

Ein ganzes Buch schreibe ich aber höchstens, wenn mich jemand damit beauftragt. Und auch dann auf keinen Fall einen Roman oder gar eine Autobiografie, wie Dein vorgeschlagener Titel, Sabine, suggeriert. Übrigens habe ich tatsächlich schon zweimal als Ghostwriterin ein Buch verfasst. Mehr Spaß macht es mir allerdings, schon geschriebene Texte zu lektorieren. Dann muss ich wenigstens nicht so viel recherchieren.

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@ Sabine

Ich glaube, es gibt durchaus leidenschaftliche Lollilutscher. Ich gehöre allerdings nicht zu dieser Spezies.

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Aber bist Du sicher, dass die dann nebenher auch noch lustvoll lektorieren? Oder müssen die nicht eher aufpassen, dass sie nicht das Papier oder die Tastatur vollsabbern?

Ich stelle mir das grade bildlich vor....! Und dann zwischendurch noch ein Anruf vom Verlag, der eine Layoutänderung besprechen will... :ohmy:

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Leidenschaftlichen Lollilutschern dürfte das ziemlich egal sein, Sabine. Lieber sabbern als auf den Lolli verzichten. Aber sei beruhigt, mir ist noch kein Lektor mit Lolli über den Weg gelaufen. Vielleicht widersprechen sich Lollilutschen und leidenschaftlich Lektorieren ja doch.

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So, nachdem der Drops - respektive der Lolli - nun gelutscht ist, noch eine "ernsthafte" Frage:

Es scheint ja im Sachbuchbereich so zu sein, dass da wenig bis keine Betreuung durch ein Lektorat läuft. Im Grunde schreibt dann der Autor ins Blaue und das Erwachen (positiv oder negativ) kommt, wenn das Buch fertig ist.

Wenn man sich also inhaltlich verfranst (soll ja trotz eingereichter Exposés durchaus vorkommen), was dann? Wenn die Inhalte doch flacher sind, als der Verlag bei Vertragsabschluss angenommen hat, was passiert? Muss der Autor dann noch mal nachsitzen und neu dichten? Oder zieht das Lektorat das grade? Oder kündigt der Verlag (eventuell nach Rückmeldung des Lektors) den Vertrag?

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Von der Kommunikation zwischen Verlag bekomme ich in der Regel gar nicht so viel mit. Die Autorenverträge kenne ich auch nicht. Bevor ein Manuskript an ein externes Lektorat weitergereicht wird, schaut es sich der für die Reihe verantwortliche Verlagsmitarbeiter mal mehr, mal weniger gründlich durch, ob es im Großen und Ganzen passt. Falls das nicht der Fall ist, geht es sofort an den Autor zurück. Dennoch kommt es vor, dass Manuskripte bei uns im Lektorat landen, die noch sehr viel Nacharbeit erfordern. In solchen Fällen halten wir Rücksprache mit dem Verlag, ob wir das machen sollen oder ob der Autor noch mal ran soll. Diese Rücksprache ist wichtig, da wir ja nach Stundenaufwand bezahlt werden und dem Verlag nicht ohne entsprechenden Auftrag diese Mehrarbeit in Rechnung stellen können. Ob Verträge auch mal gekündigt werden, kann ich nicht sagen. In ganz, ganz seltenen Fällen habe ich erlebt, dass ein Buch dann doch nicht veröffentlicht wurde. Keine Ahnung, ob der Autor dann trotzdem ein Honorar erhalten hat.

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Daraus lese ich, dass man als Neuling im Schreiben sich schon im Schreibprozess kritische Leser aus der Zielgruppe suchen sollte, damit man schon mal ein erstes Feedback bekommt, wenn die Begleitung durch den Verlag nicht so eng ist, oder?

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Klar - Beta-Leser müssen immer sein. Da sollte man aber aufpassen, dass man für solche Jobs nicht die liebste Freundin oder Patentante Erna nimmt, die vor lauter Zuneigung zum Autor nie etwas Böses sagen würden und den ganzen Text einfach nur supertoll finden.

Zur Betreuung noch: Ich erlebe das bei einer Bekannten ganz, ganz anders: Da wurde vor dem echten Schreibstart die Gliederung besprochen und jedes Kapitel muss abgesegnet werden von der Lektorin, bevor das nächste Kapitel dran ist.

Dabei handelt es sich allerdings um eine fest beim Verlag angestellte Lektorin und keine freie Mitarbeiterin. Vielleicht kommen die Unterschiede in der Autorenbetreuung auch daher...?

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Dabei handelt es sich allerdings um eine fest beim Verlag angestellte Lektorin und keine freie Mitarbeiterin. Vielleicht kommen die Unterschiede in der Autorenbetreuung auch daher...?

Ganz bestimmt sogar! Es ist nicht einmal selbstverständlich, dass Autor und externer Lektor überhaupt Kontakt miteinander haben. Wenn es dumm läuft, geht die gesamte Kommunikation zwischen den beiden den Umweg über den Verlag. Das habe ich auch schon erlebt, wenn auch zum Glück selten.

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Mit so einem Vorgehen der "Permanentabsegnung" wäre bei mir der betreuende Verlagsmitarbeiter wahnsinnig geworden. Oder ich.

Ich habe nämlich nicht kontinuierlich Kapitel für Kapitel geschrieben und das auch noch in der Reihenfolge der Gliederung, sondern nach Lust, Laune und Gedankenflug: Da, wo ich gerade den Zugang hatte und die Ideen, habe ich weitergeschrieben, den Rest erst mal liegengelassen bzw. nur Notizen gemacht oder mal einen einzelnen Absatz.

Das war zum Schluss etwas stressig, da ich dann natürlich irgendwann den ganzen eher langweiligen Kram abarbeiten musste, aber vorher war das schön, so zu arbeiten.

Unter einem betreuenden Lektorat verstehe ich übrigens auch nicht, dass mir der Lektor seinen Arbeitsstil aufzwingt. So hört sich das für mich nämlich an.

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@Sabine

Wir sind uns, glaube ich, einig, dass Du, Sabine, einen ganz, ganz eigenen Kopp hast... ;)

Nee, mal im Ernst: Klar gibt es unterschiedliche Arbeitsstile: Zu Dir passte es sehr gut, dass Deine wunderbare Lektorin (Hallo Jutta!) Dir keine Vorschriften gemacht hat und Du mehr oder weniger schalten und walten konntest, wie Du das wolltest.

Andere brauchen da mehr Unterstützung und sind heilfroh, wenn ein Lektorin sie ans Händchen nimmt. Das ist wohl vor allem eine Typfrage.

Ich selbst würde das auch nicht aushalten, wenn ich jedes Sätzchen zur Absegnung vorlegen müsste. Dann passt es einfach nicht.

Bei meinem ersten Buch habe ich auch aus diesem Grund einem Verlag, der Interesse zeigte, abgewunken: da hätte ich hinfahren müssen, meine Gliederung vor einem Gremium von X Personen "verteidigen" müssen und natürlich hätte ich jedes Kapitelchen absegnen lassen müssen. Das war einfach nicht mein Arbeitsstil - und so sind dieser Verlag und ich getrennte Wege gegangen. ;)

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Kopp hin oder her: Ich finde es schon ein bisschen anmaßend, wenn der Lektor dem Autor den eigenen Stil aufzwingt. Und ich finde es ebenso anmaßend, wenn der Autor dem Lektor sagt, wie er seinen Job zu machen habe.

Das sind ganz unterschiedliche Professionen und ich finde, das muss man auch gegenseitig respektieren.

Das gegenseitige Respektieren, Hinweise geben, Kritik üben ist für mich "Begleitung", das andere (Absegnen) geht in Richtung Kontrolle und Gängelung.

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Das mit dem Stil ist so eine Sache. Gerade in den Buchreihen, die wir als externes Lektorat betreuen, gibt es stilistische Vorgaben vonseiten des Verlags: Der Leser muss persönlich angesprochen werden, keine Bandwurmsätze, Aktiv- statt Passivsätze usw. Das heißt, wir müssen aufgrund unseres Arbeitsauftrags ggf. stilistisch eingreifen, und das hat nichts mit mangelndem Respekt gegenüber dem Autor zu tun.

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Jutta,

mit "Stil" meinte ich in diesem Zusammenhang eher "Arbeitsstil"!

Eigentlich muss der Schreibstil ja vom Verlag von Anfang an mit dem Autor abgesprochen sein, nicht. Also mindestens das mit der direkten Ansprache des Lesers.

Und wenn man ein Exposé eingereicht hat und in der Regel ja auch noch ein Probekapitel dazu, dann sieht der Verlag ja den Stil und kann und müsste auch sagen "So nicht, dafür aber so...."

Das kann doch nicht sein, dass man da dem Lektor den unangenehmen Job einer Fundamentalkritik zumutet.

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Jutta,

mit "Stil" meinte ich in diesem Zusammenhang eher "Arbeitsstil"!

Oh, da hatte ich Dich missverstanden, Sabine, sorry.

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Ich weiß gar nicht, wie oft das tatsächlich vorkommt, dass der Verlag den Job des "Fundamentalkritikers" auf den Lektor/die Lektorin "abschiebt".

Wenn der Verlag merkt, dass es nun so gar nicht passen will, dann sagen sie meist schon sofort nach Begutachtung des Exposés und ohne viele Worte ab.

Die Verlage bekommen ja sooo viele Exposés eingereicht, dass die naturgemäß diejenigen lieber nehmen, mit denen sie möglichst wenig Arbeit haben werden. ;)

Ausnahme: Das Buchthema und der Autor scheinen so viel Potenzial zu haben, dass man "notgedrungen" auch die Mehrarbeit auf sich nimmt, den Autor auf "Verlagslinie" einzuschwören.

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