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Ernüchternde KÜ zur Bachelorarbeit - ich muss mal bisschen meckern 😅


sasa

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Letzte Woche war die komplexe Übung Wissenschaftliches Arbeiten, in der man das geplante Thema für die Bachelorarbeit skizzieren sollte. Problemstellung, Fragestellung, mögliche Literatur, Entwurf einer Gliederung... Das Positive daran: ich habe bestanden, weitere 8 CP auf dem Konto.

Das weniger Positive: mein Thema wurde regelrecht zerpflückt! Ich wollte in Richtung Teamdiagnostik gehen und ein reales Team in Hinblick auf die Gruppenkohäsion untersuchen. Dafür habe ich zwei validierte und standardisierte Testverfahren ausgesucht. Meinung der Dozentin und Kommilitonen: 20 Leute sind eine zu kleine Stichprobe, und meine Arbeit löst eher ein reales Alltagsproblem (nämlich das des konkreten Teams) und trägt nichts zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei.

 

Nun ja... ich wage umgekehrt zu bezweifeln, dass eine Arbeit, die auf einem eigens entworfenen Fragebogen basiert, wirklich einen Erkenntnisgewinn bringt. So viel habe ich zumindest bisher im Praktikum gelernt... Faktorenanalyse, Trennschärfe der Items, konfundierende Variablen... das sprengt die geforderten 40 Seiten einer Bachelorarbeit so dermaßen, dass es absolut unrealistisch erscheint, dass da aussagekräftige Ergebnisse rauskommen.
Und meine geplanten Tests wurden immerhin für kleine Stichproben validiert...

 

Jedenfalls muss ich entweder mein Exposé so überragend und überzeugend gestalten, dass ich einen Erstbetreuer finde, der dem Thema trotzdem eine Chance gibt - oder ich muss mir etwas ganz neues ausdenken. 🙄

 

Auf die Hausarbeitsnoten von der Abgabe im August warten wir auch noch, jetzt sind schon fünf Wochen rum. Sechs bis acht haben sie offiziell Zeit, also wird es da vielleicht langsam spannend. Allerdings rechne ich eher mit 8-12 Wochen, also bin ich noch nicht so weit, täglich mehrfach das Notenportal zu checken.

 

Das Praktikum ist richtig mühsam, ich habe bisher erst 60 von 240 Stunden absolviert. Die Orga ist total chaotisch, die Aufgaben völlig unklar, und laufend brechen Kommilitonen frühzeitig ab. Aber ein Viertel ist geschafft, der Rest wird auch irgendwie vorüber gehen. Sollte ich den Master tatsächlich noch machen, werde ich das dazugehörige Praktikum definitiv woanders machen!

 

So, genug gemeckert. Das Ziel ist in Sicht und ich kann es noch gar nicht glauben 🥳 Wir bekommen ja zum HFH-Jubiläum ein Zertifikatsmodul geschenkt. Ich habe mich für "moderne Teamarbeit" entschieden und bin schon sehr gespannt! Die Studienbriefe sind schon freigeschaltet, los geht es aber offiziell dann erst am 01.01. 🙃

 

7 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Das Problem kommt mir aktuell so bekannt vor. 

In meinem Kopf kreisen zig Themen für meine Masterthesis aber irgendjemand zerpflückt diese immer wieder. Entweder mein Chef (der wird definitiv mit Zeitgutachter) oder aber meine böse Stimme auf der rechten Schulter

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Auch wenn die Fragebögen für kleine Gruppen validiert sind, stimmt es , dass du eher das Problem einer Gruppe beleuchtest und untersuchst. Du müsstest dann mehrere Teams untersuchen und schauen, ob es bei einer Intervention oder was auch sonst einen Effekt gibt. Bei einer entsprechend großen Stichprobe kannst du dann Verallgemeinerungen treffen.

 

Und richtig, einen eigenen Fragebogen entwerfen und damit eine Untersuchung anstellt sprengt den Rahmen einer Bachelorthesis. Du kannst entweder einen Fragebogen entwerfen oder deine Untersuchung durchführen.

 

Lässt sich dein Wunschthema denn an mehreren Teams untersuchen? Wenn ja, dann brauchst du deine Idee ja vielleicht gar nicht verwerfen.

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Ich denke, das Problem mit dem Thema ist gar nicht in erster Linie die kleine Stichprobe (auch wenn die schon sehr klein ist), sondern dass "Wie ist die Gruppenkohäsion in Team X?" wirklich nur für Team X interessant ist und nicht verallgemeinerbar. Es ist eine rein deskriptive Fragestellung und nicht induktiv.

 

Aber vielleicht kannst du die Fragestellung ja etwas erweitern und eine Hypothese bezüglich des Zusammenhangs der Gruppenkohäsion mit einem anderen Merkmal aufstellen. So was wie "Je höher die Gruppenkohäsion, desto höher die Zufriedenheit der Teammitglieder." oder "Je häufiger sich das Team persönlich trifft, desto höher die Gruppenkohäsion."

 

Dann müssest du natürlich mehr Teams als eins untersuchen, aber in die Richtung könnte man aus der Fragestellung sicher was machen.

 

Die Konstruktion eines komplett neuen Erhebungsinstruments ist von Aufwand wohl eher eine Doktor- als eine Bachelorarbeit 😉

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Mh ich verstehe das Problem deiner Betreuung gar nicht 🤔

Meine erste Bachelorarbeit im Präsenzstudium war auch angewandt, sprich ich war in einem Unternehmen und habe etwas über deren Mitarbeiterbindung geschrieben. Das hat natürlich nur das Problem des Unternehmens betroffen. Aber warum denn nicht? Ist es am Ende nicht auch die Idee, dass Absolventen in Jobs gehen und dort Probleme lösen? Es schreiben doch so viele eine angewandte Abschlussarbeit. Warum sollte das bei dir nicht in Ordnung sein?

Von einer Bachelorarbeit Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft zu erwarten, finde ich eine recht dreiste Erwartungshaltung. Man zeige mir bitte so eine Bachelorarbeit, die dürften ziemlich selten sein. Der Anspruch per se besteht doch erst ab einer Doktorarbeit, die veröffentlich werden muss und daher die wissenschaftliche Community auch voranzubringen hat. Vorher ist das nice to have und eher Wunschdenken.

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Vielen Dank für eure Einschätzungen! Es beruhigt mich ungemein, dass die Themenfindung auch anderen Kopfzerbrechen bereitet (die böse Stimme auf der Schulter ist ein schönes Bild, @Kruemmelchen 🤣).

Wenn ich mir anschaue, was für Themen damals in Sportmanagement (auch im Master an der Uni Bayreuth) durchgewunken wurden, frage ich mich eher, ob die Psychologen da ein wenig eigen sind. 😅 Methodenlehre schön und gut, aber wie ihr auch bestätigt habt, ist der Erkenntnisgewinn einer Bachelorarbeit marginal. Soll man da nicht eher zeigen, dass man das Handwerkszeug beherrscht und eine (beliebige) Fragestellung sinnvoll bearbeiten kann? 🤷‍♀️

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Naja, auch um gewisses "Handwerkszeug" zu zeigen, muss ja die Fragestellung passen. Bei so einer rein deskriptiven Fragestellung kann man wahrscheinlich keine Inferenzstatistik (Signifikanztests o.ä.) anwenden, und dementsprechend wäre auch der Rahmen dessen, was du an Methodenkenntnissen an diesem Thema präsentieren könntest, ziemlich begrenzt...

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Am 21.9.2023 um 14:00 schrieb unrockbar:

Von einer Bachelorarbeit Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft zu erwarten, finde ich eine recht dreiste Erwartungshaltung.

 

Einen wirklichen Erkenntnisgewinn im Sinne einer Doktorarbeit wird ja gar nicht erwartet. Ich habe Themen für Bachelor- und Masterarbeiten gesehen, deren Ergebnisse man sich schon denken konnte. Ich denke mal, es geht in erster Linie darum zu zeigen, dass man Literatur recherchieren kann, einen roten Faden beim Schreiben beibehält und sich auf das notwendige reduziert, Konstrukte zu operationalisieren und auf dieser Grundlage geeignete Messinstrumente zu wählen, die gewonnenen Daten mit den richtigen statistischen Methoden weiter zu verarbeiten und am Ende die Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen zu reflektieren.

 

Ich kann mir aber gut denken, dass einem die Themenfindung ziemliche Kopfzerbrechen machen kann. Denn gefühlt ist ja schon alles irgendwie schon einmal erforscht worden 😅

Bearbeitet von psycCGN
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