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Siegen oder Ankommen – Auf der Suche nach der besten Strategie für Achterbahnfahrten


Frank_Boernard

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Es sind schon einige Monate meines Studiums der "Organisation und Kommunikation" um - entsprechend zeichnet sich langsam ein Bild ab, wie ich es einschätze, wie viel Zeit es mich kostet, und was es mir vielleicht bringen wird.

Im Resümee ist es eine Achterbahnfahrt - wenn auch sehr magenfreundlich und eher gemäßigt. Keine Loopings, keine Freudenschreie, kein Herzrasen bisher. Gemeinsam mit meinen Kommilitonen suche ich nach dem besten Weg, die Runde zu überstehen, vom Aufwand zu profitieren, und gut anzukommen.

Dabei hat Corona nach wie vor einen starken Einfluss, den es zu berücksichtigen gilt. Aber der Reihe nach.

Wie bereits berichtet, treffen wir uns wöchentlich zu einem virtuellen Stammtisch, um uns über das Studium auszutauschen. Die Zahl der Teilnehmenden ist inzwischen - wie zu erwarten - deutlich gesunken, aber der "harte Kern" ist regelmäßig dabei. Im ersten Semester haben wir bisher drei Pflichtmodule bearbeitet:

 

Theorien der Sozialwissenschaften:

  • Grund- und Hauptbegriffe 
  • Systemtheorie
  • Handlungstheorie

 

Handlungs- und Analysefelder in den Sozialwissenschaften:

  • Soziale Netzwerke
  • Sozialstrukturanalyse
  • Wirtschaft & Gesellschaft

 

Theorien in der Organisationskommunikationsforschung:

  • Organisationssoziologische Grundlagen
  • Theoretische Konzepte der Kommunikation
  • Neue Medien, Kommunikation, sozialer Wandel

 

In allen Modulen gibt es mehrere Studienbriefe, Zusatzmaterialien und Literaturempfehlungen. Im zweiten (Handlungs- und Analysefelder) zudem noch ein Essay von vier bis sechs Seiten und eine (online) Präsenzveranstaltung nebst vorbereitender Aufgabe.

 

Während des viersemestrigen Studiums sind zudem zwei von drei Wahlpflichtmodulen zu belegen. Man kann auch alle drei belegen. Was ich getan habe, und daher schon im ersten Semester eine Zusatzaufgabe angehe. Meine Logik war, dass ich dann schon einen Teil erledigt habe, und damit auf Sicherheit gehe - wer weiß, was in diesem Jahr sonst noch an Herausforderungen anliegen wird. Es gibt zwar keine extra Credits für das zusätzlich belegte Modul, aber einen Vermerk im Abschlusszeugnis.

Insofern beschäftige ich mich noch mit dem Thema:

 

Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Handeln von Organisationen:

  • Nachhaltigkeit als sozialer und technischer Wandel
  • Soziale Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen

 

Was kostet der Spaß (an Zeit und Nerven)?

Vergangene Woche haben wir beim Stammtisch über den Arbeitsaufwand, den wir in das Studium stecken, gesprochen. Mit teils sehr ähnlichen, teilweise aber auch deutlich unterschiedlichen Erfahrungen.

Im Grunde haben die meisten beim ersten Modul brav die Studienbriefe durchgeackert, zusätzlich Videos gegoogelt und angeschaut, sowie die Zusatzliteratur zumindest gesichtet, und schließlich die Einsendeaufgabe abgegeben, die zu jedem Modul anzufertigen ist.

Jede Einsendeaufgabe umfasst sechs Fragen, die jeweils auf ein bis drei Seiten zu beantworten sind. Ich habe das für das erste Modul sehr gründlich mit viel Recherche gemacht – andere haben dagegen weitgehend oder ausschließlich die Studienbriefe genutzt. Da es nur "bestanden" oder "nicht bestanden" gibt, ist das Ergebnis identisch. Man besteht auch ohne großen Zusatzaufwand. Aber ich selber fand es teilweise schwer, mir die Thematik nur anhand der Studienbriefe zu erschließen, weshalb ich eben viel zusätzlich gelesen habe.

Die Belohnung für meine Mühe war eine äußerst detaillierte, fundierte und inspirierende Rückmeldung seitens des Betreuers. Das hat mich sehr gefreut und motiviert.

Wie viel stecke ich rein? Wie viel hole ich raus?

Allerdings machen einige – auch ich – die Erfahrung, dass diese Arbeitsweise enorm viel Zeit frisst. Da es mit dem Essay auch eine benotete Leistung gibt, muss ich ein bisschen rationalisieren. Deshalb habe ich beim zweiten Modul etwas Fahrt rausgenommen, etwas weniger gründlich recherchiert – und einige Antworten bewusst knapper gehalten.

 

Unter anderem galt es, mit einer Software Daten zu analysieren, und diese dann zu interpretieren. In dieser Tiefe wollte ich mich nicht rein arbeiten, weshalb ich die Antwort eher spartanisch ausfallen ließ. Man muss 100 Prozent der Fragen beantworten. Es reicht aber, bei 50 Prozent ein "bestanden" zu erreichen. Also habe ich mit Mut zur Lücke den Aufwand reduziert - mit identischem Ergebnis. Alles bestanden, alles in Ordnung. 

 

Folglich kann man also mit deutlich reduziertem Einsatz, mit ein paar Loopings und Sprüngen weniger, am Ende aus der Achterbahn aussteigen.

Da man insgesamt 24 Aufgaben mit der Beantwortung von Fragen, sowie eben das Essay und die vorbereitende Aufgabe zu erledigen hat, muss man die Strategie auf Ankommen auslegen.

 

Eine kurze Liste der Pros und Cons

Pros:

  • Es hilft nach wie vor enorm, wöchentlich per Videochat die Kommiliton*innen zu treffen. Manchmal besprechen wir ein Thema, manchmal nörgeln wir auch nur, oder sprechen darüber, wie es gerade ist, Studium und Beruf/Familie unter einen Hut zu bringen. Die Whatsapp-Gruppen (eine allgemeine, eine zu Software und eine regionale) sind ebenfalls recht aktiv.
  • Die Rückmeldungen auf Fragen seitens der Uni Kaiserslautern sind meistens sehr zeitnah und hilfreich. Auch telefonische Kontakte klappen prima.
  • Der didaktische Aufbau scheint schlüssig zu sein.
  • Die Bibliothek ist - im Vergleich zu anderen - nicht wirklich hilfreich. Man kann aber Google Scholar nutzen (dank VPN-Zugriff über die TU Kaiserslautern hat man auf viele Materialien Zugriff).
  • Viele einzelne Themen, vor allem aber "Organisation und Kommunikation" als Ganzes passen sehr gut in die Zeit. Es bringt uns weiter, sich damit intensiv zu beschäftigen.

Cons:

  • Dass die Einsendeaufgaben nicht in die Benotung einfließen, kann man unterschiedlich beurteilen. Ich persönlich finde es schade. Ein bisschen verführt die fehlende Benotung dazu, es nicht so genau zu nehmen.
  • Nach wie vor ist es schwierig,  im Online-Portal den Überblick zu behalten. Wir beraten uns ständig gegenseitig, was noch zu erledigen ist.
  • Die Studienbriefe haben unterschiedliche Qualität und sind teilweise sehr umfangreich. Da es keine Vorlesungen gibt, fehlt der grobe Überblick, worum es geht. Man muss sich alles selber erarbeiten. Theoretisch kann das förderlich sein – und Master-Studierenden ist es vielleicht auch zuzumuten – aber in der Praxis führt das durch die Menge an Material dazu, dass man an einigen Stellen anders arbeitet: Man schaut, welche Fragen für die Einsendeaufgaben gestellt werden, sucht sich die passenden Stellen, und liest erst einmal nur diese. Wenn dann noch Zeit bleibt, überfliegt man den "Rest" eben noch.
  • Die Kommiliton*innen nur per Videochat und Whatsapp zu sehen, ist etwas schade. 

 

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Studienwahl und dem Stoff. Gespannt sind wir alle auf die erste Präsenzsitzung – auch wenn sie online stattfinden wird.

 

Image by Norbert Waldhausen from Pixabay 

Bearbeitet von Frank_Boernard
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36 Kommentare


Empfohlene Kommentare



polli_on_the_go

Geschrieben (bearbeitet)

"Image by Norbert Waldhausen from Pixabay "

 

Ich mag das Tiger and Turtle und Duisburg. Lohnt sich bei schönem Wetter für einen Ausflug. Wobei die Aussicht nicht ganz so super ist, wie am Tetraeder in Bottrop.

 

Ansonsten finde ich ganz viel mein Studium in deinen Beschreibungen wieder. Ich bin nur noch nicht an dem Punkt weniger Effort bei Pass und Fail Aufgaben einzusetzen. Auch wenn ich mir das manchmal durchaus meiner Gesundheit (Nerven) zu liebe vornehme.

Bearbeitet von polli_on_the_go
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Danke für Deinen Bericht. Man kann sich wirklich etwas einfühlen in Deinen Studienalltag, und Du klingst grundsätzlich sehr angekommen in Deinem Studium. Der virtuelle Stammtisch ist ja eine sehr feine Sache, der wäre für mich eines der wichtigsten Faktoren im Fernstudium, damit man nicht immer nur alleine damit herumhängt.

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Am 7.2.2021 um 22:45 hat polli_on_the_go geschrieben:

Ich mag das Tiger and Turtle und Duisburg.

 

Danke - damit hast du meine (nicht gestellte 😉) Frage beantwortet, ob es diese begehbare Achterbahn tatsächlich gibt. Es ist da ja auch ein Looping zu sehen - kann man da auch durchgehen?

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polli_on_the_go

Geschrieben

vor einer Stunde hat Markus Jung geschrieben:

 

Danke - damit hast du meine (nicht gestellte 😉) Frage beantwortet, ob es diese begehbare Achterbahn tatsächlich gibt. Es ist da ja auch ein Looping zu sehen - kann man da auch durchgehen?

nein.  da müsstest du ja auf dem Kopf laufen ;).

 

Hier noch der Artikel dazu

 

https://www.ruhr-tourismus.de/de/industriekulturruhr/route-der-industriekultur/halden-im-ruhrgebiet/tiger-and-turtle.html

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

vor 20 Stunden hat polli_on_the_go geschrieben:

da müsstest du ja auf dem Kopf laufen ;).

 

Ja und? 😉

 

Danke für die Infos. Kommt mit auf meine Nach-Corona(beschränkungen)-Liste...

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Vom DISC hat es hier ein Twitter-Feedback gegeben:

 

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firefly

Geschrieben (bearbeitet)

Keine Ahnung was ein Kommiliton ist und ob Sädu beim * dir die Genitalien in die Kamera hinhalten lassen hast..... der Blog ist aber sehr schön und detailreich beschrieben. Danke. Ic äh spiele ja selbst schon länger mit dem Gedanken den Studiengang zu machen und deine Ausführlichkeit ist wirklich ein guter Überblick.

 

Grüße

firefly

Bearbeitet von firefly
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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Zitat

Keine Ahnung was ein Kommiliton ist und ob Sädu beim * dir die Genitalien in die Kamera hinhalten lassen hast.....

 

Kannst du mir das bitte mal näher erläutern? - Sonst lösche ich das raus.

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Hallo Markus,

 

 ich reagiere mittlerweile gereizt auf eine gendergerechte Schreibweise,welche ein „*“ beinhaltet, weil ich diese sowohl für Männer nicht angemessen finde, denn es heisst Kommilitone mit „e“ und auch nicht für nicht-binäre Geschlechter, weil der * diese alle zusammenlegt und somit nicht sichtbar macht, sondern egalisiert. 
 

Deshalb wehre ich mich dagegen indem ich das auf etwas polemische Weise aufgreife um darauf aufmerksam zu machen. 
 

Ist das als Erklärung ok für dich?

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Ja, okay. Reicht mir als Erklärung.

 

Über gender-gerechte (oder auch ungerechte) Schreibweise lässt sich sicherlich intensiv diskutieren, aber vielleicht auch einfach akzeptieren, wenn jemand sich bemühen möchte, da etwas zu verändern? Ich tue mich hier grundsätzlich auch schwer und finde andererseits ein ignorieren ebenfalls problematisch.

 

Was wäre denn für dich eine angemessene Schreibweise? Alle Alternativen aufführen stört den Lesefluss ja noch mehr. 

 

Passt es für dich @Frank_Boernard auch so? - Ist ja dein Blog...

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Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die herkömmliche Schreibweise, die ja korrektes Deutsch ist, am besten ist. 
Häufig wird das Genderthema von (femministischen) Frauen forciert mit dem Argument so die Frauen sichtbarer in der Sprache zu machen. Ich sehe durch eine Betonung auf ein Geschlecht nicht nur die Sachinformation oft hintenangestellt, sondern es schafft zusätzlich unnötige Gräben. Nämlich weil es auf einmal immer relevant zu sein scheint, welches Geschlecht man hat. Den tatsächlich nicht eindeutig männlichen oder weiblichen Menschen ist damit aber auch absolut nicht geholfen.

 

In den USA z.B. gibt es das nicht. Da gibt es beispielsweise den Manager als Bezeichnung und beinhaltet alle Geschlechter. Dennoch ist man dort beim Thema Gleichberechtigung (nicht mit Gleichstellung) zu verwechseln, weiter. Es gibt mehr Geschlechtervarianz bei der Berufsausübung und z.B bei Führungspositionen. 
 

wenn man aber das Geschlecht fokussieren möchte, dann schlage ich vor beide auszuschreiben oder ggf sowas: Kommiliton(en)/innen.

 

Hier werden alle Geschlechtsformen dazwischen zwar auch nicht explizit repräsentiert, aber zumindest stört es den Lesefluss weniger und als Mann (das sind ca die Hälfte aller Menschen) muss ich nicht ein „Kommiliton“ oder „Kund“ sein, nur weil jemand meint mit einem * Probleme zu lösen anstatt sie zu schaffen.

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Wenn dir das Thema so wichtig ist, dann eröffne doch bitte einen eigenen Thread. 

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vor 2 Stunden hat Jott-En geschrieben:

Wenn dir das Thema so wichtig ist, dann eröffne doch bitte einen eigenen Thread. 

Nein, dafür ist dieses Forum nicht die richtige Plattform. Es reicht mir, solche Beiträge entsprechend zu kommentieren.

 

Nachdem ich jetzt als multipler Zeitungsleser aber alle Abos gekündigt habe, welche solchen Blödsinn verwenden um mich belehren zu wollen und schon in einigen Geschäften deshalb leider nicht einkaufe....und die alle nicht zu finanzieren  (Adieu Ikea....das tut mir besonders leid)....möchte ich gerne mein altes und  lieb gewonnenes Forum weiter so nutzen wie immer.

 

Kein Grund hier ein Fass aufzumachen, nur weil jemand „*“ benutzt.

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Frank_Boernard

Geschrieben (bearbeitet)

vor 21 Stunden hat Markus Jung geschrieben:

Alle Alternativen aufführen stört den Lesefluss ja noch mehr. 

 

Passt es für dich @Frank_Boernard auch so? - Ist ja dein Blog...

Ein Sinn des Genderns ist ja "zur vollsten Zufriedenheit erfüllt": es wird darüber diskutiert, ob unsere Sprache der Realität verschiedener Geschlechter(*innen?) und allem, was dazwischen liegt, gerecht wird. Das - und die Frage der Gerechtigkeit - sind objektiv nötig.

 

Meine persönliche Einstellung ist da nicht ganz eindeutig*: einerseits bin ich Journalist und damit seit jeher um einen dem Kontext angemessenen, guten Lesefluss bemüht. Dabei stören mich sowohl im gesprochenen als auch im geschriebenen Wort Schräg- und Bindestriche, Redundanzen und komplexe sprachliche Konstrukte natürlich. Die männliche Form liest sich alleine aus der jahrzehntelangen Gewohnheit heraus einfach am flüssigsten.

Ich bin auch bei @firefly, dass das Geschlecht nicht dauernd und in jedem Kontext in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

 

Andererseits ist Sprache nichts Starres, sondern entwickelt sich mit der Gesellschaft (sonst könnten wir Dinge wie ein Smartphone, das Internet, den Klimawandel oder das Coronavirus nicht benennen).

 

Für mich ist die derzeitige Lösung, die männliche Form nicht mehr als selbstverständlich zu sehen. Ich überlege, wo und wie ich eine neutralere Sprache einsetzen kann. Dabei ziehe ich auch mal https://geschicktgendern.de zu Rate.

 

Das Gendersternchen finde ich die am wenigsten intrusive Methode. Viele können jetzt schon, andere vielleicht perspektivisch ohne große Störung flüssig drüber lesen.

 

Im gesprochenen Wort ist die mit dem Gendersternchen gekennzeichnete, kurze Kunstpause kein Beinbruch - und immer noch besser als "liebe Leserinnen und Leser" oder gar der polemische Seitenhieb, den ich kürzlich in einem Zwei-Minuten-Statement erdulden musste. Da hat der Sprecher etwa zehn Mal "liebe lieber Zuhörerin und Zuhörer und liebe lieber dazwischen" gesagt. Das war nur vermeintlich lustig...

 

Insofern, liebe Leser*innen, bleibe ich beim Gendersternchen - bis etwas Besseres erfunden wird.

 

*= Bekanntlich bin ich ja nicht alleine. Sowohl der Duden als auch die Gesellschaft für deutsche Sprache hadern mit dem Gendern. Obwohl schon vor über 40 Jahren die ersten Richtlinien dazu erlassen wurden, "gibt es dem Rechtschreibrat zufolge bislang keine eindeutige Tendenz, welche der Möglichkeiten am besten geeignet ist, geschlechtergerecht zu formulieren."

 

Quellen: 

Bearbeitet von Frank_Boernard
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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben (bearbeitet)

vor 12 Stunden hat firefly geschrieben:

möchte ich gerne mein altes und  lieb gewonnenes Forum weiter so nutzen wie immer.

 

Tja, leider Pech gehabt - auch ich gendere an einigen Stellen und kennzeichne zum Beispiel Beiträge von Themenstarter:innen... 😉 Für Dich selbst steht es Dir natürlich frei, im Forum darauf zu verzichten. Allerdings bitte ich dich auch auf polemische Hinweise zu verzichten jedes Mal, wenn jemand sich bemüht, sprachliche und gesellschaftliche Entwicklungen in seinen Texten zu verwenden. Ich denke, gegenseitige Akzeptanz ist hier sehr hilfreich. 

 

Zitat

Themenstarterin.jpg

 

Wie dort ersichtlich habe ich mich aktuell für den Doppelpunkt statt des Sternchens entschieden, unter anderem weil er barrierefreier ist, und meinem Eindruck nach auch den Lesefluss weniger stört.

 

 

Bearbeitet von Markus Jung
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vor 47 Minuten hat Markus Jung geschrieben:

weil er barrierefreier ist

Eine Kollegin von mir ist blind und das * wird in ihrer Software sprachlich ausgelassen, weil es zumeist bei Formularen vorne ansteht, und so kommt das vorgelesene Wort der App der kurzen Pause beim "menschlichen" Sprechen nah.

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  • Community Manager
Markus Jung

Geschrieben

Der Doppelpunkt wird auch als (kürzere) Pause umgesetzt und erzeugt weniger Distanz im Schriftbild. In einem Deutschlandfunk-Beitrag heißt es dazu zum Beispiel:

Zitat

Sprachausgabeprogramme lesen den Doppelpunkt automatisch als Pause. Das Zeichen ist somit barriereärmer und inklusiver, weshalb es inzwischen sogar von einigen Stadtverwaltungen eingesetzt wird.

 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/gendersternchen-doppelpunkt-und-co-die-suche-nach-der.2156.de.html?dram:article_id=482142

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vor 3 Stunden hat Markus Jung geschrieben:

Der Doppelpunkt wird auch als (kürzere) Pause umgesetzt und erzeugt weniger Distanz im Schriftbild. In einem Deutschlandfunk-Beitrag heißt es dazu zum Beispiel:

 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/gendersternchen-doppelpunkt-und-co-die-suche-nach-der.2156.de.html?dram:article_id=482142

 

Interessant,  wusste ich bisher nicht :-)

 

Bei unserem Träger ist momentan eine Reform im Gespräch,  bisher war die einheitliche Regelung der *, der Vorstand benutzt seit einiger Zeit den:. Ich versuche da wo es geht zu vermeiden zu gendern,  sage beispielsweise Fachkräfte statt Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen (Mitarbeitende sind in meiner Branche Menschen mit Behinderung im Kontext Werkstatt).

 

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vor 2 Stunden hat Herbstkind geschrieben:

Ich versuche da wo es geht zu vermeiden zu gendern

 

Einer der Gründe, weshalb ich meine letzte Bachelorarbeit lieber auf Englisch geschrieben habe - war mir alles zu kompliziert... Inzwischen habe ich eine hübsche Formulierung für eine Fußnote gefunden, die direkt auf der ersten Seite jeder Hausarbeit untergebracht wird - bisher gab's deswegen noch keinen Punktabzug.

 

Im offiziellen Schriftverkehr überlege ich natürlich schon, wie ich mich korrekt ausdrücke, aber in meinem direkten beruflichen Umfeld ist das bislang überhaupt kein Thema. Ich kann damit so oder so gut leben und fühle mich auch absolut wohl damit, zu den "Mitarbeitern" gezählt zu werden.

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Also gut, dann probieren wir mal ein dickeres Brett zu bohren. @Markus Jung @Frank_Boernard

 

Abgesehen davon, dass ich mich als Mann mit dieser Schreibweise herabgesetzt fühle, habe ich Angst davor, dass die Gendersprache nur ein Symptom ist für eine tieferliegende Art der Intolleranz, welche unsere Gesellschaft noch weiter spaltet. Ich habe 3 Kinder und ich wünsche mir, dass sie in einer toleranten und freiheitlichen Gesellschaft aufwachsen und deshalb glaube ich, dass es richtig ist hier etwas zu sagen. Folgende Argumentation führe ich an und bitte darüber nachzudenken:

 

Gendersprache:

Für die Gendersprache gibt es keine Mehrheit in der Gesellschaft, die gab es auch nie. Die jüngste YouGov Umfrage ergab eine Zustimmung von 14%.

Stattdessen ist das eine Sache die von einigen (meist feministischen) Aktivisten massiv vorangetrieben wird und zwar mit einer angenommenen moralischen Überlegenheit, die ich nicht nachvollziehen kann und für gefährlich halte.

 

Das alles wird aber nur so vorangetrieben, weil zu viele Menschen denken, dass es nichts kostet und nur einen positiven Effekt bringt - viele Journalisten haben sich hier drangehängt und tatsächlich tragen sie einen großen Teil dazu bei unsere Gesellschaft zu spalten und zu segmentieren, mit zunehmend schwerer zu führenden Dialogen. Hier die Beispiele:

 

Ich war z.B. taz Leser, seit mir das gedendere auf die Nerven geht, nicht mehr. Ich überstütze keine Geschäfte, Medien etc. die das machen. Von meiner Sorte kenne ich auch noch weitere, denen das neuerdings zu viel geworden ist.

 

Das führt dazu, dass ich zunehmend nur noch sehr konservative Medien konsumiere. Das wiederum führt im Endeffekt dazu, dass hier Filterblasen entstehen wie in den Sozialen Medien.

 

Sprache formt zwar das Bewusstsein und verändert sich immer, aber Sprache ist nicht gut oder schlecht oder moralisch bewertbar und sie verändert sich natürlich und nicht durch Zwang einer Minderheit.

 

Die Spaltung zeigt sich in der Cancel Culture, wo Informationen abhängig vom Absender bewertet werden (....ich hatte mal eine Diskussion, wo wir das Recht abgesprochen wurde zum Thema Abtreibung eine Meinung zu haben, weil ich ein Mann bin, ein anderes Mal durfte ich beim Thema Zuwanderung erst mitreden, als ich meinen eigenen Migrationshintergrund erwähnte.)

 

Sie zeigt sich in Identitäten: Jetzt darf eine gute und bekannte holländische Übersetzerin nicht das Gedicht übersetzen, welches bei Bidens Vereidigung vorgetragen wurde, denn: die Vortragende war schwarz und die Übersetzerin ist weiß. Ein paar Aktivisten haben sich beschwert.

Recht hat also heute wer die richtige Identität hat und am lautesten schreit?

 

https://www.nzz.ch/feuilleton/duerfen-nur-schwarze-amanda-gorman-uebersetzen-ld.1604522

 

Womit wird denn eigentlich die moralische Überlegenheit fürs Gendern begründet? Tatsächlich in dem Mantra, dass Frauen weniger Rechte, Macht, Partizipation usw. haben gegenüber Männern. Mit Sprache soll dem entgegengewirkt werden, die einen bekommen mehr auf Kosten der anderen. Es wird also wieder gespalten.

 

Allerdings ist diese Rechtfertigung heute so nicht mehr ohne Weiteres richtig. Denn Gleichberechtigung ist nicht nur extrem wichtig und richtig, sie ist auch im Grundgesetz verankert. Hier geht es um Gleichstellung und darum letztendlich mehr zu bekommen als Gleichberechtigung. Beispiele?

 

- Gleichstellungsbeauftragte sind nahezu immer weiblich (auch wenn in der jeweiligen Behörde mehr Frauen arbeiten)

- Girls day um Mädchen an technische Berufe heranzuführen, aber kein nennenswerter Boys day um Jungen an soziale und erzieherische Berufe heranzuführen.

- Es werden Quoten für Frauen für Vorstandspositionen gefordert, aber keine für Grundschullehrer

- Der große Gender Pay Gap wird mantraartig beschworen, wenn man es auf die identische Position usw. bereinigt, sind es nur noch 6%. Die lassen sich ganz gut mit offensiverem Verhandeln von Männern erklären.

- Unser Schulsystem ist eher an Lernbedürfnissen von Mädchen orientiert und diese haben mittlerweile höhere und besser benotete Abschlüsse.

 

....das ließe sich jetzt noch sehr lange fortsetzen. Die anderen Geschlechter dienen hier mehr als zusätzliche Rechtfertigung und es geht weniger darum ihre Rechte ...."durchzusetzen".

 

Hier ein sehr guter Artikel um den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung zu verstehen: https://www.cicero.de/kultur/gender-gap-gleichstellung-ist-maennerfeindlich/58429

 

und warum das schlecht ist:

https://www.cicero.de/kultur/gender-gleichstellung-macht-ungleich/55553

 

Die Logik hier ist also eigentlich die folgende: Weil Frauen so lange weniger Rechte hatten und mehr oder weniger unterdrückt wurden, muss das jetzt ins Gegenteil umgekehrt werden!

 

Da passt es jetzt auch gut dazu, dass Jule Hoffmann in der Zeit fordert, dass wir uns jetzt nicht mehr als Deutsche bezeichnen, sondern als "Menschen mit Nazihintergrund"

https://www.zeit.de/kultur/2021-03/ns-vergangenheit-nazihintergrund-she-said-buchladen-emilia-von-senger?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

 

Es wird hier also eine Art Kampf heraufbeschworen: Männer gegen Frauen, Schwatz gegen Weiß, Fleischesser gegen Veganer etc.....anstatt einen echten Dialog zu fördern in dem das Gemeinsame und Verbindende im Mittelpunkt steht.

 

So jetzt nochmal ganz besonders zum Thema Journalismus, Journalisten und @Frank_Boernard selbst:

 

Journalismus ist zunächst einmal dazu da um zu informieren. Soweit so gut. Leider sehe ich zum einen eine immer weiter abnehmende journalistische Qualität in der Berichterstattung. Als Beispiel: Etwas langatmig aber sehr unterhaltsam ist hier der offene Brief vom Germanistik-Professor Brenner zur Kündigung seines FAZ Abos: https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/das-wars-warum-ich-mein-f-a-z-abonnement-gekuendigt-habe/

 

Zudem vergehen mittlerweile keine zwei Tage, an denen ich nicht Rechtschrebfehler in Artikeln finde, das war früher mal anders. Möglicherweise lässt sich aus der Qualität des Journalismus auf die Qualität von Journalisten schließen. Aber das ist es nicht nur, denn unsere Medienmenschen und besonders der Nachwuchs haben meistens den gleichen Hintergrund: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-volontaere-wie-divers-ist-die-ausbildungs-generation-17038169.html

 

Die nach meiner Meinung nicht ausreichende Reflektionsfähigkeit und der Wunsch durch die Berichterstattung nicht einfach gut recherchierte Inhalte, sondern immer mehr seine (politische) Meinung zu transportieren ist gefährlich.

 

@Frank_Boernard:

 

Zitat:

"Ein Sinn des Genderns ist ja "zur vollsten Zufriedenheit erfüllt": es wird darüber diskutiert, ob unsere Sprache der Realität verschiedener Geschlechter(*innen?) und allem, was dazwischen liegt, gerecht wird. Das - und die Frage der Gerechtigkeit - sind objektiv nötig. "

 

Warum müssen wir über die Realität von Sprache diskutieren, wenn sie doch Realität ist? Warum müssen wir unsere Sprache künstlich verändern um es jemandem recht zu machen?

Was hat es mit Gerechtigkeit zu tun und was ist Gerechtigkeit?

Inwiefern ist es objektiv nötig? Ich sehe das nicht so, also ist es schonmal nicht objektiv (Paul Watzlawick)

 

Der Chefredaktuer der Gießener Allgemeinen erklärt hier, warum es nicht gerecht ist:

https://www.giessener-anzeiger.de/kultur/kulturnachrichten/aus-der-redaktion-4-warum-wir-nicht-gendern_22171878

 

Speziell das Gendersternchen wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache abgelehnt.

 

Expertinnen (richtige Identität!) sind auch gegen Gendersprache allgemein: https://www.welt.de/vermischtes/article226325997/Gendersprache-Expertinnen-kritisieren-Duden.html

 

Gendern schadet der Emanzipation:

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article227000843/Sprache-Gendern-das-erinnert-mich-inzwischen-an-einen-Fleischwolf.html

 

Und als Abschluss hier ein Zitat von der heutigen Ausgabe vom Steingarts Morning Briefing:

 

"Der Wähler entscheidet eben nicht nach Geschlecht und Hautfarbe, sondern verlangt nach Empathie, Charakter und dem Nachweis einer politschen Alltagsklugheit. Die Tatsache, dasss Winfried Kretschmann das "überspannte Sprachgehabe" vieler seiner ParteifreundInnen ablehnt, sich gegen "den Tugend-Terror" wendet und die "Sprachpolizisten" auch so benennt, hat seine Beliebtheit weiter gesteigert, nicht etwa geschrumpft. Die Lektion, die es für die Hardliner unter den Bundes-Grünen zu lernen gilt, hat der Politiker und Philosoph Johann Heinrich Pestalozzi einst treffend formuliert:

 

" Ihr müsst die Menschen lieben, wenn ihr sie ändern wollt" "

 

Denke also bitte darüber nach, ob die Benutzung von Gendersprache nicht mehr Unheil als Nutzen stiftet und zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Ich will weder Verhältnisse wie in den USA noch in Ungarn.....aber auf irgendwie sowas wird es hinauslaufen, wenn es so weiter geht".

 

 

 

 

 

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Am 12.3.2021 um 19:15 hat Alanna geschrieben:

 

Einer der Gründe, weshalb ich meine letzte Bachelorarbeit lieber auf Englisch geschrieben habe - war mir alles zu kompliziert... Inzwischen habe ich eine hübsche Formulierung für eine Fußnote gefunden, die direkt auf der ersten Seite jeder Hausarbeit untergebracht wird - bisher gab's deswegen noch keinen Punktabzug.

 

Im offiziellen Schriftverkehr überlege ich natürlich schon, wie ich mich korrekt ausdrücke, aber in meinem direkten beruflichen Umfeld ist das bislang überhaupt kein Thema. Ich kann damit so oder so gut leben und fühle mich auch absolut wohl damit, zu den "Mitarbeitern" gezählt zu werden.

Magst Du die hübsche Formulierung teilen? 

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vor 4 Minuten hat T.Antarte geschrieben:

Einer der Gründe, weshalb ich meine letzte Bachelorarbeit lieber auf Englisch geschrieben habe - war mir alles zu kompliziert... Inzwischen habe ich eine hübsche Formulierung für eine Fußnote gefunden, die direkt auf der ersten Seite jeder Hausarbeit untergebracht wird - bisher gab's deswegen noch keinen Punktabzug.

In meinem Studiuengang ist tatsächlich bei den Grundlagen für die abzuleistenden schriftlichen Arbeiten vorgeschrieben, entweder einen neutralen Begriff zu wählen, oder aber männlich/weiblich auszuschreiben.

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Alanna

Geschrieben (bearbeitet)

Zitat

Magst Du die hübsche Formulierung teilen?

 

Ich verwende immer diese Fußnote: "Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit nicht ausdrücklich zwischen geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen unterschieden. Die gewählte Form schließt Personen jeden Geschlechts ein." Ist kurz und knapp und sollte alle Eventualitäten abdecken.

Bearbeitet von Alanna
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