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Eine Diskussion im anderen Strang dreht sich ums Thema, ob Arbeit im Sozialbereich "Ausbeutung" ist. Naturgemäß gibt es dazu unterschiedliche Positionen. Dennoch: Die Frage stellt sich, jedoch nicht nur für Arbeit in diesem Umfeld. Und deshalb möchte ich sie weiter fassen.

 

Was ist für Sie Arbeit ausbeuterisch? Wie entscheiden Sie, ob ein Job/ein Praktikum so viele Möglichkeiten eröffnet, dass Sie dafür auch einen hohen Zeitaufwand mit wenig Bezahlung in Kauf nehmen? Wann ist "inhaltliche Verwirklichung" so wichtig, dass es aufs Geld nicht ankommt?

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"Aubeutung" hat für mich mehrere Aspekte:

 

Man kann sich selbst emotional ausbeuten. Besonders anfällig sind dafür Jobs im sozialen Bereich, wenn man nämlich nicht lernt, professionelle Distanz zu halten und trotzdem empathisch in die Situation reinzugehen. Diese professionelle Distanz kann man lernen, wenn man das will.

 

Man kann sich ausbeuten, indem man keine Grenze zwischen Arbeit und Privat zieht. Das kann über die Erreichbarkeit rund um die Uhr für Belange aus der Firma passieren, das kann passieren, wenn im Unternehmen die "Ideologie" (manche sagen "Unternehmensphilosopie" dazu) vertreten wird, dass alles sich wahnsinnig gut verstehen und deswegen auch privat viel Zeit miteinander verbringen.

 

Man kann sich ausbeuten lassen, wenn man sich auf Stellen einlässt, die schlecht bezahlt sind, nur, weil sie die Hoffnung aufrecht erhalten, dass man dadurch doch noch in seinen Traumjob hineinkommt. Beispiel: eine junge Frau (Master mit sehr gutem Abschluss), die für 1200 Euronen brutto in einer Agentur in Vollzeit arbeitet, die Filme produziert. Oder für ein Taschengeld bei einer Stiftung in diesem Bereich, weil die einen sehr guten Ruf hat.

 

Man kann sich ausbeuten lassen, weil einem nichts anderes übrig bleibt, als für einen Stundenlohn weit unter dem Mindestlohn zu arbeiten, weil man nichts gelernt hat und/oder keine reguläre Arbeitserlaubnis hat.

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vor 19 Stunden, Karate-Kalle sagte:

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

 

Solche Pauschalaussagen helfen meiner Meinung nach nicht weiter. Wo konkret hast du den Eindruck, dass die genannte Statistik Mängel aufweist?

 

Ich kenne näher nur eine Erzieherin. Ich würde sie prinzipiell als durchaus glücklich mit ihrem Job bezeichnen. Allerdings merkt sie, wie groß die Belastung ist, wie sie körperlich nach etlichen Jahren in dem Beruf Probleme hat und auch, wie zum Beispiel die Erwartungen der Eltern gewachsen sind und auch der Erziehungs- und Pflegeaufwand (gerade durch immer mehr sehr kleine Kinder) gestiegen ist, ohne dass dies personell berücksichtigt wird. Und von daher stimme ich schon zu, es kommt bei Statistiken immer darauf an, wie die Fragen gestellt sind. Und auf die Frage "Sind sie glücklich in ihrem Job?" kommt vermutlich eine andere Antwort als auf die Frage "Belastet sie ihr Job?".

 

- Pause -

 

Erst jetzt habe ich mir den oben verlinkten Artikel mal durchgelesen. Dabei fällt mir auf, dass sehr häufig davon die Rede ist, dass Erzieher nicht überdurchschnittlich belastet, gestresst etc. sind. Das kann ja auch bedeuten, dass eben insgesamt die Belastung etc. mittlerweile sehr hoch ist und muss nicht bedeuten, dass in dieser Gruppe alles easy wäre. 

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vor 21 Stunden, Karate-Kalle sagte:

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

 

Es geht in dem Artikel nicht um Statistiken. Die Aussage ist (Herr Jung hat es schon angemerkt), dass die Empfindung von Belastung im Erzieherjob so ist wie in jedem anderen Job auch.

 

KEIN Job ist so, dass er nie als Belastung empfunden wird. Das Leben ist auch manchmal belastend. Das gehört dazu und ist einfach so. Sie empfinden es ja auch als ärgerlich/störend/belastend, dass Ihre eBay-Aktivitäten durch Preisdruck nicht so lukrativ sind, wie Sie sich das wünschen.

 

Welchen Schluss ziehen Sie für diese Tätigkeit daraus? Nicht mehr bei eBay aktiv sind? Und weiter gefasst - wenn alle Berufe durchschnittlich gleich zu Belastungen führen: aufhören mit der Arbeit?

 

Ich habe das ganz bewusst man sehr zugespitzt formuliert, um damit deutlich zu machen, wo ggf. der Denkfehler bei solchen Diskussionen liegt.

Bearbeitet von KanzlerCoaching

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Am 21.10.2016 at 11:59 , KanzlerCoaching sagte:

Was ist für Sie Arbeit ausbeuterisch? Wie entscheiden Sie, ob ein Job/ein Praktikum so viele Möglichkeiten eröffnet, dass Sie dafür auch einen hohen Zeitaufwand mit wenig Bezahlung in Kauf nehmen? Wann ist "inhaltliche Verwirklichung" so wichtig, dass es aufs Geld nicht ankommt?

 

Ich kann nur vom Pflegebereich berichten und erzähle mal aus meiner langen Berufspraxis:

Wenn sich jemand krank meldet, muss jemand anderes den Dienst übernehmen. Das ist nun nicht besonders verwunderlich, aber in der pflege ist es häufig so, dass man es eben ständig muss.

Wenn ich 10 bis 14 Tage am Stück gearbeitet habe (das ist keine Seltenheit) und komme dann Freitags mittags in die Station und es heißt: "Dein Wochenende ist gestrichen, du musst arbeiten", dann kann man das auf Dauer nicht aushalten. Jedes Jahr wird der Urlaub verschoben oder man wird auch dem Urlaub gerufen, zuhause wird ununterbrochen angerufen, wenn man nicht ans Telefon geht, Spätdienst bis 21 oder 22 Uhr und dennoch morgens um 6 Uhr Frühdienst. Über Nacht Rufdienst mit Einsätzen, die unter Umständen die halbe Nacht dauern und dennoch morgens um 6 Uhr Frühdienst (mit Auto fahren!). Dokumentieren außerhalb der Arbeitszeit, weil man nur eine Pauschale dafür bekommt. Dienstplanänderungen ohne Absprachen usw. usf. DAS war für mich eigentlich schon sehr früh als Ausbeute erkannt, da ich aber 2 Kinder großziehen musste, habe ich das so hingenommen. In der Pflege gibt es in meiner Region ca. 13 € die Stunde für eine Fachkraft. Zulagen gibt es so gut wie keine mehr, Weihnachtsgeld auch nicht mehr. Da kann sich jeder ausrechnen, was man brutto für den Monat bekommt. Das Geld hält einen also eher nicht. 

 

Als ich vor vielen vielen Jahren den Beruf Krankenschwester gelernt habe, war das anders. Dann kamen die Privatisierungen und die Ausbeute an. Selbst in guten Pflegediensten sind die Arbeitsbedingungen nicht mehr gut.  

 

Für mich war Schluß, als ich bereits Mittwochs Bauchschmerzen hatte, weil mein freies Wochenende vor der Tür stand und ich mehrere Tage gebangt habe, ob es überhaupt eingehalten wird. Und als im im Urlaub das erste und das letzte Wochenende immer arbeiten musste, sodass man erst Montags in Urlaub geht und Samstags wieder anfängt. Selbst bei 2 Wochen Urlaub am Stück, hatte man nur 1 freies Wochenende dabei. 

 

Bis dahin hat mich die Arbeit an sich aufrecht gehalten. Die Beziehungen zu den Menschen, zu denen man zum Teil viele Jahre hingefahren ist. Die Freiheit alleine zu arbeiten und nicht wie in der Klinik in einem Team und ich persönlich habe mich nebenbei immer weitergebildet, was mich auch immer aufgebaut hat.

 

 

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