Meine Fernstudien an der WBH

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Abstand - ein Rückblick

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Engel912

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Eigentlich ist es ja noch zu früh, um einen Rückblick zu wagen. ABER: ich habe seit der Abgabe meiner Thesis einiges an Abstand gewonnen. Diese Zeit habe ich - neben der dringend notwendigen Entspannung (noch heute spielt mein Kreislauf ab und an verrückt, weil ich noch ziemlich fertig bin) - genutzt, um über die Phasen "Themenfindung", "Recherche" und "Schreiben" zu reflektieren. Ich möchte hier - da relativ frisch - die gewonnenen Erkenntnisse niederschreiben, vielleicht findet der eine oder andere etwas, das ihm weiterhilft.

  • Themenfindung

Ein Thema für eine Abschlussarbeit zu finden, ist eigentlich nicht sonderlich schwierig. Ob im eigenen Unternehmen, über die Hochschule oder vielleicht sogar Bekannte - es lässt sich immer etwas finden.

Grundvoraussetzung für ein gutes Thema ist, dass man eine Frage (also ein "PRoblem") benennt, deren Beantwortung nicht mit einer Möglichkeit erfolgen kann. Die wissenschaftliche Methode soll bei der Auswahl der - vorher dargestellten Möglichkeiten - helfen. Gerade in einem technischen Studiengang wie Informatik gibt es jede Menge Themen, die man entsprechend aufbereiten kann.

Problem bei mir war:

Als externer Mitarbeiter wollte/konnte ich nicht bei meinem Kunden schreiben. Die Durchführung der Thesis bei einem anderen Unternehmen war mangels Zeit nicht möglich. Eine rein technische Aufgabe (wir programmieren munter ...) wäre mangels Programmiererfahrung zeitlich kritisch gewesen.

Lösung hierzu:

Ich habe mit zwei Betreuern über den angepeilten Themenkreis gesprochen. Der erste war zwar begeistert davon, wir konnten uns aber nicht auf ein komplettes Thema verständigen, welches auch eine sehr gute Note ermöglicht hätte. Der zweite Betreuer hat nach kurzer Unterhaltung innerhalb von 10 Minuten ein hervorragendes Thema zurechtgezimmert.

Tipp 1: Man suche sich einen Betreuer, der ungefähr zum Thema passen könnte, schildere ihm die Idee und bitte um Hilfe bei der exakten Themenbestimmung!

Mit etwas Glück bekommt man auch die ersten Tipps, in welche Richtung man bei z.B. der wissenschaftlichen MEthode gehen könnte. Dafür sind die Betreuer gewöhnlich da!

  • Recherche

Im Internet-Zeitalter ist die Recherche ziemlich einfach möchte man meinen. Einfach die gesuchten Begriffe in Google (oder ähnliches) eingegeben und hunderte Treffer weisen auf mögliche Literatur hin!

Problem:

Zuerst muss man natürlich die Stichworte identifizieren, die das Thema ausmachen.

Weiterhin ist nicht jeder "passende" Artikel gut zitierbar, qualitativ hochwertig genug oder auch korrekt. Gerade die online verfügbaren Quellen verdienen häufig diesen Namen (wissenschaftlich!) nicht.

Wie identifiziere ich also gute Quellen und woher bekomme ich zusätzliche Literatur?

Lösung:

Um die Stichworte zu finden, sollte man zumindest das eine oder andere Buch zum groben Thema (quer-)gelesen haben. Häufig wird bereits auf die "Gurus" eingegangen - irgendwer ist immer der bekannteste Denker zu einem Thema!

Für meine Arbeit konnte ich schnell 2-3 wirklich tolle Verfasser identifizieren. Einer war hier eher theoretisch unterwegs, die anderen beiden Praktiker. Alle hatten bereits Aufsätze verfasst - und freundlicherweise sich auch gegenseitig nicht widersprochen ;)

Die Auswahl der zitierfähigen Quellen ist mir wirklich sehr schwer gefallen - ob ich korrekt gelegen habe, werde ich wohl später erfahren. Man zitiert natürlich kein Wikipedia (die dort angegebenen Quellen sind meist aber sehr wohl zitierfähig ;)).

Literatur nur per Internet zu suchen hilft meist kaum weiter. Der Weg in eine (gute) Bibliothek ist meist sinnvoll. Online-Bibliotheken (z.B. Google Books oder PaperC) vereinfachen dies. Für mich war der Weg in die Bibliothek hilfreich, das "Du schreibst die Abschlussarbeit!"-Gefühl zu unterstützen.

Tipp 2: Um sowohl die Klassiker als auch die aktuellen Quellen zu nennen hilft es, eine gute Mischung aus Büchern, Online-Quellen und Aufsätzen in Fachzeitschriften zu nutzen. Mein Betreuer war hier sehr bestimmt - was mir unterm Strich dann auch geholfen hat.

Tipp 3: Ein gutes Tool (z.B. Citavi) für die Erfassung der Quellen sowie der zugehörigen Zitate/Zusammenfassungen/Bilder etc. ist Gold wert - es erleichtert später das flüssige Schreiben wesentlich! Man sollte sich unbedingt VORHER mit den Funktionsweisen vertraut machen. Möglichkeiten wie Tags sind klasse - wenn man sie von Beginn an richtig pflegt ;) Nichts ist unangenehmer als während der Schreibphase ein bereits gelesenes Buch nochmals ausleihen/in der Bib lesen zu müssen, weil man die gewünschten Passagen unsauber dokumentiert "mitgenommen" hat.

  • Das Schreiben

Theoretisch der dickste Batzen. Aber auch nur theoretisch. Praktisch sieht es eher so aus: hat man die Recherche anständig hinter sich gebracht ist das Schreiben (ohne die "Nacharbeiten") eigentlich schnell passiert. Bereits während der Recherche konnte man sich anhand der gewählten Quellen und Zitate Gedanken über das "Wie" machen

Problem:

Das größte Problem: wie fange ich an? Schreibe ich die Arbeit linear herunter oder springe ich von Unterpunkt zu Unterpunkt - je nachdem, was mir gerade leicht fällt?

Wie bearbeite ich meine erstellten Texte im Nachgang? SChreibe ich die Texte erst einmal im Editor oder verwende ich gleich die korrekte Formattierung?

Lösung:

Die optimale Lösung gibt es sicherlich nicht! Jeder ist anders! Das wichtigste: Anfangen ... wer tagelang darüber brütet, WIE er anfangen sollte, verliert unnötig Zeit. Ich habe mir zuerst eine grobe Gliederung erstellt.

Kapitel 2 war mein "Technikteil", heisst, dass ich dort die Optionen vorgestellt habe. Somit war hierfür die Recherche notwendig. Um möglichst nah an dem gelesenen zu arbeiten, habe ich damit angefangen. Und zwar kreuz und quer durcheinander. Mir ist immer wieder hier ein Absatz und dort eine Zeile eingefallen.

Dies hat im Nachhinein allerdings den Eigenkorrekturaufwand wesentlich erhöht (man sieht den unterschiedlichen Schreibstil tatsächlich schon bei Pausen von zwei Tagen).

Nach und nach kamen die Einleitung und Motivation hinzu, die kurze Praxisbeschreibung sowie einige Teile des Anhangs.

Erst nach Beendigung des Theorieteils startete ich mit der (gefühlt) eigentlichen Arbeit: die wissenschaftliche Methode und ihre Anwendung.

Für die Erstellung der Arbeit habe ich mir eine Vorlage gebaut (ich habe mit Word 2010 geschrieben) und alle Texte direkt dort getippt. Gerade die Nutzung der Quellen- und Literaturfunktion erforderte (meiner Meinung nach) die direkte Eingabe in Word. Die vielen Beispiele in diversen Foren haben natürlich dazu geführt, dass ich von der Arbeit ca. 200 Sicherheitskopien auf unterschiedlichen Medien erstellt habe. Dennoch (oder vielleicht deshalb) gab es keine Probleme! Word mochte mich und meine doch ziemlich lange Arbeit!

Die Nachbearbeitung und Korrektur hatte ich persönlich unterschätzt! Der geplante Korrekturleser ist mir kurz vor Beendigung der Arbeit abhanden gekommen, womit ich auf eine Bekannte ausweichen musste. Diese hat zwar ihre Arbeit gut gemacht, war aber im Gegensatz zur vorherigen Planung kein Profi! Somit hat meine Arbeit mit Sicherheit stilistisch ihre Schwächen - hier hoffe ich auf Milde durch die Korrektoren. Ich habe allerdings versucht, möglichst keine Auszählungen zu verwenden, die Satzanfänge unterschiedlich zu gestalten, Fachwörter grundsätzlich gleich zu schreiben (Bindestrich? Kein Bindestrich?), mir vorher klar zu werden ob Englisch oder Deutsch (Fachwörter!) ...

Die Korrekturmaßnahmen haben nachgelagert grob 3 Wochen in Anspruch genommen.

Tipp 4: Unbedingt die Korrekturleser vorher abklären und grundsätzlich einen "Puffer"Korrektor einbeziehen.

Tipp 5: Frühzeitig mit der Korrektur anfangen (ggf. schon fertige Teilkapitel gegenlesen lassen - Deutsch ist ja nicht vom kompletten Kontext abhängig ;)).

Tipp 6: Die Eigenkorrektur erst 2-3 Tage NACH der Erstellung der einzelnen Teilkapitel durchführen - sonst übersieht man alles.

Tipp 7: Ein eigenes "How To" erstellen - also eine Übersicht, welche Begriffe man grundsätzlich wie schreiben will, für welche Schreibweisen man sich entschieden hat usw. So spart man sich ständiges Nachblättern und vermeidet eine unschöne Mischung.

Tipp 8: Unbedingt (mind.) einen Probedruck auf einem Farbdrucker durchführen (klasse wäre natürlich ein Probedruck aus einer Druckerei!). Während die Abbildungen am Monitor immer klar und gestochen scharf aussahen, waren sie auf Papier in Originalgröße unschön. Dies hatte zur Folge, dass ich alle Abbildungen selbst neu erstellt habe (natürlich mit Quellenangabe)! Zeitfresser!

  • Allgemein

Für die Abschlussarbeit (beim Bachelor) sind 3 Monate veranschlagt! Ich habe mir bereits 8 Wochen VOR dem geplanten Starttermin Gedanken gemacht, habe einen Betreuer gefunden, das Thema festgezurrt und eingereicht. Mit der Recherche habe ich ebenfalls schon 3 Wochen vor dem Start begonnen. Dies hatte zur Folge, dass ich mit dem offiziellen Start der Thesis auch wirklich "loslegen" konnte. Zwar war ich gut beschäftigt (und hatte 3 Wochen Urlaub in der Zeit) und am Ende war die Panik dann doch groß, dass etwas schiefgehen könnte, aber ich war pünktlich fertig (sogar vor der Zeit). Ich hatte genug Puffer, um im Zweifelsfall die Arbeit nochmal drucken lassen zu können (falls etwas verlorengegangen wäre etc.).

Tipp 9: Pufferzeiten einbauen! Das schont die eigenen - sowieso bereits angegriffenen - Nerven!

Tipp 10: Unbedingt Pausezeiten und motivationsfördernde Maßnahmen einbauen! 3 Monate sind eine lange Zeit - da sollte einem nicht zwischendrin eben die Puste ausgehen.

Die Zusammenfassung erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit - weiterhin kommt mit meiner Arbeitsweise unter Garantie nicht jeder zurecht. Zusätzlich sind die Hochschulen und Betreuer natürlich unterschiedlich, was der eine gerne tut, ist dem anderen ein Dorn im Auge ...


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6 Kommentare


HannoverKathrin

Geschrieben

Das ist eine hervorragende Hilfe, vielen Dank dass du deine Erfahrungen so schön zusammengefasst hast und Tipps formuliert hast. Vielen vielen Dank!!!

PS: Ich hoffe du wirst für deine Leistung entsprechend belohnt (also in Notenform).

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Danke für deine Gedanken und Tipps!

Hast du die Literatur in citavi und Word verwaltet?

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Danke für den tollen Eintrag. Ich hoffe ich kann mich noch daran erinnern, wenn es bei mir mal so weit ist :)

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Ich finde den Beitrag auch super! Insbesondere für die WBH'ler ist das schon eine große Hilfe. An der HFH kann man sich da an einige Themen leichter anpirschen.

Dies hatte zur Folge, dass ich alle Abbildungen selbst neu erstellt habe (natürlich mit Quellenangabe)! Zeitfresser!

Das mache ich übrigens grundsätzlich ;) ... es widerstrebt meinem Empfinden einfach, wenn die Grafik eine Schriftart hat, die nicht zum restlichen Text passt.

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Danke für diese grossartige Beschreibung! Ich denke, das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, wo ich diesen Beitrag gelesen habe!

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Hast du die Literatur in citavi und Word verwaltet?
genau - in Citavi hatte ich wirklich alles, was ich gefunden habe, eingebaut. In Word (logischerweise) dann nur das, was ich wirklich genutzt habe.

@chillie: dass die HFH das Thema etwas anders handhabt, haben wir ja schon einige Male besprochen. An der WBH ist die Vorgehensweise etwas weniger eindeutig vorgegeben, weshalb ich auch immer mal wieder auf Probleme gestoßen bin.

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