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Hello Blackout my old friend


Vica

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Kennt ihr das auch - in der Klausur zu sitzen und euch nicht mal mehr sicher zu sein, wie der eigene Nachname geschrieben wird? Ich hatte das bei zwei Klausuren hintereinander und empfinde das ja als die Mutter aller Prüfungs-Albträume! Der Stoff sitzt gut, aber man kann nicht drauf zugreifen. Das Gehirn macht dicht - derselbe Mechanismus, der uns im Falle größter Gefahr (zB wildes Tier) die Flucht ermöglichen und Überlebenswahrscheinlichkeit sichern soll, sorgt nun für einen Totalaussetzer, der je nachdem schon mal etwas länger anhalten kann. 

Ich war vor Klausuren zwar immer sehr nervös, aber Blackouts hatte ich in der Vergangenheit nie. Eher hatte ich sowas wie einen Anti-Blackout: Bei meinen OU-Klausuren fielen mir zB Sachen ein, die ich vor längerer Zeit nur sehr kurz überflogen hatte. Das hat sich natürlich entsprechend positiv auf die Noten ausgewirkt. Beim Umdrehen des Klausurblatts erlebte die Angst einen Höhepunkt und ebbte danach extremst ab, sobald ich mich an die erste Aufgabe setzte. 

Das ist heute leider nicht mehr so. Teilweise saß ich 30 Minuten da und wusste nicht, wo ansetzen. Nun ist es mir aber gelungen, dem Blackout bei der letzten Klausur entgegenzuwirken, so dass er nicht mehr auftrat.  Vielleicht helfen meine Erfahrungen euch auch ein wenig, falls ihr von diesem unangenehmen Problem betroffen seid und um eure Noten fürchtet:

 

  1. Den Blackout "liebevoll" mit einrechnen - wie so vieles in der Psychologie ist es am effektivsten, seine Gedanken und Sichtweisen zu einem Problem mal zu hinterfragen und zu verändern. So habe ich zB akzeptiert, dass der Blackout nicht etwa ein böser Noten-Vernichter ist, sondern eigentlich ein Freund, denn er will mich lediglich vor einer Gefahr sitzen. Wenn euer Fernstudium-Zentrum zum Klausurenschreiben nämlich irgendwo im Busch ist und ihr wirklich von einem ausgehungerten Löwen angegriffen werdet, seid ihr diejenigen, denen die Flucht wirklich gelingen würde - und das nur dank Freund Blackout ;) Auch, wenn euch das in dem Moment nichts nützt: wer kann schon behaupten, von der Natur so einen tollen Mechanismus mitbekommen zu haben? Eure Topfflanze im Wohnzimmer beispielsweise nicht! Das alles etwas humorig zu sehen, hilft oft auch schon beim Entdämonisieren.
     
  2. Schnellschreiben üben - ihr werdet so ungefähr wissen, wie lange eure Blackouts dauern. Sind das im Schnitt 20 Minuten, fehlen die euch natürlich hinterher beim Schreiben, sobald ihr wieder auf euer Wissen zugreifen könnt. Versucht mal zu Hause bei den Probeklausuren/Notizenmachen, euch in Schnellschreiben zu üben, bzw. schneller zu schreiben, als sonst. So könnt ihr wertvolle Zeit am Ende wieder aufholen. Man kann das wirklich so trainieren wie auch bspw. schneller zu laufen. 
     
  3. Sich bei der Klausur etwas Gutes gönnen - das ist sicher a hard thing to do, denn schließlich kann man sich während der Klausur ja nicht mal eben den Rücken massieren lassen oder sie aus einem Whirlpool heraus schreiben (liebe Fernstudienanbieter, kann man da was drehen??). Da die Ursache für die geblockten Erinnerungen bei hohen Kortisolausschüttungen liegt, hat man aber einen Anhaltspunkt: Denn Cortisol ist recht kompromittierbares Stresshormon, welches sich schnell überreden lässt, wieder abzudüsen. Dazu müsste man etwas finden, was einem direkt bei der Klausur gute Impulse gibt. Noch besser: Wo ihr euch schon vorher drauf freuen könnt. Die Möglichkeiten sind echt begrenzt...aber ich hatte da was für mich gefunden: Ich habe einen süßen Zahn und nasche gerne, aber selten (oder auch mal öfters, aber mit schlechtem Gewissen, darum zählt es für mich nicht). Ich habe also einige Naschereien mitgebracht, die ich schon länger nicht gefuttert habe (dunkle Schokolade blockt überdies eh Cortisol) und zwei Limonaden, die ich mir sonst nicht so gönne. Das Konzept ging auf, ich freute mich darauf, diese Dinge mal zu genießen! Nun nascht natürlich nicht jeder gerne und nicht für jeden ist Essen ein Belohnungsverhalten, was es auch nicht sein sollte. Diese Leute müssten etwas anderes finden, was sie während der Klausur als angenehm empfinden. Vielleicht eine gewisse Teesorte oder ein gewisses Parfum oder Lippenpflegestift mit Geschmack, der währenddessen aufgetragen werden kann. Es muss natürlich mit der Prüfungsordnung vereinbar sein - also nicht, dass ihr euren Grill mitbringt.
     
  4.  Einige Zeit vorher da sein - bisher war ich immer sozusagen aus dem Zug und dann schnellstens zum Prüfungszentrum gestürzt, wo ich so ca. 20 Minuten vorher da war. Diesmal ließ es die Zugverbindung nicht anders zu: Ich war 1,5 Stunden (!) vorher da. Das war eine sehr gute Gelegenheit, nochmal ein paar unklare Sachen in den Unterlagen zu überfliegen und so Lücken aus dem Kurzzeitgedächtnis zu kriegen. Oder die Zeit nutzen, nochmal ein schönes Buch zu lesen. Ich war erstaunt, wie viele andere Studis das ganz genau so gemacht haben :D Man hat so einfach nicht das Gefühl, zu schnell in diesen Prüfungsablauf hineinkatapultiert zu werden. Wichtig finde ich, dass man sich irgendwie beschäftigt. Nur mit Kaffee dasitzen erhöht die Nervosität bei mir auch wieder. 


Das waren im Grund die 4 Punkte, die mir am meisten geholfen haben 🙂 Leider haben zum Beispiel spezielle Atemtechniken, Muskelentspannungsübungen oder Selbsthypnose (IchKannDasIchKannDasIchKannDas) vorher keine Wirkung gezeigt. 

LG

Feature-Foto: pexels.com
 

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3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Gute und hilfreiche Überlegungen, vielen Dank.

 

Zitat

die Zeit nutzen, nochmal ein schönes Buch zu lesen.

 

Das würde bei mir aber nur dann gehen, wenn die Aufregung sich noch im niedrigen bis mittleren Bereich bewegt. Ansonsten könnte ich mich da in so einer Situation gar nicht mehr drauf konzentrieren.

 

Ablenkung finde ich prinzipiell aber auch sehr hilfreich.

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Ich stimme @Markus Jung zu, das hast du sehr gut geschrieben, und es ist sicher eine Hilfe für so manchen hier. 😊👍🏼

 

Naschereien sind in meinem Online-Klausuren ja leider nicht erlaubt (schön wäre es aber, in meinem Abi-Klausuren hatte ich auch immer leckere Dinge dabei), aber du hast mich zumindest auf die Idee gebracht, nächstes Mal nicht mit einem Wässerchen dazusitzen, sondern mir eine leckere Limo ins Glas zu gießen. 🥤

 

Zitat

Einige Zeit vorher da sein

Das finde ich tatsächlich auch sehr hilfreich. Ich schreibe ja von meinem Wohnzimmer aus, daher ist die Anreise eher kurz 😂, aber ich habe es mir zum Ritual gemacht, immer alles ganz entspannt für die Klausur vorzubereiten. Meistens schreibe ich ja sehr spät abends, wenn der Rest der Familie schon im Bett ist. Dann trage ich in aller Ruhe meinen Laptop und alles, was ich an Zubehör brauche, vom Dachgeschoss-Schreibtisch ins Wohnzimmer runter, mache mir eine nette Duftkerze an, räume in Ruhe den Tisch leer und baue alles auf. Meistens schaue ich dann auch noch mal über ein paar Notizen und verinnerliche die letzten Eselsbrücken. Ich habe da immer den gleichen Ablauf und meinen eigenen Rhythmus, das hilft mir dabei, nicht zu nervös zu werden. 

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Liebe Vica, Dein Beitrag macht Mut und stimmt mich zuversichtlich, mich demnächst schon mal mutig für die erste Klausur anzumelden. Den "Anti-Blackout" kenne ich auch aus mancher Prüfungssituation. Das ist natürlich nett. Aber ich merke schon, dass es mir nicht mehr so leicht fällt, mir alles genau zu merken. Früher reichte da oft ein "Drüberfliegen". ...und vor so einem Blackout graule ich mich schon. Ich bin gespannt, wie das bei einer Online-Klausur läuft, vor allem wie ich da "funktioniere".

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