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Ziel erreicht nach Halbzeit - Neues Ziel für die zweite Hälfte


Nadja_studiert_Informatik

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In zwei Tagen geht mein viertes Semester zu Ende und wenn ich meine Studienleistung anschaue, wird mir flau im Magen. Zwei Module habe ich dieses Semester abgeschlossen anstatt fünf. Den Plan für die zweite Hälfte des Studiums habe ich also umgestellt und das werden ganz schön volle Semester, wenn ich den Plan einhalten will, nach acht Semestern fertig zu sein.

 

Wenn ich beruflich betrachte, was in dem letzten Semester passiert ist, kann ich mein Glück immer noch gar nicht fassen uns bin sehr stolz auf mich und was ich in den letzten zwei Jahren geschafft habe.

Ich habe geschafft, was mein Ziel war mit dem Informatikstudium. Jetzt muss ich noch den Abschluss machen. Das heißt, ich habe ein neues Ziel und ich tue mich sehr schwer mit dem Ziel.

 

Viele Leute studieren ja tatsächlich für den Abschluss und ich habe großen Respekt vor denen, die das gut hinbekommen. Mir fehlt gerade komplett die Motivation und ich muss mich ganz neu ausrichten und umorientieren. Das bedeutet auch, dass sich meine Lernmethoden ändern. Viel weniger Lesen und Ausprobieren, viel mehr Auswendiglernen. Das fällt mir im Moment noch sehr schwer. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit Anki und habe viel Hoffnung, dass die App mir helfen wird. Einerseits habe ich Angst vor den nächsten vollgestopften Semestern. Andererseits müsste das doch auch schneller gehen, wenn man die Lernstrategie umbaut?

 

Ändern muss ich auch meine Arbeitsstrategie.

Ich habe in den ersten drei Monaten in meinem neuen Job sehr viel private Zeit in Lesen, Informieren, Nachdenken und Planen für die Arbeit gesteckt. Das hat mir zu viel Erfolg im Beruf verholfen. Ich konnte gut Fuß fassen, bekomme viel Anerkennung, mein erster Vortrag vor IT-Teamleitern lief sehr gut, ständig werde ich gelobt, das erste Mitarbeitergespräch war durchgehend positiv und jetzt habe ich das Change-Management für das erste Projekt übernommen. Es ist ein kleines Projekt als Vorbereitung auf größere Projektmanagement-Aufgaben. Ich mache auch viele Schulungen und Weiterbildungen, kann mir da viel selbst aussuchen und werde in mehreren Bereichen zertifiziert. Es macht mir Spaß, so viel zu investieren und ich würde es gerne in Vollzeit so machen und irgendwie ging mein Einsatz an Stunden auch in diese Richtung in der letzten Zeit. Wenn ich mir jetzt die ganzen Aufgaben anschaue, die ich in nächster Zeit auf der Arbeit habe, weiß ich überhaupt nicht, wie man das alles in zwanzig Stunden pro Woche schaffen soll. Irgendwie fände ich es gut, es würde bei uns auf Arbeit ein Tool geben, bei dem man sieht, wann wer was macht. Meinen Zeitplan sieht halt Keiner und dann werden die Aufgaben irgendwie schnell unrealistisch, wenn nur meine guten Ergebnisse gesehen werden.
Ich habe mir schon angewöhnt, eine Abwesenheitsmail zu verfassen, wenn ich wieder fünf Tage lang nicht auf der Arbeit bin. Vielleicht werde ich dann weniger mit kurzfristigen Aufgaben überhäuft.
Ich muss also lernen, kommunikativer bei der Zeitplanung zu werden, um meine zwanzig Stunden einzuhalten.

 

Ein bisschen davon erzählen wie anders es ist, in einem solchen Job zuarbeiten, möchte ich noch:
Ich fühle mich so frei wie noch nie in meinem Leben. Es ist sehr viel Verantwortung, ich habe viele Aufgaben. Aber ich bin frei in der Gestaltung und habe Raum und Freiheiten überall. Jede Idee wird dankbar besprochen, auch wenn es vielleicht keine gute ist. Mein ganzes Team ist offen für Richtungswechsel. Meine Kollegen sind das gewöhnt. Es ist gar nicht wichtig, ob ich im Homeoffice oder vor Ort bin, beziehungsweise ich entscheide selbst, wann es wichtig ist vor Ort zu sein und plane das dementsprechend. Ich entscheide auch, wann ich aufstehe und wann ich eine Pause mache. Mein Bio-Rhythmus dankt es mir sehr. Ich muss nicht in Panik verfallen, wenn der Zug ausfällt oder ich mit Migräne in den Tag starte, weil ich schlecht geschlafen habe.
Als Tierarzthelferin ist man einfach immer gezwungen sich zurückzunehmen. Immer schwebt die moralische Keule über einen, dass man schließlich für die Patienten da sein muss und nicht an sich selbst denken darf. Das war ein so extremer Druck, der einem immer wieder deutlich verbal gemacht wurde. Jeder auf meiner neuen Arbeit weiß, dass bei mir moralisch alles in Ordnung ist, ich mich verantwortlich für unsere Klinik und die Patienten und für noch viel mehr fühle. Niemand kommt auf die Idee, an dieser Stelle Druck auszuüben und das auf ein Stunden- , Pausen- oder Urlaubskonzept zu übertragen. Ich bin es nicht gewohnt, so viel Vertrauen zu erhalten. Das befreit unglaublich.
Mich haut es um, dass ich zwei Wochen am Stück Urlaub machen kann, wann immer ich will, dass ich meinen Urlaub selbst planen darf. Endlich Herbst-Urlaub! Ich bekomme mit, dass Kolleginnen, die im Urlaub krank waren, sich ihren Urlaub wieder holen. Das wäre in meinem bisherigen Job definitiv ein Kündigungsgrund gewesen. All diese Möglichkeiten, frei selbst vernünftig sein zu dürfen!

Es ist wirklich eine ganz andere Welt in einem Beruf mit Akademikern, dann noch im öffentlichen Dienst. Ich finde es zum Schreien unfair, dass es in anderen Berufen, die auch definitiv stressiger sind, nicht so zugeht. Da läuft was ganz gewaltig schief in unserer Gesellschaft. Ich erinnere mich immer wieder an meinen alten Job, wenn ich beispielsweise mit Pflegepersonal bei uns zu tun habe und dann habe ich sogar Alpträume von früher und wache gestresst am Morgen auf. Nach und nach wird das seltener zum Glück. Ich glaube, die meisten meiner Kolleginnen können sich die Arbeit in einem solchen Job gar nicht vorstellen, können sich nicht ansatzweise vorstellen, wie das Leben dann ist. Aber im Moment bin ich auch einfach froh, aus dem alten Job raus zu sein. Finanziell habe ich ausnahmsweise auch mal überhaupt keine Sorgen.

 

Und das habe ich selbst vor zwei Jahren entschieden, in die Hand genommen und geschafft! Gut gemacht, Nadja!

 

Nächste Challenge: Bachelor-Abschluss!

 

Der nächste Blog-Eintrag soll wieder mehr Studienerfolge beinhalten.

Bearbeitet von Nadja_studiert_Informatik

4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Zitat

das werden ganz schön volle Semester, wenn ich den Plan einhalten will, nach acht Semestern fertig zu sein.

 

Dazu hatten wir unter Deinem letzten Blogbeitrag ja schon einen Austausch. Ich kann Dir da echt nur empfehlen, etwas den Druck herauszunehmen. Gerade wenn ich jetzt hier lese, was Du im Job noch an zusätzlichen Weiterbildungen machst. Die brauchen ja auch Kapazitäten, sowohl zeitlich, aber auch was die Ressourcen angeht, neues Wissen aufzunehmen. Und im Job selbst kommt ja auch täglich viel Neues, was Dir ganz offensichtlich ja auch viel Spaß macht.

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Liebe Nadja,

 

meine Anwesenheit im Forum ist ja immer sehr wellenförmig und deinen Beitrag habe ich eben erst gelesen und wollte nur mal sagen: ich freue mich sehr für dich und es fühlt sich an, als wäre ich auch ein bisschen stolz auf dich, wenn man deinen Text so liest 😄

Deine Erfahrungen zum Thema Eigenverantwortung, krank sein dürfen und ähnliches, ohne moralische Verkommenheit unterstellt zu bekommen, da ist schon viel Wahres dran. Das ging mir alles ähnlich. Als Praktikant (oft in Behörden wie Jugendämtern oder auch in Personalabteilungen) saß ich viel mit ausgelernten Fachkräften zusammen. Das soll jetzt kein pauschales Urteil sein, aber 1. wird man als Praktikant ja eh gerne rumgeschubst als gäbe es kein Morgen und 2. war auch das sonstige Miteinander einfach zum Kotzen. Jeder ist missgünstig, unterstellt dir nichts zu tun, lungerst eh nur faul rum etc. Jetzt so unter Gleichgesinnten läuft das alles so viel anders. Wenn man Aufgaben ablehnt, wird einem geglaubt, wirklich keine Zeit dafür zu haben. Wer krank ist, soll sich auskurieren. Und jedem wird per se erstmal unterstellt immer nur das Beste zu wollen und sich dafür auch zu bemühen. Man muss die Leute also eher vom Rumlungern überzeugen als vom Reinhängen. Es wird einem einfach mal vertraut, auch das man Dinge alleine geregelt bekommt.

Ich bin wirklich schockiert, wie andere dort arbeiten konnten, wo ich froh war, dank Praktikum schnell wieder wegzusein. Bei einer solchen Arbeitsathmosphäre wäre ich auch lieber dauerarbeitslos als mich jeden Tag mit Bauchschmerzen hinzuschleppen, wo Neid, Missgunst und Kontrollzwang herrschen. Aber diese Athmosphäre kommt ja nicht aus dem Nichts, die Mitarbeiter + Chefs etablieren die so. Man könnte es eben auch anders machen.

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