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Tschüss, Klinikzeit - Hallo, Leben!


Vica

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Meine beiden klinischen Jahre sind abgeschlossen. Alles ist unterschrieben, abgestempelt, bescheinigt und begutachtet. Das ganze Austrittsprozedere fühlte sich für mich so an, wie ich mir eine Entlassungsvorbereitung aus der JVA vorstelle: Grenzenlose Freude für die frei werdende Zeit und Selbstbestimmung; aber irgendwie auch mit nervöser Ungeduld auf alles, was beruflich im Anschluss kommt. 
Eines war mir jedenfalls klar: Nochmal so ein Ding sollte nicht kommen. 

Zunächst mal hatte ich gar keine Zeit, die Freude über den Austritt (es ist immerhin ein Meilenstein!) so an mich ranzulassen, denn ich lief tagelang noch Unterschriften hinterher. Krankheit hier, Krankheit da, Urlaub sowieso - Vertretung krank, kränker, am kränksten, Büro unbesetzt etc. Ich hatte schon Bammel, dass ich den Laden verlasse, ohne meine Nachweise zu bekommen. Dies ist einer Freundin passiert, die einige Zeit vor mir ausschied und der man alles hinterherschicken wollte. Das bereitete mir echt Panik und so kam ich am Schluss gar nicht mehr in Feierstimmung. Für mich war es eben wichtig, am letzten Tag definitiv alles abzuschließen - auch psychisch! 

Aber: Es hat dann doch noch geklappt 😍Mehr wollte ich eigentlich nicht. Meine Station hatte gar nicht auf dem Schirm, dass ich gehe. Das ist auch kein Wunder, sie besteht seit Monaten nur aus Notbesetzungen und den ganzen Streit, Zoff und die massive Resignation habe ich ja schon erwähnt. Das wurde auch nochmal schlimmer - irgendwie ging es dann nur noch darum, durch den Tag zu kommen und Eskalationen zu vermeiden. Verabschiedet habe ich mir nur von den Patienten und ging dann...eine Station weiter, wo ich zwar nur Aushilfe war, aber man mich viel mehr schätzte. Dort hatte mein Team (ich habe auch ein kleines Team aus Ärzten und Psychologen geleitet) eine kleine Party mit Abschiedsgeschenken engagiert. Das war mega! :) 

Die unterschriebenen Papiere habe ich gehütet wie die Bundeslande auf dem Weg nach Hause. 

Natürlich nehme ich eine Menge mit. Medizinisches Wissen. Leitungsverantwortung. Eine schöne Zeit mit Kollegen, die ich so gerne mochte. Vorträge und Öffentlichkeitsarbeit. Glücklicherweise hatte ich die ganze Zeit Supervision und dadurch psychotherapeutische Unterstützung. Und die Arbeit hier vor Ort in der Praxis hat mich ebenfalls wieder aufgebaut. 

Das erste Jahr, die PT1 war toll - die PT2 hingegen ganz und gar nicht.  Ich nehme für mich mit: Hätte besser auf mich aufpassen sollen. Es nützt nicht immer was, sich stur festzubeißen und nur aus Prinzip durchzuziehen.
Oder besser gesagt: Aus gesundheitlichen Gründen muss ich dringend mehr an meinem Desinteresse arbeiten.  Enttäuschung ist aber, wie Eckhart Tolle sagt, etwas Gutes. Es ist das Ende der Täuschung. 

Und nun? Platz für neue Wunder. Noch nicht spruchreif - es ruckelt ja immer etwas, bis das Leben in den neuen Gang schaltet. :-)

Bleibt gesund und haltet zusammen,
LG
Titelbild: Peng Louis/pexels.com 

4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Deine Freude und Erleichterung und auch ein Stück weit Stolz springen mich aus Deinem Betrag gerade zu an :11_blush:

 

Herzlichen Glückwunsch zu diesem riesengroßen Meilenstein!

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Meinen allerherzlichsten Glückwunsch für diesen riesigen Schritt.

Wünsche dir, dass deine nächsten Schritte genau so erfolgreich aber weniger stressig werden. Aber du wirst deinen Weg auf jeden Fall gehen 

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Erstmal Glückwunsch für den Abschluss dieses wichtigen Meilensteins. Damit rückt ja auch die Approbationsprüfung immer näher. Bin gespannt, was du uns bis dahin zu berichten hast. 😎

 

Zitat

Ich nehme für mich mit: Hätte besser auf mich aufpassen sollen. Es nützt nicht immer was, sich stur festzubeißen und nur aus Prinzip durchzuziehen.

Das ging mir ähnlich und fühlte sich immer so an wie ein Versagen: Wenn du das nicht stemmen kannst, dann wirst du es nicht weit bringen (oder so ähnlich). Letztlich hat da für mich auch nur Supervision geholfen und der Blick von außen, der mir immer wieder zurückgemeldet hat: Diese Zustände sind so nicht in Ordnung und müssen nicht um jeden Preis ertragen werden!

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