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Eine Erfahrung reicher

Ida_Pfeiffer

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Heute war das Vorstellungsgespräch. Es ging um eine Anstellung in der Berufsausbildungsprüfung bei einer regionalen IHK.

Voraussetzungen waren eine Berufsausbildung und Berufserfahrung im Ausbildungsberuf.

Ausgeschrieben war sie auf Stepstone mit flexiblen Arbeitszeitmodellen weshalb ich mich auf Teilzeit mit 30 Std. bewarb, was aich das Maximum darstellt aus Gründen die in den Bereich Schwerbehinderung fallen. Erst nach Absenden war mir dann auf der Seite aufgefallen, dass das Unternehmen selbst Vollzeit ausgeschrieben hatte.

Nachdem ich in den letzten Tagen bereits aufgrund eines externen Unterlagenchecks die Schwachstellen von Bewerbung und Lebenslauf vor allem in Inhalt, Ausdruck, DIN und der abweichenden Anordnung von Zeugnissen etc. zwischen Pflege und eher einer kaufmännischen Orientierung lernen durfte (Danke noch mal dafür!!) war ich dennoch zuversichtlich ins Gespräch gegangen.

Die Nervosität stieg als nicht die Ansprechpartnerin, sondern drei Sehr grimmig drein schauende Männer vor mir saßen, die zwar scheinbar einen teil meiner Unterlagen kannten aber zumindest das Anschreiben nicht wirklich gelesen hatten.

Nach dem üblichen Einstieg und erzählen sie von sich dem Studium und warum sie sich beworben haben ist der Personalchef das erste Mal in den Boxring getreten. Nach dem Satz „Wenn man ihre Qualifikationen sieht würde man Sie nicht in so einem Bereich sehen oder einladen“ wusste ich dass ich nicht zur engeren Auswahl wegen meiner durchaus vorhandenen Qualifikation gehöre, sondern es eine Pflichteinladung bei Schwerbehinderung war, eine die man machen muss.

Da habe ich begonnen mich unter Druck zu setzen, auch weil er immer um den Titel des Studiengangs kreiste. Ich hatte mich zwar auf die Frage „was haben Sie über unser Unternehmen gehört“ vorbereitet und auch warum ich auf die Stellenanzeige passe. Aber habe ein vollständiges Angstblackout bekommen so stark geschwitzt, dass es mir vom Kinn getropft ist und das macht unsichere.

Ich persönlich habe sehr schnell gemerkt, dass zwar das Aufgabenprofil passt nicht aber das Unternehmen und da ich keine Lust auf ewiges warten hatte habe ich dann gedacht ich kitzel mir die Tendenz raus indem ich das Thema Stellenumfang, so wie im Anschreiben beworben noch einmal aufgreife.

Das war der richtige Riecher. Liebe Unternehmen, wenn sich jemand bewirbt auch wenn er eine Schwerbehinderung hat und man weiß dass man zwar prinzipiell damit wirbt Teilzeitvarianten zu haben diese (offen zugegeben) für Neueinstellung aber gar nicht haben möchte dann reicht es kurz mit der Schwerbehindertenvertretung zu reden und dann abzusagen. Mir wurde ganz klar gesagt dass ich nur eine Möglichkeit hätte wenn ich 40 Stunden arbeiten würde, kann ich das nicht hätte man zwar die Modelle aber man wolle anderen nicht zumuten die Mehrarbeit zu machen. Solche Stellen erhalten nur Mitarbeiter nach langer Krankheit und Mutterschaft, wenn man sie schon kennt.

Insgesamt bin ich eine Erfahrung weiter. Ich sehe es einfach als Training an. Auch kamen auf die Stelle mehrere hundert Bewerbungen von denen 120 in die engere Auswahl kamen. Eine davon ich mit Mitleidseinladung.

So what es geht weiter und das Richtige kommt noch und hat dann auch keiner ein Problem mit jemandem der Teilzeit arbeiten möchte. Hatte mich übrigens auf 30 Stunden beworben gehabt.



9 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Ohje das klingt nicht so gut. Als ich den Beitrag gelesen habe, fühlte ich mit dir mit. Sie hätten vorher sagen können, dass sie wen für 40 Stunden brauchen, dann hättest du dir das alles auch ersparen können. So bist du eine Erfahrung reicher, auf die du wahrscheinlich gut verzichten hättest können. Ich halte dir die Daumen, dass es beim nächsten Mal besser klappt.

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Nimms nicht so schwer. Du wirst sicherlicher eine neue Gelegenheit bekommen.

 

Personaler neigen oftmals dazu, nur den Lebenslauf zu "studieren". Vor allem große Unternehmen, die eben auch eine Flut an Bewerbungen erhalten.

 

Beim nächsten Mal läuft es bestimmt besser. Ich drücke Dir weiterhin die Daumen:91_thumbsup:

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Danke. Ich sehe es als Erfahrung. Auch dahingehend was einem entgegen fliegen kann wenn man sein Studium mit sehr guten Leistungen im Fernstudium macht. Als Stichwort sage ich nur "Abschluss kaufen". Eigentlich hat die APOLLON keinen schlechten Ruf und ist auch nicht bekannt für so was. Und einfach ist der Abschluss auch nicht. aber ich habe eine wertvolle Lektion gelernt.

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Gibt es eine Möglichkeit, bei der du als "selbstständige" arbeiten könntest, anstelle einer klassischen Anstellung?

 

Und dann nur deine Vorteile verkaufen.... später kennen die dich und könntest fest dort arbeiten... einfach mal eine Idee von mir. 

 

Oder bei einer "Leihfirma"? 

 

 

 

 

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Zitat

"dann reicht es kurz mit der Schwerbehindertenvertretung zu reden und dann abzusagen"

 

Die Schwerbehindertenvertretung stimmt der Nichteinladung aber nicht automatisch zu, was dann in der Praxis durchaus zu "zwecklosen" Vorstellungsgesprächen führt. Ich finde es eigentlich auch immer schade, wenn man einen Bewerber bzw. eine Bewerberin einladen muss (und dann automatisch Hoffnungen, Anspannung, Nervosität, Angst erzeugt), obwohl eigentlich klar ist, dass die Bewerbung aussichtslos ist und das Gespräch damit zum reinen Pflichttermin verkommt. Damit tut man den Kandidaten und Kandidatinnen keinen Gefallen.

 

Schwierig als Mensch mit Handicap ist denke ich insbesondere die Unterscheidung, ob man jetzt eingleaden wurde, weil die Bewerbung überzeugend und interessant ist, oder es eine Pflichteinladung ist. Das macht es für Schwerbehinderte irgendwie noch belastender finde ich, weshalb ich auch diejenigen gut verstehe, die eine Schwerbehinderung in der Bewerbung garnicht erst angeben.

 

Ich wünsche dir viel Kraft und finde es super, wie du mit der Situation umgehst und uns an diesen Erfahrungen teilhaben lässt.

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vor 12 Stunden, Ida_Pfeiffer schrieb:

Danke. Ich sehe es als Erfahrung. Auch dahingehend was einem entgegen fliegen kann wenn man sein Studium mit sehr guten Leistungen im Fernstudium macht. Als Stichwort sage ich nur "Abschluss kaufen". Eigentlich hat die APOLLON keinen schlechten Ruf und ist auch nicht bekannt für so was. Und einfach ist der Abschluss auch nicht. aber ich habe eine wertvolle Lektion gelernt.

Persönlich finde ich die APOLLON  Hochschule auch sehr gut, habe noch nie was Negatives darüber gehört.  Was haben die Personaler (oder wie auch immer die heißen) zum Fernstudium gesagt?

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anjaro

Geschrieben (bearbeitet)

vor 12 Stunden, Ida_Pfeiffer schrieb:

Ich sehe es als Erfahrung. Auch dahingehend was einem entgegen fliegen kann wenn man sein Studium mit sehr guten Leistungen im Fernstudium macht. Als Stichwort sage ich nur "Abschluss kaufen".

 

Bedingt stimme ich Dir da zu. Insgesamt fehlt es bei  Abschlüsse privater Hochschulen häufiger an Akzeptanz,  als bei berufsbegleitenden Studiengängen, die an staatlichen Hochschulen abgeschlossen worden sind. So wurde ich mal in einem Vorstellungsgespräch danach gefragt, ob mein Abschluss denn überhaupt "wissenschaftlich" sei. Ich denke aber, dass Du im Bereich Pflege durchaus mit einem Abschluss einer privaten Hochschule punkten kannst.

 

Was die IHK betrifft, so denke ich (ohne die Stellenausschreibung zu kennen), dass diese Bewerber bevorzugen, mit BWL Studium und Schwerpunkt Personalwesen oder einen Bewerber bevorzugen, der eine kaufmännische Ausbildung mit ensprechender Weiterbildung /Studium hat. Natürlich in beiden Fällen mit ensprechender Berufserfahrung.

Bearbeitet von anjaro

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Danke für deinen Bericht.

 

Auf der einen Seite ein überflüssiges Gespräch, wenn feststeht, dass eigentlich gar kein Interesse besteht - auf der anderen Seite vielleicht ganz gut, dass du jetzt eine solche Gesprächssituation mal wieder kennen gelernt hast und somit, wie du ja auch schreibst, Erfahrungen sammeln konntest für künftige Gespräche.

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vor 9 Stunden, anjaro schrieb:

was die IHK betrifft, so denke ich (ohne die Stellenausschreibung zu kennen), dass diese Bewerber bevorzugen, mit BWL Studium und Schwerpunkt Personalwesen oder einen Bewerber bevorzugen, der eine kaufmännische Ausbildung mit ensprechender Weiterbildung /Studium hat. Natürlich in beiden Fällen mit ensprechender Berufserfahrung.
 

Das mag möglich sein war aber nicht teil der Ausschreibung auch wäre die nicht Qualifikation ja sofort ein Ausschlusskriterium gewesen was auch vor dem Schwerbehindertenrecht kein Problem ist. es war keine Ausbildung benannt. Man weiß aber am Ende nie was sich der Personaler wirklich denkt.  Zumal der Standort zusätzlich mit dem bereich Ausbildung in Firmen der Gesundheitswirtschaft, Motor der Gesundheitswirtschaft wirkt.

 

Es war das Gesamtpaket was such für mich recht schbell nicht gepasst hat. ein Vorstellungsgespräch hat immer zwei Seiten. Da ich eine längerfristige Perspektive suche muss ich im Gespräch das Gefühl entwickeln können, dass dies möglich ist. Ich aber habe sehr viel schon vor dem Gespräch mit einer Mitarbeiterin gehört und nachher im Gespräch wie sehr doch slle unter den Unstrukturierungen zu leiden haben, das Arbeitsvolumen sich erhöht und das eben nicht auf eine sachliche Weise. Und sicherlich habe ich ab dem punkt auch weniger Elan in das Gespräch gesteckt. es war rundum nicht rund, für beide Seiten.

vor 10 Stunden, csab8362 schrieb:

  Was haben die Personaler (oder wie auch immer die heißen) zum Fernstudium gesagt?

Ich habe einen recht guten 1er Dchbitt und es ging darum dass es auffallend viele dieser Noten gibt und das ja  zu einer Zeit wo ich sehr viel gearbeitet habe. Dass es js eine Privatuni ist, die einen hohen Betrag nimmt und ob es dann nicht eher wohlwollensnoten sind und nicjt wirklich anspruchsvolle Leistungen erbracht werden im Vergleich zu anderen.

 

vor 12 Stunden, Sheldon schrieb:

 

 

Schwierig als Mensch mit Handicap ist denke ich insbesondere die Unterscheidung, ob man jetzt eingleaden wurde, weil die Bewerbung überzeugend und interessant ist, oder es eine Pflichteinladung ist. Das macht es für Schwerbehinderte irgendwie noch belastender finde ich, weshalb ich auch diejenigen gut verstehe, die eine Schwerbehinderung in der Bewerbung garnicht erst angeben.

 

 

Stimme ich dir zu. Hier war das Unterscheiden jedoch nicht so schwer angesichts der getätigten Aufgaben und des Verhaltens. man könnte es natürlich auch nett ein konfrontatives Stressinterview nennen. Im Nachhinein ja es wsr nervig und unangenehm aber es war auch ein Trainigsfeld für das nächste Gespräch in dem vielleicht ähnliche Fragen auftauchen. ich will die Personen auch nicht schlecht machen. es hat unzählige Bewerbungen auf eine freie Stelle gegeben. Und such darüber wurde ich nicht im Dunkeln gelassen wieviel Stress und arbeit das bedeutet.

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