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Studium mit Kind

Carioca

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Nachdem immer mal wieder die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Studium kommt, hier mal mein Beitrag dazu.

Ich begann mein Studium mit Realpräsenzen, was mir unglaublich wichtig war. Durch einen Umzug und die Schwangerschaft habe ich dann in die Variante mit virtuellen Präsenzen gewechselt. Das ganze läuft für mich erstaunlich gut.

Bereits in der Schwangerschaft hätte ich, selbst vom alten Wohnort aus, den Weg zu den Präsenzen nicht mehr geschafft. So hatte ich aber die Möglichkeit von zuhause aus, ohne Probleme an den Präsenzen teilzunehmen. An guten Tagen ganz normal am Schreibtisch, an schlechten Tagen vom Sofa oder sogar vom Bett aus. So habe ich bis auf einen einzigen Termin, da machte sich unser Baby auf den Weg, alle Präsenzen in dem Semester wahrnehmen können.

6 Wochen nach der Geburt schrieb ich die Klausur des Semesters ganz regulär mit. Mein Mann hatte sich das Wochenende frei genommen, wir hatten ein Hotel in laufnähe zum Diploma-Standort genommen und reisten einen Tag vorher an, da morgens um 10 Uhr Klausur war. Es war die erste große Reise für unser Baby und wir waren gespannt, wie die Nacht im Hotel werden würde. Unser entspanntes Kind machte uns aber überhaupt keine Probleme und schlief wie eine eins.

Das Lernen im Vorfeld war eher sporadisch, aber ich wollte es versuchen. Ich hatte bereits vor der Geburt Karteikarten geschrieben, einen Teil des Lernstoffs aufgenommen und hatte das Gefühl ganz gut vorbereitet zu sein. Naja, mit so einem kleinen Menschlein ändern sich die Prioritäten. Ich habe es ganz viel genossen zu kuscheln und die Stillzeiten, in denen ich eigentlich lernen wollte einfach nur mein Baby angeschaut. Als die Zeit letztlich irgendwann rannte, habe ich dann aber doch in diesen Pausen gelernt oder mein Mann ist mit dem Kleinen spazieren gegangen, damit etwas Ruhe habe und mich nicht ablenken lasse.

In der Klausur habe ich festgestellt, dass es für mich ausschlaggebend war, die Präsenzen aktiv mitgenommen zu haben. Ich lerne tatsächlich das Meiste aus den Veranstaltungen und nicht durch das Eigenstudium, daher sind diese mir auch enorm wichtig.

Danach ging die Bearbeitungszeit für die Hausarbeit los. Das Thema hatte ich frühzeitig abgesprochen und auch die Bücher schon daheim liegen, dass ich dann direkt starten konnte. Ich nutzte aktiv die Schlafphasen von meinem Kleinen und kam ziemlich gut voran, so dass ich die Arbeit gut fertig bekam, auch wenn ich manchmal gedanklich aus einem flow gerissen wurde, wenn der Kleine aufwachte oder Hunger bekam.

Achja, sowohl die Klausur, als auch die Hausarbeit habe ich mit guten bzw. sehr guten Noten bestanden.

 

Die Samstage mit den Präsenzen versuchen wir jetzt so zu takten, dass mein Mann an diesen Terminen nicht arbeiten muss, was aber nicht immer der Fall ist (da leider bei der Diploma doch häufige Stundenplanänderungen kommen), entweder habe ich dann den Kleinen bei mir oder wir versuchen, dass die Oma kommt. Neben meinem Schreibtisch ist jetzt eben eine Kinderspielecke und ich habe einen neuen Schreibtischstuhl bekommen, der stillgeeignet ist. Die meisten Dozierenden haben bei uns Verständnis, wenn man sagt, dass man sein Kind dabei hat oder so.

Zum Lernen nutze ich weiterhin aktiv die Schlafzeiten oder die Zeiten, wenn der Kleine sich selbst beschäftigt, was manchmal länger, manchmal aber auch kürzer ist.

Vergangenes Wochenende habe ich wieder Klausuren geschrieben. Ja, richtig, gleich zwei Klausuren. Ein vormittags, eine nachmittags, da aus der Schwangerschaft eine liegengeblieben war, da ich zum Klausurzeitpunkt im Krankenhaus war.

Das Lernpensum war enorm, da es sich um Recht und die Modulklausur Medizin-Psychologie-Soziologie handelte.

Auch hier ist mein Mann in der Lernzeit viel mit dem Kleinen unterwegs gewesen, bei Spaziergängen und ähnlichem, damit ich Zeit zum konzentrierten Lernen habe. Dankbar war ich, dass ich die Rechtsunterlagen schonmal durchgearbeitet hatte, was zwar ein Jahr her war, aber dennoch einiges noch im Kopf geblieben war. Dadurch, dass ich mich für das Modul hatte freischalten lassen, konnte ich auch, sofern wir keine anderen Präsenzen hatten, an den Lehrveranstaltungen teilnehmen, da es für mich ein neuer, unbekannter Dozent war, da ich mich noch zu Präsenzzeiten auf die Klausur vorbereitet hatte.

 

Wie die Klausuren letztlich liefen kann ich noch nicht sagen. Bis wir die Noten bekommen, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen.

 

Achja, auch Praktikum habe ich bereits mit dem Kleinen gemacht. Das wäre ohne die Unterstützung und Kooperation meiner Praxisstelle natürlich nicht möglich gewesen, denn ich durfte den Kleinen bedingungslos mitbringen. Bei den Aktionen, wo es mit ihm schwierig war, kümmerte sich seine Oma um ihn und war dabei, ging mit ihm spazieren und kam zum Stillen vorbei.

 

Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre vieles so wahrscheinlich nicht möglich, aber mit einem guten Familien- und Zeitmanagement ist es durchaus zu schaffen.

Statt die Ruhe zu genießen, wenn der Kleine schläft oder mit Papa spazieren ist, sitze ich dann halt am Schreibtisch, dafür werde ich aber voraussichtlich mein Studium in der Regelstudienzeit abschließen können.



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Beachtlich, wie gut du das organisiert bekommst. Und schön, dass du so viel Unterstützung bekommen hast, sowohl von Partner und Familie, als auch von der Hochschule und der Praktikumsstelle.

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