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Alle noch dabei?


Vica

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Vor ca.6 Jahren gehörte unser Studiengang zu einer Art Testballon und war Pionierarbeit auf dem Weg in die PP-Ausbildung. Fast alle wollten mit dem klinischen Master in die Ausbildung, kaum einer (nicht mal eine Hand voll) wollte andere Wege gehen. 
Es ergaben sich auch für alle, die wollten, Institutsplätze. 


Seitdem ist aber einige Zeit vergangen - sind alle noch am Start?

Tatsächlich habe ich mit einigen gesprochen, die abgebrochen haben und andere Wege gegangen sind. Es ist schwer zu sagen, wie viele genau, da man nicht zu jedem einen Kontakt hinkriegt. Grob geschätzt scheint aber nur ein knappes Drittel dabeigeblieben zu sein. 

Schwierigkeiten, die zum Abbrechen geführt haben und genannt wurden, waren diese:

  • Seminare neben dem Berufsleben nervig
  • Psychologenstelle auf Station ausreichend
  • Selbstständigkeit als Heilpraktiker ausreichend 
  • Therapeutisch arbeiten war doch nicht das Wahre 
  • Genervt vom Gesundheitswesen/komplett umgesattelt 
  • Schwierigkeiten in jeder Stelle: Oft gewechselt, aber überall Struggle mit dem Team/Wenig Anerkennung/Verheizt ohne Anleitung usw. 
  • Ärger mit Anerkennungen irgendwelcher Stunden und Leistungen 
  • Genervt/frustriert von Stellensuche für PT1 
  • Ausbildung insgesamt zu anstrengend/wenig Freizeit 
  • Finanzielle Einbußen durch die Ausbildung, vor allem in der Ambulanzzeit (bei jungen Ausbildungsteilnehmern wird die Finanzlücke hier oft durch die Eltern geschlossen)


Nur die absoluten Hardliner sind dabeigeblieben. 
Davon machen fast alle Verhaltenstherapie, nur 2 Tiefenpsychologie (obwohl das Interesse an letzterer damals im Studienkurs durchaus höher war). Andere Therapieschulen habe ich nicht entdeckt. Damals wurde uns auch die systemische Therapie sehr angeraten und wir hatten interessante Kurse dazu. 
Die Doppelapprobation oder Zusatzquali KJP machen nur 3. 
Die meisten scheinen in der Reha oder auf allgemeinpsychiatrischen Stationen untergekommen zu sein. Danach kämen Geronto und Sucht, dann Depressionsstationen (das sind interessanterweise auch die Rangfolgen bei uns im PP-Ausbildungskurs). 

Schön zu sehen ist, wie Leute dabeigeblieben sind, denen es damals gar nicht sonderlich zugetraut wurde. Und wie diese sich im Laufe der Zeit verändert haben. 😄


Was treibt die Leute an, die am Ball bleiben?
Meinem subjektiven Gefühl nach ist es so, dass viele ziemlich konkret wissen, was sie mit der Approbation machen wollen. Einige Beispiele:

  • Selbstständigkeit in eigener Praxis (Keine Träumereien, Gespräche mit Bank haben u.a. schon stattgefunden)
  • Partner in Praxis, Angebote gibt's schon (natürlich meist aus der Lehrpraxis)
  • Erstmal angestellt in Praxis bleiben und abwarten, bis irgendwo Kassensitz zum Kauf frei wird 
  • Irgendwelche interessanten Selbstständigkeitsideen, die tatsächlich Nischen füllen 
  • Vertiefungsgebiet/Patientengruppe steht bereits fest
  • Können im alten Job bleiben, würden danach aber Stationsleitung etc. werden 
  • Werden Praxis der Mutter/des Vaters und dessen Kassensitz übernehmen 
    etc. 
     

Ungesagte Gründe für Abbrüche: Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Ausbildung manche antriggert. Als besonders "belastende" Seminare wurden nämlich die  Selbsterfahrungen genannt. Also da, wo man sich sehr viel mit seinen eigenen Dämonen auseinandersetzen muss. 
Auch generell muss man wissen, das man natürlich viel psychisches Leid sieht und ggf. auch erfährt, bspw. durch Suizide auf Stationen, diverse Persönlichkeitsstörungen mit Nähe-Distanz-Störungen oder auch auf den geschlossenen Stationen. Und natürlich durch die permanente Beschäftigung mit den Störungsbildern selbst. 

Das sind alles Dinge, die helfen können, sich für/gegen eine Ausbildung zu entscheiden - ob nun alter oder neuer Weg.

Bleibt gesund & haltet zusammen,
LG 

Feature Foto: Cameron_Readius
 

Bearbeitet von Vica

2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Da ich aktuell noch im Master stecke und, so wie viele meiner KommilitonInnen, ebenfalls den Weg in die PT-Ausbildung anstrebe, finde ich es überraschend, dass doch so viele abgebrochen haben. Allerdings sind die von dir vermuteten ungesagten Gründe natürlich nachvollziehbar. 

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