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Ein kleiner Überblick zur ProfiLehrePlus


MartinGS

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Hallo zusammen,

 

… und noch ein frohes neues Jahr an all diejenigen, die durch Zufall über diesen Blog gestolpert sind! 😉

Im heutigen Beitrag dreht es sich um die ProfiLehrePlus, also ein Zertifikatsangebot der bayrischen Universitäten für die Professionalisierung der Hochschullehre.

 

Warum Professionalisierung in der Hochschullehre?

Möchte man eine Hochschulkarriere einschlagen, braucht es neben der wissenschaftlichen Qualifikation auch methodisch-didaktische Fähigkeiten sowie Kenntnisse zu hochschulbezogenen Rahmenbedingungen (Verwaltungsvorgaben bei Prüfungen, gesetzliche Grundlagen etc.) – gute Forschende sind nunmal nicht automatisch gutes Lehrpersonal und umgekehrt. In der Vergangenheit war man (und ist man teils bis heute) in deutschen Hochschullandschaft oftmals auf sich gestellt und hat sich Hochschullehre nach dem Prinzip „Learning by doing“ selbst beigebracht. Zwar erhält man an Universitäten mit einer Habilitation formal die Qualifikation zur selbstständigen Lehre, aber machen wir uns nichts vor: bis heute besteht ein Großteil der Habilitationsverfahren vor allem daraus, nach der Promotion ein zweites dickes Buch zu produzieren. Außerdem ist man heutzutage bereits deutlich früher aktiv in der Lehre eingebunden: Während Vorlesungen noch vor nicht allzu langer Zeit den grauen Eminenzen einer Fakultät vorbehalten war, werden diese heute sowohl an Unis, als auch an HAW’s teilweise schon von erfahrenen Masterabsolvent*innen oder jungen Promovierten verantwortet.

 

Was ist die ProfiLehrePlus?

An dieser Stelle knüpft das Programm ProfiLehrePlus in Bayern an. Ziel ist es, Doktorand*innen und junge Promovierte an bayrischen Universitäten frühzeitig für eine gute Lehre zu qualifizieren. Für Angehörige der jeweiligen Unis wird hierfür eine kleine Selbstbeteiligung fällig, sodass das Zertifikat „E13-freundlich“ ist. Alle durchgeführten Seminare werden unter den teilnehmenden Unis gegenseitig anerkannt, sodass man bspw. als Mitglied einer Münchener Uni regelmäßig auch mit Kolleg*innen aus Bamberg, Bayreuth oder auch Passau zusammensitzt.

 

Wie ist die ProfiLehrePlus aufgebaut?

Sobald die Voraussetzungen erfüllt sind, wird durch jeweilige Uni das Zertifikat in drei möglichen Stufen ausgestellt: Grundstufe (60+ Unterrichtseinheiten/ UE), Aufbaustufe (120+ UE) und Vertiefungsstufe (200+ UE). Die Seminare werden jeweils fünf unterschiedlichen Themenfeldern zugeordnet:

 

  • A Lehr-/ Lernkonzepte: Hier geht es um die zielorientierte Konzeption und methodisch sinnvolle Umsetzung von Lehrveranstaltungen sowie um die Unterstützung von Lernprozessen und die Motivation Studierender.
  • B Präsentation und Kommunikation: Hier geht es um die Ausgestaltung von Lehrformaten unter rhetorischen und methodisch-didaktischen Gesichtspunkten. Dazu gehören die Verwendung geeigneter Medien, Kommunikations- und Moderationstechniken.
  • C Prüfen: Hier geht es um die regelkonforme Planung, Durchführung und Kontrolle von Prüfungen. Das bedeutet, dass Prüfungen nicht nur rechtlich einwandfrei sind, sondern auch auf die jeweiligen Lernziele der Studierenden zugeschnitten sind.
  • D Reflexion und Evaluation: Bei diesem Themenfeld dreht es um die Reflektion des eigenen Lehrverhaltens und der kritischen Auseinandersetzung der Lehrperson mit sich selbst. Dazu werden Methoden vermittelt, wie die eigene Lehre evaluiert werden kann, sowohl aus studentischer als auch aus kollegialer Sicht.
  • E Beraten und Begleiten: Hier geht es darum, Coaching-Kompetenzen mithilfe verschiedener Beratungs- und Betreuungstechniken aufzubauen und sich so als guter Sparring-Partner für die Studierenden bei Rückfragen oder auch im wissenschaftlichen Diskurs zu fungieren.

 

Auf der Grundstufe muss Grundlagenwissen aus allen fünf Bereichen nach Vorgabe der jeweiligen Hochschule erbracht werden. In der Aufbaustufe braucht man dann in allen Bereichen eine erfüllte Mindestzahl an UE, die zentral vorgegeben sind. In der Vertiefungsstufe schließlich wird der Schwerpunkt auf Lehrprojekte, Lehrberatung und Hospitationen an anderen Hochschulen gelegt. Auf diese Weise fördert die Teilnahme an der ProfiLehrePlus auch das Networking im akademischen Umfeld.

 

Wie läuft die Teilnahme genau ab?

Auf der Seite der ProfiLehrePlus wählt man sich aus dem Katalog aller Seminare die für sich passenden Veranstaltungen in den jeweiligen Themenbereichen aus und bucht diese auf dem Portal. Anschließend erhält man eine Bestätigung mit ggf. Zahlungsmodalitäten per E-Mail. Auch wenn die Corona-Pandemie mittlerweile kaum mehr eine Rolle spielt, finden die meisten Seminare weiterhin virtuell via Zoom statt - das ist sehr dankbar, gerade wenn man das Zertifikat berufsbegleitend und von einem anderen Standort aus absolviert.

Nach dem jeweiligen Seminar und je nachdem, ob noch weitere Leistungen zur bloßen Anwesenheit gefordert sind, trägt der/die Trainer*in dann die geleisteten UEs in das Portal ein. Sobald man genug Punkte insgesamt sowie aus allen Themenfeldern zusammen hat. kann man (ebenfalls über das Portal) die Ausstellung des Zertifikat bei Universität beantragen. 

 

Wie sieht das Zertifikat am Ende aus?

Hierzu habe ich ein Foto angehängt 😉

 

Was bringt die ProfiLehrePlus formal?

Durch die Teilnahme an dem Programm erhält man ein Universitätszertifikat, das hochschuldidaktische und weitere hochschulbezogenen Kompetenzen nachweist. Die ProfiLehrePlus ersetzt nicht eine erfolgreiche Habilitation, sondern stellt ein ergänzendes Qualifizierungsangebot dar.

 

Warum habe ich mich für das Zertifikat entschieden?

Da ich einen britischen PhD absolviere, falle ich später aus dem deutschen Promotions-/ Habilitationsschema heraus, weil man im UK mit dem Abschluss der Promotion auch die Befähigung zum selbstständigen Lehren an Universitäten erhält. Auch, wenn ich neben dem Berufsleben bereits einige Zeit im akademischen Umfeld unterwegs bin, ist es mir wichtig, mich für die Lehre gezielt fortzubilden. Dadurch, dass die Seminare der ProfiLehrePlus zu großen Teilen virtuell stattfinden, kann man diese auch relativ gut berufsbegleitend absolvieren, sodass das Zertifikat mit einem Vollzeitjob kompatibel ist.

 

Was ist mein Fazit?

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, in die akademische Lehre zu gehen, kann ich euch so ein Angebot nur wärmstens empfehlen. Selbst wenn ihr bereits, bspw. durch Inhouse-Schulungen in eurer Firma oder durch andere Trainings rhetorisch geschult seid, vermitteln Angebote wie die ProfiLehrePlus gezieltes Wissen, um eine gute Lehre durchzuführen und Studierende bei ihrer Arbeit kompetent zu betreuen. Neben Bayern gibt es vergleichbare Angebote bspw. auch in Niedersachsen oder auch in NRW

 

Wie geht es weiter?

Nachdem ich das Zertifikat in der Grundstufe absolviert habe, liegt der Fokus in 2023 eindeutig auf der Diss. Sobald ich wieder mehr Freiraum habe, plane ich die Aufbaustufe draufzusetzen, um meine Lehrkompetenzen weiter zu vertiefen.

 

In diesem Sinne,

Cheers!

Martin

20230115 PLP MGS.png

Bearbeitet von MartinGS
Titelbild ergänzt, Typos korrigiert

6 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Super spannende Einblicke, vielen Dank dafür!

Kannst Du noch einen Satz zur Kostenstruktur spendieren? Ich hatte mich mal grob informiert und da gab es ja entsprechend Unterschiede, ob man bereits an einer Partnerhochschule lehrt, oder ob man komplett Externer ist. Du hast ja vermutlich auch an der Uni Bw studiert -- hatte das irgendeinen Effekt auf die Kosten?

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Das ist ja wirklich ein ausgesprochen interessantes Programm, an dem Sie teilnehmen. Ich hoffe, Sie berichten in Ihrem Blog mehr darüber!

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Gefällt mir sehr. Meiner Meinung nach sollte es verpflichtend sein, dass eine Lehrqualifikation auch didaktisch-methodisch, und nicht nur auf dem jeweiligen Fachgebiet, notwendig ist. 

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Am 15.1.2023 um 11:21 schrieb Steffen85:

Super spannende Einblicke, vielen Dank dafür!

Kannst Du noch einen Satz zur Kostenstruktur spendieren? Ich hatte mich mal grob informiert und da gab es ja entsprechend Unterschiede, ob man bereits an einer Partnerhochschule lehrt, oder ob man komplett Externer ist. Du hast ja vermutlich auch an der Uni Bw studiert -- hatte das irgendeinen Effekt auf die Kosten?

 

Jedes Seminar der ProfiLehrePlus wird separat abgerechnet, wobei ein Großteil des Angebots für Teilnehmende der Partnerhochschulen kostenlos ist. Je nach Kurs (diese gehen von einer bis hin zu ~25UE) zahlt man erfahrungsgemäß einen Betrag zwischen 10 und 50 €. Die Preise sind zudem oft nach Zielgruppe gestaffelt: Teilzeitwissenschaftler*innen zahlen dann einen reduzierten Satz, wohingegen Habilitierte oder bereits tätige Professor*innen ein wenig mehr zahlen - das hält sich alles jedoch in sehr humanen Grenzen. 

Dementsprechend kann die Gesamtsumme für Verbundpartner auch im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich schwanken. Ich selbst bin für das Zertifikat in der Basisstufe auf insgesamt ~130 € gekommen. Demgegenüber würde man als komplett Externer deutlich im vierstelligen Bereich rauskommen. Unter folgender Übersicht aller Seminare kann man einsehen und jeweils individuell kalkulieren, was das Zertifikat in etwa kosten würde: Klick mich

Es ist im übrigen egal, an welcher Universität man früher studiert hat, vielmehr braucht man ein entsprechendes Arbeitsverhältnis oder eine Promotionsvereinbarung bzw. einen Gestattungsvertrag der jeweiligen Hochschuleinrichtung - alleine der Status als Alumni berechtigt nicht zur Teilnahme an der ProfiLehrePlus zu "internen" Konditionen.

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Am 16.1.2023 um 17:30 schrieb Markus Jung:

Gefällt mir sehr. Meiner Meinung nach sollte es verpflichtend sein, dass eine Lehrqualifikation auch didaktisch-methodisch, und nicht nur auf dem jeweiligen Fachgebiet, notwendig ist. 

Dazu noch ein Fun Fact: Im Angelsächsischen ist es ja regelmäßig so, dass man zum Einstieg als Lehrpersonal oftmals noch eine verpflichtende Qualifikation in Form eines PGCert Academic Practice absolviert. D.h. man belegt idR nochmal einen Zertifikatskurs mit einem Umfang von ~30 ECTS-Punkten, um methodisch-didaktische Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzubauen. An der University of Liverpool gibt es die Möglichkeit, so ein Zertifikat auch vollständig online zu erwerben - viele britische Unis bieten es jedoch auch in Präsenz an. Ich persönlich finde diesen Ansatz deutlich charmanter, als nochmal ein "zweites dickes Buch" als Kompetenznachweis für die Lehre zu schreiben.

Bearbeitet von MartinGS
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