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Über diesen Blog

Seit September 2015 studiere ich berufsbegleitend Web- und Medieninformatik bei Springer Campus. Mein Ziel ist der Bachelor of Science in Web- und Medieninformatik. In diesem Blog möchte ich rückblickend über von mir abgeschlossene Module des Studiums berichten.

Einträge in diesem Blog

kurtchen

Stand des Studiums

5. Semester - Wintersemester 2018

- Geschäftsprozessmanagement

- BWL2

- Wissenschaftliches Arbeiten

- Software-Management

- Software testen

- Aktuelle Webtechniken

 

4. Semester - Sommersemester 2017

- Web-Anwendungen 2

- Web-Engineering

- Softwaretechnik 2

- Softwaretechnik 3

- Content Management Systeme (CMS)

- Data-Mining

- XML

- BWL1

 

3. Semester - Wintersemester 2016/2017

- Mathematik 3

- Softwaretechnik 1

- Nicht-sequentielle Programmierung

- Statistik

- IT-Sicherheit

- Mobile Computing

 

2. Semester - Sommersemester 2016

- Grundlagen der Informatik 3

- Grundlagen der Informatik 4

- Web-Anwendungen 1

- Web-Ergonomie und Web-Design

- Computernetze

- Mathematik 2

 

1. Semester - Wintersemester 2015/2016

- Grundlagen der Informatik 1

- Grundlagen der Informatik 2

- Rechnerstrukturen und Betriebssysteme

- Datenbanken und SQL

- Mathematik 1

- Web-Programmierung

 

Zusätzlich belegte Module an anderen FHs

- theoretische Informatik (WINGS Wismar)

- Programmieren in C++ (Virtuelle Hochschule Bayern)

 

Noch fehlende Pflichtmodule:

- Multimedia

- IT-Recht

- Projektarbeit

- Bachelorarbeit

kurtchen

Modulbericht: Wissenschaftliches Arbeiten

Das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" gehört zum Studienbereich "Basiskompetenz Beruf", in dem man verschiedene "Soft Skill" Module belegen kann. Die anderen Module dieses Bereichs sind "Soziale Kompetenz", "Selbst- und Zeitmanagement", "Rhetorik", "Präsentieren" und "Kreativitätstechniken". "Wissenschaftliches Arbeiten" nimmt unter diesen Modulen eine besondere Stellung ein. Es kann als einziges auch als Wahlpflichtmodul belegt werden. Wer also zu Beginn seines Studiums lieber "Rhetorik" belegen möchte, kann "Wissenschaftliches Arbeiten" noch kurz vor der Projekt- und Bachelorarbeit nachholen. Wichtiger ist allerdings, dass dieses Modul auf die Anfertigung der Bachelorarbeit vorbereitet.

 

Früher war die Belegung freiwillig aber dringend empfohlen. Soweit ich informiert bin, ist das Modul inzwischen Pflicht für neu eingeschriebene Studenten, weil es in Einzelfällen Probleme bei der Anfertigung der Bachelorarbeiten gab. Das ist fatal, weil bei einer nicht bestandenen Bachelorarbeit ja schon die komplette Studienzeit investiert wurde. Auch eine schlechte Note ist hier besonders ärgerlich. Zum einen, weil die Bachelorarbeit stärker in die Endnote eingeht als andere Module, zum anderen, weil die Bachelorarbeit als eigenständige Leistung in einem (oft) selbstgewählten Themengebiet auch in der Außenwahrnehmung durch Arbeitgeber eine höhere Bedeutung hat als andere Module.

Anscheinend hat sich an der FH Dortmund gezeigt, dass Studierende, die eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten belegt haben, die formalen Anforderungen einer Bachelorarbeit besser bewältigen. Und das ist ja auch nicht überraschend. Die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens kann und muss man lernen.

 

Lehrbuch und Themen

 

Professor Balzert ist einer der Autoren des Lehrbuches "Wissenschaftliches Arbeiten". Ich meine, den Stil und den sauberen Aufbau seiner Lehrbücher zur Softwaretechnik auch in diesem Buch wiederzuerkennen. Weitere Autoren sind Marion Schröder und Christian Schäfer. Frau Schröder kennen manche Studierende auch als Autorin des Lehrbuches "Heureka, ich hab's gefunden! Kreativitätstechniken, Problemlösung & Ideenfindung".

 

Der reine Textteil hat über 400 Seiten. Ich kenne andere Einführungen ins wissenschaftliche Arbeiten und finde diese klar formuliert und gründlich. Wie schon in anderen Büchern von Herrn Balzert, klärt er zu Beginn wichtige Begriffe. Insbesondere behandelt er Qualitätskriterien wissenschaftlichen Arbeitens: Ehrlichkeit, Objektivität, Überprüfbarkeit, Reliabilität, Validität, Verständlichkeit, Relevanz, Logische Argumentation, Orginalität, Nachvollziehbarkeit, Fairness und Verantwortung. Diese Begriffe werden analysiert und durch konkrete Beispiele lebendig und verständlich gemacht. Diese Kapitel haben mir besonders gefallen. Eine so trennscharfe Analyse der Begriffe kenne ich eher aus geisteswissenschaftlichen Texten. Allein deswegen hat mir dieses Modul viel Freude gemacht.

 

Im weitern Verlauf geht es dann um Techniken und Konventionen wissenschaftlichen Arbeitens. Zunächst geht es um den inhaltlichen Aufbau verschiedener Arten von wissenschaftlichen Arbeiten. Eine empirische Arbeit hat zwar im Prinzip einen ähnlichen Aufbau wie eine konstruktive Arbeit, aber Umfang und Gewichtung der verschiedenen Abschnitte unterscheiden sich deutlich. Darum ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, was für eine Art wissenschaftlicher Arbeit man schreiben möchte. Unterschieden werden hier:

  • Literaturarbeit
  • empirische Arbeit
  • konstruktive Arbeit
  • theoretische Arbeit

 

Insbesondere die konstruktive Arbeit ist für Informatiker relevant. Hier geht es darum, durch systematisches Vorgehen ein technisches Erzeugnis zu erstellen, also z.B. ein Software-System. Die Projektarbeit im Studiengang Web- und Medieninformatik ist eine konstruktive Arbeit. Soweit ich informiert bin, kann die Bachelorarbeit auch einen anderen Charakter haben.

 

In verschiedenen Studienabschnitten sind unterschiedliche Arten wissenschaftlicher Arbeiten zu erstellen. Es ist ein Unterschied, ob man eine Hausarbeit, eine Bachelorarbeit, eine Masterarbeit, einen wissenschaftlichen Artikel oder eine Dissertation schreibt. Mich haben natürlich zunächst einmal die Anforderungen an eine Bachelorarbeit interessiert, aber es ist schon interessant zu wissen, auf welche Höhen das Niveau noch steigen kann. Ich habe zwar momentan keine konkreten Pläne für einen Master, aber das könnte ja irgendwann noch einmal Thema werden.

 

Schließlich geht es um den formalen Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten, also um Dinge wie Satzspiegel, Textgestaltung, Seitennummerierung, Fußnoten, Anhänge und insbesondere Verzeichnisse. Hier erhält man viele wertvolle Tipps, wie man sich eine geeignete Dokumentenvorlage erstellt, um dann auch zügig arbeiten zu können. Im Modul sind Dokumentvorlagen für Word, LibreOffice und LaTEX enthalten, die man sich herunterladen kann. Ich habe ein wenig mit der LaTEX-Vorlage experimentiert. Leider hätte ich hier noch einige Anpassungen an die deutsche Sprache vornehmen müssen, weil insbesondere das Erstellen von Verzeichnissen noch unbefriedigend funktionierte. Für meinen mündlichen Vortrag habe ich aus Zeitdruck mit der LibreOffice-Vorlage gearbeitet, die ich für meine Zwecke etwas angepasst habe.

 

Das Thema Formatierung ist nicht aufregend, aber für solche formalen Dinge kann später viel Zeit draufgehen. Die kann sich sparen, wenn man sich vorher die Mühe macht, eine gescheite Vorlage zu bauen. Literaturverzeichnissysteme können einem die Arbeit erleichtern, erfordern aber natürlich auch eine gewisse Einarbeitung. Darum ist es gut, sich schon vor Anmeldung einer Bachelorarbeit mit so etwas zu beschäftigen. LaTEX möchte ich mir noch einmal genauer anschauen. Ich habe den Eindruck, dass man damit viel Zeit sparen kann, wenn man die anfänglichen Hürden nimmt.

 

Eine wichtige Rolle nimmt im Modul natürlich das korrekte Zitieren von Quellen ein. Hier geht es zunächst einmal darum, zu verstehen, was für Quellen zitierfähig und zitierwürdig sind. Dann geht es darum, sich in Absprache mit der Hochschule bzw. dem Betreuer für eine der verschiedenen Zitierweisen zu entscheiden und diese auch konsequent durchzuhalten. Dabei hilft wieder eine gute Dokumentenvorlage. Unterschiedliche Arten von Veröffentlichungen müssen im Literaturverzeichnis auch unterschiedlich behandelt werden. Insbesondere Quellen aus dem Internet sind nicht einfach zu referenzieren, weil eine Quelle unter einem Link nicht unbedingt dauerhaft zu finden ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen, die im Modul thematisiert werden.

 

Es folgt ein Kapitel über wissenschaftlichen Schreibstil, verständliches Schreiben und die Visualisierung von Inhalten.

 

Ein weiteres Kapitel behandelt unterschiedliche Forschungsmethoden mit ihren Stärken und Schwächen. Unterschieden werden hier:

  • schriftliche Befragung
  • Fragebögen und Interview-Leitfäden
  • Experiment
  • Interview
  • Gruppendiskussion
  • Beobachtung
  • Inhaltsanalyse

 

Je nach Gegenstand und Forschungsschwerpunkt sind unterschiedliche Methoden angemessen. Auch dieses Kapitel hat eine erkenntnistheoretische Komponente.

Ein wichtiger Teil des Kurses beschäftigt sich damit, wie man sich seine Arbeitszeit gut einteilt, um seine Arbeit auch rechtzeitig abschließen zu können. Hier fällt der Begriff Projektmanagement, den ich etwas übertrieben finde, weil für mich dazu gehört, dass zumindest ein kleines Team koordiniert wird. Selbst- und Zeitmanagement hielte ich für die passendere Bezeichnung. Gleichwohl erhält man hier wertvolle Tipps, wie man die Arbeit an einer Bachelorarbeit in überschaubare Teilschritte gliedern und Meilensteine definieren kann. Gezeigt wird auch die Arbeit mit Software-Tools zum Projektmanagement. Ich habe die Arbeit damit ausprobiert, hatte aber den Eindruck, dass hier das Verhältnis zwischen Einarbeitungsaufwand und Nutzen nicht stimmt. Wenn man ein Projekt mit vielen Beteiligten zu managen hat, mag das freilich ganz anders aussehen. In diesem Abschnitt wird auch behandelt, wann und wie oft man sich mit seinem Betreuer austauschen sollte.

 

Der letzte Kursabschnitt handelt von der Präsenation der Ergebnisse in einem mündlichen Vortrag, denn eine Bachelorarbeit muss ja in den meisten Fällen auch verteidigt werden. Die Inhalte dieses Abschnittes überlappen sich zum Teil mit dem Modul "Präsentieren".

 

Einsendeaufgaben

 

Die Einsendeaufgaben sind zahlreich und vielfältig und beziehen sich auf alle Kursteile. Spaß gemacht haben mir zum Beispiel die Aufgaben zur Stilverbesserung. Am besten gefallen haben die Aufgaben zu den Qualitätskriterien wissenschaftlichen Arbeitens, weil sie oft eine kreative Komponente hatten. Die Korrekturen durch meine Tutoren kamen sehr zügig. Gut gefallen hat mir, dass sie Informatikerin ist und das Thema "Wissenschaftliches Arbeiten" aus dieser Perspektive betreut. Auch die Tests waren zahlreich und deckten den Stoff engmaschig ab.

 

Prüfung

 

Eine Besonderheit dieses Moduls ist, dass die Klausur nur eine Stunde dauert, dafür aber eine mündliche Prüfung zum Modul gehört. Diese muss ein bisschen früher anmeldet werden als eine Klausurteilnahme, weil der organisatorische Aufwand höher ist. Mündliche Prüfungen finden nur in Dortmund statt, üblicherweise am Freitag Vormittag.

Die mündliche Prüfung besteht aus einem Vortrag von 20 Minuten. Anschließend beantwortet man noch Fragen zum Thema. Man reicht drei Themenvorschläge ein:

  • ein allgemeines Informatikthema
  • ein spezielles Informatikthema
  • ein allgemeines Thema (das also nichts mit Informatik zu tun hat)

 

Ich hätte am liebsten ein Thema aus der Entwicklungspsychologie vorgetragen, aber ausgewählt wurde mein Vorschlag "Grundlegende Merkmale und Muster funktionaler Programmierung". Dieses Thema war auch gut, weil es schon einen gewissen Bezug zu dem hat, was ich in meiner Bachelorarbeit gerne machen würde. Insofern war die mündliche Prüfung auch eine Gelegenheit, sich hier schon mal ein bisschen einzulesen.

 

Welches Thema ausgewählt wurde, erfährt man übrigens erst zwei Wochen vor dem Prüfungstag. Es geht nun darum, die im Modul gelernten Techniken im kleineren Maßstab anzuwenden. Erwartet wird z.B. die Recherche und Auswahl relevanter Literatur. Die Art des Vortrages ist nicht genau vorgegeben, aber Beamervorträge sind heute üblich. Ein Handout ist nicht zwingend, es kostet aber Punkte, wenn es fehlt. Außerdem ist das Handout eine Möglichkeit, das Verfassen einer schriftlichen Arbeit zu üben und auch Feedback dazu zu erhalten. Darum meine ich, es lohnt sich, hier zumindest etwas in der Art einer Hausarbeit abzuliefern. Zwei Wochen sind durchaus wenig Zeit für eine saubere Arbeitsweise im Sinne der vermittelten Techniken und Qualitätskriterien. Es macht viel Spaß, ein selbst gewähltes Thema zu recherchieren und zu bearbeiten, aber es ist auch viel Arbeit, insbesondere, wenn man eigentlich erst nach seinem Job Zeit hat, sich mit seinem Thema zu befassen. Die mündliche Prüfung erhöht den Bearbeitungsaufwand des Moduls erheblich. Ich vermute, dass das auch für andere Module mit mündlicher Prüfung gilt.

 

Ein kritischer Punkt bei meinem Vortrag war die Einhaltung der Redezeit, was auch zu Punktabzug geführt hat. Auch beim Punkt Einbeziehung des Publikums habe ich noch einiges zu lernen. Fachlich war es zu meiner Überraschung in Ordnung. Ich war nämlich die ganze Zeit der Ansicht, viel zu wenig Stoff behandelt zu haben, und habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich noch mehr Themen in die 20 Minuten quetschen kann. Für das nächste Mal werde ich lernen müssen, stärker Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen.

 

In den Klausuraufgaben geht es unter anderem um Qualitätskriterien wissenschaftlichen Arbeitens. Es werden etwa Vorgehensweisen, Aussagen oder Schlussfolgerungen präsentiert und man soll dann erklären, warum das keine saubere wissenschaftliche Arbeitsweise ist und was man besser machen müsste. Für die Endnote werden die Punkte aus mündlicher und schriftlicher Prüfung addiert.

 

Mit meinem Prüfungsergebnis war ich zufrieden, auch wenn die mündliche Prüfung gezeigt hat, dass es noch Punkte gibt, an denen ich arbeiten muss.

 

Fazit

 

Ich hätte erwartet, dass dieses Modul zwar nützlich für die Bachelorarbeit aber nicht besonders spannend ist. Zu meiner Überraschung hat die Bearbeitung mir unheimlich viel Spaß gemacht.

 

Thematisch war es eine echte Abwechslung. Es hat eben nicht nur und nicht mal schwerpunktmäßig mit Informatik zu tun. Tatsächlich ist das Lehrbuch eine allgemeine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten. Die Beispiele stammen darum nicht nur aus der Informatik sondern z.B. auch den Sozialwissenschaften oder ganz anderen Disziplinen. Das Modul ist im Gegensatz zu den meisten anderen Modulen meines fachbezogenen Studiums allgemeinbildend. Was hier vermittelt wird, entwickelt auch die Fähigkeit zu kritischem Denken. Bei den Einsendeaufgaben und auch bei den Themenvorschlägen für die mündliche Prüfung hat man größere Entscheidungsspielräume als bei anderen Aufgaben im Informatik-Studium. Rückblickend betrachte ich das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" als eines der schönsten in meinem Studium.

kurtchen

Modulbericht: Aktuelle Webtechniken

Zur Rolle des Moduls "Aktuelle Webtechniken" im Studiengang WMI

 

Das Modul "Aktuelle Webtechniken" ist ein Wahlpflicht-Modul und richtet sich an Studierende im Studiengang "Web- und Medieninformatik". Es ist außerdem Teil des Hochschulzertifikates "Web-Entwickler". Für Wirtschaftsinformatiker scheint es mir weniger geeignet. Das liegt daran, dass das Modul "Web-Anwendungen 2" als fachliche Grundlage sehr empfehlenswert ist. Dieses ist aber für Wirtschaftsinformatiker nicht Pflicht und müsste daher ebenfalls als Wahlpflichtmodul belegt werden.

Als weitere fachliche Grundlage für dieses Modul wird "XML" genannt. Aufgrund der Voraussetzungen wird man "Aktuelle Webtechniken" wohl gegen Ende seines Studiums belegen, also im 5. oder 6. Fachsemester.  Inhaltlich geht es um die Entwicklung von Web-Anwendungen mit dem serverseitigen Framework JavaServer Faces.

 

Das Lehrbuch

 

Das Lehrbuch "JavaServer Faces" von Michael Goll und Marcel Urbanek hat einen Umfang von ca. 250 Seiten. Im Vergleich zu anderen Lehrbüchern bei Springer Campus klingt das wenig. Allerdings ist die Schrift kleiner und der Text recht eng gesetzt, so dass bei gleicher Seitenzahl mehr Inhalt drin steckt, als man zunächst vermuten würde. Der Text ist ziemlich dicht geschrieben. Das Tempo, in dem die Inhalte vermittelt werden, ist recht hoch. Möglich ist das, weil die meisten Studierenden ja Vorkenntnisse in JavaServer Pages und XML haben. Ohne diese Grundlage wäre es deutlich schwieriger, dem Text zu folgen. Die Inhalte ähneln denen des Moduls JSP. Allerdings geht es hier um ein aktuelleres serverseitiges Web-Framework auf Grundlage von Java.

 

Während man in JSP HTML und Java-Code in einer Seite mischt, gibt es in JSF eine saubere Trennung. Funktionalität wird in Bean-Klassen implementiert. Das sind Java-Klassen mit öffentlichen Gettern und Settern für alle Attribute sowie einem parameterlosen Standardkonstruktor. Dies erlaubt dem Framework die Erzeugung und die Befüllung von Objekten dieser Klassen. Weil sie vom Framework gemanaged werden, nennt man sie auch Managed Beans.

 

Damit das Framework weiß, welche Managed Beans zur Verfügung stehen, muss man sie ihm in einer XML-Datei bekannt machen. Die eigentlichen Seiten werden dann mit Tags des Frameworks aufgebaut. Hier stellt man Bindings zu Methoden oder Attributen der Managed Beans her. Das ist ein sauberer und übersichtlicher Ansatz, um Webanwendungen aufzubauen. Die Arbeitsweise erinnert mich an ASP.Net und die damit verbundene Code-behind-Technik.

 

Weitere Themen sind:
- Templating
- Internationalisierung
- Navigation
- Konverter
- Validierung
- Listener
- Erweiterte Komponenten

 

Alle diese Themen werden durch Codebeispiele praxisnah behandelt. Es ist sehr empfehlenswert, diese Beispiele in einer geeigneten IDE auszuprobieren und sie abzuwandeln, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie JSF arbeitet. Empfohlen wird als IDE Eclipse. Ich bevorzuge Netbeans und habe das Modul damit bearbeitet. Das war so auch gut machbar.

 

Nach den recht praktischen ersten zwei Dritteln des Moduls folgen im letzten Drittel vertiefende Themen, die theoretischer und auch anspruchsvoller sind. Hier geht es darum, wie das Framework arbeitet, was für Abläufe durch einen HTTP-Request ausgelöst werden und was für Objekte dabei in welcher Reihenfolge erzeugt werden. Nicht zuletzt geht es darum, wie man eigene JSF-Komponenten, eigene Renderer und eigene Tags implementiert.

 

Ich finde, JSF ist ein schönes Framework. Gut gefallen haben mir z.B. die Konzepte für Navigation und für die Konvertierung und Validierung von Nutzereingaben.

 

Tests und Einsendeaufgaben

 

Die Tests und Aufgaben decken den Stoff gut ab. Für meinen Geschmack hätten es mehr Aufgaben sein dürfen. Sie waren aber ausreichend, um mit allen großen Themenblöcken praktische Erfahrungen zu machen. Eigene Initiative und eine gewisse Experimentierfreude beim Ausprobieren von Codebeispielen halte ich für empfehlenswert. Leider fand ich die Formulierung der Aufgaben oft unklar oder mehrdeutig. Das Nachdenken darüber, was der Autor der Aufgabe gemeint haben könnte, hat bei mir oft wesentlich länger gedauert als die eigentliche Lösung der Aufgabe. Das war für mich oft unbefriedigend.

 

Die Rückmeldungen meines Tutors kamen zügig. Auf Fragen bekam ich rasche und zufriedenstellende Antworten. Auch die Online-Klausur wurde zügig korrigiert.

 

Die Online-Klausur passte gut zu den Einsendeaufgaben und den im Kurs behandelten Themen. Sie war durchaus auch eine gute Vorbereitung auf die Präsenzklausur. So sollte es sein

 

Präsenzklausur

 

Ich hätte erwartet, dass die Präsenzklausur vor allem die ersten zwei Drittel des Moduls abdecken würde, also die eher praktischen Teile. Dort lag auch ein Schwerpunkt. Es wurden aber auch die theoretischeren Teile durch Wissensfragen abgeprüft. Bei der Arbeit mit JSF hat man mit unterschiedlichen Dateien in unterschiedlichen Sprachen und Formaten zu tun: XML-Dateien, Java-Quellcode, JSF-Seiten mit Tags. In der Klausur spielten alle eine Rolle. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben war unterschiedlich. Es gab einfachere Punktebringer aber auch schwierigere und umfangreichere Aufgaben für diejenigen, die eine gute Note haben möchten. Leider hatte ich auch diesmal wieder ein Problem mit der Formulierung mancher Aufgaben.

 

Zeit ist ein entscheidender Faktor in dieser Klausur. Man muss relativ viel schreiben. Auch wenn man im Grunde schon eine Lösung im Kopf hat, wird es knapp, diese auch aufs Papier zu bringen. Ich würde empfehlen, ein paar Einsendeaufgaben von Hand abzuschreiben, um im Schreiben von XML auf ein gewisses Tempo zu kommen. Ich habe es leider nicht geschafft, alle Aufgaben in der gegebenen Zeit zu bearbeiten. Das hatte natürlich Auswirkungen auf meine Note, die nicht so gut ausgefallen ist, wie ich mir im Vorfeld erhofft hatte.

 

Fazit

 

Nach dem Modul "Web-Anwendungen 2", welches serverseitige Web-Programmierung mit JSP abhandelt, wird in "Aktuelle Webtechniken" mit JSF ein weiteres serverseitiges und Java-basiertes Framework vorgestellt. JSF ähnelt ein wenig ASP.Net. Mir hat das Modul Spaß gemacht und ich finde, serverseitige Programmierung ist eine der Stärken des Studienganges "Web- und Medieninformatik". Das Modul ist etwas für Studierende, die auch Freude an JSP und XML hatten. Es ist außerdem eine Gelegenheit, noch mal einmal Zeit mit dem Schreiben von Code zu verbringen. Gegen Ende des Studiums gibt es ja viele Module, die recht theorielastig sind. Da ist JSF eine willkommene Abwechslung.

 

Mein nicht ganz so tolles Abschneiden bei Klausur nehme ich nicht so schwer. Am diesem Punkt meines Studiums stehen einfach schon so viele Noten fest, dass mein Spielraum zu Beeinflussung meiner Abschlussnote ohnehin gering ist. Ich freue mich also einfach, dass ich hier noch einmal die Gelegenheit hatte, ein Modul zu bearbeiten, dass ich inhaltlich sehr genießen konnte.

kurtchen

Modul: BWL2

Das Modul "BWL2" ist ein Pflichtmodul in den beiden Studiengängen "Web- und Medieninformatik" und "Wirtschaftsinformatik" bei Springer Campus. Die Web- und Medieninformatiker sollen es schon im zweiten Semester belegen, die Wirtschaftsinformatiker erst ein Semester später. Das liegt daran, dass die Wirtschaftsinformatiker im ersten Semester zunächst ein Modul "Grundlagen der BWL" belegen, was alles weitere ein Semester nach hinten verschiebt. Wenn ich auf meine Schwierigkeiten mit den BWL-Modulen zurückblicke, meine ich, es wäre gar keine schlechte Idee gewesen, dieses Grundlagenmodul freiwillig zu belegen. Damit hätte ich vielleicht zum Teil ausgleichen können, dass ich im Bereich BWL keine Vorkenntnisse hatte. Gut möglich, dass mir der Stoff von BWL1 und BWL2 so leichter gefallen wäre.

 

Die Rolle der BWL-Module im Studiengang

 

Web- und Medieninformatiker belegen außer BWL1 und BWL2 auch noch Geschäftsprozess-Management. Wirtschaftsinformatiker belegen weitere BWL-Module: E-Business, Strategisches Management und Controlling, Human-Ressources. Und natürlich viele Wirtschaftsinformatik-Module. Die meisten von denen und auch das Modul "E-Business" dürfen Web- und Medieninformatiker im Wahlbereich belegen. 

 

BWL2 soll nach BWL1 belegt werden, was ich rückblickend nicht für unbedingt nötig halte. Mir scheint, dass die Inhalte der Module wenig aufeinander aufbauen, so dass ich eine Umkehrung der Reihenfolge für durchaus möglich halte. Dafür sprechen würde, dass insbesondere der Kurs Ökonomie aus dem Modul BWL2 einen gewissen Überblick über das Fachgebiet verschafft, der es vielleicht ein wenig erleichtert, die spezielleren Inhalte aus BWL1 einzuordnen, nämlich internes und externes Rechnungswesen.

 

BWL2 gilt als inhaltliche Voraussetzung für Geschäftsprozess-Management. Ich habe Geschäftsprozessmanagement vor BWL2 belegt, was auch gut möglich war. Die Kapitel zur strategischen Planung und zu Organisationsformen aus BWL2 wären aber doch eine gute Vorbereitung auf Geschäftsprozess-Management gewesen, so dass ich hier anderen Studierenden dazu raten würde, die Module in der offiziell empfohlenen Reihenfolge zu bearbeiten.

 

Aufbau des Kurses

 

BWL2 gehört zu den Modulen, die aus zwei separaten Kursen bestehen. Es gibt 2 Lehrbücher, 2 Online-Abschlusstests, 2 Online-Klausuren, 2 Korrektoren für Einsendeaufgaben aber eine gemeinsame Präsenzklausur. Nach meiner Erfahrung erhöht eine solche Zweiteilung den Bearbeitungsaufwand ein wenig. So habe ich das auch diesmal empfunden.

Am Umfang der Lehrbücher liegt das aber nicht. Die Titel "Basiswissen Unternehmensführung" von Klaus Menzel und "Basiswissen Ökonomie" von Rainer Ostermann und Frank Wischmann kommen zusammen auf rund 400 Seiten, was für Module bei Springer Campus üblich ist. Die Autoren Wischmann und Ostermann waren mir bekannt, denn sie haben auch die Lehrbücher für BWL1 verfasst.

 

Inhalte des Kurses Unternehmensführung

 

Im Kurs Unternehmensführung geht es um Zielsysteme, Strategische Planung, Unternehmensbewertung, wertorientierte Unternehmensführung und Organisationsstrukturen. Diese Inhalte haben mich anfangs wenig interessiert, aber das Buch war zugänglich geschrieben und die Kapitel wurden durch Fallbespiele begleitet, die den Stoff lebendig machten. Zum Teil wurden hier Dialoge aus Besprechungen wiedergegeben, in denen sich unterschiedliche Ansätze und Denkschulen offenbarten. Das fand ich didaktisch gut gelungen und hat mir oft weitergeholfen, mir den (für mich recht trockenen) Stoff zu erschließen.

 

Im Kapitel Zielsysteme geht es zum Beispiel darum, Ziele in Zielhierachien einzuordnen, um Abhängigkeiten zwischen Zielen zu erkennen. Man sieht so, welche Unterziele erreicht werden müssen, um übergeordnete Ziele erreichen zu können. Ein häufiges Problem ist, dass Ziele nicht immer miteinander kompatibel sind. Häufig bestehen Zielkonflikte, die aufgelöst werden müssen. Dazu kann es nötig werden, Ziele zu gewichten. Der bei Erreichung erwartete Nutzen, die Wahrscheinlichkeit der Realisierung, aber auch die Beeinflussbarkeit spielen bei solchen Bewertungen eine Rolle. Schließlich braucht man Methoden, um bei konfliktären Zielen durch Dialog und Verhandlung zu Entscheidungen zu kommen. Wo Einigungen nicht möglich sind, werden oft übergeordnete Instanzen entscheiden müssen.

 

Im Kapitel Strategischen Planung geht es um die langfristige Ausrichtung des Unternehmens. Strategische Entscheidungen wären zum Beispiel, in einem neuen Geschäftsfeld tätig werden zu wollen, den Produktionsstandort zu verlagern, das Unternehmen an die Börse zu bringen oder bestimmte Produktlinien komplett aufzugeben. Für strategische Entscheidungen braucht man Instrumente zur Analyse und Planung, von denen man im Kurs einige kennenlernt. Die SWOT-Analyse identifiziert Stärken und Schwächen des Unternehmens, aber auch Chancen und Risiken. Die Portfolio-Analyse bewertet die angebotenen Produkte des eigenen Unternehmens nach Kriterien wie Wachstum und Marktanteil und kategorisiert sie in Poor Dogs, Questions Marks, Stars und Cash Cows. Eine Cash Cow ist zum Beispiel ein Produkt mit hohem relativen Marktanteil aber nur noch geringem Wachstum. Cash Cows sollen ohne zusätzlich Investitionen Geld bringen. Stars sind dagegen Produkt mit hohem relativem Marktanteil und hohem Wachstum. In solche Produkte soll verstärkt investiert werden. Wichtig für die strategische Planung sind auch Prognosen künftiger Entwicklungen, denn auf diese möchte man sich durch die strategischen Entscheidungen ja vorbereiten. Hier wird unterschieden zwischen quantitativen Methoden, die Zahlenwerte aus der Vergangenheit in Form von Zeitreihen analysieren, und qualitativen Methoden, die mit Einschätzungen von Experten arbeiten. Im Kapitel geht es aber auch um Denkschulen strategischer Planung, die sich aus unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten entwickelt haben und sich in den Vorgehensweisen stark unterscheiden. Schließlich geht es um Grenzen strategischer Planung, die sich zum Beispiel daraus ergeben, dass Prognosen auf der Grundlage vergangener Entwicklungen nicht immer zuverlässig sind.

 

Schwierigkeiten hatte ich in erster Linie mit dem Kapitel Unternehmensbewertung. Entweder war es für mich zu dicht geschrieben oder es mangelte mir an Vorwissen. 
Hier geht es darum, welchen Wert ein Unternehmen hat. Es gibt sehr unterschiedliche Methoden, den Wert eines Unternehmens zu bewerten. Welche davon geeignet ist, hängt vom Anlass der Bewertung ab. So wird ein Kreditgeber sich unter anderem dafür interessieren, was bei Liquidation eines Unternehmens erlöst werden kann. Das Vermögen des Unternehmens sieht er als Sicherheit für den Fall einer Insolvenz. Dagegen wird ein Investor sich eher dafür interessieren, welche Erträge das Unternehmen abwirft, weil er es nicht liquidieren sondern betreiben will. Besonders interessant ist der Potentialwert eines Unternehmens. Hier geht es darum, bislang ungenutzte Möglichkeiten und Chancen zu erkennen und zu bewerten. Dies ist zum Beispiel relevant bei Fusionen. Die Kombination der Fähigkeiten zweier Unternehmen kann neue Werte schaffen, die den Wert des aufgekauften Einzelunternehmens übersteigen.

 

Gut gefallen hat mir das Kapitel zu Organisationsstrukturen. Hier ging es zum Beispiel um Vor- und Nachteile traditioneller Organisationsstrukturen im Vergleich zu Projektorganisationsformen und zweckorientierten Organisationsformen. Hier sah ich inhaltliche Bezüge zum Modul Geschäftsprozess-Management, das ich leider vorher belegt hatte.

 

Inhalte des Kurses Ökonomie

 

Im Kurs Ökonomie geht es zunächst um Grundtatbestände des Wirtschaftens. Im Schnelldurchgang werden hier wichtige Grundbegriffe geklärt und behandelt: Nachfrage und Bedürfnisse, Produktionsfaktoren, Wirtschaftsordnungen, Wirtschaftskreislauf und Wirtschaftsprinzipien, Kennziffern betrieblichen Handelns, volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Begriffe wie Bruttoinlandsprodukt oder Bruttosozialprodukt, Märkte, Preismechanismen, Preisbildung in Polypolen, Oligopolen und Monopolen, Dynamik der Wirtschaft. Obwohl sehr dicht geschrieben, konnte ich diesem Teil des Kurses gut folgen und meine, hier auch einige Bausteine für meine Allgemeinbildung aufgesammelt zu haben.

 

Nach einem kurzen Kapitel über konstituive Entscheidungen wird der bis dato eher volkswirtschaftlich orientierte Kurs wieder betriebswirtschaftlich. Es geht um drei Typen konstituiver Entscheidungen:
- die Wahl des Tätigkeitsfeldes
- die Wahl des Standortes
- die Wahl der Rechtsform

 

Während ich dem Kapitel zur Standortwahl gut folgen konnte, fand ich insbesondere das Kapitel zur Rechtsform zu gedrängt geschrieben, um den Stoff wirklich zu begreifen. Natürlich wurde hier regelmäßig auf weitere Fachliteratur verwiesen, aber so sehr interessierte mich das Thema dann doch nicht.

 

Insgesamt bin ich überrascht, dass der Kurs Ökonomie mir unterm Strich etwas weniger Spaß gemacht hat als Unternehmensführung. Ich hätte das Gegenteil erwartet. Möglicherweise liegt es daran, dass Unternehmensführung ein bisschen ausführlicher geschrieben ist als Ökonomie. Ich schätze, mit etwa 100 Seiten mehr Umfang hätte ich den Ökonomie-Kurs besser verwerten können. Dazu möchte ich bemerken, dass ich zu Schulzeiten keinen Unterricht zu Wirtschaftsthemen genossen habe und solche Inhalte auch in meiner Ausbildung keine Rolle gespielt haben. Wer mehr Vorkenntnisse oder Vorerfahrungen mitbringt, kann die im Kurs Ökonomie dargebotenen Inhalte wahrscheinlich besser aufnehmen als ich.

 

Einsendeaufgaben und Tests

 

Die Einsendeaufgaben haben mein Verständnis des Stoffes sicher verbessert. Im Kurs Unternehmensführung waren es mehr als im Kurs Ökonomie. Die Rückmeldungen meiner Tutoren kamen überwiegend zügig. Sie waren für mich auch interessant, weil mir oft Punkte fehlten und ich so erfuhr, was ich für die Klausur noch einmal wiederholen musste.

 

Klausur

 

Die Präsenzklausur ist ohne Hilfsmittel zu schreiben, was mir bei diesem Stoff ein bisschen Sorgen gemacht hat. Die waren aber unbegründet. Die Klausur deckte den Stoff breit ab und behandelte beide Kurse bzw. Lehrbücher gleichmäßig, zumindest was die erreichbaren Punkte anging. Breit gestellte Klausuren halte ich für faire Klausuren, weil Erfolg oder Misserfolg nicht davon abhängen, ob zufällig die eigenen Lieblingsthemen auftauchten. Insbesondere muss man nicht befürchten, wegen kleinerer Schwächen in einem Teilgebiet durchzufallen. Wer sich redlich bemüht, den gesamten Stoff zu bearbeiten, sollte hier Erfolge sehen.

 

Es gab unterschiedliche Aufgabentypen: Ein Diagramm zeichnen, Multiple Choice, doch der Schwerpunkt lag auf dem Erklären von Begriffen und Zusammenhängen (z.T. mit Bezug zu politischen und gesellschaftlichen Themen). Anzahl und Umfang der Aufgaben passten gut zur Bearbeitungszeit. Manche Aufgaben waren recht knapp zu beantworten, andere ausführlicher. Es gab "Punktebringer", aber auch ein paar speziellere Fragen für das letzte Quäntchen Punkte. Hier ging es erkennbar darum, ein Grundverständnis abzuprüfen. Auch jemand, der nicht BWL-affin ist, hat hier eine faire Chance.

 

Ein Ergebnis liegt mir noch nicht vor, aber diesmal bin ich optimistisch, dass es geklappt haben müsste.

 

Fazit

 

Ich bin froh, dass das ungeliebte Thema BWL nun hoffentlich hinter mir liegt. Unzumutbar schwer haben es mir die Kursautoren nicht gemacht. Es hat mir auch sicher nicht geschadet, mich einmal mit diesen Themen zu beschäftigen. Ich vermute, dass ich durch die Module etwas leichter mit Menschen kommunizieren kann, die eine betriebswirtschaftliche Denk- und Arbeitsweise haben. Das kann ja in vielen Situationen hilfreich sein.

 

Meine eigenen Erwartungen, was ich durch die Module würde lernen können, waren rückblickend betrachtet wahrscheinlich etwas überzogen. Nur 10 ECTS sind wenig Zeit für ein komplexes Thema wie BWL. Das reicht für einen Einblick und vielleicht für eine gewisse Orientierung im Themengebiet. Das ist weniger als ich gehofft habe, aber natürlich hat es einen Wert. Wahrscheinlich wäre es in meinem Fall vernünftig gewesen, das Modul "Grundlagen der BWL" freiwillig als Propädeutikum zu belegen. Dann hätte ich wahrscheinlich aus den beiden folgenden Modulen mehr Nutzen ziehen können.

 

Rückblickend betrachtet hätte es mir besser gefallen, ich hätte diese 10 ECTS mit anderen Inhalten füllen dürfen. Grundsätzlich gefällt es mir sehr, an einer FH zu studieren, wo ich einen starken Praxisbezug des Studiums erkenne. Vermutlich ist BWL ein Pflichtfach, weil man davon ausgeht, dass die meisten von uns in Unternehmen arbeiten werden. Das ist ja auch eine vernünftige Annahme. Statt BWL z.B. zusätzliche Mathe-Module zu belegen hätte mir allerdings mehr Spaß gemacht.

 

Andererseits gehört zu einem Studium auch die Auseinandersetzung mit Themen, die man auf den ersten Blick nicht zum Anbeißen findet. Insofern habe ich versucht, mich auf BWL einzulassen. Für mich war es der bislang mühsamste Teil meines Studiums, weil ich es schwieriger als in anderen Modulen fand, mich zum regelmäßigen Lernen zu motivieren. Aber vermutlich ist das nun geschafft. Jetzt bin ich auch ein bisschen stolz auf mich.

 

Ob ich noch einmal Lust haben werde, im Wahlbereich ein weiteres Modul mit BWL-Bezug zu belegen? Für die nächste Zeit möchte ich mich erst mal anderen Themen zuwenden. Andererseits gibt es dann doch Inhalte, die mich interessieren könnten. Ein Modul "E-Business" würde z.B. ganz gut zu einem Studium "Web- und Medieninformatik" passen. Momentan bin ich aber froh, im Studienbereich BWL meine Pflicht getan zu haben.

 

Wie geht es nun weiter? Inzwischen habe ich angefangen, das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" zu belegen. Das ist für mich freiwillig, weil ich noch nach der alten Studienordnung studiere. Die Belegung wird uns aber dringend empfohlen, weil die Inhalte für die Anfertigung der Projekt- und Bachelorarbeit wichtig sind. Das sehe ich ein, also habe ich das Modul belegt. Ich hatte erwartet, dass das ein notwendiger aber auch trockener Studienabschnitt werden würde. Bislang bin ich positiv überrascht: Ich finde den Stoff richtig interessant, die Einsendeaufgaben machen mir viel Spaß und ich glaube, dass ich hier wichtige Einsichten für meine Projekt- und Bachelorarbeit mitnehmen kann. Besonders gefällt mir aber, dass ich den Eindruck habe, hier auch etwas für meine Allgemeinbildung zu tun. Ich werde zu gegebener Zeit ausführlicher berichten.

 

Inzwischen habe ich auch eine Idee für meine Projekt- und für meine Bachelorarbeit. Beides dauert noch ein bisschen, aber allmählich taucht aus dem Nebel schemenhaft der letzte Studienabschnitt auf und nimmt ein bisschen Gestalt an. Das wird etwas ganz anderes werden als Stoff zu lernen und Klausuren zu schreiben. Aber mittlerweile vermute ich, dass das auch Spaß machen wird.

kurtchen

12:45 Uhr - Vortrag "Sicherheit im Internet"

 

Der Vortrag hielt Prof. Rettinger von der FH Dortmund. Seine Lehrgebiete dort sind Grundlagen der Informatik und Compilerbau. Herr Rettinger hat Erfahrung mit Fernlehre, unter anderem weil er als Lehrbeauftragter für die Fernuni Hagen tätig ist. Bei Springer Campus betreut er künftig Grundlagen der Informatik 1 und 2, also die Einführungen in die strukturierte und objektorientierte Programmierung in Java. Herr Rettinger hat früher einmal im Bereich "Public Key Kryptographie" geforscht. Möglicherweise ist dies sein Bezug zum Thema des Vortrages. Dieses lautet...


"Sicherheit im Internet. Eine kurze Einführung in die moderne Kryptographie"

 

Der Vortrag begann mit einer alltäglichen Anwendungssituation im Internet, dem Abruf eines Wikipedia-Eintrages. Dabei wird eine HTML-Datei von einem Server per Internet auf den heimischen Laptop gesendet. Die Übertragung erfolgt mit den bekannten Protokollen, die aufeinander aufbauen.

- Ethernet als Netzzugangsschicht
- IP als Internetschicht
- TCP als Transportschicht
- HTTP als Anwendungsschicht

 

3 Grundfragen der Sicherheit im Internet

 

Im Hinblick auf die Sicherheit dieser Situation stellen sich folgende 3 Grundfragen:
1. Wer sagt mir, dass am anderen Ende der Kommunikation wirklich ein Server der Wikipedia ist? Das ist das Problem der Authentizität.
2. Liest jemand mit? Das ist das Problem der Vertraulichkeit.
3. Ist der empfangene Inhalt manipuliert? Das ist das Problem der Integrität.

 

Symmetrische Verschlüsselung

 

Der klassische Ansatz wäre Verschlüsselung beim Sender, Entschlüsselung bei Empfänger. Dann kann ich Inhalt über einen unsicheren Kanal wie das Internet übertragen. Eine gängige Technik dazu wäre z.B. die Verschlüsselung mit AES. Verwendet man EINEN Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln, so spricht man von symmetrischer Verschlüsselung. Dabei treten 2 prinzipielle Probleme auf:
1. Wie vereinbaren die Kommunikationspartner den gemeinsamen Schlüssel? Dazu bräuchten sie einen sicheren Kanal. Wenn sie den hätten, bräuchten sie nicht verschlüsseln. Tatsächlich ist das eine gängige Strategie. Beispielsweise verschicken Banken das Kennwort für den Zugang zum Online-Banking per Briefpost, in der Hoffnung, dass die Abhörsicherer ist als eine E-Mail.
2. Die Anzahl der nötigen Schlüssel. Wollen 1000 Teilnehmer miteinander kommunizieren, müssen sie an die 500.000 Schlüssel vereinbaren. Bei einer Million Teilnehmern braucht man schon an die 500.000.000.000 Schlüssel.

 

Um die genannten Probleme zu überwinden, hat man asymmetrische Verschlüsselungsverfahren entwickelt. Hier verwendet man unterschiedliche Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln. Davon später mehr.

 

Einwegfunktionen

 

Verschlüsselung basiert allgemein auf Einwegfunktionen. Eine Einwegfunktion ist eine Funktion, deren Umkehrung schwierig ist. Ein einfaches Beispiel für eine Einwegfunktion ist die Multiplikation von Primzahlen:
- Das 143 das Produkt der Primzahlen 11 und 13 ist, errät man nicht so schnell.

- Dagegen ist es sehr leicht, 11*13 zu rechnen.

- Werden die Primzahlen größer, steigt die Schwierigkeit der Faktorisierung enorm. Man ist im wesentlichen auf rumprobieren angewiesen.


Die Multiplikation von Primzahlen ist also eine Einwegfunktion, weil ihre Umkehrung, die Primfaktorzerlegung, schwierig ist.

 

Prinzipiell immer möglich: Brute-Force-Angriffe

 

Schwierig ist natürlich ein schwammiger Begriff. Möglich ist die Umkehrung einer Einwegfunktion prinzipiell immer, nämlich mit dem brute force Ansatz. Er besteht im Ausprobieren aller möglichen Schlüssel. Die in der Praxis relevante Frage ist, wie lange brute force Entschlüsselung dauert. Für die meisten Anwendungsfälle würde es reichen, wenn das Brechen der Verschlüsselung im Schnitt 50 Jahre dauert.

 

Hat ein Schlüssel die Länge 500 Bit, so muss man im Schnitt 2 hoch 249 mögliche Schlüssel ausprobieren. Wir nehmen an, jedes Atom im Universum sei als Prozessor nutzbar. Man schätzt, dass es 10 hoch 85 Atome bzw. ungefährt 2 hoch 282 Atome gibt. Wir nehmen an, dass jedes Atom mit 1 PHz gtaktet wird. Für die Berechnung geben wir uns 1.000.000.000 Jahre. Dann können wir 2 hoch 387 Schritte ausführen. Das reicht bei weitem nicht, um den Schlüssel durch Ausprobieren zu finden. Man kann also sagen: Ist ein Schlüssel nur lang genug, so wird brute force Entschlüsselung praktisch unmöglich.

 

Wichtige Einwegfunktionen sind z.B. Hashfunktionen. Diese dampfen in kurzer Rechenzeit große Datenmengen, z.B. komplette Internetseiten, auf einen kleinen Zahlenwert ein, den sogenannten Hashwert. Gängige Hashfunktionen sind SHA1 (gebrochen) und SHA256 (noch sicher).

 

Primfaktorzerlegung: Grundlage des RSA-Verfahrens

 

Für Verschlüsselung bedeutsamer sind Einwegfunktionen mit Hintertür (im englischen auch trap door also eigentlich Falltür). Sie verwenden 2 Schlüssel, einen zum Ver- und einen zum Entschlüsseln. Das sind also die oben genannten asymmetrischen Verschlüsselungsverfahren. Die beiden Schlüssel nennt man auch öffentlichen Schlüssel und privaten Schlüssel. Wichtig dabei ist: Es muss unmöglich sein, den privaten Schlüssel aus dem öffentlichen Schlüssel zu errechnen. Das nennt man Unabhängigkeit der Schlüssel. Ein bekanntes asymmetrisches Verschlüsselungsverfahren ist RSA. Es basiert auf der oben erwähnten Schwierigkeit der Primfaktorzerlegung.

 

An dieser Stelle sei bemerkt: Die Schwierigkeit der Primfaktorzerlegung ist ein Erfahrungswert. Mathematiker versuchen sich seit langer Zeit an diesem Problem und konnten es bislang nicht in akzeptabler Zeit lösen. Es könnte natürlich sein, dass es ein schnelles Verfahren zur Primfaktorzerlegung gibt, das bislang nicht entdeckt wurde. In dem Fall wäre die Multiplikation von Primzahlen keine Einwegfunktion mehr und die darauf basierenden Verschlüsselungen leicht zu brechen.

 

Auf die Details des RSA-Verfahrens gehe ich hier nicht länger ein, auch wenn sie im Vortrag kurz vorgestellt wurden. Knapp gesagt verschlüsselt man eine Botschaft M (message) mit einem Schlüssel e und erhält die verschlüsselte Botschaft C. C wird mit dem Schlüssel d entschlüsselt und man erhält wieder M.

 

Die Grundidee lieferten im Jahr 1975 Merkle, Hellman und Diffie. 1978 wurde das eigentliche RSA Verfahren am MIT von Rivest, Shamir und Adleman entwickelt. Ihre Initialen wurden namensgebend. Kurios ist, dass diese zentrale Methode 20 Jahre vor dem eigentlichen, massenhaften Durchbruch des Internets entwickelt wurde.

 

Problem: Authentizität

 

Kehren wir zurück zu unserem ursprünglichen Anwendungsfall, dem Abruf einer Wikipedia-Seite. Wikipedia hat einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel. Wikipedia könnte meinen öffentlichen Schlüssel kennen, z.B. weil ich ihn bei Aufnahme der Kommunikation genannt habe. Wikipedia verschlüsselt damit eine Seite und schickt sie mir über den unsicheren Kanal Internet. Ich kann die Seite nun mit meinem privaten Schlüssel entschlüsseln. Wer meinen privaten Schlüssel nicht kennt, kann nicht entschlüsseln. Die Vertraulichkeit der Nachricht ist also gewährt. Nicht gewährt ist allerdings die Authentizität. Ein anderer Akteur könnte eine gefälschte Wikipedia-Seite mit meinem öffentlichen Schlüssel verschlüsseln und mir senden. Ich könnte mit meinem privaten Schlüssel entschlüsseln, würde aber nicht bemerken, dass mir eine falsche Seite untergeschoben wurde.

 

Hybride Verschlüsselung

 

Ein weiteres Problem von RSA: Diese Art der Verschlüsselung ist langsam. Darum nutzt man RSA lediglich, um mit asymmetrischer Verschlüsselung einen symmetrischen Schlüssel zu vereinbaren, den man im folgenden benutzt. Das nennt man dann hybride Verschlüsselung. Als symmetrisches Verfahren verwendet man z.B. AES. Das ist sehr schnell und oft in Hardware implementiert. 

 

Unser Netzwerkstack sieht nun so aus:
- Ethernet als Netzzugangsschicht
- IP als Internetschicht
- TCP in Verbindung mit SSL/TLS als Transportschicht
- darauf aufbauend HTTPS als Anwendungsschicht

 

Problem: Echtheit öffentlicher Schlüssel

 

Auch aus Sicht des Senders Wikipedia gibt es ein Problem. Meinen öffentlichen Schlüssel habe ich über das Internet bekannt gemacht. Natürlich könnte jemand anderes Wikipedia einen falschen öffentlichen Schlüssel unterschieben. Wikipedia würde die Seite dann nicht für mich sondern für einen anderen Akteur verschlüsseln. Wie kann der Sender wissen, dass der öffentliche Schlüssel echt ist?

 

Die Lösung für dieses Problem ist eine vertrauenswürdige Instanz. Man nennt sie Zertifizierungsstelle. Diese hat ebenfalls einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel. Die Zertifizierungsstelle verschlüsselt den öffentlichen Schlüssel des Senders mit ihrem privaten Schlüssel. Ich entschlüssele mit dem öffentlichen Schlüssel der Zertifizierungsstelle und erhalte den öffentlichen Schlüssel des Senders. Diesen kann ich vergleichen mit einem mir bekannt gemachten öffentlichen Schlüssel. Stimmen beide überein, ist der mir bekannt gemachte Schlüssel echt. Die Zertifizierungsstelle kann also öffentliche Schlüssel beglaubigen.

 

Die künftige Sicherheit der Kommunikation im Internet wird von verschiedenen Grundproblemen bedroht. Das erste war bereits erwähnt:

 

1. Wie schwer ist Faktorisierung wirklich?

 

Oben war erwähnt, dass brute force bei hinreichend langem Schlüssel unmöglich ist. Es gibt aber zur Primfaktorzerlegung bessere Verfahren als brute force. Die Rechenleistungen steigen. Darum empfehlen Institutionen wie das BSI ständig längere Schlüssel. Für RSA gelten 1900 Bit als minimum, bis 2016 wurden 2000 Bit empfohlen und ab 2016 sogar 3000 Bit. An dieser Stelle muss man sich noch einmal klar machen, das jedes zusätzliche Bit die Anzahl möglicher Schlüssel verdoppelt.

 

MIt Elliptische Kurven steht ein alternative Ansatz im Hintergrund bereit. Dieser wird praktisch nicht genutzt, weil er sehr rechenaufwendig ist. Außerdem ist unklar, wie sicher elliptische Kurven wirklich sind. Bei der Faktorisierung weiß man, dann man sie seit langer Zeit erfolglos versucht. Elliptische Kurven sind noch nicht so gut erforscht. Mag sein, dass unerwartet schnelle Umkehrungen entdeckt werden.

 

2. Implementierungsprobleme

 

i. Gebrochene Verschlüsselung basiert oft auf mangelnden Implementierungen, z.B. auf mangelnder Zufälligkeit.

ii. Auch Protokolle sind ein häufiger Angriffspunkt, z.B. die Einigung auf ein Verschlüsselungsverfahren und die Methode des Schlüsseltausches.

iii. Betriebssysteme halten viele Daten in Zwischenspeichern. Manche Verfahren zur Überwindung von Verschlüsselung basieren darauf, den Hauptspeicher eines Rechners auszulesen. Aus dem Speicherinhalt probiert man mögliche Passwörter. Das reduziert die Anzahl der möglichen Schlüssel erheblich.

iv. Zertifizierungsstellen arbeiten nicht immer sauber.

v. SSL/TLS sind auf Betriebssystem-Ebene implementiert. Der Browser vertraut dem OS. Hier ist eine Eingriffmöglichkeit.

 

3. Quantencomputer

 

Die ultimative Bedrohung für die aktuellen Verschlüsselungsverfahren sind Quantencomputer. Sollten sie verfügbar werden, könnten RSA und auch bekannte Alternativen wie elliptische Kurven gebrochen werden. Bislang erweist sich die Konstruktion von Quantencomputern aber als schwierig.

 

Absolute Sicherheit

 

Absolute Sicherheit versprechen 2 Ansätze

 

1. One-Time-Pad

 

Dieser Ansatz ist theoretisch perfekt und praktisch irrelevant. Man wählt einen zufälligen Schlüssel, der so lang wie die Botschaft sein muss und nur ein Mal verwendet werden darf. Diesen nimmt man zum Ver- und Entschlüsseln. Das Verfahren ist praktisch nicht nutzbar, weil man einen sicheren Kanal braucht, um diesen Schlüssel zu vereinbaren. Wenn ich einen Schlüssel von der Länge der Nachricht sicher vereinbaren könnte, so könnte ich auch gleich die Botschaft senden und bräuchte keine Verschlüsselung. (Wollen zwei Partner die Vertraulichkeit ihrer Kommunikation zu sichern, könnte man sich die Anwendung etwa so vorstellen. Man trifft sich einmalig und bespielt zwei Festplatten mit einer identischen, zufällig erzeugten Bitfolge, die mehrere Terrabyte lang ist. Die Partner trennen sich räumlich. In der folgenden Kommunikation verschlüsseln und entschlüsseln sie mit dieser Bitfolge, bis die gesamte Bitfolge konsumiert ist. Die Gefahr: Diese Bitfolge darf nicht in falsche Hände geraten. Sie muss sicher transportiert und aufbewahrt werden.)

 

2. Quanten-Kryptographie

 

Sie arbeitet mit verschränkten Quanten. Misst man den Zustand verschränkter Quanten an zwei Orten, so erhält man gleiche Ergebnisse. Man kann so eine zufällige Bitfolge vereinbaren. Da jede Messung den Zustand verändert, würde ein Mithören sofort bemerkt. Die Partner hätten dann nämlich keinen gemeinsamen Schlüssel mehr und könnten gar nicht kommunizieren. In der praktischen Implementierung gilt Quanten-Kryptgraphie als noch nicht sicher.

 

Fazit

 

Soweit die Inhalte des Vortrages von Herrn Rettinger, die ich hier aus dem Gedächtnis und auf Grundlage meiner Notizen wiedergegeben habe. Studierenden, die das Modul "IT-Sicherheit" schon hinter sich haben, dürften die meisten Inhalte bekannt gewesen sein. Sie sollten insbesondere auch deutlich mehr über die mathematischen Grundlagen und die Abläufe im Detail wissen. Allerdings erodieren solche Kenntnisse schnell, wenn sie nicht regelmäßig angewendet werden, wie ich beim Hören des Vortrages bemerkt habe. Insofern war der Besuch des Vortrages in jedem Fall lohnend. Für Studierende, die "IT-Sicherheit" noch vor sich haben, war es ein guter Einstieg ins Thema.

 

Zum Thema Quanten-Kryptographie sei noch auf diese aktuelle Meldung verwiesen:

Wissenschaftler kommunizieren quantenverschlüsselt

 

Möglicherweise rückt die praktische Anwendung also näher als man denkt.

 

Sehr empfehlenswert finde ich zu diesem Thema auch das Hörbuch "Spukhafte Fernwirkung" aus dem kleinen aber feinen Verlag supposé. Hier erzählt der Physiker Anton Zeilinger ca. 100 Minuten lang über Quantenphysik und spannt am Ende den Bogen zur praktischen Anwendung Quanten-Kryptographie. Das Hörbuch ist ein paar Jahre alt, aber für einen Einblick ins Thema noch immer hervorragend geeignet.

 

Mathe-Tutorium

 

Parallel zum Vortrag von Herrn Rettinger fanden die üblichen Mathe-Tutorien mit den Themen "Lineare Algebra" und "Analysis" statt. Die sind üblicherweise gut besucht, denn der Stoff des Moduls Mathe2 ist erfahrungsgemäß für viele Studierende herausfordernd, insbesondere für Studierende ohne Abitur, aber auch für diejenigen, deren Abitur länger zurück liegt. Da ich diesen Teil meines Studiums schon hinter mir habe, habe ich diesmal an den Tutorien nicht teilgenommen.

 

Zum neuen Studiengang "Elektrotechnik"

 

Mitarbeiter von Springer Campus standen für Fragen zu den Studiengängen Chemie, Biologie und Elektrotechnik bereit. Als Studierender im Studiengang Web- und Medieninformatik interessierte mich vor allem, ob denkbar sei, einzelne Module aus dem E-Technik-Studium als Ergänzungsmodule zum Informatikstudium zu belegen. Aus meiner Sicht könnten folgende Module aus dem Curriculum des Studiengangs Elektrotechnik auch für Informatiker interessant sein:

- Programmierung eingebetteter Systeme (hier käme es freilich darauf an, wie hardwarelastig das Modul konzipiert ist)

- Maschinelles Lernen (insbesondere weil im Curriculum der Informatik-Studiengänge bislang kein KI-Modul zur Verfügung steht)

- Bildverarbeitung

 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man über solche Möglichkeiten der Verknüpfung der Curricula noch nichts sagen. Der Studiengang Elektrotechnik ist im Aufbau. Bislang gibt es nur wenige Studierende und viele Module sind noch nicht fertig. Ähnlich wie in den Fernstudiengängen Biologie und Chemie richtet sich auch Elektrotechnik an Studierende mit einschlägiger Berufsausbildung, um die praktischen Teile eines E-Technik-Studiums abzudecken. Präsenzen spielen in diesem Studiengang natürlich eine Rolle. Vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt eine Möglichkeit, dass Informatik-Studenten von einzelnen Modulen aus dem E-Technik-Studium profitieren können.

 

Das "Drumherum" eines Präsenztages

 

Ein Präsenztag ist natürlich mehr als die Summe der gebotenen Veranstaltungen. Zunächst ist ein Präsenztag immer auch Prüfungstag. Viele Studierende bringen ihre Prüfungen schon am Anreisetag Freitag hinter sich und können den Samstag dann genießen. Aber manche müssen noch am Samstagmorgen in den Klausuren schwitzen. Ich hatte es zum Glück auch schon am Freitag hinter mich gebracht und konnte dann am Samstag gemütlich frühstücken. Interessant und nützlich ist natürlich auch immer der allgemeine Austausch mit anderen Studierenden: Über belegte Module, Prüfungen, Zeitplanung im Studium, sinnvolle Modulkombinationen und andere Themen, die im Leben eines Fernstudenten eine Rolle spielen. Das allgemeine "Hallo" macht natürlich abgesehen vom Nutzen auch Spaß, denn meistens kämpfen wir ja alleine. Schön ist auch, dass die Mitarbeiter von Springer Campus immer wieder den Kontakt zu den Studierenden suchen und an Rückmeldungen sichtlich interessiert sind. Der nächste Präsenztag ist am 10.03.2018. Ich komme gerne wieder.

kurtchen

10:45 Uhr - Aktuelles für Studierende

 

Frau Kreissig von Springer Campus informierte über Neues rund um unseren Studiengang. Zum Nutzen der neuen Studierenden gab es ein kurzes Who-is-who der Mitarbeiter des Fernstudienteams. Die Übernahme der W3L durch Springer Campus lag am Präsenztag ziemlich genau ein Jahr zurück. Frau Kreissig dankte den Studierenden für ihre Geduld und Kompromissbereitschaft in der Übergangsphase.

 

Parallel zu dieser Veranstaltung fand auch eine Infoveranstaltung für Studieninteressierte statt, über die ich leider nichts näheres berichten kann. Zu bemerken ist, dass dort nicht nur über die Studiengänge Web- und Medieninformatik (WMI) und Wirtschaftsinformatik (WI) informiert wurde. Auch über das Fernstudium Biologie und Chemie konnte man sich informieren. (Für diejenigen, die sich hier wundern, dass man Biologie und Chemie überhaupt "aus der Ferne" studieren kann: Diese Studiengänge richten sich ausschließlich an Berufstätige, die eine einschlägige Ausbildung als TA abgeschlossen haben und insofern umfangreiche Praxiserfahrung mit Laborarbeit haben.)

Die Cover der Lehrbücher zu den einzelnen Modulen unserer Studiengänge WMI und WI werden nach und nach überarbeitet. Sie erscheinen nun im "Springer Look". Natürlich sollen die Bücher auch fortlaufend inhaltlich aktualisiert werden. Das dauert naturgemäß etwas länger. So gibt es z.B. aktualisierte Lehrbücher für SQL oder bald auch für die Einführung in die Wirtschaftsinformatik.

 

Das Modul "Strategisches Management und Controlling" ist aus aktuellem Anlass kurzfristig nicht verfügbar. Springer Campus sucht nach einer Vertretung, die die Betreuung dieses Moduls übernehmen kann. Man möchte diesem Umstand offen kommunizieren, damit die Studierenden dies in ihrer Studienplanung berücksichtigen können, z.B. indem sie andere Module zeitlich vorziehen. Strategisches Management und Controlling ist ein Pflichtmodul für Studierende des Studiengangs Wirtschaftsinformatik und wird dort dem Studienbereich BWL zugerechnet. Die Belegung wird für das 4. Semester empfohlen.

 

Frau Kreissig informierte auch über Änderungen bei Dozenten und Tutoren.

 

Viele (meist private) Fern-Hochschulen bieten Prämien für geworbene Studierende und das Studienbüro wird gelegentlich danach gefragt, ob es das auch bei Springer Campus gibt. Tatsächlich gibt es schon seit einer Weile eine Prämie von 250 Euro oder wahlweise einen Buchgutschein pro geworbenem Studierenden. Dies gilt aber nur für Bachelor-Studiengänge und nicht für die Belegung von Zertifikatskursen. (Ich mag solche Prämienprogramme nicht besonders, weil mir das doch ein bisschen "marktwirtschaftlich" daherkommt, aber da sich Studierende nach so etwas erkundigt haben, nehme ich an, dass es Leute gibt, die das interessieren könnte.)

 

Das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" ist seit März 2017 Pflicht für Studierende im Studiengang WMI und WI. Für Studierende, die noch nach der alten Studienordnung studieren, ist es nicht verpflichtend, die Belegung wird aber dringend empfohlen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dieses Modul insbesondere für das Schreiben der Bachelorarbeit sehr nützlich ist.

 

Top-FAQs aus dem Studienbüro:
- Das Studienbüro unterstützt bei der Suche nach Betreuern für Projekt- und Bachelorarbeiten. Wenn man seine Projektarbeit im eigenen beruflichen Umfeld schreiben kann, wäre ein weiterer Betreuer dort ideal. Solche Rahmenbedingungen hat aber nicht jeder Studierende.
- Notenspiegel und Leistungsübersichten kann man über das Studienbüro anfordern. (Manche Studierende, die von ihrem Arbeitgeber finanziell unterstützt werden, müssen so etwas vorlegen.) Die Ausstellung geht normalerweise sehr schnell. Unmittelbar vor Präsenztagen soll man aber etwa eine Woche Vorlauf einplanen, denn zu diesen Zeiten ist das Team des Studienbüros sehr beschäftigt.
- Ein Klassiker: Änderungen der Adresse, der Telefonnummer und der Kontonummer sollen dem Studienbüro bitte möglichst bald mitgeteilt werden. Eigentlich sollte das offensichtlich sein. Es wird aber de facto immer wieder vergessen und führt dann zu Problemen.
- Anmeldefristen für Prüfungen sind VERBINDLICH und somit für alle Studierende gleich. Offensichtlich gibt es immer wieder den Wunsch, so etwas Einzelfallbezogen anders zu handhaben. Das ist aber nicht möglich.
- Klausuren sollen innerhalb von 6 Wochen korrigiert werden. Eine deutlich kürzere Zeitspanne ist natürlich sehr wünschenswert. (Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass 3-4 Wochen üblich sind.) Im letzten Jahr kam es bei bestimmten Modulen gelegentlich vor, dass die 6-Wochen-Frist überschritten wurde. Das hat z.B. mit besonderen Lebenslagen der Korrektoren zu tun. Das Studienbüro arbeitet daran, dass Fristüberschreitungen die Ausnahme bleiben.

 

Frau Kreissig weist auf die Online-Dienste für Studierende (ODS) der FH Dortmund hin, die Studierenden von Springer Campus zur Verfügung stehen. Dazu ist die FH-Kennung nötig, die man zu Beginn des Studiums erhält. Unter anderem kann man sich über ODS Software von Microsoft herunterladen. Eine Verlängerung der FH-Card antragt man direkt per Mail an der FH Dortmund.

 

Verleihung der Hochschulzertifikate

 

Statt sich für einen kompletten Bachelorstudiengang einzuschreiben, kann man bei Springer Campus auch für Hochschulzertifikate studieren. Dazu belegt man bestimmte Modulkombinationen. Angebotene Zertifikate sind z.B. Anwendungs-Programmierer, Web-Entwickler oder Software-Architekt. Auch Studierende im Bachelorstudiengang erhalten diese Zertifkate, wenn sie die entsprechenden Modulkombinationen abgeschlossen haben. Die Zertifikate können als Meilensteine im Studium motivierend wirken. Manche Studierende legen sie auch Arbeitgebern vor und können so evtl. schon während ihres Studiums neue Aufgabenbereiche übernehmen. Die Zertifikate werden normalerweise automatisch per Post zugesendet. Die Zertifikate mit den besten Noten werden am Präsenztag persönlich übergeben. (Sofern die Studierenden anwesend sind.)

 

Ein Absolvent stellt seine Bachelor-Arbeit vor

 

Herr D. stellte auf dem Präsenztag seine Bachelor-Arbeit vor. Er hat eine Android-App zur Aquariendosierung entwickelt. Das Thema ergab sich bei ihm nicht im beruflichen Umfeld sondern im Privatleben. Er hatte damals mehrere Aquarien. In Aquarien muss man fortlaufend verschiedene Düngemittel zusetzen, damit z.B. Pflanzen gut wachsen: Natrium, Eisen, Nitrat und Kalium. Dazu müssen regelmäßig Messwerte ermittelt werden und dann entsprechende Dosierungen berechnet werden. Herr D. hatte das bislang mit Excel-Tabellen gemacht. Seine Idee war, eine Android-Software zu entwickeln, die auf dem Handy die Messwerthistorie erfasst, die aktuelle Situation bewertet und eine Handlungsempfehlung in natürlicher Sprache gibt. Das Empfehlungssystem ist das pfiffige an der App. Ein wesentlicher Teil seiner Bachelorarbeit drehte sich um Möglichkeiten, ein solches Empfehlungssystem zu implementieren. Herr D. nannte hier:
- regelbasierte Filter
- inhaltsbasierte Filter
- wissensbasierte Filter
- demographische Filter
- kollaborative Filter
- hybride Filter

 

Herr D. hatte sich für Expertensystem entschieden, also für einen wissensbasierten Filter.

 

Die Umsetzung ging durch die klassischen drei Schritte:
- objektorientierte Analyse (OOA)
- objektorientiertes Design (OOD)
- objektorientierte Programmierung (OOP)

 

Zu seiner Bachelorarbeit gehörte natürlich auch, die Spezifizierung von funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen und dynamische Modellierung, z.B. durch Ablaufdiagramme. Herr D. verwendete (android-üblich) das MVP-Muster. Er zeigte Mock-ups der Oberfläche, die Paketstruktur und ging kurz auf das Datenbankmodell ein. Wichtig im Rahmen seiner Bachelorarbeit war auch eine Testphase und eine Bewertung, wie die zu Beginn spezifizierten Anforderungen umgesetzt wurden. Interessant war am Ende auch eine Gegenüberstellung von UI Mock-ups und dem Aussehen der tatsächlichen App.

 

Die App heißt AquaCalc, ist aber leider bei GooglePlay noch nicht verfügbar. Sie ist fertig, hat aber noch Bugs, die ausbessert werden müssten. Außerdem müsste das UI noch ein bisschen "aufpoliert" werden. Herr D. konnte sich durch sein Studium beruflich verändern und findet aktuell leider nicht die Zeit, die App fertig zu machen. Für Herrn D. war es seine erste Android-App überhaupt.

 

Dieser Vortrag war für mich aus mehreren Gründen interessant:
- Die Themen Projektarbeit und Bachelorarbeit rücken auch für mich langsam näher.
- Ich hatte bisher angenommen, eine Projektarbeit in einem betrieblichen Umfeld anfertigen zu müssen. Da ich keine einschlägige Beschäftigung habe, war es eine der noch offenen Fragen in meiner Studienplanung, wie und wo ich eine Projektarbeit anfertigen könnte. Herr D. realisierte seine Projektarbeit und die darauf aufbauende Bachelorarbeit aus einem privaten Interesse heraus. Er berichtete uns, dies sei valide. Das Studienbüro hatte ihm einen Betreuer vermittelt, der sein Thema interessant fand und begleiten wollte. Für mich ist das deswegen sehr interessant, weil ich so die Möglichkeit habe, eine Projektidee nicht allein im beruflichen Umfeld zu suchen.
- Das von ihm gewählte Thema ist kein reines IT-Thema. Für die Aquariendosierung muss man etwas über Chemie und Physiologie wissen. In der Bachelorarbeit musste dieser Teil aber möglichst knapp behandelt werden, weil die Informatik im Vordergrund stehen musste. Dies gelang ihm z.B. durch die Diskussion der verschiedenen Bewertungssysteme und eine begründete Entscheidung für einen bestimmten Ansatz. Auch das ist für mich relevant. Ich könnte im Prinzip in einem beliebigen Problembereich arbeiten, solange ich das aus einer Softwareperspektive tue.
- Der Studiengang heißt Web- und Medieninformatik und die Programmierung von Web-Anwendungen ist ein inhaltlicher Schwerpunkt. Man ist aber für die Projekt- und auch für die Bachelorarbeit nicht darauf festgelegt. Offensichtlich war im Fall von Herrn D. eine Android-App ein valides Projekt. Auch eine Desktop-Anwendung wäre denkbar. Vermutlich wäre Software-Entwicklung für ein eingebettetes System mit einer maschinennahen Sprache ein wenig zu weit weg von den Schwerpunkten dieses Studienganges, aber insgesamt scheint es eine große Bandbreite an Möglichkeiten zu geben, die Studienanforderungen Projekt- und Bachelorarbeit zu erfüllen.
- Die App von Herrn D. hatte am Ende noch Bugs. Es war nicht der Anspruch, dass am Ende ein fehlerfreies Produkt steht. Wichtig war, dass es prinzipiell funktionierte und dass eine professionelle Vorgehensweise erkennbar war. Eine perfekt ausgearbeitete App wäre nach Einschätzung von Herrn D. im vorgegebenen Zeitrahmen nicht machbar gewesen. In Anbetracht der vielen Artefakte, die in der Präsentation von Herrn D. gezeigt wurden, ist mir noch einmal klar geworden, dass die Anfertigung der Bachelor-Arbeit innerhalb der Frist ein sehr gutes Zeitmanagement erfordern wird. Dafür werde ich mir rechtzeitig eine gute Strategie zurechtlegen müssen.
- Herr D. konnte Vorerfahrungen nutzen. Es war zwar seine erste Android-App aber er entwickelt beruflich mit Java und IntelliJ. Die Hürde zu Android und AndroidStudio war aus seiner Sicht vergleichsweise gering. Vermutlich ist es auch für mich sinnvoll, mir ein Projekt zu überlegen, bei dem ich an vorhandenem Wissen anknüpfen kann.

 

Am Ende seines Vortrages bekam Herr D. nicht nur seine Bachelorurkunde sondern auch die Absolv-Ente verliehen, eine Ente mit Doktorhut, die bei unseren Studierenden sehr beliebt ist. Frau Kreissig wies darauf hin, dass die Absolv-Ente nur bekommt, weil seine Bachelorurkunde persönlich abholt und den Studierenden seine Bachelorarbeit vorstellt.

 

Herr D. hat übrigens einen ausführlichen Blog über den Verlauf seines Studiums geschrieben, im dem ich schon häufiger mit Gewinn gelesen habe. Da er über seine Erfahrungen mit den einzelnen Modulen recht ausführlich berichtet hat, konnte ich oft sinnvolle Modulkombinationen besser auswählen und planen. Wer eimal reinschauen möchte, hier ist der Link:
https://wmifernstudium.wordpress.com/

 

Fragerunde und Feedback

 

- Einzelne Studierende klagen, dass die Korrekturzeiten in bestimmten Modulen ungewohnt lang ausfallen können, so dass es schwierig wird, rechtzeitig zu einem anvisierten Prüfungstermin fertig zu werden. Frau Kreissig rät, sich in solchen Fällen ans Studienbüro zu wenden. Die Mitarbeiter dort gehen solchen Hinweisen nach. (Ich möchte hier ergänzen, dass Tutoren auf der Online-Plattform Abwesenheiten üblicherweise ankündigen und auch entsprechende E-Mail-Benachrichtigungen einrichten. Nach meiner Erfahrung ist es nützlich, seinen Tutor über die eigene Zeitplanung zu informieren.)
- Studierende anderer Fernhochschulen können EBooks des Springer Verlags über ihre jeweiligen Lernplattformen nutzen. Warum geht das (ausgerechnet) bei Springer Campus nicht? Tatsächlich geht es! Aber nicht über die Lernplattform sondern über die Uni-Bibliothek der FH Dortmund.
- Manche Studierende möchten gerne im Vorfeld informiert werden, welche Module bald in neuer Auflage erscheinen werden, um sie gegebenenfalls später zu belegen. Fr. Kreissig berichtete, dass Autoren oft zu optimistisch einschätzen, wie schnell sie ein Lehrbuch überarbeiten können. Geplante Termine können oft nicht eingehalten werden. Aus diesem Grund ist die Kommunikation mit Studierenden in diesem Punkt bislang zurückhaltend.
- Manche Studierende erkundigten sich nach der neuen Plattform. Bei der Einführung gab es ja Schwierigkeiten, so dass viele Studierende lieber wieder zur alten Plattform wechselten. Fr. Kreissig berichtete, dass es inzwischen Wochen ohne Tickets gibt. Die neue Plattform funktioniere nun recht gut. Die Suchfunktion wolle man noch verbessern. Die Studierenden äußerten Verbesserungsvorschläge, z.B. zur Verlinkung zwischen Tests und den Wissensbausteinen, auf die sich die Aufgaben beziehen, um z.B. bei falschen Lösungen schneller zu den relevanten Kapiteln navigieren zu können.

 

Eine persönlicheEmpfehlung zum Schluss

 

Die Präsenztage in Dortmund sind überlicherweise zugleich auch Informationstage für Studieninteressierte. Auf Anfrage teilte mir das Studienbüro mit, dass es bei Voranmeldung durchaus möglich sei, an den angebotenen Fach-Vorträgen und Mathe-Tutorien teilzunehmen. Insbesondere den letzten Punkt halte ich für sehr interessant. Vor Aufnahme meines Studiums habe ich mir nämlich große Sorgen gemacht, ob ich die Anforderungen in Mathematik würde bewältigen können. Zwar hatte ich im Abitur einen Mathe-LK und war damit auch gut zurecht gekommen, aber der Schulstoff lag eben viele Jahre zurück. Ich war mir keinesfalls sicher, ob mir der Wiedereinstieg ins Thema gelingen würde. Ich glaube, wer einmal in so ein Mathe-Tutorium reinschnuppert, gewinnt einen guten Eindruck, worum es im Modul Mathe2 geht, dass von vielen Studierenden als der "Knackpunkt" des Studium empfunden wird. Wer das bewältigt, sollte am Rest nicht scheitern. Insofern möchte ich dazu ermuntern, bei Studieninteresse Kontakt mit dem Studienbüro aufzunehmen und die Möglichkeit zu nutzen, sich am Präsenztag selbst ein Bild zu machen. Gerade der informelle Austausch mit anderen Studierenden kann für eine fundierte Studienentscheidung sehr wichtig sein.

 

Weitere Infos zum Verlauf des Präsenztages folgen.

kurtchen

Hochschulzertifikate bei Springer Campus

Springer Campus bietet neben den Bachelor-Studiengängen "Web- und Medieninformatik" und "Wirtschaftsinformatik" auch die Möglichkeit, durch Belegung bestimmter Modul-Kombinationen Hochschulzertifikate zu erwerben. Diese kann man als eigenständige Weiterbildung auf FH-Niveau nutzen. Studierende in den Bachelorstudiengängen erhalten die Zertifikate automatisch, sobald die entsprechenden Modul-Kombinationen belegt und bestanden wurden. Die Zertifikate können so als Meilensteine auf dem langen Weg zum Bachelor dienen.

 

Für mich persönlich waren diese Zertifikate auch ein Grund, mich für Springer Campus bzw. die FH Dortmund als Studienanbieter zu entscheiden. Vor Aufnahme meines Studiums war ich mir nämlich gar nicht sicher, ob meine Ausdauer für einen kompletten Bachelor reichen würde. Und natürlich könnten auch unerwartete familiäre oder berufliche Ereignisse ein so langfristiges Projekt wie ein berufsbegleitendes Studium zum Scheitern bringen. Insofern habe ich die Zertifikate auch als eine Art Fallschirm betrachten. Falls ich unterwegs abspringen muss, war nicht alles vergebens. Es gibt Etappenziele und auch ein nicht komplett abgeschlossenes Studium kann ein (vorzeigbares) Ergebnis haben.

 

Und so sieht so ein Hochschulzertifikat aus. (Persönliche Informationen habe ich entfernt).

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Im Bereich Informatik werden zur Zeit folgende Zertifikate angeboten:

- Junior-Programmierer

- Junior Data-Analyst

- Anwendungsprogrammierer

- Web-Entwickler

- Web-Frontend-Programmierer

- Software-Architekt

- Software-Manager

- Requirements Engineer

 

Zum Teil überschneiden sich die Inhalte der Zertifikate. Ich werde voraussichtlich außer dem Zertifikat "Software-Architekt" keine weiteren Zertifikate im Bereich Software-Technik erwerben. Zwar habe ich auch einige Module aus dem Zertifikat "Requirements-Engineer" schon abgeschlossen, aber dazu gehören auch noch Module, die ich im Wahlpflichtbereich belegen könnte aber - wegen stärkerem Interesse an anderen Themen - nicht belegen möchte.

kurtchen

Stand des Studiums

5. Semester - Wintersemester 2018

- Geschäftsprozessmanagement

- BWL2

 

4. Semester - Sommersemester 2017

- Web-Anwendungen 2

- Web-Engineering

- Softwaretechnik 2

- Softwaretechnik 3

- Content Management Systeme (CMS)

- Data-Mining

- XML

- BWL1

 

3. Semester - Wintersemester 2016/2017

- Mathematik 3

- Softwaretechnik 1

- Nicht-sequentielle Programmierung

- Statistik

- IT-Sicherheit

- Mobile Computing

 

2. Semester - Sommersemester 2016

- Grundlagen der Informatik 3

- Grundlagen der Informatik 4

- Web-Anwendungen 1

- Web-Ergonomie und Web-Design

- Computernetze

- Mathematik 2

 

1. Semester - Wintersemester 2015/2016

- Grundlagen der Informatik 1

- Grundlagen der Informatik 2

- Rechnerstrukturen und Betriebssysteme

- Datenbanken und SQL

- Mathematik 1

- Web-Programmierung

 

Zusätzlich belegte Module an anderen FHs

- theoretische Informatik (WINGS Wismar)

- Programmieren in C++ (Virtuelle Hochschule Bayern)

 

Aktuell in Bearbeitung bei Springer Campus

- Text-Mining

- Präsentieren

- Aktuelle Webtechniken

 

Danach noch fehlende Pflichtmodule:

- Software-Management

- Software-Testen

- Multimedia

- IT-Recht

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kurtchen

Modul: Geschäftsprozessmanagement

Das Modul Geschäftsprozessmanagement (GPM) ist ein Pflichtmodul in den Studiengängen Web- und Medieninformatik (WMI) und Wirtschaftsinformatik (WI). Im Studiengang WMI ist es - zu meiner anfänglichen Überraschung - dem Studienbereich IT-Systeme zugeordnet. In beiden Studiengängen wird die Belegung im 3. Fachsemester empfohlen. Formal gibt es keine inhaltlichen Voraussetzungen. Empfohlen werden als fachliche Grundlage aber BWL2 und Grundlagen der Informatik 1 (GdI1). Beide Empfehlungen sind für mich nicht nachvollziehbar. Im Falle von BWL2 liegt das daran, dass ich GPM entgegen der Empfehlung vor BWL2 belegt habe. Möglicherweise wäre mir das Modul also leichter gefallen, wäre ich dem empfohlenen Studienplan gefolgt. Warum ich GdI1 belegt haben sollte, erschließt sich mir nicht.

 

Die Zuordnung zum Studienbereich IT-Systeme wurde mir im Verlauf des Moduls klarer. Geschäftsprozesse werden in Unternehmen durch IT-Systeme unterstützt. Nun wurden Geschäftsprozesse in vielen Unternehmen klassischerweise funktionsorientiert organisiert. Ähnliche Tätigkeiten wurden in Abteilungen zusammengefasst, in denen Mitarbeiter arbeiteten, die genau für diese Tätigkeiten besonders qualifiziert waren. So hatte ein Unternehmen z.B. eine Auftragssannahme, ein Lager, einen Einkauf, eine Montage und so weiter. Diese Gliederung hatte auch oft damit zu tun, dass bestimmte Produktionsmittel, wie z.B. teuere Maschinen, effizienter genutzt werden konnten und nur ein Mal angeschafft werden mussten.

 

Die funktionsorientierte Gliederung hat aber auch Nachteile. Ein kompletter Geschäftsprozess, z.B. ein Auftrag für ein Produkt, das mit Teilen aus dem Lager gefertigt werden muss, läuft quer durch die Abteilungen. Beim Übergang von Abteilung zu Abteilung wird der Vorgang in Warteschlangen eingereiht. Die Durchlaufzeit von Prozessen verlängert sich dadurch erheblich. Außerdem hat kein Mitarbeiter einen Gesamtüberblick über den einzelnen Prozess. Beim Übergang von Abteilung zu Abteilung müssen Informationen weitergegeben werden. Dabei kommt es zu Missverständnissen und Fehlern. Haben Kunden im laufenden Prozess Rückfragen oder Änderungswünsche, ist es dadurch oft schwierig, einen klaren Ansprechpartner ausfindig zu machen, weil jeder nur seinen Teilschritt betrachtet und kennt. Werden Teilprozesse parallel in unterschiedlichen Unternehmensteilen bearbeitet, ist es schwierig, bei Änderungen des Auftrags alle Daten konsistent zu halten und alle Beteiligten auf den aktuellen Stand zu bringen. Außerdem spielt ein klassischer Vorteil der funktionsorientierten Gliederung, teure Produktionsmittel müssen nur ein Mal angeschafft werden, in modernen Unternehmen eine geringere Rolle. Viele Geschäftsprozessen transformieren heute Wissen und nicht Material. Die dazu benötigten Produktionsmittel - z.B. PCs - kosten nicht viel.

 

Transparenz, Schnelligkeit, die Möglichkeit zu Änderungen im laufenden Prozess, spielen dagegen für immer mehr Kunden eine große Rolle. Darum strebt man heute eine prozessorientierte Organisation an. Geschäftsprozesse sollen nicht quer durch die Abteilungen laufen, Mitarbeiter sollen einen Gesamtüberblick über einzelne Prozesse haben, es soll klare Ansprechpartner für Prozesse geben.

 

Im Hinblick auf IT-Systeme ist die Unterscheidung zwischen funktionsorientierter und prozessorientierter Organisation der Geschäftsprozesse bedeutsam. Ein naiver Ansatz wäre, einfach die bestehenden Geschäftsprozesse in Software abzubilden. Im Falle einer funktionsorientierten Organisation landet man so bei Insellösungen. Der Lagerist bekommt eine Lagerverwaltungssoftware, die Auftragsannahme bekommt ein System zur Erfassung von Aufträgen, die Rechnungsabteilung hat eine Software zur Rechnungsstellung und so weiter. Jede Abteilung fühlt sich durch ihre Software in ihrer Tätigkeit unterstützt. Beim Übergang von Abteilung zu Abteilung müssen Daten von einer Software in die andere übertragen werden. Das macht unnötig Arbeit und führt oft zu Fehlern. Die Daten werden leicht inkonsistent, insbesondere im Fall von nötigen Änderungen. Die Vorteile der Softwareunterstützung können so nicht im vollen Umfang realisiert werden.

 

Es gibt aber noch einen viel gravierenderen Nachteil. Sollte sich das Unternehmen entscheiden, die bisherigen Geschäftsprozesse zu ändern, z.B. um eine eher prozessorientierte Organisation zu erreichen, müsste die bisherige Software geändert werden. Das können Unternehmen oft nicht selbst. Sie sind auf die Hilfe von externen Spezialisten angewiesen. Software hat also eine Tendenz, bestehende Geschäftsprozesse zu zementieren. Man kann die Organisation nicht mehr einfach ändern, weil man dazu die IT-Systeme ändern müsste.

 

Aus diesem Grund lohnt es sich, vor Einführung einer IT-Lösung die Geschäftsprozesse genau zu betrachten. Oft lässt sich mit Software-Unterstützung ein effizienterer Ablauf erreichen, z.B. indem man Daten nur ein Mal erfasst und zentral speichert, die Abteilungen vernetzt. Manchmal ist es auch möglich, IT-Systeme von kooperierenden Unternehmen zu vernetzen, sogar über mehrere Unternehmen hinweg. So ist es z.B. möglich, dass Lager automatisch bei Lieferanten Teile nachbestellen, sobald ein größerer Auftrag eingegangen ist.

 

Soll eine Softwarelösung für ein Unternehmen erstellt werden, reicht es also nicht die Frage zu beantworten: Was machen die? Wie machen die es? Man muss sich auch damit beschäftigen: Könnte man es mit Softwareunterstützung besser und effizienter machen? Welche Änderungen im Ablauf könnten sich ergeben?  Inwiefern ist unsere Software an Änderungen anpassbar? Eben weil IT-Systeme in Unternehmen sehr eng mit den Geschäftsprozessen verknüpft sind, lohnt sich eine Beschäftigung mit Geschäftsprozessen.

 

Das Lehrbuch

 

Das Lehrbuch "Geschäftsprozessmanagement" von Thomas Allweyer hat ca. 400 Seiten. Das ist für Module bei Springer Campus ein üblicher Umfang. Die Gliederung des Buches folgt dem Geschäftsprozessmanagement-Kreislauf:
- Strategisches Prozessmanagement
- Prozessentwurf
- Prozessimplementierung
- Prozesscontrolling

 

Für jemanden wie mich, der keinen leichten Zugang zu BWL-Themen hat, ist es sehr verständlich geschrieben. Konzepte und Begriffe werden anhand von Szenarien in Unternehmen veranschaulicht, so dass man sich stets gut vorstellen kann, was damit gemeint ist. Das Buch enthält viele Diagramme und Abbildungen. Das ist wichtig, weil bei den Einsendeaufgaben und in der Klausur das Zeichnen von ereignisgesteuerten Prozessketten und anderen Diagrammen eine Rolle spielt. Auch viele andere Diagrammtypen spielen im Kurs eine Rolle, z.B. Funktionsbäume, Organigramme aber auch UML-Klassendiagramme, mit denen die Datenobjekte in den IT-Systemen modelliert werden können.

Gut gefallen hat mir am Lehrbuch vor allem, dass das Glossar hier einmal nicht am Ende des Buches war. Stattdessen wurden am Ende jedes Kapitels die zentralen Fachbegriffe noch einmal definiert, was ich als gute Wiederholung des Stoffes empfand.

 

Didaktisch finde ich das Buch hervorragend aufgebaut. Das war in diesem Fall auch wichtig für mich, denn der Stoff war mir völlig neu. Da ich selbst keinen entsprechenden beruflichen Hintergrund habe, war mir die betriebswirtschaftliche Perspektive des Moduls nicht sehr vertraut und ich habe für dieses Modul wesentlich länger gebraucht als gehofft.

 

Die Tests

 

Die Tests sind sehr gut auf den Stoff des Lehrbuches abgestimmt. Im Gegensatz zu manchen anderen Modulen, ist hier jede einzelne Lösung ausführlich kommentiert. Wenn man etwas falsch macht, kann man diese Erläuterung lesen und begreift so in der Regel gut, was das Problem war und wo man noch einmal nachlesen müsste. In manchen Modulen sind die Autoren an dieser Stelle sehr zurückhaltend. Das wird damit begründet, die Studierenden zum eigenen Nachdenken anregen zu wollen. Ich habe die Erläuterungen hier mit großem Gewinn gelesen und konnte durch eigene Fehler in Verbindung mit dieser Hilfestellung oft Erkenntnissprünge machen, die sich allein durch die Lektüre des Kurstextes noch nicht eingestellt hatten.

 

Die Aufgaben

 

Die Aufgaben waren zahlreich und ebenfalls gut auf den Kurstext abgestimmt. Im Vergleich zu anderen Modulen sind die Aufgaben vor allem im ersten Drittel des Kurses sehr textlastig. Die angegebene Bearbeitungszeit habe ich nie einhalten können. Trotzdem hätten meine Lösungen in vielen Fällen noch ein wenig umfangreicher ausfallen können und sollen. Wer nicht schon "im Thema" ist, sollte für dieses Modul also mehr Zeit einplanen.

 

Zu den Aufgaben gibt es Lösungshinweise. Diese kommen in Form von Fragen zum Stoff, die der Studierende noch einmal für sich klären soll. Er baut so stufenweise das nötige Hintergrundwissen auf, um die Aufgabe lösen zu können. Dabei müsste er noch einmal wesentlich mehr Text produzieren, um sich so in einer iterativen Vorgehensweise einer guten Gliederung und einer Lösung der Aufgabe zu nähern. Diese Hinweise fand ich sogar etwas zu üppig. Nicht etwa, weil sie die eigene Lösung der Aufgabe vorweg nahmen. Das taten sie ganz und gar nicht. Sie erhöhten den Arbeitsaufwand noch einmal erheblich, weil sie oft auf gründliche Wiederholung des Stoffes und der nötigen Grundlagen setzten. Didaktisch war das zwar ebenfalls hervorragend gemacht, aber irgendwann wollte ich das Modul auch einmal abschließen. Hier fehlte es mir letztlich an Geduld und Fleiß.

 

Online-Test

 

Der Online-Test deckte den Stoff des Moduls gut ab. Die Fragen waren neu, so dass man hier eine gewisse Transferleistung erbringen musste. Mein Eindruck ist, dass das Verständnis der vermittelten Konzepte auf diese Weise gut abgeprüft werden kann, was im Hinblick auf die Klausuranmeldung ja auch Sinn der Sache ist. Der Online-Test ist eine gute Möglichkeit, sich ein paar Bonuspunkte zu sichern, wenn man das Lehrbuch gründlich durchgearbeitet hat.

 

Zur Online-Klausur kann ich diesmal nichts sagen. Aus familiären Gründen habe ich es (erstmals) nicht geschafft, die Online-Klausur noch rechtzeitig zu schreiben. Darum weiß ich bei diesem Modul nicht, ob die Online-Klausur einen realistischen Eindruck von den Aufgaben der Präsenzklausur gibt.

 

Inhalte

 

Im Kursteil "Strategisches Management" geht es um folgende Inhalte:
- Zielsystem des Unternehmens
- Balanced Scorecard
- Outsourcing

 

Interessant für mich war, dass gerade Prozesse, die man outsourcen möchte, genau untersucht werden sollten. Um festzustellen, ob Outsourcing günstiger ist, muss man nämlich zunächst einmal wissen, was die bestehenden Prozesse IM EIGENEN UNTERNEHMEN eigentlich kosten. Dazu muss man auch genau verstehen, welche Leistungen künftig ausgelagert werden und was im eigenen Unternehmen weiterhin zu tun ist. Insbesondere muss man die zu erbringenden Leistungen sehr genau definieren, um sinnvolle Verträge schließen zu können. Und schließlich muss man die Einhaltung der vereinbarten Leistungen überprüfen. Und man muss sinnvolle Schnittstellen zwischen den ausgelagerten Prozessen und den daran anschließenden Prozessen im eigenen Unternehmen definieren. Aus all diesen Gründen, müssen gerade solche Prozesse, die ausgelagert werden sollen, sehr genau untersucht werden.

 

Im Kursteil "Prozessentwurf" geht es um:
- Nutzen und Inhalt von Prozessmodellen
- Sichten auf Prozesse
- ARIS als Rahmenkonzept
- Leistungen, Funktionen, Daten, Information, Wissen
- Aufbauorganisation
- die Modellierung von Kontrollflüssen mit ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK)
- Geschäftsregeln
- Prozessmodelle und Objektorientierung
- Die Auswahl von Prozessmodellen und Notationen
- Prozessanalyse (um Schwachstellen aufzudecken)
- Prozesskostenrechnung
- Simulation
- Qualitäts-Management-Systeme
- integrierte Management-Systeme

 

Insbesondere das Zeichnen von EPKs spielt bei den Aufgaben immer wieder eine Rolle. Obwohl im Kurs auf verschiedene Softwarewerkzeuge hingewiesen wurde, habe ich das von Hand gemacht, weil ich ja wusste, dass ich in der Klausur auch keine Software zur Verfügung haben würde. Hier hat es sich mal wieder als große Hürde erwiesen, sich beim Arbeiten mit Stift und Papier den Platz gut einzuteilen, um sich nicht "in eine Sackgasse zu zeichnen". Das ist tatsächlich etwas, das mit Übung besser wird. Anfangs lag bei mir viel geknülltes Papier auf dem Boden.

 

Die EPKs sind oft Grundlage der Prozessanalyse. Sie enthalten im Kern Information zum Workflow. Diese kann aber ergänzt werden mit Informationen zu den Abteilungen, in denen Leistungen erbracht werden, zu Artefakten und Datenobjekten, die erzeugt und konsumiert werden, zu einzelnen Akteuren oder auch verwendeten Produktionsmitteln. Je mehr Informationen man integriert, umso schwieriger wird es, die EPK übersichtlich aufzubauen. Am gefundenen Prozessmodell kann man dann Schwachstellen der bestehenden Prozesse erkennen, z.B. Mehrfachspeicherung von Daten, Organisationsbrüche, unnötige Schleifen und Verzögerungen und vieles mehr. Dies ist dann Grundlage für den Entwurf von verbesserten Abläufen. Im Hinblick auf die Klausur würde ich empfehlen gerade den Stoff dieses Kursteiles sehr aufmerksam zu lernen.

 

Im Kursteil "Prozessimplementierung" geht es um:
- Change Management
- Betriebswirtschaftliche Standardsoftware
- Workflow-Management-Systeme
- Business-Process-Management-Systeme
- Prozessorientierte Software-Entwicklung

 

Interessant war für mich vor allem der Abschnitt über Change-Management. Mitarbeiter fühlen sich durch die Umgestaltung von Prozessen oft bedroht. Nicht selten sind optimierte Prozesse Grund für Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. Und das ist ja auch nicht immer unbegründet. Es kommt häufig vor, dass Mitarbeiter vordergründig an Prozessänderungen mitarbeiten, aber im Hintergrund versuchen, eben diese Veränderungen auszubremsen. Change-Management beschäftigt sich damit, wie man die Mitarbeiter in Veränderungsprozesse einbezieht, so dass die Implementierung geänderter Prozesse gelingen kann. In vielen Fällen wird das auch dazu führen, dass Änderungen kleiner ausfallen, als man zunächst geplant hatte. Eine kleinere Änderung, die von den Mitarbeitern akzeptiert und umgesetzt wird, wird oft mehr bewirken als ein komplett neu gestalteter und in der Theorie optimaler Prozess, an dem die Mitarbeiter nur widerwillig mitwirken. Ein iteratives Vorgehen ist hier oft sinnvoll. Manchmal ist es gut, größere Änderungen durch erfolgreiche durchgeführte kleinere Änderungen einzuleiten. Mitarbeiter müssen oft an kleineren Beispielen erleben, dass sich wirklich Vorteile ergeben, damit sie zu größeren Schritten bereit sind. Dieses für mich recht spannende Thema wird im Modul leider nur angerissen.

 

Bei den meisten Themen dieses Abschnittes ist ein klarer Bezug zu IT-Sytemen offensichtlich. Rückblickend würde ich sagen, dass hier ein roter Faden erkennbar ist. Anfangs wurde Software für einzelne Unternehmen erstellt. Aus Kostengründen wurde dann mehr und mehr Standardsoftware benutzt, die für das eigene Unternehmen konfigurierbar sein sollte. Da Software die Tendenz hat, bestehende Prozesse "zu zementieren" ist es wünschenswert, dass Software so gestaltet wird, dass Workflows sich auch von Mitarbeitern anpasen und verändern lassen, die keine einschlägige IT-Ausbildung haben. Man will also Standardlösungen, die von Laien über geeignete User-Interfaces im hohem Maße anpassbar sind, z.B. mit graphischen Tools, die das Zeichnen von Workflows ermöglichen, und die dann in entsprechende Dialoge und Datenflüsse in der Software umgesetzt werden. Hier ging es z.B. um Service-orientied-Architectures (SOA). Dabei werden häufig benötigte Grundfunktionen als Web-Services realisiert, die sich dann flexibel zu komplexeren Abläufen kombinieren lassen.

 

Im letzten Abschnitt "Prozesscontrolling" geht es um:
- Messung von Prozesskennzahlen
- Planung und Steuerung von Prozessen
- Real Time Enterprise
- Ständige Prozessverbesserung

 

Insbesondere die Definition von Kennzahlen ist sehr wichtig, um den Erfolg von eingeführten Veränderungen beurteilen zu können.

Interessant war für mich vor allem der Abschnitt über Real Time Enterprise. Hier geht es um die Fähigkeit von Unternehmen (mit Hilfe von Informationssystemen) auf wichtige Ereignisse sehr schnell reagieren und sich flexibel anpassen zu können, z.B. auf Veränderungen der Nachfrage, eine örtliche Verlagerung von Nachfrage, schnell steigende oder sinkende Zahlen von Service-Anfragen, eine sich schnell verändernde Wettbewerbssituation und ähnliche Szenarien. Dazu sammeln IT-Systeme fortlaufend relevante Daten und präsentieren sie Entscheidungsträgern in geeigneter Form. Dazu gehören z.B. auch automatisch generierte Benachrichtigungen, Warnungen und dergleichen.

 

Präsenzklausur

 

Die Klausur deckte die verschiedenen Themen des Moduls breit ab. Das Zeichnen von Diagrammen spielte - wenig überraschend - eine große Rolle, sowohl im Hinblick auf Punkte als auch im Hinblick auf die Bearbeitungszeit. Insgesamt empfand ich die Zeit als recht knapp, um alles schaffen zu können. Es gab viele kleinere Aufgaben. In der Vorbereitung würde ich den Schwerpunkt auf den Kursteil "Prozessentwurf" legen. Das Zeichnen von Diagrammen auf Papier sollte man geübt haben. Insgesamt fand ich die Klausur fair gestellt. Ob ich das auch in eine erfreuliche Note umsetzen kann, bleibt abzuwarten.

 

Fazit

 

Erste Grundlage des Moduls Geschäftsprozessmanagement ist das verständlich geschriebene Lehrbuch von Thomas Allweyer. Durch die gute Verzahnung mit den Online-Tests und Aufgaben wird ein didaktisch hervorragendes Modul daraus. Ich schreibe das, obwohl mir das Thema überhaupt nicht lag. Zwar empfand ich GPM als wesentlich spannender als BWL1, aber meine grundsätzlichen Schwierigkeiten mit BWL-Themen machten sich auch hier bemerkbar. Das Modul war aber so beschaffen, dass man mit Fleiß und Ausdauer weit kommen konnte. Ein bisschen Spaß hatte ich unterwegs dann doch. Insbesondere wurde immer wieder ein klarer Bezug zur Informatik hergestellt, was natürlich meinen Interessen eher entsprach.

 

Ich glaube, dass der Stoff des Moduls sehr nützlich ist, wenn man Software im Unternehmenskontext entwickelt und mit Menschen kommunizieren muss, die betriebswirtschaftlich denken. Insofern habe ich mich bemüht, die hier dargebotenen Inhalte mit Offenheit und wachem Geist aufzunehmen. Allerdings hoffe ich nun auch, dass mit der Klausur das Modul geschafft ist und der zwar nicht allzu große aber für mich doch recht einschüchternde Hügel BWL wieder ein bisschen kleiner geworden ist.

 

Ausblick

 

Als nächstes möchte ich das Modul BWL2 bearbeiten. Da geht es um Unternehmensführung und Ökonomie (Volkswirtschaft). Ich erwarte, dass mir das mehr Spaß machen wird als BWL1 aber weniger als GPM. Aber warten wir mal ab, wie sich die Sache anlässt.

 

Parallel dazu möchte ich gerne mit Text-Mining weiterkommen. Der Inhalt dieses Moduls ist mathematischer als ich vermutet hätte. Der Stoff ist sehr interessant aber leider auch nicht ganz einfach.

kurtchen

Modul: BWL1

Das Modul BWL1 ist Pflichtmodul sowohl für die Studierenden der Wirtschaftsinformatik als auch für die der Web- und Medieninformatik. Die Wirtschaftsinformatiker belegen zuvor noch das Modul "Grundlagen der BWL", über das ich leider nichts sagen kann. Möglicherweise hätte mir die Belegung dieses Moduls die Bearbeitung von BWL1 erleichtert. Web- und Medieninformatiker müssen im weiteren Studienverlauf mindestens noch BWL2 belegen. Für die Wirtschaftinformatiker folgen noch einige weitere BWL-Module:
- strategisches Management und Controlling
- Electronic Business
- Human Ressource Management

 

Für angehende Web-Informatiker wie mich ist BWL1 schon im 1. Semester vorgesehen. Ich hatte dieses Modul jedoch lange vor mir hergeschoben. Inzwischen hat sich das zu einem Bremsklotz meines Studiums entwickelt. BWL1 ist Voraussetzung für das Modul "Geschäftsprozess-Management" und für BWL2. Letzteres ist wiederrum Voraussetzung für weitere Module, die ich gerne belegen möchte, z.B. für "Business Intelligence". Es half also alles nichts. Ich musste dieses Thema endlich angehen.

 

BWL habe ich lange vor mir hergeschoben

 

Grund für meine "Aufschieberitis" war meine Vermutung, dass mir dieses Modul nicht so leicht fallen würde. Ich war Schüler eines katholischen Gymnasiums, das sich durchaus bemüht hat, mir eine solide Allgemeinbildung zu vermitteln. Betriebswirtschaftliche oder volkswirtschaftliche Grundkenntnisse gehörten damals aber nicht zum Kanon. Es wird ja in letzter Zeit immer häufiger beklagt, dass solche Themen in den Lehrplänen vieler allgemeinbildender Schulen nicht vorgesehen sind. Ich kann sowohl das FÜR als auch das WIDER der laufenden Diskussion nachvollziehen und möchte mich diesbezüglich auch gar nicht positionieren. Festzuhalten bleibt einfach, dass ich ohne nennenswerte Vorkenntnisse in dieses Modul gestolpert bin. Auch meine beruflichen Erfahrungen haben mir hier nichts genutzt. Als Beschäftigter in einem sozialpädagogischen Beruf genieße ich den Vorteil, einen vergleichsweise abwechslungsreichen Berufsalltag zu haben und innerhalb meines Berufes ganz unterschiedliche Kompetenzen entwickeln zu können. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse gehörten in meinem Fall aber nicht dazu. Hier hatte ich immer das Glück, dass in unserer Verwaltung kompetente Kollegen saßen, die die abrechnungstechnischen Probleme für mich lösten. Das ist schön, weil es mir den Rücken für meine eigentlichen Aufgaben frei hält. Ich habe aber auch gemerkt, dass Kommilitonen, die in einem betrieblichen Umfeld arbeiten oder gar selbstständig sind, die Themen des Modules zugänglicher finden.

 

Kursaufbau

 

Der Kurs besteht aus 2 Lehrbüchern von 2 verschiedenen Autoren: "Basiswissen Externes Rechnungswesen" von Frank Wischmann und "Basiswissen Internes Rechnungswesen" von Rainer Ostermann. Zusammen kommt man auf an die 500 Seiten Lehrtext, so dass der Kursumfang für ein Modul bei Springer Campus als leicht überdurchschnittlich gelten kann.

 

Teil 1: Externes Rechnungswesen

 

Insbesondere mit dem Kursteil zum externen Rechnungswesen habe ich mich sehr schwer getan. Inhalte dieses Kurses sind:
- Bilanz ziehen, Bilanzaufbau, Inventar und Inventur, Kapitalarten
- die Buchhaltung als Teilgebiet des Rechnungswesens
- die rechtlichen Grundlagen der Buchführungspflicht
- Darstellung von Grundgeschäftsfällen mit T-Konten
- Buchungssätze
- Erfolgsbuchungen
- das System der Umsatzbesteuerung
- besondere Geschäftsfälle wie Beschaffung, Handelswaren, fertige und unfertige Erzeugnisse, Bezugskosten und Wertreduzierung, Grundlagen der Anlagenwirtschaft und der Personalwirtschaft
- private Vorgänge wie Privatentnahmen und -einlagen
- Bilanzierungsgrundsätze und -maßstäbe
- Gewinn- und Verlustrechnung
- aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten
- Rückstellungen
- Bewertung des Anlagevermögens, des Umlaufvermögens, der Forderungen und der Verbindlichkeiten
- Bilanzpolitik und Bilanzkennzahlen

 

Die meisten dieser Begriffe waren mir zu Beginn des Kurses völlig unbekannt. Das externe Rechnungswesen richtet sich nicht allein an Akteure innerhalb des Unternehmens sondern vor allem an solche außerhalb des Unternehmens. Zum Beispiel ist die Bilanz Grundlage für die Besteuerung des Unternehmen; insofern werden die Bücher z.B. auch für das Finanzamt geführt. Aber auch Kapitalgeber haben ein legitimes Interesse an den Büchern. Ihnen gegenüber muss man nachweisen, dass man ordentlich gewirtschaftet hat, um sich nicht etwa der Insolvenzverschleppung schuldig zu machen. Aus diesem Grund wird das externe Rechnungswesen stark durch gesetzliche Vorgaben und durch Konventionen bestimmt. Im Kurstext wird regelmäßig auf Paragraphen verwiesen, z.B. aus dem Handelsgesetzbuch oder auf Steuergesetze. Es empfiehlt sich, diese Texte als Sekundärliteratur zu besorgen und dort nachzuschlagen, wovon im Kurs die Rede ist. Schon allein, um sich an die spezielle juristische Sprache zu gewöhnen, die dort verwendet wird, was zumindest für mich im Laufe des Kurses immer eine zusätzliche Hürde blieb.

 

Herausforderung doppelte Buchführung

 

Große Schwierigkeiten hatte ich auch damit, die innere Logik der doppelten Buchführung zu verstehen. Jeder Vorgang wird grundsätzlich auf 2 Konten gebucht, einmal im Soll und einmal im Haben. Vieles davon war für mich kontraintuitiv und ich habe oft zurückblättern müssen, um Themen und Begriffe erneut zu erarbeiten, von denen ich eigentlich glaubte, sie endlich verstanden zu haben. Ein Beispiel für meine Schwierigkeiten: Gewinne werden im Eigenkapital als Haben gebucht, also im Prinzip als Schulden oder Verbindlichkeiten des Unternehmens. Das liegt daran, dass ein Unternehmen das Eigenkapital den Kapitalgebern schuldet, die es aus dem Unternehmen entnehmen könnten. Macht ein Unternehmen Verluste, so werden diese - für mich zunächst überraschend - im Eigenkapital ins Soll gebucht. Die Schuld gegenüber den Kapitalgebern schrumpft und diese können nun weniger Geld aus dem Unternehmen entnehmen. Wenn man einmal begriffen hat, warum das so gehandhabt wird, ist es in sich schlüssig, aber ich musste mir das sehr mühsam erarbeiten und hatte auch große Schwierigkeiten, mir solche Sachverhalte und Zusammenhänge zu merken.

 

Online-Tests und Einsendeaufgaben

 

Die Online-Tests konnte ich selten im ersten Anlauf lösen. Oft habe ich erst durch Rumprobieren die richtige Lösung gefunden. Dann begann meine eigentliche Arbeit: Anhand des Lehrbuches nachvollziehen, warum nun gerade DAS die richtige Lösung war. Das sorgte dann doch für gelegentliche Aha-Erlebnisse, die ich mir aber mühsam erkämpfen musste.

 

Dabei glaube ich nicht, dass meine Schwierigkeiten dem Lehrtext geschuldet sind. Ich habe mir aus der Bibliothek Sekundärliteratur besorgt, hatte damit aber die gleichen Schwierigkeiten. Letztlich bin ich immer wieder auf den Lehrtext zurück gekommen, der immerhin den Vorteil einer kompakten, auf den Punkt kommenden Darstellung hatte. Nachdem ich mit den meisten Modulen meines Studiums recht gut zurecht gekommen bin, so z.B. auch mit den allgemein gefürchteten Mathematik-Modulen, ist mit dem externen Rechnungswesen meine Achillesferse gefunden. Dieses Thema wollte mir einfach nicht ins Hirn.

 

So überrascht es nicht, dass ich auch bei den Einsendeaufgaben selten die volle Punktzahl erzielen konnte. Auch wenn ich meist viel mehr Zeit investiert hatte, als eigentlich vorgesehen war, und mir auch gelegentlich Rat von Kommilitonen eingeholt hatte: Irgendetwas war doch meistens falsch. Natürlich war es kein Problem, die Zulassung zur Online-Klausur zu bekommen. Aber im Hinblick auf die Präsenzklausur machte ich mir schon Sorgen, wie ich vergleichbare Aufgaben unter Zeitdruck und ohne die Möglichkeit, im Lehrbuch nachzuschlagen, lösen sollte. Nicht ganz zu unrecht, wie sich herausstellen sollte.

 

Gleichwohl kann ich mich über den Lehrtext und die tutorielle Betreuung nicht beklagen. Aus Gesprächen mit BWL-affineren Leuten weiß ich, dass von uns nichts unmögliches verlangt wurde. Der Kurs behandelt recht grundlegende Themen und die Anforderungen der Klausur sind nicht zu hoch. Meine Schwierigkeiten haben wohl eher etwas mit meinem persönlichen Begabungsprofil zu tun.

 

Teil 2: Internes Rechnungswesen

 

Zum Glück fiel mir der zweite Kursteil zum internen Rechnungswesen leichter. Das interne Rechnungswesen richtet sich an Akteure innerhalb des Unternehmens. Seine Ergebnisse dienen z.B. der Preisfindung. Sie sind aber auch Grundlage für unternehmerische Entscheidungen, z.B. zwischen eigener Fertigung oder Fremdbezug einer Komponente. Hier geht es darum, Kosten zu ermitteln und auf Kostenstellen umzulegen, um für Produkte und Dienste Preise zu finden, die einerseits wettbewerbsfähig und andererseits kostendeckend sind.

 

Dazu ein Beispiel: Wegen meines Umzuges war ich in den letzten Wochen häufiger bei IKEA. In der Markthalle stehen Einkaufswagen, die die Kunden mit ihren Möbelkartons beladen. Auf dem Parkplatz lassen sie die Wagen stehen. Nun muss jemand regelmäßig Wagen zurück in die Markthalle schieben und das verursacht der Filiale Kosten. Diese müssen in irgendeiner Weise auf die Produkte umgelegt werden. Wenn ich mein neues Billy-Regal mit nach Hause nehme, ist im Preis auch das Zurückschieben meines Einkaufswagens enthalten. Aber woher weiß man, wie viel man auf den Preis eines Regals aufschlagen muss, damit solche Kosten gedeckt sind? Und was ist mit anderen Kosten, die sich nur schwer einem einzelnen Artikel zurechnen lassen? Die Kundentoiletten mit ihrem Wasserverbrauch, die Handwerker, die das Gebäude instand halten, die Kosten für die Aktualisierung der Homepage, für die Kataloge, die Verwaltung...

 

Nach dem Kurs zum internen Rechnungswesen versteht man etwas besser, wie so etwas abläuft. Die grobe Gliederung des Kurses ist:
- Kostenartenrechnung
- Kostenstellenrechnung
- Kostenträgerrechnung
- Weiterentwicklung der Kostenrechnung, z.B. mit Normalkostenrechnung oder Plankostenrechnung.

 

Die Einsendeaufgaben waren für mich nachvollziehbarer als im externen Rechnungswesen. Nach meiner Empfindung ist das interne Rechnungswesen ein bisschen mehr "common sense" während das externe Rechnungswesen ein bisschen mehr "Konvention" ist. Im internen Rechnungswesen geht es oft darum, Gemeinkosten Kostenträgern und Kostenstellen zuzuordnen. Da das Rechnungswesen selbst Kosten verursacht, muss man immer wieder abwägen zwischen möglichst präziser Zuordnung der Kosten einerseits und dem Aufwand für diese Zuordnung andererseits, der natürlich vertretbar bleiben muss. Interessant ist, dass sich viele kleine und mittelständische Unternehmen diesen Aufwand komplett sparen und gar kein internes Rechnungswesen haben. Verpflichtet sind sie dazu auch nicht. Die entsprechenden Aufschläge und Umlagen auf Produkte und Dienstleistungen werden dann eher intuitiv oder nach Erfahrung festgelegt. So kann es aber leicht passieren, dass ausufernde Kosten in bestimmten Bereichen lange unbemerkt bleiben, was dann Gewinne aufzehrt. Oder dass ungünstige unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Manche Ergebnisse der Kostenrechnung können nämlich durchaus kontraintuitiv sein. So kann es manchmal den Gewinn eines Unternehmens mehren, Produkte z.T. zu einem Preis anzubieten, der unter den Selbstkosten liegt, weil sich so Gemeinkosten auf eine größere Stückzahl verteilen und die Gewinnmarge für andere Teile der Produktion so größer wird. Ich war oft überrascht, was bei meinen Rechnungen heraus kam.

 

Das interne Rechnungswesen war für mich jedenfalls interessant und hat auch Spaß gemacht.

 

Was kann man am Ende des Moduls?

 

Mir gefallen am Modul auch die realistisch formulierten Ziele: Natürlich wissen wir am Ende nicht genug, um im internen oder externen Rechnungswesen tätig zu werden. Es geht eher darum, dass wir mit Menschen zu tun bekommen werden, die im Rechnungswesen tätig sind. Mit denen sollen wir besser kommunizieren können. Wenn wir Entscheidungen mittragen oder umsetzen müssen, die vom Rechnungswesen informiert sind, können wir damit vielleicht besser umgehen, weil wir zumindest ein erstes Verständnis für die Notwendigkeiten und Zwänge des Rechnungswesens haben. Dass ich hier ein paar Fortschritte gemacht habe, bemerke ich bereits, auch wenn ich befürchte, das sich das nicht in meiner Klausurnote bemerkbar machen wird.

 

Online-Klausuren

 

In der Online-Klausur konnte ich mir ein paar Bonuspunkte sichern. Eine Besonderheit in diesem Kurs ist, dass man zwei Online-Klausuren schreiben kann, eine für jeden Kursteil. Das bedeutet natürlich auch doppelten Zeitaufwand. Gleichzeitig kann man pro Klausur nur die Hälfte der sonst üblichen Bonuspunkte erlangen. Ich glaube, meine Bonuspunkte werde ich diesmal gut gebrauchen können. In der Online-Klausur konnte ich mich natürlich an den bislang gelösten Einsendeaufgaben orientieren und in den Lehrbüchern nachschlagen. Das darf man in der Präsenzklausur nicht. Dies ist also ein Kurs, bei dem auch ein bisschen Auswendiglernen gefragt ist. Beim internen Rechnungswesen war das nicht so nötig, weil ich hier vieles plausibel fand, so dass ich mir vergessene Details wieder erschließen konnte. Beim externen Rechnungswesen hingegen, das stark durch gesetzliche Vorgaben bestimmt wird, muss man mehr WISSEN. Für die Online-Klausur im externen Rechnungswesen kann ich anderen Studierenden den Hinweis geben, dass bei vielen anwendungsbezogenen Aufgaben auch nach den Paragraphen gefragt wird, die das Vorgehen bestimmen. Beim internen Rechnungswesen ist es nützlich zu wissen, dass auch Stoff aus dem letzten Kapitel "Die Weiterentwicklung der Kostenrechnung" abgeprüft wird.

 

Präsenzklausur

 

Kommen wir zur Präsenzklausur: Sie dauert 2 Stunden. Die Punkte verteilen sich genau gleichmäßig auf internes und externes Rechnungswesen. Beim externen Rechnungswesen gab es einige Wissensfragen zu grundlegenden Konzepten und Begriffen. Hier sollte man sich mit gründlicher Vorbereitung und fleißigem Lernen Punkte sichern können. Genau das habe ich neben meinem Umzug leider nicht geschafft. Bei vielen Aufgaben wurden Geschäftsvorgänge geschildert und man sollte zeigen, welche Buchungen das auf welchen Konten auslöst. Meine grundlegenden Schwierigkeiten mit diesem Thema zeigten sich auch in der Klausur. Es gibt keine Aufgabe, bei der ich mir sicher bin, das richtige Ergebnis geliefert zu haben. So blieb mir nur, bei möglichst jeder Aufgabe eine Lösung zu versuchen. Unterm Strich meine ich aber, dass die Klausur durchaus gutmütig gestellt war. Es ist schon meine eigene Verantwortung, falls ich diesmal nicht bestehen sollte.

 

Die Aufgaben zum internen Rechnungswesen erschienen mir anwendungsbezogen und praktisch. Bearbeitungsschritte, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte, glaubte ich mir erschließen zu können. Was diesen Teil der Klausur angeht, bin ich optimistischer. Anderen Studierenden würde ich empfehlen, zur Vorbereitung vor allem die Einsendeaufgaben und die Aufgaben der Online-Klausur zu wiederholen.

 

Ein Ergebnis liegt mir noch nicht vor. Ich erwarte aber diesmal nicht, gut abzuschneiden. Angesichts der vielen Aufgaben in Beruf und Privatleben und der knappen Vorbereitungszeit wäre ich diesmal zufrieden damit, die Klausur nicht wiederholen zu müssen; auch wenn das zu Lasten meines Notendurchschnitts gehen sollte. Ich wäre einfach froh, dieses Modul hinter mir lassen zu können.

 

Trotzdem war es sicher gut, sich einmal mit dem Thema Rechnungswesen auseinander zu setzen. Mein Respekt und meine Wertschätzung für Leute, die solche Aufgaben tagtäglich für mich erfüllen, hat durch das Modul jedenfalls zugenommen.

 

Wie geht es weiter?

 

Als nächstes möchte ich nun BWL2 und Geschäftsprozess-Management bearbeiten; beides Module, denen ich nicht unbedingt entgegen gefiebert habe. Beim Geschäftsprozess-Management habe ich inzwischen einen Teil des Lehrbuches gelesen. Es ist interessanter als ich dachte und ich sehe mehr Bezüge und Analogien zur Informatik als ich vermutet hätte. Das könnte eigentlich noch richtig Spaß machen.

 

In BWL2 soll es um Ökonomie und Unternehmensführung gehen. Insbesondere beim Kursteil Ökonomie hoffe ich, dass ich daraus etwas mitnehmen kann. In der täglichen Berichterstattung der Medien spielt ja das wirtschaftliche Geschehen eine große Rolle und es ist auch politisch relevant. Oft habe ich das Gefühl, dass meine Allgemeinbildung nicht ausreicht, um hier folgen zu können. Vielleicht wird meine Zeitungslektüre nach diesem Modul ja etwas aufschlussreicher als bislang.

kurtchen

Modul: XML

Welche Bedeutung hat das Modul XML im Studiengang?

 

Das Modul XML ist Pflicht für Studierende im Studiengang Web- und Medieninformatik. Es ist zugleich Baustein für die Hochschulzertifikate "Web-Entwickler" und "Software-Architekt" und wird als sinnvolle Vorbereitung für das Modul "Aktuelle Webtechniken" genannt, bei dem es um Java Server Faces geht. Die inhaltlichen Voraussetzungen für XML sind überschaubar; lediglich "Grundlagen der Informatik 1" sollte man belegt haben. Im Prinzip könnte man XML also schon im ersten Semester belegen.

 

Für Studierende der Wirtschaftsinformatik ist dieses Modul nicht vorgesehen. Sie erwerben Grundkenntnisse in XML im Pflichtmodul "Web-Programmierung". Dort ist XML aber nur ein Thema unter vielen.

 

Grundlage für das Modul ist das Lehrbuch "XML - DTD, XML-Schema, XPath, XQuery, XSLT, XSL-FO, SAX, DOM" von Margit Becher. Die Autorin war zugleich auch meine Tutorin, was bei Fragen zum Lehrtext immer praktisch ist. Das Lehrbuch hat an die 300 Seiten; der Umfang ist also für Springer Campus leicht unterdurchschnittlich. Die Stofffülle ist dennoch nicht zu unterschätzen.

 

Was ist XML?

 

Worum geht es nun? XML ist eine Auszeichnungssprache, d.h. Text oder andere Inhalte werden mit sogenannten Tags eingeschlossen. Die Tags spezifizieren z.B., um was für eine Art Inhalt es sich handelt, etwa einen Namen, ein Datum oder auch einen komplexen, zusammengesetzten Inhalt wie eine Adresse oder eine komplette Bestellung. Die Auszeichnung erleichtert es Maschinen, die Inhalte zu verarbeiten.

 

Im Gegensatz zu HTML sind in XML die Tags nicht vordefiniert. Der Autor eines XML-Dokumentes kann selbst nach Bedarf Tags definieren und verwenden. XML ist also erweiterbar - engl. extensible - und das Kürzel XML steht für Extensible Markup Language. Zu beachten ist lediglich, dass geöffnete Tags wieder geschlossen werden und dass Tags sich nicht überlappen dürfen. Sie können lediglich ineinander geschachtelt werden. Dies nennt man Wohlgeformtheit. Tags können auch Attribute aufweisen. Man kann sich vorstellen, dass dem Element Eigenschaften hinzugefügt werden.

 

Ein XML-Dokument kann man als Baumstruktur visualisieren. XML-Dateien sind maschinenlesbar und zugleich menschenlesbar. Aus diesem Grund eignen sie sich z.B. gut für Konfigurationsdateien. Man kann XML aber auch gut verwenden, um strukturierte Daten systemübergreifend oder über das Internet auszutauschen. 

XML-Dateien können mit CSS-Stylesheets verknüpft werden. Die Tags stehen dann für die Struktur der Daten, innerhalb der Tags stehen die eigentlichen Daten und das Stylesheet gibt an, wie die Daten darzustellen oder zu präsentieren sind.

 

Mit DTD oder XML-Schema definiert man die Struktur einer XML-Datei

 

Interessant ist zunächst die Möglichkeit, die Struktur der Daten in einer XML-Datei in allgemeiner Form zu beschreiben. Man kann z.B. festlegen, dass eine Adresskartei aus Adressen besteht, die wiederum aus Name, Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort in genau dieser Reihenfolge bestehen müssen. Ein XML-Dokument ist dann eine Instanz oder eine konkrete Ausprägung dieser allgemeinen Struktur. XML-Dateien können gegen eine solche Strukturdefinition gecheckt werden, d.h. ein Algorithmus prüft, ob die Datei der festgelegten Struktur entspricht. Ist dies der Fall, sagt man, die Datei sei valide. Das ist nützlich für Software, die Daten in XML-Form automatisiert verarbeiten soll. Man kann so Fehler in der Verarbeitung der Datei vermeiden.

 

Es gibt 2 Möglichkeiten, die Struktur einer XML-Datei zu definieren. Die ältere ist die DTD (Document Type Definition). Die neuere ist XML-Schema. Letzteres ist komplexer, hat aber viele Vorteile. Besonders nützlich ist die Möglichkeit, viele verschiedene Datentypen zu unterscheiden, z.B. nummerische Werte, Datumswerte, Uhrzeiten und dergleichen. Man kann auch eigene Datentypen definieren, z.B. durch Werteinschränkung oder Kombination vordefinierter Typen. So kann die Struktur der zu verarbeitenden Daten viel präziser beschreiben als mit der DTD. Im Kurs werden beide Möglichkeiten ausführlich behandelt. Im Gegensatz zum Modul "Web-Programmierung" werden auch viele Detailfragen geklärt und seltener auftretende Anwendungsfälle vorgestellt. Einsendeaufgaben hier bestehen üblicherweise darin, in natürlicher Sprache spezifizierte Anforderungen an eine Datenstruktur als DTD oder XML-Schema präzise zu beschreiben.

 

Wir können nun strukturierte Daten in einer Textdatei ablegen, die für Maschine wie Mensch zu lesen ist. Wir können die Struktur der Daten präzise beschreiben und eine Maschine prüfen lassen, ob Daten die für eine automatisierte Verarbeitung nötige Struktur haben.

 

Mit XPath und XQuery extrahiert man Informationen aus einer XML-Datei

 

XML-Dokumente können sehr lang und umfangreich werden. Nun gibt es Anwendungsfälle, bei denen man bestimmte Informationen aus einem XML-Dokument extrahieren möchte. Dazu werden im Kurs 2 Möglichkeiten behandelt: XPath und XQuery. XPath bietet die Möglichkeit, durch die Baumstruktur des Dokumentes zu navigieren und Elementeinhalte und Attribute zu testen, um bestimmte Elemente und Attribute herauszufiltern. Aus einer umfangreichen Vorlesungsliste in XML-Form kann man so z.B. alle Lehrveranstaltungen eines bestimmten Professors im Sommersemester eines bestimmten Jahres mit mehr als 2 SWS herausfiltern. XQuery bietet noch weitergehende Möglichkeiten, z.B. durch Schleifen. XQuery wird manchmal auch "SQL des 21. Jahrhunderts" genannt. Ganz so elegant und deklarativ wie SQL ist es aber - zumindest in der im Kurs behandelten Version - noch nicht. So müssen z.B. Joins noch von Hand ausprogrammiert werden. Bei Einsendeaufgaben in diesem Kursabschnitt geht es in der Regel darum, aus einer gegebenen XML-Datei bestimmte Informationen per XPath oder XQuery zu extrahieren.

 

Mit XSLT kann man XML-Dokumente automatisch in andere Dokumente transformieren

 

Im nächsten großen Kursabschnitt geht es um XSLT. Diese Technik ermöglicht, ein XML-Dokument in ein anderes Dokument zu transformieren, z.B. ein neues XML-Dokument aber auch in eine HTML-Datei. In XSLT können XPath-Ausdrücke verwendet werden. Man kann XSLT also z.B. benutzen, um aus einer XML-Datenbasis bestimmte Informationen zu extrahieren und daraus automatisch HTML-Seiten oder Fragmente von HTML-Seiten zu bauen. Dazu werden Schablonen definiert, die auf bestimmte Elemente des XML-Dokumentes angewendet werden. Bei Einsendeaufgaben in diesem Kursabschnitt ist üblicherweise ein XML-Dokument vorgegeben, das per XSLT in HTML-Dokument transformiert werden soll, das ausgewählte Inhalte des ursprünglichen Dokumentes in bestimmter Form präsentiert. In einem eigenen Kapitel wird noch XSL-FO vorgestellt. Das kann z.B. benutzen, um aus XML-Dateien automatisch PDFs zu erzeugen.

 

Der Abschluss des Kurses bildet ein Kapitel über die Verarbeitung von XML in Java mit SAX und DOM. Dieses durchaus interessante Kapitel ist allerdings nicht mehr prüfungsrelevant.

 

Ein gutes Modul, wenn man die richtigen Werkzeuge nutzt

 

Der Lehrtext ist gut strukturiert und die Aufgaben sinnvoll darauf abgestimmt. Die Rückmeldungen durch meine Tutorin waren präzise, hilfreich und kamen meist schnell. Zu Beginn des Kurses habe ich leider viel Zeit vergeudet, indem ich versucht habe, ohne den empfohlenen XML-Editor OxygenXML auszukommen. Der ist proprietär und leider nicht billig. Studierende können ihn allerdings für 30 Tage kostenlos testen, nachdem sie sich registriert haben. 30 Tage erschienen mir etwas knapp für die Bearbeitung des Kurses. Darum hatte ich zunächst versucht, mit OpenSource-Tools auszukommen. Den Kursteil zur DTD und zu XML-Schema konnte ich so noch gut bearbeiten, auch wenn es müsam voran ging. Spätestens für XPath ist es von enormem Vorteil, einen professionellen XML-Editor zu Verfügung zu haben. Als ich mich schließlich doch wiederwillig für OxygenXML registrierte, musste ich nach wenigen Minuten einsehen, dass das besser von Anfang an hätte machen sollen. Man kann damit viel komfortabler und vor allem schneller arbeiten. Eiert also nicht rum wie ich sondern besorgt euch von Anfang an das richtige Werkzeug.

 

Online- und Präsenz-Klausur

 

Online-Klausur und Präsenzklausur fand ich vom Schwierigkeitsgrad vergleichbar. Der Zeitdruck in der Online-Klausur erschien mir höher. Möglicherweise wurde hier in Anschlag gebracht, dass man in der Präsenzklausur keine Entwicklungsumgebung zur Verfügung hat, während der Online-Klausur aber schon.

 

In der Präsenzklausur war EIN XML-Dokument gegeben. Auf der Grundlage dieses Dokumentes wurden ALLE wesentlichen Themen des Kurses abgeprüft: DTD, XML-Schema, XPath, XQuery und XSLT. Das erscheint mir vernünftig. Indem sich alle Aufgaben auf EIN Dokument  beziehen, muss man sich nicht ständig neu einlesen und die Prüfer können den Stoff breiter abdecken. Mein Eindruck war, dass die Aufgabenstellungen sich auf häufig verwendete Anwendungsfälle konzentrieren, hier also nicht die exotischsten Spezialfälle abgefragt werden. Ein Klausurergebnis liegt mir aber noch nicht vor.

 

Fazit

 

XML hat mir Spaß gemacht. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, welchen Nutzen diese Sprache für einen Web-Informatiker haben könnte. Wünsche, was ich gerne NOCH gelernt hätte, sind bei mir diesmal nicht offen geblieben; das Modul ist aus meiner Sicht inhaltlich vollständig.

 

Es würde mich nun reizen, auch noch das Modul "Aktuelle Webtechniken" im Wahlbereich zu belegen, bei dem es um Java Server Faces geht. XML wird dafür als inhaltliche Voraussetzung genannt. Kommilitonen, dieses Modul schon belegt haben, berichten mir, dass XML hierfür durchaus sehr nützlich ist. Da ich diese Voraussetzung nun erfülle und mir die Kurse zur serverseitigen Programmierung mit Java gut gefallen haben, bin ich schon sehr gespannt auf diese Einführung in JSF. Allerdings wird es wohl Herbst werden, bevor ich dazu komme. Das größte Chaos meines Umzuges ist zwar überstanden und ich habe nun wieder einen Arbeitsplatz und einen Internetanschluss; trotzdem hängt am Umzug ein Rattenschwanz zu Kleinigkeiten, die noch erledigt werden müssen; und die mir Tag für Tag Zeit rauben, die eigentlich gerne ins Studium stecken würde. Mal sehen, wie lange dieses Stadium noch dauert.

kurtchen

Beim letzten Prüfungstermin habe ich 4 Klausuren an 2 verschiedenen Standorten geschrieben:

- Web-Engineering (Heidelberg)

- Software-Technik 3 (Heidelberg)

- Content-Management-Systeme (Dortmund)

- Data-Mining (Dortmund)

 

Nötig war das, weil ich zum 1. Juli umziehe. Das ist zum Glück nur ein Umzug innerhalb der Stadt, aber viel Zeit wird trotzdem dafür draufgehen. Außerdem werden wir in der neuen Wohnung ein bisschen renovieren und umbauen müssen. Einen Schuppen werde ich auch noch bauen müssen, damit wir einen Platz haben, wo wir unsere Fahrräder hinstellen können. Die alte Wohnung war schon lange zu klein, was sich immer häufiger auf den Familienfrieden auswirkt. Berufsbedingt bin ich es gewohnt, im größten Trubel meinen Kram zu machen, so dass ich wahrscheinlich noch am wenigsten darunter gelitten habe. Mich stören eher technische Geräusche: Handy-Gedudel, Gepiepse von Computerspielen und solche Sachen. Da gilt die Regel: Nicht wenn ich lerne bzw. dann nur mit Kopfhörer. Da halten sich die Teenager zum Glück dran.

 

Die alte Wohnung hatte viele Vorzüge. Unser Vermieter hat uns nicht ein einziges Mal die Miete erhöht und war immer sehr tolerant gegenüber Kinderlärm. Dafür haben wir bei Reparaturen immer zugeschaut, dass wir uns möglichst selbst mit Material aus dem Baumarkt helfen. Leben und Leben lassen. War eine Hausgemeinschaft, wo man ein bisschen aufeinander aufgepasst hat. Selbst, wenn wir in Urlaub gefahren sind, haben wir die Wohnungstür nur zugezogen, nie abgeschlossen. Wäre sofort aufgefallen, wenn jemand unbekanntes durchs Treppenhaus geht. Die günstige Miete hat mir auch sehr geholfen, die Kosten für mein Studium aufbringen zu können, obwohl ich meine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert hatte. Das wird ab jetzt alles ein bisschen schwieriger.

 

Das jedenfalls war der Grund für meinen Versuch, 4 Klausuren auf einen Streich zu schaffen. Den Stoff von 4 Modulen gleichzeitig im Kopf "fluide" zu halten, ist mir nicht leicht gefallen. Vor allem, weil mit Software-Technik 3 ein anspruchsvolles und umfangreiches Modul dabei war, das mir auch inhaltlich sehr wichtig war. Da wollte ich gerne gut abschneiden. Ich hoffe, dass sich mein Ehrgeiz, alles vor dem Umzug zu schaffen, nicht an gerade dieser Stelle rächt.

 

Nach den Prüfungen habe ich auch gemerkt, dass ich mich nicht lange konzentrieren konnte. Der Start in mein neues Modul "BWL1" war zäh. Jetzt wird es langsam wieder besser. 4 Klausuren an einem Termin, das möchte ich nicht zur Nachahmung empfehlen.

kurtchen

Modul: CMS

Das Modul "Content-Management-Systeme" (CMS) ist ein Pflichtmodul im Studiengang "Wirtschaftsinformatik" und wird dort auch dem Studienbereich Wirtschaftsinformatik zugerechnet. Springer Campus empfiehlt, es im 3. Semester zu belegen. Aber auch Studierende im Studiengang "Web- und Medieninformatik" dürfen es als Wahlpflichtmodul im Vertiefungsbereich belegen. Als inhaltliche Voraussetzungen werden genannt:
- Web-Programmierung
- Web-Anwendungen 1
- XML

 

Ich glaube, dass man dieses Modul auch ohne diese Grundlagen belegen kann. Tatsächlich kommt im Studienplan für Wirtschaftsinformatik "Web-Programmierung" nach dem Modul CMS und weder "Web-Anwendungen 1" noch "XML" sind für Wirtschaftsinformatiker verpflichtend. Richtig durchdacht wirken die Empfehlungen zu den inhaltlichen Voraussetzungen auf mich deshalb nicht.

 

Ich habe das Modul belegt, weil ich fand, als Studierender der Web-Informatik müsse man auch Ahnung von CMS haben. Erwartet hatte ich eine Einführung in ein gängiges Web-CMS, z.B. in TYPO3, also ein Modul mit vielen praktischen Übungen. Wie schon bei anderen Wirtschaftsinformatik-Modulen war ich auch hier auf dem Holzweg, denn eine praktische Einführung in ein WCMS will dieses Modul nicht sein. Allerdings lernt man hier einige grundlegende Konzepte, die es einem erleichtern sollten, sich schnell in ein x-beliebiges WCMS einzuarbeiten.

 

Mein erster Irrtum war die Gleichsetzung von CMS und WCMS. Content Management Systeme dienen dazu, Content für eine Website zu managen, wozu sonst? Nein, denn es gibt Dokumenten-Management-Systeme (DMS), Electronic Record Management Systeme (ERMS), Medienbibliotheken, mobile Content Management Systeme (mCMS), semantische Content Management Systeme (SCMS) und Component Content Management Systeme (CCMS) und außerdem verschiedene Mischformen. Näher beleuchtet werden im Kurs das WCMS, das DMS und das SCMS.

 

Im Grundlagen-Kapitel geht es um Themen und Konzepte, die alle Arten von Systemen betreffen: Content-Modellierung, Metadaten, Standardisierung, Dokumenten-Management-Standards und Metadaten-Standards. Und um die grundlegenden Fragen:
- Was ist Content?
- Wie unterscheidet sich Content von Daten oder Information?
- Was ist ein Dokument?
- Was ist Content Management?

 

Im Kapitel zu WCMS geht es um grundlegende Konzepte wie:
- Benutzer und Berechtigungsstrukturen und ihre Bedeutung für den Workflow
- Customizing, das Arbeiten mit Themes, Plugins, Templates
- strukturierte Texte, Multimediaelemente
- Inhaltsbearbeitung, -organisation und -darstellung

 

Dieses Kapitel war für mich enttäuschend, weil ich eben etwas ganz anderes erwartet hatte, nämlich eine praktische Einführung in ein exemplarisches CMS. Ganz umsonst war die investierte Zeit am Ende aber nicht.

 

Das Kapitel über DMS war schon spannender. Dokumenten-Management-Systeme werden oft in einem behördlichen Umfeld eingesetzt. Hier geht es i.d.R. darum, gesetzliche Aufbewahrungsfristen einzuhalten. Im Vergleich zum WCMS ist hier die Versionierung besonders wichtig. Es muss stets nachvollziehbar bleiben, wer, wann, was geändert hat. Vorherige Versionen eines Dokumentes sollen sich wieder herstellen lassen. Langfristige Archivierung spielt oft eine große Rolle. Dem Metadaten-Management kommt eine besondere Rolle zu, weil Content über die Metadaten schneller gefunden werden kann als über eine aufwendige Volltext-Suche. Oft ist nicht leicht zu beurteilen, was relevante Metadaten sind. Wenn Dokumente über lange Zeiträume aufbewahrt werden, können andere inhaltliche Kriterien für das Retrieval relevant werden, als man zum Zeitpunkt der Erfassung für plausibel hielt. Mit dem DIRKS-Modell wird ein allgemeines Vorgehensmodell vorgestellt, um ein Dokumenten-Management-System in einem institutionellen Kontext zu etablieren.

 

Wirklich interessant war für mich das Kapitel über semantische Content-Management-Systeme (SCMS). Um für den Nutzer navigierbar zu sein, sollte Content mit anderem Content anhand von inhaltlichen Bezügen verknüpft werden. SCMS nutzen semantische Information, mit der Content angereichert ist, um solche Bezüge, die implizit enthalten aber nicht explizit bekannt sind, zu entdecken. So kann ein SCMS Metadaten automatisiert hinzufügen und Nutzern Inhalte anbieten, die inhaltlich zu denen passen, nach denen sie suchen. Ein SCMS kann zum Beispiel unterscheiden, ob ein Nutzer, über die UNO als Organisation oder über UNO als Kartenspiel recherchiert. Und je nachdem Information über andere internationale Institutionen oder über andere Kartenspiele anbieten.

 

Zur Anreicherung von Content mit semantischer Information dient der Resource Description Framework (RDF). Mit ihm beschreibt man, dass eine Ressource, z.B. ein Content-Objekt im Web, eine bestimmte Eigenschaft mit einem bestimmten Wert hat. Man erhält so eine Aussage mit Subjekt (Ressource), Prädikat (Eigenschaft) und Objekt (Wert bzw. Belegung der Eigenschaft), die man auch als Triplet bezeichnet. Man kann zum Beispiel behaupten, dass ein Affe Bananen frisst. Das erinnert ein wenig an die Art und Weise, wie in logischen Programmiersprachen (etwa Prolog) Fakten beschrieben werden. RDF ist XML-basiert. Das ist wahrscheinlich der Grund, dass das Modul "XML" als sinnvolle Vorbereitung genannt wird. Vertiefte XML-Kenntnisse braucht man aber nur, wenn man das Thema Semantic Web auf eigene Faust weiter erkunden möchte.

 

Mit dem Resource Description Framework Schema (RDFS), kann man solche Aussagen semantisch strukturieren. Man kann zum Beispiel festlegen, dass Affen Tiere sind oder das Tiere Nahrung essen. Mit dem Rule Interchange Format (RIF) beschreibt man Regeln, die von regelbasierten Systemen interpretiert und verarbeitet werden können. Man kann zum Beispiel Bedingungen formulieren, unter denen ein Tier Bananen als Nahrung nutzen würde, etwa, wenn es ein Affe ist und einer Umgebung lebt, in der Bananen wachsen. Ähnlich wie in einem Prolog-System kann dann ein regelbasiertes System aus bekannten Fakten und Regeln neue Fakten ableiten, die logisch implizit vorhanden aber bislang nicht explizit bekannt waren. Auf diese Weise kann ein solches System Wissen entdecken. Über solche Mechanismen kann neuer Content mit altem Content inhaltlich verknüpft werden. Logische Aussagen, die Triplets, können in speziellen Datenbanken, sogenannten Triplestores, gespeichert werden. Mit der Abfragesprache SPARQL kann man in diesen Wissensbeständen nach bestimmten Mustern suchen, ähnlich wie mit SQL in einer relationalen Datenbank. Als Fallbeispiel für ein semantisches CMS dient Apache Stanbol.

 

Dieses Kapitel war für mich das Beste am Kurs. Leider fehlt im Kursangebot von Springer Campus ein Modul "Klassische KI", das nötig wäre, um die hier vorgestellten Konzepte wirklich en detail zu verstehen. (Klassische KI ist ja ein Thema, mit dem ich mich gerne noch beschäftigen möchte.) Die spannende Idee hier scheint zu sein, dass Web-Content mit Fakten und Regeln angereichert wird, so dass ein wissens- und regelbasierte Systeme damit arbeiten können.

 

Es folgten 2 Kapitel über "Dokumenten-Management-Systeme in der Praxis" und über ein Fallbeispiel zur Erstellung einer Unternehmenswebseite mit einem CMS. Bei letzterem ging es weniger um Technik als um die einzelnen Phasen des Projektablaufs und die daran beteiligten Akteure.

 

Mit Ausnahme des Kapitels über SCMS hat dieses Modul keine ausgesprochen technische Perspektive. Es geht eher um die Einbettung von CMS in organisatorische und institutionelle Kontexte, um Vorgehensweisen im Projektverlauf, um die Ermittlung von Anforderungen, die Formulierung von Projektzielen und Erfolgskriterien. Schon nachvollziehbar, dass das ein Modul für die Wirtschaftsinformatiker ist.

 

Eine Besonderheit in diesem Modul ist, dass es hier mal kein gedrucktes Lehrbuch sondern nur ein Skript gibt. Das hatte ich bei Springer Campus noch nicht erlebt, obwohl ich vom Hörensagen weiß, dass das vereinzelt auch noch in anderen Modulen vorkommt. Ein Buch ist natürlich schöner und lässt sich besser mitnehmen, aber das Skript ist völlig in Orndung. Die Einsendeaufgaben fand ich in diesem Modul vergleichsweise einfach. Das gleiche galt für Abschlusstest und Abschlussklausur.

 

Die Präsenzklausur fand ich im Vergleich etwas schwerer. Ich hatte mich aber auch nicht gut vorbereitet. Da ich am Prüfungswochenende 4 Klausuren schreiben wollte, musste ich Prioritäten setzen. Softwaretechnik 3 und Web-Engineering waren mir am wichtigsten. Darum hatte ich dort am meisten Zeit investiert. Für CMS hatte ich vor allem die Inhalte aus dem Kapitel über SCMS wiederholt, denn die fand ich am anspruchsvollsten. Außerdem war ich der Meinung, dass das guter Stoff für Prüfungsfragen sei. Leider spielte ausgerechnet dieser Kursteil in der Klausur eine geringe Rolle. Die Aufgaben deckten ansonsten alle Kursteile recht breit ab, so dass ich hier nur den Tipp geben kann, bei der Wiederholung des Stoffes auf möglichst gleichmäßige Abdeckung zu setzen und sich nicht in Details zu verlieren. Die Aufgaben fragen in erster Linie Wissen ab, indem man Konzepte und Begriffe erklärt. Solche Klausuren mag ich nicht besonders, aber es passt zum Kurskonzept.

 

Nicht ganz zu unrecht hatte ich damit gerechnet, dass die Klausur zu CMS die leichteste an jenem Prüfungswochenende sein würde. Darauf hatte ich mich leider ein bisschen zu sehr verlassen, und so erzielte ich insgesamt nur 75 von 100 Punkten. Da diese Klausur wirklich nicht zu schwierig war, war ich mit meiner Leistung nicht zufrieden. Dank der Bonuspunkte aus Online-Test und Online-Klausur war die Note dann trotzdem ganz gut.

 

CMS ist ein Modul für Wirtschaftsinformatiker. Es geht um Anwendung im institutionellen Kontext, um Vorgehensweisen, Projektplanung, Standards. Wie die Technik funktioniert, spielt eine untergeordnete Rolle. Man lernt nicht, mit einem bestimmten CMS umzugehen. Insgesamt habe ich schon einige neue Erkenntnisse aus dem Modul mitgenommen, vor allem aus den Kapiteln über Dokumenten-Management-Systeme. Aber nochmal würde ich es nicht belegen, weil es mir zu sehr auf die Wirtschaftsinformatiker zugeschnitten ist.

kurtchen

Modul: Data Warehouse & Data Mining

Das Modul "Data Warehouse & Data Mining" kann in meinem Studiengang "Web- und Medieninformatik" als Vertiefungsmodul belegt werden. Für Studierende der Wirtschaftsinformatik ist es ein Pflichtmodul und wird dem Studienbereich "Wirtschaftsinformatik" zugerechnet. Meine Erwartungen an dieses Modul wurden durch das Lehrbuch "Data Mining" von Jürgen Cleve und Uwe Lämmel geprägt. In diesem Buch geht es darum, wie Analyseverfahren mathematisch und algorithmisch funktionieren. Das wollte ich lernen. Zu meiner anfänglichen Enttäuschung hat dieses Modul andere inhaltliche Schwerpunkte. Eigentlich hätte ich das ahnen müssen. Als inhaltliche Voraussetzung werden nämlich "Grundlagen der Informatik 1" und "SQL und relationale Datenbanken" aber nicht "Statistik" genannt. Kein Wunder also, dass die eigentlichen Mechanismen des "Knowledge Discovery in Databases" keinen großen Raum einnehmen.

 

Dieses Modul beschäftigt sich mit Data Mining und Data Warehousing in einem unternehmerischen Kontext. Zunächst geht es um die Unterscheidung zwischen operativen und analyseorientierten Informationssystemen. Operative Systeme sind entlang von Workflows im Unternehmen organisiert. Ein Beispiel wäre eine Software zu Aufnahme und Abwicklung von Bestellungen. Solche Informationssysteme häufen im Laufe der Zeit große Datenbestände an. Die Art der Ablage der Daten ist aber an der konsistenten Speicherung von fallbezogenen Daten orientiert.

 

Bei analyseorientierten Informationssystemen geht es darum, die so gewonnenen Daten in Kombination mit Daten aus anderen Quellen mit geeigneten Methoden auszuwerten, um bislang unbekannte Muster und Zusammenhänge zu erkennen, die sich betriebswirtschaftlich nutzen lassen. Zum Beispiel, dass bestimmte Produkte häufig in Kombination gekauft werden oder dass der Kauf bestimmter Produkte Folgekäufe bestimmter anderer Produkte nach sich zieht. Ein Unternehmen könnte darauf z.B. reagieren, indem es solche Produkte gemeinsam anbietet oder Werbung passgenau verschickt.Die Details solcher Auswertungsprozesse stehen nicht im Mittelpunkt des Kurses. Vielmehr geht es um den Prozess im Unternehmen, in dem solche Verfahren durch geeignete Aufbereitung der Daten vorbereitet werden und zur Anwendung kommen. Und natürlich auch darum, wie die Ergebnisse solcher Analysen für den Unternehmenserfolg nutzbar gemacht werden können.

 

Als Studierender der Web- und Medieninformatik bin ich eine andere Perspektive gewohnt: Wie funktioniert es technisch?

 

Aber das ist ein Modul für Wirtschaftsinformatiker. Die Perspektive ist eher: Wie bekommen wir das im Unternehmern organisiert? Was fangen wir betriebswirtschaftlich damit an? Die nötige Analysesoftware programmieren wir wahrscheinlich nicht selbst sondern kaufen sie ein. Wir möchten daher nur wissen, was für Verfahren es gibt und für welche Anwendungsszenarien sie welche Stärken und Schwächen haben. Wir müssen nicht en detail wissen, wie z.B. ein künstliches neuronales Netz in der Lage ist, bislang unbekannte Muster im Kaufverhalten zu entdecken.

 

Nach der ersten Enttäuschung habe ich beschlossen, mich auf diese andere Perspektive einzulassen und das beste aus dem Modul zu machen. Unterm Strich hat es mir dann doch recht gut gefallen, wenn auch aus ganz anderen Gründen als erwartet. Der größte Gewinn war tatsächlich die unternehmerische, anwendungsbezogene Perspektive, über die ich mir bislang weniger Gedanken gemacht hatte. Mich interessiert, wie man ein gegebenes Problem technisch lösen kann. Wie man vorhandene Technologien einsetzt, um sich im Wettbewerb Vorteile zu verschaffen, finde ich weniger spannend. Aber natürlich braucht man Menschen, die sich um genau solche Dinge Gedanken machen. Ich möchte mich nicht unbedingt selbst in diese Richtung entwickeln, aber ich halte es für sinnvoll, ein Verständnis für diese Denk- und Arbeitsweise zu entwickeln. Und für Menschen, die so arbeiten. Dazu ist das Modul Data Mining gut geeignet.

 

Der Umfang des Lehrbuches ist mit ca. 200 Seiten für Springer Campus unterdurchschnittlich. Nur die zweite Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem Prozess der Wissensgewinnung aus großen Datenbeständen. In der ersten Hälfte geht es zunächst um die Transformation und Zusammenführung von Daten aus operativen Systemen. Für analyseorientierte Systeme bieten sich andere Formen der Datenspeicherung an. Es gibt multidimensionale Datenbanken, die für genau solche Anwendungsfälle entwickelt wurden. Auch die Verwendung relationaler Datenbanken ist möglich, aber sie werden dann oft anders aufgebaut. Während man in operativen Systemen redundante Speicherung von Informationen vermeiden möchte, um Inkonsistenzen auszuschließen, lässt man bei analyseorientierten Systemen manchmal gewisse Redundanzen zu, um schneller durch multidimensionale Datenbestände navigieren zu können. All dies ist zusammengefasst in den Kapiteln zu Data Warehouse und OLAP. Eine wesentliche Rolle spielen die grundlegenden Navigationsmöglichkeiten in multidimensionalen Datenstrukturen. Man kann multidimensionale Datenwürfel in verschiedenen Ebenen schneiden (Slicing), den Datenwürfel durch die Schnittebene drehen (Dicing), Dimensionen feiner Auflösen bzw. in den Würfel hineinzoomen (Drill down) oder aus dem Würfel herauszoomen (Roll up). Ziel ist, eine Datenstruktur aufzubauen, die es erlaubt, große Datenbestände interaktiv und auf neue Weise zu erkunden. Das ist etwas ganz anderes als klassisches Reporting.

 

Erst im zweiten Teil des Buches geht es dann um Data Mining, also das Erkennen bislang unbekannter Muster in großen Datenbeständen. Im Lehrbuch werden zwei Auslegungen des Begriffes Data Mining unterschieden. Data Mining im engeren Sinne ist der technische Prozess der Wissensentdeckung in Datenbanken. Dazu verwendet man Verfahren wie künstliche neuronale Netze, Clusterverfahren, Assoziationsanalyse und Entscheidungsbaumverfahren. Data Mining im weiteren Sinne ist ein umfassender, mehrstufiger Prozess. Die Stufen heißen: Business Understanding, Data Understanding (Auswahl und Sichtung der Daten), Data Preparation (Datenaufbereitung und -bereinigung), Data Modelling (die Anwendung der eigentlichen Analyseverfahren), Evaluation (Beurteilung und Auswahl relevanter Analyseergebnisse) und Deployment (die Anwendung der Ergebnisse zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen). Das Lehrbuch konzentriert sich auf die zweite Sichtweise des Data Minings als mehrstufiger Prozess. Wer wissen will, wie die Phase des Data Modelling mathematisch-technisch funktioniert, sollte ein anderes Lehrbuch lesen.

 

Typisch für Springer Campus ist, dass jedes Kapitel mit einer Fallstudie endet, die die Anwendung der beschriebenen Techniken und Konzepte in einem betrieblichen Kontext schildert. Hier geht es um eine Firma, die Fahrräder produziert und ihre Kunden gezielter ansprechen möchte.

 

Meine Tutorin gab mir mit den Aufgaben gute Rückmeldungen zur Klausurvorbereitung. Dankbar bin ich vor allem für ihre Tipps zum Zeitmanagement in der Klausur. Meine eingereichten Lösungen waren nämlich oft recht detailliert. Hier bekam ich den Hinweis, für die Klausur mehr auf den Punkt zu kommen, weil die Zeit knapp sei. In der Präsenzklausur gab es denn auch viele Aufgaben, die alle Teile des Kurses abdeckten. Ich habe von Anfang bis Ende geschrieben, was das Zeug hielt, und wurde gerade so rechtzeitig fertig. Was recht angenehm war: Die Aufgaben kamen in Dreiergruppen und aus jeder Gruppe sollte man zwei Aufgaben auswählen, eine durfte man weglassen. Auf diese Weise konnte man kleinere Unsicherheiten im Stoff ein wenig ausgleichen. Aber nicht ganz, denn z.T. zielten die Fragen in ähnliche Richtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Eine gründliche Vorbereitung des gesamten Stoffes ist also angesagt. Ich meine, ganz gut klar gekommen zu sein. Ein Ergebnis liegt mir aber noch nicht vor.

 

Data Mining ist aus meiner Sicht ein Modul mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Der Arbeitsumfang für die Bearbeitung erscheint mir leicht unterdurchschnittlich, weil das Lehrbuch etwas dünner ist als in vergleichbaren Modulen. Web- und Medieninformatiker sollten sich bewusst sein, dass Data Mining als Modul für Wirtschaftsinformatiker aus einer anderen als der gewohnten Perspektive geschrieben ist und auch eine andere Zielsetzung hat. Wer mit diesem anderen Blickwinkel zurecht kommt, ihn vielleicht sogar als willkommene Abwechslung und Anregung begreifen kann, hat hier eine Möglichkeit, im Vertiefungsbereich auch mal mit etwas weniger Bearbeitungszeit einen Schritt weiter zu kommen. Mir hat es am Ende Spaß gemacht, auch wenn ich immer noch Lust hätte, ein Modul zu belegen, das wirklich vertieft auf die einzelnen Analysetechniken eingeht.

kurtchen

Modul: Web-Engineering

Welche Rolle spielt das Modul im Studium?

 

Das Modul "Web-Engineering" ist eines der möglichen Vertiefungsmodule im Studiengang "Web- und Medieninformatik". Es ist außerdem ein Pflichtmodul für die Weiterbildungszertifikate "Web-Frontend-Programmierer" und "Web-Entwickler". Laut Studienplan sollte es ab dem 5. Semester belegt werden. Das Modul "Web-Programmierung" gilt als inhaltliche Voraussetzung, weil man Grundkenntnisse in HTML, Javascript und am besten auch in XML benötigt. Überraschen könnte, dass auch Grundlagen der Informatik 1 und 2 als Voraussetzung genannt werden. Das liegt daran, dass die Programmierung mit serverseitigen Frameworks wie dem GWT oder dem ZK Framework eine große Rolle spielt, und dafür braucht man solide Java-Kenntnisse. Doch davon später mehr. Empfohlen wird auch, das Modul "Skripsprachen" vorher zu belegen. Dieses Modul bietet eine umfangreichere Einführung in Javascript als "Web-Programmierung". Leider wird es nicht mehr angeboten und laut Studienbüro ist auch kein Ersatz in Sicht. Ich finde das recht ärgerlich, denn beim Durcharbeiten von "Web-Engineering" habe ich oft gemerkt, dass vertiefte JavaScript-Kenntnisse nützlich gewesen wären.

 

Die Streichung von "Skriptsprachen" wurde mir gegenüber damit begründet, dass viele Studierende sich beklagt hatten, das Modul sei veraltet gewesen. Mir liegt die letzte Auflage des verwendeten Lehrbuches vor. Mein Eindruck ist, dass ich dieses Modul immer noch sehr gerne belegt hätte, und dass es eine sehr gute Vorbereitung für "Web-Engineering" gewesen wäre. Schade, aber nicht zu ändern.

 

Das Lehrbuch

 

Der Kurs basiert auf dem Lehrbuch "Web 2.0-Anwendungen mit AJAX" von Jürgen Priemer. Herr Priemer ist auch einer der Autoren des Lehrbuches von "Grundlagen der Informatik 3", wo es unter anderem um GUI-Programmierung in Java am Beispiel von Swing geht. Ich meine, seinen Stil wiedererkannt zu haben. Mit GdI3 kam ich gut zurecht und auch dieses Lehrbuch hat mir wieder gut gefallen. Mit ca. 350 Seiten ist der Umfang leicht unterdurchschnittlich. Das heißt aber nicht, dass man dieses Modul überdurchschnittlich schnell durcharbeiten kann. Die Themenvielfalt ist groß und jeder Themenwechsel geht zu Lasten des Arbeitstempos.

 

Worum geht es?

 

Worum geht es nun inhaltlich? Springer hat ja ein verpflichtendes Modul "Web-Anwendungen 2", bei dem es um die Programmierung von Web-Anwendungen mit Java-Server-Pages (JSP) geht. Hier ist das GUI eine HTML-Seite, die von einem Servlet erzeugt wurde. Der Nutzer macht Eingaben in ein Formular und sendet es ab. Das Servlet empfängt einen HTTP-Request, dem Nutzereingaben als Parameter angehängt sind. Das Servlet verarbeitet diese Anfrage, interagiert zu diesem Zweck mit Fachkonzept-Klassen und eventuell auch einer Datenbank und baut eine neue HTML-Datei als Antwort auf die Nutzeranfrage. Diese empfängt der Browser des Nutzers und rendert daraus eine Darstellung, die der Nutzer dann sieht. So weit der klassische Ablauf. Eine grundlegende Beschränkung ist, dass die Serverantwort als neue Seite empfangen wird. Es wird also nach jeder Nutzeranfrage eine komplett neue Seite geladen und gerendert.

 

Wenn man möchte, dass Web-Anwendungen reaktiver und interaktiver sind, hilft die Technik des XML-HTTP-Requests. Dazu braucht man Code, der clientseitig ausgeführt wird. Der kleinste gemeinsame Nenner auf der Clientseite ist Javascript, das in allen modernen Browsern zur Verfügung steht. Wir haben also clientseitig ein Event-Handling in Javascript, das bestimmte Nutzeraktionen registriert, z.B. dass der Nutzer gerade das Postleitzahlen-Eingabefeld verlassen hat. Der clientseitige Code schickt nun dem Server einen sogenannten XML-HTTP-Request, der z.B. die gerade eingegebene Postleitzahl enthält. Der Server verarbeitet diesen Request, z.B. in dem er bei einem Web-Service den zur Postleitzahl passenden Ort nachschlägt. Nun kommt der entscheidende Punkt: Der Server antwortet nicht mit einer neuen Seite sondern schickt eine Response im XML- oder JSON-Format. Diese Response wird von clientseitigem JavaScript-Code in einer Callback-Funktion ausgewertet. Diese Callback-Funktion verändert oder löscht Elemente der dargestellten Seite oder fügt ihr neue Elemente hinzu. Dies geschieht durch Manipulation des Document Object Models (DOM), dass der Browser auf Grundlage der zuvor empfangenen HTML-Datei erzeugt hat. Zum Beispiel kann die Callback-Funktion nun den Ortsnamen in das Eingabefeld Ort einfügen oder eine Fehlermeldung anzeigen, dass die eingegebene Postleitzahl nicht existiert und den Absenden-Knopf des Formulars deaktivieren, bis der Nutzer diesen Fehler behoben hat.

 

Der oben beschriebene, grundlegende Prozess steht im Mittelpunkt des Moduls. Durch ihn können Web-Anwendungen reaktiver werden. Seiteninhalte können sich dynamisch ändern, ohne das eine Seite komplett neu geladen werden muss. Web-Anwendungen können mit GUIs ausgestattet werden, die denen von Desktop-Anwendungen ähneln. Sie können komplexere Funktionalität und ein insgesamt flüssigeres Nutzungserlebnis bieten.

 

Der Preis dafür: Wir müssen nicht nur serverseitigen Code in einer serverseitigen Sprache programmieren (wie z.B. PHP oder Java), sondern auch clientseitigen Code in JavaScript. Wir müssen ein bisschen Hirnschmalz darauf verwenden, die Interaktion zwischen client- und serverseitigem Code hinzubekommen. Und das ganze wird eventuell noch dadurch verkompliziert, dass wir Inhalte von unterschiedlichen Servern oder Web-Services einbinden.

 

Es gibt nun im wesentlichen drei Möglichkeiten, Web-Anwendungen dieser Art zu implementieren:
1. Wir programmieren den clientseitigen Code von Hand in JavaScript aus. Dann müssen wir uns damit auseinander setzen, dass es Unterschiede zwischen den Browsern gibt. Wir müssen also bedingte Verzweigungen in unseren Code einbauen und Fallbacks schreiben.
2. Wir verwenden ein clientseitiges JavaScript-Framework, dass uns die Arbeit vereinfacht. Bibliotheken verbergen die Unterschiede zwischen den Browsern hinter einheitlichen Funktionsaufrufen und vereinfachen den Umgang mit dem XML-HTTP-Request und der Response. Als Bonus bekommen wir in der Regel Funktionen zur einfachen DOM-Manipulation und fertige GUI-Elemente, zum Bau interaktiver Oberflächen. Im Kurs werden 2 derartige Frameworks vorgestellt: Prototype und das sehr verbreitete JQuery.
3. Wir verwenden ein serverseitiges Framework, das uns erlaubt, den gesamten Code, auch für das was auf dem Client passieren soll, in EINER serverseitigen Sprache zu schreiben. Im Kurs behandelt wird zunächst das Google Web Toolkit (GWT). Hier übersetzt ein Compiler clientseitigen Code von Java nach JavaScript. Auch das ZK Framework wird vorgestellt. Dort programmiert man ebenfalls alles in Java. Der Java-Code wird aber nicht zu JavaScript übersetzt. Stattdessen gibt es zu GUI-Klassen in Java korrespondierende fertige Pendants in JavaScript, die automatisch clientseitig eingebunden werden und mit den serverseitigen Klassen per Remote Procedure Call kommunizieren. Der Vorteil für den Entwickler: Er kann eine (verteilte) Web-Anwendung rein in Java schreiben. Das fühlt sich dann fast an, als würde man eine Desktop-Anwendungen programmieren.

 

Diese Inhalte bilden den Kern des Moduls. Die verschiedenen Ansätze werden immer wieder am Beispiel eines Heimwerker-Portals demonstriert, dass schrittweise um verschiedene Funktionalitäten erweitert wird. Im Kurs gibt es viele praktische Programmieraufgaben, was natürlich Spaß macht.

 

Herausforderungen speziell bei diesem Modul

 

Schwierig ist der häufige Wechsel der Frameworks. Man ist ständig mit neuer Syntax konfrontiert und wird nie richtig sicher im Umgang mit einem Framework. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass sich Frameworks schnell weiterentwickeln. Ich hatte zum Teil Mühe, Codebeispiele aus dem Kurs zum Laufen zu bekommen. Oft war hier zusätzliche Zeit für Recherche nötig, um herauszufinden, wie bestimmte Dinge inzwischen gehandhabt werden. Und das, obwohl der Kurs noch gar nicht so alt ist. Das scheint der Preis dafür zu sein, wenn man aktuelle Themen in Module aufnimmt.

 

Der Umgang mit dieser Schwierigkeit wurde mir erleichtert durch die guten Hilfestellungen und Tipps meines Tutors, der immer wieder Ideen beisteuerte, woran es liegen könnte, dass etwas nicht (mehr) läuft.

 

Als - durchaus klausurrelevanten - Bonus gibt es noch Kapitel über neue Funktionen in HTML5, wie z.B. das Canvas-Element oder Local Storage. Außerdem gibt es Kapitel über Mashups, also Möglichkeiten, Inhalte aus Web-Diensten in eigene Seiten einzubinden, z.B. Kartendienste, RSS-Feeds, Photo-Dienste, Suchmaschinen und dergleichen. Den Abschluss bildet ein Kapitel über die Google-App-Engine.

 

Mir hat das Modul viel Spaß gemacht, weil es sehr praktisch war und es viele Einsendeaufgaben gab, bei denen es um Problemlösen ging. Es war schwerpunktmäßig ein Programmiermodul.

 

Die Präsenzklausur

 

Was mir im Hinblick auf die Klausur Sorge gemacht hatte: In der Präsenzklausur darf man keinerlei Hilfsmittel verwenden. Ich stellte mir die Frage, wie ich mir die syntaktischen Feinheiten mehrer Frameworks einprägen sollte. Und wie ich vermeiden sollte, diese in der Klausur durcheinander zu bringen.

Diese Sorge war aber unbegründet: Im Gegensatz zum Kurs selbst spielt in der Klausur das Schreiben von Code eine untergeordnete Rolle. Hier geht es vor allem darum, die grundlegenden Abläufe im Zusammenspiel von client- und serverseitigem Code zu verstehen. Auch geht es darum, die Architektur und die konzeptionellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Frameworks zu begreifen.

 

Die Klausur deckt Inhalte aus allen Teilen des Moduls ab. Das ist möglich, weil es auch kleinere Aufgaben mit Wissensfragen gibt, so dass man mit wenig Zeit abchecken kann, ob der Studierende wirklich alle Kapitel durchgearbeitet hat. Das wechselt sich dann wieder ab mit problemlösenden Aufgaben, bei denen man eine eigene intellektuelle Leistung erbringen muss. Eine gut gestellte Klausur, muss ich sagen.

 

Das heißt leider nicht, dass ich da unbedingt gut abgeschnitten habe. Ein Ergebnis liegt mir noch nicht vor, aber ich weiß inzwischen, dass ich einige "Böcke geschossen" und auch ein paar Sachen verwechselt habe. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie stark sich das auf meine Note auswirken wird. Falls sie nicht so gut ausfällt, muss ich mir das aber selbst zuschreiben. Fair gestellt war die Klausur in jedem Fall.

 

Für wen ist es geeignet?

 

Web-Engineering ist ein Modul, dass niemand belegen muss. Darum stellt sich am Ende die Frage, wem ich es empfehlen möchte:
- Leute, die praktische Module mit Programmieraufgaben mögen.
- Leute, die Spaß daran haben, in rascher Folge neue Frameworks auszuprobieren.
- Leute, die damit zurechtkommen, auch mal selbst zu recherchieren, weil sich Inhalte schon wieder weiterentwickelt haben.
- Leute, die es nicht darauf anlegen, den Wahlpflichtbereich mit möglichst wenig Arbeitsaufwand hinter sich zu bringen.
- Leute, die auch eine schlechtere Note riskieren möchten, wenn dafür die Modul-Inhalte spannend sind.

kurtchen

Neuer Klausurstandort Heidelberg

Seit neuestem ist es möglich, auch in Heidelberg Klausuren zu schreiben. Das liegt daran, dass der Springer Verlag eine Zweigniederlassung in Heidelberg hat. Der Klausurort ist darum auch das große Gebäude in der Tiergartenstraße 17.

 

Klausuren in Heidelberg sind bis auf weiteres Freitags von 10 bis 12 und bei Bedarf von 13 bis 15 Uhr möglich. Samstags kann man in Heidelberg keine Klausuren schreiben.

 

Wenn man mit dem Auto anreist, sollte man bedenken, dass der Verkehr sich morgens im Berufsverkehr stadteinwärts staut. Das kennt man auch von anderen Städten. Die Parksituation vor Ort ist gut. Springer hat einen großen Firmenparkplatz, den ich aber gar nicht nutzen musste, weil ich einen der zahlreichen öffentlichen und gebührenfreien Parkplätze einer nahe gelegenen Sportanlage nutzen konnte. Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln scheint nach Auskunft eines Kommilitonen kein Problem zu sein.

 

Beim Betreten des Gebäudes muss man sich am Empfang in eine Besucherliste eintragen und beim Verlassen des Gebäudes auch wieder abmelden. Das dauert einen Moment. Dafür ist der Klausurraum im Erdgeschoss nahe beim Eingang und nicht schwer zu finden. Wie an anderen Klausurorten üblich, werden Getränke und ein paar Süßigkeiten zur Verfügung gestellt.

 

Ein großes Plus in Heidelberg ist die hervorragende Betriebskantine von Springer. Ob süß oder herzhaft, üppig oder gesundheitsorientiert, mit oder ohne Fleisch, hier ist für jeden etwas geboten. Ich hatte bei meinem ersten Besuch am Ende mehr auf dem Tablett, als ich mir vorgenommen hatte, weil so viele leckere Dinge lockten. So konnte ich gut gestärkt in meine zweite Klausur gehen.

 

Schön am Standort Heidelberg ist auch, dass man dort Mitarbeiter von Springer Campus trifft, die unseren aber auch weitere Fernstudiengänge organisatorisch betreuen. Das ist eine schöne Gelegenheit zum informellen Austausch, über die aktuelle und künftige Situation unseres Studienganges. Es ist durchaus interessant zu erfahren, wie bestimmte Aspekte unseres Fernstudiums aus Anbietersicht wahrgenommen werden.

 

Bislang nutzen nur wenige Studierende den  Klausurstandort Heidelberg. Allerdings weiß ich von Kommilitonen, dass trotz eindeutiger E-Mail-Einladung noch längst nicht alle mitbekommen haben, dass es diese neue Möglichkeit gibt. Ich glaube, dass Heidelberg vor allem für die Studierenden aus Baden-Württemberg eine interessante Alternative sein könnte. Aber nicht nur. Ich wohne in Unterfranken und möchte in Zukunft gerne öfter meine Klausuren in Heidelberg schreiben.

kurtchen

Modul: Softwaretechnik 3

Das Modul Softwaretechnik 3 (SWT3) ist verpflichtend für Studierende im Studiengang Web- und Medieninformatik und wird dort dem großen Studienbereich "Softwaretechnik" zugerechnet. Für Studierende im Studiengang Wirtschaftsinformatik ist es nicht verpflichtend. Soweit ich es verstanden habe, kann es von ihnen nicht einmal als Vertiefungskurs belegt werden. Laut Studienplan sollte man SWT3 im 6. Semester belegen. Es ist also als eines der letzten Module vor der Bachelor-Arbeit vorgesehen.

 

Voraussetzungen

 

Die Liste der Module, die als inhaltliche Voraussetzung genannt werden ist lang: Man benötigt GdI1 und GdI2, weil man solide Kenntnisse objektorientierter Konzepte sowie gute Java-Kenntnisse braucht. GdI3 ist wichtig, weil die Interaktionen zwischen den Schichten GUI, Fachkonzept und Datenhaltung eine wesentliche Rolle spielen. SWT1 ist unter anderem nötig, weil man sich mit den verschiedenen UML-Diagrammen gut auskennen sollte. Wozu man Software-Management braucht, erschließt sich mir nicht. Ich hatte diese Grundlage nicht und habe sie auch an keiner Stelle des Kurses vermisst. Dafür denke ich, dass das Modul "Nicht-sequentielle Programmierung" (NSP) eine sinnvolle Vorbereitung wäre, denn verteilte Anwendungen spielen eine große Rolle und es ist sehr hilfreich, zumindest schon einmal Erfahrungen mit RMI (Remote Methode Invocation) gesammelt zu haben. Das Modul SWT3 ist außerdem ein Pflichtmodul für das Hochschulzertifikat "Software-Architekt". Kein Wunder, denn Software-Architektur ist ein roter Faden dieses Kurses.

 

Das Lehrbuch

 

Grundlage für den Kurs ist das "Lehrbuch der Softwaretechnik - Entwurt, Implementierung, Installation und Betrieb" von Helmut Balzert. Es ist der Folgeband zum "Lehrbuch der Softwaretechnik - Basiskonzepte und Requirements Engineering" vom gleichen Autor. Während sich der Inhalt des ersten Bandes auf 2 Module verteilte, muss man für SWT3 tatsächlich die kompletten 580 Seiten durchackern. Und die haben es in sich. Wie schon im ersten Band legt Herr Balzert großen Wert auf eine präzise Definition der Begriffe. Viele Diagramme (vor allem UML-Diagramme) und Code-Beispiele (meist in Java) ergänzen den Kurstext.

 

Die Themen

 

Eine der ersten Einsendeaufgaben behandelte Verteilungsdiagramme. Mit diesen stellt man dar, wie die Komponenten eines verteilten Softwaresystems auf verschiedene physische Rechner oder auf verschiedene Ausführungsumgebungen an verschiedenen Standorten verteilt sind, und über welche Protokolle die Interaktion zwischen den Knoten abläuft. Konkret sollte man für die Aufgabe die sprachliche Beschreibung eines verteilten Systems in ein Diagramm umsetzen. Hier hatte ich Schwierigkeiten, mir das System und das Zusammenwirken seiner Teile vorzustellen. Ich brauchte mehrere Anläufe und viele Rückmeldungen meines Tutors, um diese Aufgabe befriedigend lösen zu können. Leider ist dieses Thema eine meiner Achillesfersen geblieben. Die Verteilungsdiagramme spielten auch in der Klausur eine Rolle und gerade mit dieser Aufgabe habe ich mich sehr schwer getan.

 

Leichter fiel mir der große Themenbereich der Entwurfsmuster. Hier zielten die Einsendeaufgaben darauf ab, verschiedene Entwurfsmuster in Java auszuprogrammieren. Zu meiner Überraschung ist SWT3 ein Modul, in dem das Schreiben von Code wieder eine größere Rolle spielt. Eine schöne Nebenwirkung dieses Moduls ist, dass ich nun viel besser mit Netbeans umgehen kann. (Eigentlich nicht vorgesehen, ich hätte ich das Modul mit Eclipse bearbeiten sollen.) Wichtige Themen sind: Callback, Schichten-Muster, Beobachter-Muster, MVC-Muster, Fassaden-Muster, Kommando-Muster, Proxy-Muster, Fabrikmethoden-Muster, Strategie-Muster und Brücken-Muster.

 

Angenehm am Modul ist auch, dass sich eher theoretische und sehr praktische Kapitel abwechseln. Nach einem recht theoretischen Kapitel über nicht-funktionale Anforderungen geht es also wieder recht praktisch weiter mit Globalisierung und Internationalisierung von Software, mit Authentifizierung und Autorisierung am Beispiel JAAS und mit Transaktionen am Beispiel JTA. Ergänzend zur vorherrschenden Java-Perspektive gibt es immer wieder kleinere Ausflüge, wie die verschiedenen Konzepte des Kurses in .NET umgesetzt werden.

 

Ein nächster großer Block sind Arten der Netzkommunikation bei verteilten Anwendungen. Hier lernt man in rascher Folge die Kommunikation mit Sockets, mit Remote Method Invocation (RMI), mit CORBA, mit XML-RPC, mit SOAP und REST. Hierzu gibt es auch wieder mehrere Programmieraufgaben. In diesem Zusammenhang lernt man auch weitere Entwurfsmuster kennen, z.B. Wert-Objekte, Fabrik-Dienste und Fassaden.

 

Es folgt ein Kapitel über softwaretechnische Infrastrukturen. Hier geht vor allem um Java EE und um .NET. Das Kapitel über eingebettete Systeme und Architekturmuster für diese fällt aus meiner Sicht recht knapp aus. Wichtiger scheint mir das Kapitel über Persistenz. Hier gibt es Einsendeaufgaben zur objektrelationalen Abbildung (ORM) und zur Java Persistence API (JPA). ORM war ja auch schon im Modul "SQL und relationale Datenbanken" Thema, aber ich finde es nicht schlecht, dass dieses Thema hier noch einmal auftaucht. Bei der objektrelationalen Abbildung geht es darum, Klassen, Assoziationen und Vererbungsstrukturen eines per OOA erstellen Fachkonzepts in sinnvoller Weise auf Tabellen einer relationalen Datenbank abzubilden. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, die je eigene Vorzüge und Nachteile haben.

 

Die restlichen Kapitel über GUI-Entwurfsmuster, den Entwurfsprozess, Qualitätssicherung der Architektur, Implementierung, Verteilung und Installation, Betrieb und Reverse Engineering werden nur noch durch Tests abgedeckt. Aufgrund des Umfangs des Moduls gibt es sehr viele Tests. Ich habe auch den Eindruck, dass im Abschlusstest breit geprüft wird.

 

Mein Tutor war der gleiche wie in SWT1, SWT2, Mobile Computing und Web-Design. Die Rückmeldungen zu meinen Einsendeaufgaben kamen meist schon am nächsten Tag. Besonders interessant war es natürlich, wenn meine Lösung nicht gestimmt hatte. Durch die schnelle Antwortzeit, konnte ich gut Rückfragen stellen und meine eingereichten Lösungen zum Teil in mehreren Schritten verbessern. Das war wieder sehr hilfreich für die Klausurvorbereitung.

 

Online- und Präsenzklausur

 

Bei der Online-Klausur kamen Themen dran, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet hätte. Aufgrund der Gewichtung der Einsendeaufgaben erschienen mir, Entwurfsmuster, Arten der Netzkommunikation und Persistenz als die Kernthemen des Moduls, die man gründlich vorbereiten sollte. Aber hier kamen auch Aufgaben zu kleineren Themen. Wer Bonuspunkte will, sollte also den gesamten Kurs ernst nehmen.

 

In der Präsenzklausur kamen große Punktebringer dann schon aus den oben genannten Kernthemen. Es gab aber auch mehrere kleinere Aufgaben, die mit Wissensfragen Inhalte aus dem gesamten Modul abdeckten. Schon eine clever konstruierte Prüfung, wenn man checken will, ob die Studierenden wirklich alles bearbeitet und verstanden haben. Leider kamen auch die von mir nicht geliebten Verteilungsdiagramme wieder dran.

 

Fazit und Ausblick

 

Manche der vorgestellten Architektur-Muster waren recht komplex. Zum Teil habe ich bei diesem Modul gespürt, dass ich an die Grenzen meiner Abstraktionsfähigkeit komme. Man merkt deutlich, dass es ein Modul für fortgeschrittene Semester ist. Gut gefallen hat mir, dass hier die Umsetzung der Entwürfe in Code wieder eine größere Rolle spielt. SWT3 bildet eine gute Brücke zwischen den Modulen der Softwaretechnik und den Programmiermodulen. Ich finde insgesamt die Studienbereiche GdI und SWT gut aufeinander abgestimmt. Der Kurs hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, war aber für mich auch herausfordernd. Während ich bei anderen Modulen oft noch Wünsche formulieren konnte, was ich gerne noch alles gelernt hätte, war ich nach SWT3 endlich einmal "satt". Das kommt bei mir eher selten vor.

 

Ein Klausurergebnis habe ich noch nicht, aber ich hoffe sehr, dass die Mühe sich gelohnt hat und ich diesen anstrengenden Teil meines Studiums nun auch wirklich hinter mir lassen kann. Den "dicken Brocken" Softwaretechnik habe ich damit aber noch nicht geschafft. Auf mich warten noch immer die Module "Software-Management 1" und "Software testen". Ich brauche nun aber tatsächlich einen Themenwechsel, um nicht ständig von der gleichen geistigen Ressource zu zehren. Darum möchte ich nun endlich einmal das bislang von mir vernachlässigte Thema BWL angehen, um das auch Studierende der Web- und Medieninformatik nicht herumkommen. In den nächsten Wochen wird mich also das interne und externe Rechnungswesen beschäftigen. Nicht gerade eine Entwicklungsaufgabe, auf die ich mich freue, aber nachdem ich in den letzten Wochen sehr viel vor dem Bildschirm gesessen habe, wird es zumindest eine Abwechslung sein.

kurtchen

10:45 Uhr - Aktuelles für Studierende

 

Den Vortrag hielt zum ersten Mal Frau Kreissig von Springer Campus. Nach der Übernahme der W3L durch Springer Campus im Herbst, gab sie uns einige Informationen über die GmbH, die nun unsere Studiengänge weiterführt. Im Studienalltag haben wir ja nicht viel davon gemerkt. Das Konzept der Studiengänge und die gesamte Studienorganisation sind gleich geblieben. Insbesondere bleibt es bei der Kooperation mit der FH Dortmund, die am Ende unsere Abschlüsse verleiht. Und doch sind wir unter einem neuen Dach. Im Vortrag ging es darum, ein wenig mehr über dieses neue Dach zu erfahren.

 

Frau Kreissig gab uns ein kleines "who is who" der für uns relevanten Mitarbeiter von Springer Campus. Viele Namen und Gesichter waren uns ja schon bekannt, weil unsere gewohnten Ansprechpartner aus dem Studienbüro nun für Springer Campus tätig sind. Frau Kreissig selbst ist Biologin und arbeitet als Projektmanagerin für Springer Campus. Sie scheint durchaus IT-affin. Springer Campus ist eine Abteilung von Springer Nature, einem Verlag mit ca. 13000 Mitarbeitern. Und nein, Springer verlegt nicht die Bildzeitung! Das macht ein anderer Springer Verlag und ist ein häufiges Missverständnis.

 

Spannend für mich war eine Vorstellung der anderen Studiengänge, die über Springer Campus angeboten werden. Dies gilt vor allem für den B.Sc. Biologie, den es seit 1997 gibt. Dieser Studiengang ist nur ausgebildeten Laboranten zugänglich, also BTAs und MTAs mit Berufserfahrung. Ein Biologie-Studium beinhaltet naturgemäß viele Laborpraktika. TAs bringen durch ihre Ausbildung Vorkenntnisse mit, die sich in einem Fernstudium sonst kaum vermitteln ließen. Entwickelt wurde dieser Studiengang in Kooperation der Uni Mainz mit der Firma Bayer, die ihre Laboranten berufsbegleitend wissenschaftlich weiterbilden wollte. Inzwischen hat der Studiengang Teilnehmer von über 100 Firmen. Im Gegensatz zu unseren Informatik-Studiengängen, die als Online-Studiengänge konzipiert sind, folgt das Fernstudium Biologie dem Ansatz des blended learning. Es gibt alle 2 Wochen Präsenzen. Das erzwingt auch Zeitfenster für den Studieneinstieg, während wir Informatiker uns jederzeit einschreiben können. Ein Unterschied zu uns ist auch eine stabile Gruppe von 4-35 Studierenden, die über den Zeitraum des Studiums zusammenarbeitet und von einem festen Ansprechpartner betreut wird. Die Kosten sind mit ca. 15.000 Euro etwas höher als bei uns. Das hat damit zu tun, dass Laborpraktika betreuungsintensiv und teuer sind.

 

Wie bei uns steht auch bei den anderen Studiengängen von Springer Campus am Ende ein Abschluss einer staatlichen Hochschule, denn Springer Campus tritt bislang nicht als private Hochschule auf sondern kooperiert mit staatlichen Hochschulen. Neben dem Fernstudium Biologie gibt es seit 2015 ein Fernstudium Chemie und seit 2016 ein Fernstudium Elektrotechnik, beide mit einem ähnlichen Modell des blended learning. In Zukunft könnte es auch noch ein sozialwissenschaftliches Studium geben.

 

Für mich war das alles recht spannend, nicht zuletzt weil meine Partnerin Biologin ist. Ich hatte den Eindruck, dass vielen Lesern hier im Forum noch nicht bekannt ist, dass ein Fernstudium in Fächern wie Biologie und Chemie möglich ist. Darum wollte ich die Gelegenheit nutzen, das hier einmal vorzustellen.

 

FAQs aus dem Studienbüro

 

Für uns Studierende besonders relevant waren FAQs aus dem Studienbüro und eine anschließende Frage und Antwortrunde:
- Fachlich nicht wirklich essentiell aber für viele von uns doch von großer emotionaler Bedeutung: Die kleine Ente mit Doktorhut, die von der W3L traditionell mit der Bachelorurkunde überreicht wurde, bleibt auch unter Springer Campus erhalten. Das hatten tatsächlich viele Studierende gefragt. (Ich hatte mich nicht getraut, habe mich aber auch gefreut.)
- Da Springer Campus in Heidelberg sitzt, kann Heidelberg als neuer Prüfungsstandort angeboten werden. Bislang hat man das erst einmal versucht aber die Resonanz war gering. Darum wurde noch einmal abgefragt, ob ein Prüfungsstandort Heidelberg interessant ist und welche Zeiten "anreisekompatibel" wären.
- An Präsenztagen gibt es weiterhin nur Prüfungen in Dortmund, weil das Personal an diesen Tagen in Dortmund gebunden ist.
- Das Modul "Wissenschaftliches Arbeiten" ist nun Pflichtmodul in beiden Informatik-Studiengängen, weil sich in der Vergangenheit immer wieder mal formale Mängel bei der Abschlussarbeit unvorteilhaft auf die Abschlussnote ausgewirkt haben. Viele Studierende arbeiten in einem betrieblichen Umfeld und erleben dort wissenschaftliches Arbeiten nicht. Frau Kreissig rät dringend, die Möglichkeit zur Interaktion mit dem Betreuer zu nutzen. Für diejenigen Studierenden, die noch nach einer alten Studienordnung studieren und "Wissenschaftliches Arbeiten" nicht belegen müssen, wird es dennoch dringend empfohlen.
- Ein Notenspiegel bzw. eine Leistungsübersicht kann per Mail oder Post im Studienbüro angefordert werden.
- Verspätete Klausuranmeldungen können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Die angegebenen Fristen, in der Regel 1,5 Wochen vor Prüfungstermin, sind verbindlich.
- Klausurkorrekturen erfolgen innerhalb von 6 Wochen. (Nach meiner Erfahrung hat man im Schnitt nach 3 Wochen ein Ergebnis.)
- Das Modul "Skriptsprachen" wurde aus dem Curriculum genommen und wird bis auf weiteres nicht mehr angeboten. Ein Grund dafür war, dass es inhaltlich nicht mehr ganz aktuell war, obwohl die letzte Auflage des Lehrbuches eigentlich noch gar nicht so lange her war. An diesem Punkt merkt man, dass sich in der Informatik viele Themen schnell weiterentwickeln.
- Als Ersatz für "Skriptsprachen" kann man das Modul "Web-Engineering" belegen. Hier geht es allerdings nicht allein um Javascript sondern um AJAX.

 

Thema war auch die Umstellung auf die neue Plattform, was anfangs für einigen Unmut gesorgt hatte. Allerdings gibt es inzwischen auch Studierende, die mit der neuen Plattform zufrieden sind. Viele gemeldete Bugs wurden anscheinend in recht kurzer Zeit behoben. Die gestiegene Auslastung der Plattform führte zwischenzeitlich zu längeren Antwortzeiten. Eine neue skalierbare Hardware soll ermöglichen, künftig schneller auf solche Situationen zu reagieren. Die Umstellung auf das neue Layout hatte übrigens nichts mit der Übernahme durch Springer zu tun sondern war seit längeren geplant und in Arbeit. Es war reiner Zufall, dass die Übernahme durch Springer und die Umstellung des Layouts zeitlich eng zusammenfielen. Da noch nicht alle gemeldeten Mängel restlos behoben werden konnten, besteht nach wie vor Wahlfreiheit zwischen und alter und neuer Plattform.

 

Bleibt zu sagen, dass ich natürlich sehr gespannt bin, wie sich diese Angelegenheit entwickelt. Ich selbst bin nach einer Weile zur alten Plattform zurück gekehrt, habe aber deswegen auch nicht mehr mitbekommen, was sich seitdem verbessert hat. Vielleicht kann mich Springer ja bald davon überzeugen, künftig mit der neuen Plattform zu lernen.

 

Im Rahmen des Vortrags von Frau Kreissig wurden auch wieder einige Hochschulzertifikate überreicht. Frau Weirich vom Studienbüro informierte parallel in einem anderen Raum über das Studiengangskonzept.

 

12:15 - Vortrag Prof. Dr. Uwe Klug zum Thema NoSQL-Datenbanken

 

Professor Dr. Uwe Klug von der FH Südwestfalen ist vielen Studierenden bekannt als Autor der Lehrbücher zum Datenbank-Modul. Dort geht es in erster Linie um relationale Datenbanken und die Abfragesprache SQL. In seinem Vortrag ging es um alternative Datenbankkonzepte. Hier eine kleine Zusammenfassung:

 

Das Konzept der relationalen Datenbank ist seit Jahrzehnten etabliert. Die Grundidee ist die Speicherung von Daten in Tabellenform. Eine mögliche Metapher hierfür ist das Adressbuch. Es hat auf jeder Seite Daten im gleichen Format, z.B. erst der Name, dann die Adresse, dann die Telefonnummer und so weiter. Relationale Datenbanken halten stark strukturierte Daten.

 

Im Bild der Tabelle sind die Tabellenüberschriften die Felder und stehen für Typen von Daten, die in fester Reihenfolge enthalten sind. (Unter Umständen dürfen Felder immerhin leer bleiben.) Die Zeilen enthalten die eigentlichen Daten und stehen für gespeicherte Datenobjekte, die Datensätze. Kennzeichnend für relationale Datenbanken ist die starke und starre Strukturierung der Daten. Sie ermöglicht einen feingranularen Zugriff auf Daten mit teils raffinierten Abfragen, die in der Sprache SQL formuliert werden. Zu Beginn der Datenbankentwicklung werden die zu speichernden Daten modelliert und das Modell normalisiert, um Redundanzen zu eliminieren.

 

Zentrale Eigenschaften einer relationalen Datenbank sind:
- relationale Integrität: Sie gewährleistet die Datenintegrität, z.B. durch Check-Regeln, Trigger und die Verwendung von Fremdschlüsseln zur Vermeidung redundanter (und möglicherweise inkonsistenter) Datenspeicherung.
- Transaktionssicherheit: Eine Folge von SQL-Anweisungen wird ganz oder gar nicht bearbeitet. Kann sie nicht ganz bearbeitet werden, gibt es einen Rollback, bei dem die bisherigen Anweisungen der unvollständigen Transaktion rückgängig gemacht werden. Wie Transaktionssicherheit intern sichergestellt wird, muss der Datenbankentwickler nicht wissen. Das macht für ihn das RDBMS.

 

Hinter relationalen Datenbanken steht eine bestimmte kaufmännische Denkungsart. Im Vordergrund steht die Konsistenz der Daten, die jederzeit aktuell und widerspruchsfrei sein sollen.

 

Inzwischen haben sich aber Anforderungen an Datenbanken geändert. Datenbanken werden nicht mehr vorwiegend in kaufmännischen Anwendungen eingesetzt sondern z.B. auch in Web-Applikationen. Und dort gelten oft andere Anforderungen, die von relationalen Datenbanken nicht mehr optimal erfüllt werden. Daten in Web-Applikationen sind oft nur schwach strukturiert. Feingranulare Abfragen stehen nicht immer im Mittelpunkt. Dafür sind die Nutzerzahlen oft extrem hoch.

 

Es gibt im wesentlichen 2 Strategien, auf steigende Nutzerzahlen und Datenmengen zu reagieren:
1. vertikale Skalierung: Ich kaufe einen schnelleren Rechner mit größerer Platte. Aber irgendwann habe ich den schnellsten Rechner und die Nutzerzahlen zwingen meinen Datenbankserver trotzdem in die Knie.
2. horizontale Skalierung: Ich verteile meine Daten auf mehrere Server. So muss jeder Server nur einen Teil der Anfragen bewältigen. Jetzt kann ich auf steigende Nutzerzahlen reagieren, indem ich einfach immer mehr Server hinstelle. Damit handle ich mir aber ein neues Problem ein. Wenn Daten redundant auf mehreren Servern liegen, muss ich sie bei Änderungen konsistent halten.

 

Mit den Web-Applikationen kommen neue Wünsche und Anforderungen an Datenbanken:
- Ich möchte große Datenmengen verteilt speichern.
- Ich möchte Schema-Änderungen WÄHREND der Nutzung des DBMS durchführen können und nicht etwa gezwungen sein, für so etwas meine Server vom Netz zu nehmen.
- Ich möchte mit schwach strukturierten Daten arbeiten.
- Mein System soll bei einem Ausfall einzelner Server nicht zusammenbrechen.
- Die Aktualität und Konsistenz der Daten ist grundsätzlich weiter wichtig, aber Schnelligkeit der Informationsbereitstellung und Ausfallsicherheit sind mir wichtiger.

 

Gerade die Schnelligkeit ist bei Web-Anwendungen sehr wichtig. Wenn mein Kunde in meinem Shop nach einem Artikel sucht und mein Server braucht zu lange, um eine Auswahl zu präsentieren, wird mein Kunde nach wenigen Sekunden einen neuen Tab aufmachen und schauen, ob mein Mitbewerber schneller ist. Das möchte ich vermeiden.

 

In diesem Zusammenhang ist das CAP-Theorem von Eric Brewer relevant. CAP steht für Consistency (Integrität der Daten), Availability (Schnelle Antwortzeiten) und Partition Tolerance (Ausfalltoleranz). Das CAP-Theorem besagt, dass ich bei einer Datenbank in verteilter Umgebung nicht alles zugleich haben kann. Bei mindestens einer der 3 Anforderungen muss ich Kompromisse machen. Das CAP-Theorem lässt sich mit formalen Mitteln beweisen. Es gibt hier also kein Entkommen. Und darum bestimmen die Anforderungen meines Geschäftsmodells, was für ein DBMS ich brauche. Und das ist eben immer häufiger keine klassische relationale Datenbank.

 

NoSQL-Datenbanken machen den Kompromiss bei der Konsistenz zugunsten von Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit. Das ist für Web-Anwendungen typisch. Ein Beispiel wäre ein Web-Shop, über den Artikel verkauft werden. Er hat 2 Knoten, einen in Hamburg, einen in München. Diese synchronisieren ihre Verkäufe automatisch, so dass dem Kunden jederzeit angezeigt wird, ob sein gewünschter Artikel noch auf Lager ist. Durch eine Störung im Netz wird die Verbindung zwischen Hamburg und München für ein paar Minuten unterbrochen. Es gibt nun 2 Möglichkeiten, darauf zu reagieren:
1. Weil ich die Knoten nicht mehr synchronisieren kann, verkaufe ich nichts mehr. So kommt nie ein Kunde in die Situation, einen Artikel zu bestellen, den ich nicht zum versprochenen Zeitpunkt liefern kann. Aber mein Kunde ärgert sich, dass ich ihm minutenlang nichts anbieten kann und bestellt stattdessen bei der Konkurrenz.
2. Ich verkaufe weiter. Möglicherweise verkaufe ich einen knappen Artikel mehrfach. Dann muss ich einen Kunden informieren, dass ich doch nicht zum versprochenen Zeitpunkt liefern kann. Nicht optimal, aber mein Kunde wird das vermutlich eher akzeptieren als einen Web-Shop, der minutenlang nicht reagiert.

 

Die Aufweichung der Konsistenz beschreibt man mit der Abkürzung BASE. Die steht für Basically Available, Eventually Consistent. Konsistenz wird nicht aufgegeben, aber man fasst sie als Übergangsprozess auf. Zeitweise kann es zu Inkonsistenzen kommen. Sobald eine Verbindung wieder verfügbar wird, wird die Inkonsistenz behoben. Möglich wird dies durch eine Versionierung der Datensätze. Vermittels einer Versionsnummer kann ich nachvollziehen, wie und in welcher Reihenfolge sich Datensätze verändert haben. Bei der Synchronisation paralleler Prozesse fällt nun möglicherweise auf, dass eine Versionsnummer doppelt existiert, weil ein paralleler Prozess den gleichen Datensatz schon geändert hat. Es gibt dann verschiedene Strategien, wie man mit diesem Problem umgehen kann. Welche man wählt, hängt vom Anwendungsfall ab.

 

Vorgestellt wurde auch die Technik des Map Reduce. Dies ist ein zweischrittiges Verfahren, das von Google entwickelt wurde. Es dient der verteilten Ausführung von Operationen über große Datenmengen (von mehreren Terabyte!). Auf verschiedenen Knoten wird parallel gesucht (map). Dann werden die Zwischenergebnisse zusammengeführt (reduce). Map Reduce ist ein Konzept. Es ist somit unabhängig von eingesetzter Hardware. Angewendet wird es z.B. in der CouchDB.

 

Eine Vorstellung der CouchDB bildete den letzten Teil des Vortrags. Sie kann große Datenmengen speichern, die keine feste Struktur aufweisen. Die Daten werden in Form von JSON-Objekten abgelegt. CouchDB hat einen nativen Support für BLOBS (binary large objects). Sie ist quelloffen, einfach zu installieren und bietet eine gute Dokumentation. Entwickelt wurde sie in der wenig bekannten Sprache Erlang, die vor allen in der nebenläufigen Programmierung Stärken hat.

 

Das JSON-Format ist ein textbasiertes (und menschenlesbares) Format, das etwas kompakter schreibbar ist als XML. Es besteht aus Name-Wert-Paaren und ist letztlich eine Komma-getrennte Liste von Eigenschaften. Mit diesem Format kann man schwach strukturierte Daten gut beschreiben. Die Reihenfolge von Feldern kann sich ändern und Felder können auch weggelassen werden.

 

Zum Abschluss wurde noch auf den Unterschied zwischen Replikation und Clustering einer Datenbank eingegangen. Bei der Replikation kopiere ich eine vollständige Datenbank. So kann ich sie redundant auf verschiedenen Knoten ablegen und die Anfragen über die Knoten verteilen. Fällt ein Knoten aus, bleibt die DB verfügbar, wenngleich die Reaktionszeiten womöglich steigen, weil sich Anfragen nun auf weniger Knoten konzentrieren. Replikation findet eine natürliche Grenze in der Speicherkapazität des Knotens mit der geringsten Kapazität. Wenn dieser die gesamte Datenbank nicht mehr fassen kann, muss ich die Datenbank aufteilen. Das nennt man Clustering.

 

Beim Clustering liegen verschiedene Teile der Datenbank auf verschiedenen Knoten. Dadurch muss ich Anfragen eventuell so filtern, dass sie an den richtigen Knoten gerichtet werden, der die relevanten Daten besitzt.

 

Ich habe mich sehr gefreut, Herrn Klug einmal "in Aktion" zu erleben, weil sein Modul "Relationale Datenbanken und SQL" für mich bislang zu den Highlights meines Studiums zählt. Auch die Betreuung durch ihn fand ich damals sehr gut. Inhaltlich waren mir einige der vorgestellten Themen noch aus dem Modul geläufig, aber ein bisschen Auffrischung kann ja nie schaden.

 

13:15 Uhr - Vortrag Prof. Dr. Peter Weber über E-Commerce

 

Den Abschluss des Tages bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Peter Weber über E-Commerce. Herr Weber unterrichtet an der FH Südwestfalen und ist einer der Autoren des Lehrbuches "Basiswissen Wirtschaftsinformatik", ein einführendes Lehrbuch für die Wirtschaftsinformatiker in unserem Studiengang. Herr Weber war ein engagierter Redner und konnte mich für sein Thema begeistern. (Obwohl ich bei BWL-Themen eigentlich nur schwer in die Gänge komme.) Leider konnte ich nicht mehr den gesamten Vortrag hören, weil ich ein Ticket mit Zugbindung hatte. Darum kann ich hier keinen vollständigen Bericht liefern. Spannend war für mich vor allem seine Mitwirkung am Einzelhandelslabor Südwestfalen mit dem CCEC (Competence Center E-Commerce).

 

Das Projekt hat als Zielgruppe kleine Händler und läuft seit April 2016. Ziel ist, die Multi-Channel-Kompetenz des inhabergeführten stationären Einzelhandels zu stärken. Die Ladenbesitzer sind meist schon mit den Anforderungen des Tagesgeschäfts ausgelastet, haben oft wenig Personal und machen das meiste alleine. Das ist natürlich eine Hürde, wenn es darum geht, sich mit neuen Formen der Kundeninteraktion auseinander zu setzen. Und doch wäre das bitter nötig, denn die aktuelle Situation stellt sich wie folgt dar:
- Der Online-Handel hat zweistellige Wachstumsraten.
- Für stationäre Einzelhändler entwickelt sich der Handel nicht so gut.
- Man prognostiziert, dass in den nächsten 5 bis 7 Jahren 30% der Umsätze der stationären Einzelhändler verschwinden.
- Viele Händler nutzen bereits IT.
- Sie nutzen sie aber vor allem zur Verwaltung.
- Seltener nutzen sie IT für Marketing, Service und Vertrieb.

 

Ein mögliches Konzept, den lokalen Handel zu stärken sind lokale Shopping-Plattformen. Sie stellen ein grundlegendes Prinzip des Online-Handels auf den Kopf: Ich kann alles von jedem kaufen, egal wo ich bin, egal wo er ist.

 

In einer lokalen Shopping-Plattform gilt dagegen:
- Ich kann nur kaufen, wenn ich aus einer bestimmten Region bin.
- Ich kann nur kaufen, was ein Händler aus einer bestimmten Region anbietet.


Die Standortbeschränkung - nach klassischer Logik ein Nachteil - ist das Alleinstellungsmerkmal. Im Prinzip ist es eine Form des ethischen Einkaufs und richtet sich an Kunden, die zwar bequem online einkaufen wollen, aber damit dennoch lokale Händler unterstützen wollen, z.B. weil sie auch in Zukunft noch gerne Läden in ihrer Stadt haben möchten.

 

Ziel des CCEC ist, die Ladeninhaber zu qualifizieren, so dass sie Online-Medien nutzen können, um mit ihren Kunden in Kontakt zu treten. Damit ist natürlich etwas anderes gemeint als der x-te Online-Shop.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang der ROPE-Effekt. Er ist sozusagen das Gegenteile eines Phänomens, das viele Einzelhändler beschreiben und beklagen. Die Kunden kommen in den Laden, schauen sich dort die angebotenen Waren an, und kaufen sie anschließend billiger online. Das hat wohl jeder schon einmal gehört. ROPE steht dagegen für "research online, purchase offline". Der Kunde recherchiert im Internet, z.B. in einem Online-Shop, was es für Artikel gibt. Dabei nutzt er zum Beispiel auch die Bewertungen anderer Kunden, Photos, Artikelbeschreibungen und was es sonst für Vorzüge gibt. Dann geht er in einen lokalen Laden und kauft das Produkt. "Macht kaum einer", hätte ich gedacht, obwohl ich das selbst oft so mache und es auch bei meinen Familienmitgliedern schon oft beobachtet habe. Anscheinend schätzt man, dass 38% der Kunden das so machen. Es ist aber schwer, das zu messen. Denn im Gegensatz zum Online-Handel, der seine Kunden hervorragend "trackt", weiß der Einzelhandel wenig darüber, wie Kunden zu ihrer Kaufentscheidung kommen.

 

Ein weiteres Projekt, das sehr spannend klang, ist ARSuL (Augmented Reality basierte Unterstützung für das Lernen im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk). Die Ausgangsituation ist hier folgende:
- Die Vielfalt an Heizungssystemen hat stark zugenommen.
- Ein Wartungstechniker braucht Erfahrung mit vielen verschiedenen Systemen, z.T. sehr neue, z.T. sehr alte.
- Es gibt Nachwuchsmangel im Handwerk. Junge Techniker kennen sich mit der Vielfalt der Systeme noch nicht aus.
- Erfahrene Kräfte sind oft vor Ort nicht verfügbar.
- Zum Teil sind erfahrene Kräfte körperlich auch nicht mehr belastbar genug, um die Arbeiten vor Ort durchzuführen.

 

Die Lösungsidee:
- Die jungen Techniker tragen Datenbrillen und können sich bei Problemen mit einem erfahrenen Techniker verbinden lassen.
- Der sieht, was sie sehen, hat eventuell in der Zentrale sogar ein ähnliches System vor sich und kann sie durch die Reparatur coachen.
- Er kann per Augemented Reality eventuell direkt Hilfestellungen für die jungen Techniker vor Ort einblenden.

 

Fazit

 

Der Präsenztag hat mal wieder viel Spaß gemacht und viel interessanten Input gebracht. Was ich hier nicht beschreiben kann, ist der informelle Austausch mit Kommilitonen über Erfahrungen mit Modulen, Aufgaben, Prüfungen. Und der allgemeine menschliche Austausch über die spezielle Situation des Fernstudiums neben Beruf und Familie. Dadurch lösen sich die vielfältigen Belastungen zwar nicht auf, aber man merkt doch, dass noch andere Menschen diesen nicht alltäglichen Weg gehen. Das gibt dann doch ein wenig Kraft für die nächsten Herausforderungen.

kurtchen

Modul: Web-Anwendungen 2

Das Modul "Web-Anwendungen 2" ist ein Pflichtmodul im Studiengang "Web- und Medieninformatik" und zählt zum gleichnamigen Studienbereich. Springer Campus empfiehlt, dieses Modul im 4. Semester zu belegen, also im gleichen Semester wie "XML" und "Multimedia". Studierende im Studiengang "Wirtschaftsinformatik" müssen "Web-Anwendungen 2" nicht belegen, können es aber als Vertiefungsfach wählen. Allerdings sollten sie dabei die inhaltlichen Voraussetzungen beachten. Grundlagen der Informatik 1 und 2 sowie Web-Programmierung müssen ja auch die Wirtschaftsinformatiker als Pflichtmodule belegen. Aber auch "Web-Anwendungen 1" wird hier empfohlen. Es liefert eine solidere Grundlage in HMTL und CSS als das Modul Web-Programmierung. Insofern finde ich es hier sehr sinnvoll, der Empfehlung zu folgen. "Web-Anwendungen 2" ist auch Pflichtmodul für das Weiterbildungszertifikat "Web-Entwickler". Es ist darüber hinaus eine inhaltliche Voraussetzung für das Vertiefungsfach "Aktuelle Webtechniken", bei dem es um Java Server Faces (JSF) geht.

 

Worum geht es im Kurs?

 

Während es in "Web-Anwendungen 1" um statisches HTML geht, behandelt "Web-Anwendungen 2" die dynamische Erzeugung von HTML-Dokumenten mit einer serverseitigen Sprache. Bekanntestes Beispiel hierfür ist sicher PHP. In diesem Modul wird aber die serverseitige Programmierung mit Java Server Pages behandelt.

Was ist nun eine Java Server Page? Eine JSP ist eine Datei, in der Regel mit der Endung ".jsp", die HTML-Schablonentext enthält, in den Java Code-Fragmente eingestreut sind. Diese Datei wird in eine Java-Klasse übersetzt, die wiederum in Bytecode übersetzt wird. Ein Web-Server, z.B. Apache Tomcat, erzeugt damit zu einem HTTP-Request eine sinnvolle HTTP-Response. Die Response ist der HTML-Schablonentext, in den Elemente eingefügt wurden, die dynamisch berechnet wurden und zur Anfrage passen.

 

Aus Gesprächen mit Kommilitonen weiß ich, dass es für viele ein Ärgernis ist, dass in diesem Modul nicht PHP als Lehrsprache verwendet wird. Zum einen arbeiten viele von ihnen als Web-Entwickler und haben praktische Erfahrung mit PHP. Zum anderen argumentieren sie mit dem recht kleinen Marktanteil von JSP. Das ist natürlich ein Argument. Und doch meine ich, dass es durchaus gute Gründe gibt, die serverseitige Programmierung am Beispiel von JSP zu lehren.

 

Springer Campus setzt ja in den einführenden Programmierkursen auf Java als Lehrsprache. Die Stärke von JSP ist, dass man Java-Klassen verwenden kann. Man kann die gesamte Fachlogik einer Web-Anwendung in Java programmieren und dabei auf alles zurückgreifen, was man bisher über Programmierung gelernt hat. Das hat didaktisch dann doch einige Vorzüge. JSP kann man Klebstoff zwischen Java und HTMl sehen.

 

Praktisch wird man eine IDE wie Eclipse oder Netbeans mit JavaEE verwenden. Die nimmt einem eine Menge Arbeit ab, zum Beispiel das Anlegen einer sinnvollen Ordnerstruktur für den Server. Die IDE packt die erstellten Anwendungen auch automatisch in sogenannte war-Archive. Der Tutor erwartet Lösungen zu den Einsendeaufgaben in dieser Form.

 

Das Lehrbuch

 

"Java Server Pages" von Dieter Wißmann ist wahrscheinlich das beste deutschsprachige Lehrbuch zu diesem Thema. Es gibt nämlich nicht viel anderes dazu. Und das wenige, was es gibt, ist oft schon ganz schön alt. Wer mit diesem Lehrbuch nicht zurecht kommt und Sekundärliteratur sucht, wird es also nicht ganz leicht haben. Zum Glück schreibt der Autor sehr verständlich. Theorie und Anwendungsbeispiele wechseln sich ab und die Themen bauen gut aufeinander auf. Das Buch hat ca. 450 Seiten, was für Kurse bei Springer Campus üblich ist. Unter den Abbildungen sind besonders die UML-Diagramme relevant, die verwendet werden, um die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Klassen zu klären, die man beim Arbeiten mit JSP kennen sollte.

 

In vielen Modulen habe ich die Themen recht ausführlich beschrieben. In diesem Modul werde ich darauf verzichten, weil JSP ziemlich komplex ist und so ist auch die Vielfalt an Themen sehr groß. Ein einfacher, linearer Aufbau des Stoffes ist hier nicht möglich und sinnvoll, weil JSP eine Brücke zwischen vielen Technologien schlägt. Man arbeitet mit HTML und CSS, muss sich damit beschäftigen, was bei einem HTTP-Request zwischen Client und Server passiert, hat mit Apache Tomcat zu tun, aber auch mit der JVM und natürlich mit der Programmiersprache Java, die womöglich per JDBC auch noch an eine relationale Datenbank angebunden ist. Insofern muss der Kurstext immer wieder Theorie einführen oder wiederholen, um so Themen noch einmal ins Bewusstsein zu rufen, die dann per JSP verknüpft werden. Keine leichte Aufgabe für einen Autor, die meiner Meinung nach hier hervorragend gelöst wurde.

 

Einen großen Teil des Buches - an die 100 Seiten - nimmt ein komplexes Fallbeispiel ein: Der Aufbau eines Web-Anzeigenmarktes mit JSP, wobei ein Überblick über den gesamten Entwicklungsprozess gegeben wird. Der komplette Code des Fallbeispiels liegt dem Kurs bei und kann praktisch ausprobiert werden.

Besonders loben möchte ich hier, dass ein Kapitel zur Fehlersuche in JSPs enthalten ist. Die ist nämlich manchmal nicht ganz einfach, was mit dem zweistufigen Übersetzungsprozess zu hat: Von JSP zu Java und von Java zu Bytecode.

 

Treten Fehler beim ersten Schritt auf, so kann man das noch gut nachvollziehen. Ab dem zweiten Schritt oder zur Laufzeit wird es schwieriger, denn die Fehlermeldung bezieht sich auf die aus der JSP generierte Java-Klasse, die man ja nicht selbst geschrieben und gesehen hat. Der Autor stellt hier einige Strategien zur Fehlersuche vor. Eine ist die Umleitung auf eine Fehlerseite, die im Browser detaillierte Meldungen zeigt. Das ist natürlich nichts für die ausgelieferte Web-Anwendung sondern etwas, was dem Entwickler nützt.

 

Wegen des zweistufigen Übersetzungsprozesses ist es auch immer wieder nützlich, sich damit zu beschäftigen, wie die Umsetzung in eine Java-Klasse läuft und was dabei im Hintergrund passiert.

 

Zur Komplexität des Themas trägt bei, dass sich bei JSP verschiedene Syntaxen entwickelt haben, oft mit dem Ziel, das Schreiben von JSPs für Web-Frontend-Entwickler ohne Java-Kenntnisse einfacher zu machen. Das ist historisch gewachsen aber für den Einsteiger unübersichtlich und verwirrend. Der Autor löst dieses Problem, indem er die verschiedenen Syntaxen nacheinander einführt und Hinweise gibt, welche wofür geeignet ist und welche man besser nicht in einer JSP mischen sollte.

 

Einsendeaufgaben

 

Die Einsendeaufgaben in diesem Kurs hatten eine gewisse "Künstlichkeit", weil sie erkennbar darauf hin konstruiert waren, dass der Lernende bestimmte Sprachfeatures kennen lernt, ausprobiert und auch typische Probleme kennen lernt, die damit verbunden sind. In anderen Programmierkursen von Springer Campus wirkten die Aufgaben oft ein bisschen näher an realen Anwendungsszenarien. Für den behandelten Stoff hat der Kursautor meiner Meinung nach genau das richtige getroffen. Der Kurs ist schon etwas anspruchsvoller und eine gewisse didaktische Zuspitzung scheint mir deswegen notwendig.

 

Bei den Einsendeaufgaben geht es um das Abfangen von Fehlern, um Weiterleitungen von Seite zu Seite, um die Übergabe und Validierung von Parametern, um das Speichern und Weitergeben von Informationen vermittels Java-Beans, um die Verwaltung von Sitzungen, den Umgang mit Cookies, aber auch um die Konfiguration des Apache Tomcat Servers vermittels einer XML-Datei.

 

Für die Aufgaben habe ich regelmäßig länger gebraucht als im Kurs angegeben. Mein Tutor empfahl, den compilierten Code nicht nur zu testen, sondern die erzeugten HTML-Seiten auch validieren zu lassen. Er machte relativ enge Vorgaben hinsichtlich der einzureichenden Lösungen, z.B. verbindliche Dateinamen und Ordnerstrukturen. Dafür waren seine Rückmeldungen besonders detailliert und treffsicher. Mein Tutor benannte nicht nur klar, was nicht gut war und wie man es hätte besser machen können. Er sagte ebenfalls, was gut war und so bleiben sollte.

 

Auch kommunizierte er im Vorfeld recht genau, wann und in welchem Umfang er Einsendeaufgaben korrigiert, so dass ich mir die Arbeit am Kurs gut einteilen konnte und rechtzeitig zum Prüfungstermin fertig war.

 

Prüfungen

 

Die Online-Klausur war wie üblich eine gute Vorbereitung auf die Präsenzklausur, allerdings nicht, weil sie ähnlich war. In der Präsenzklausur hat man keine IDE zur Verfügung, bei der Online-Klausur schon. So war denn die Online-Klausur eine Gelegenheit, noch einmal mit Programmieraufgaben praktische Erfahrungen mit JSP zu sammeln, diesmal natürlich mit tickender Uhr im Hintergrund.

 

Schreiben von Code spielte in der Präsenzklausur dann eine geringere Rolle. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass man so nur ganz kleine Teile des Kurses hätte abprüfen können. Es war also ein Mix aus Wissensfragen, Fehlersuche, Vorhersage von Ausgaben zu gegebenen Programmen, Konfiguration eines Servers per web.xml und einigen anderen Themen. Überrascht hatte mich, dass es viele kleinere Aufgaben waren.

 

Der Vorzug ist natürlich: Wenn man irgendwo eine kleine Lücke im Wissen hat, ruiniert das nicht gleich die ganze Note. Ich glaube, dass die Klausur recht realistisch abbildet, wo man mit seinem Verständnis des Stoffes steht. Insofern bin ich gespannt auf mein Ergebnis.

 

Fazit

 

"Web-Anwendungen 2" war einer der schwierigeren Kurse im Studiengang. Wegen der vielen praktischen Programmieraufgaben hat er mir aber auch besonders viel Spaß gemacht. JSP ist eine vergleichsweise komplexe Angelegenheit. Eine gewisse Einarbeitungszeit muss man einplanen. Auch wird man gerade am Anfang Schwierigkeiten mit der doch recht komplexen und vielfältigen Syntax haben und dabei auch mit Frustration und Rückschlägen umgehen müssen. Aus meiner Sicht lohnt sich diese Mühe. Mehr als andere Kurse verbindet "Web-Anwendungen 2" den Stoff ganz vieler Module des Studienganges zu einem zusammenhängenden Wissensgebiet. Ich glaube, das bringt etwas, auch wenn man später serverseitig lieber mit PHP, Python, Ruby oder etwas ganz anderem programmiert.

 

Für die Bearbeitung dieses Moduls würde ich etwas mehr Zeit einplanen und vielleicht zuschauen, dass man andere dicke Brocken vorher abgeräumt hat. Ich würde dieses Modul z.B. nicht zeitgleich mit "Software-Technik 1" oder mit "Nicht-sequentielle Programmierung" belegen wollen.

 

Weil mir das Modul viel Spaß gemacht hat, würde ich gerne auch noch den weiterführenden Kurs "Aktuelle Webtechniken" belegen, der eine Einführung in Java Server Faces gibt. Dafür fehlen mir aber noch ein paar inhaltliche Voraussetzungen, so dass ich mich noch ein wenig gedulden muss.

kurtchen

Modul: Softwaretechnik 2

Welche Rolle spielt Softwaretechnik 2 im Studium?

 

Das Modul "Softwaretechnik 2" wird - wenig überraschend - dem Studienbereich "Softwaretechnik" zugerechnet, der in den Studiengängen von Springer Campus einen recht großen Raum einnimmt. Das Modul ist Pflicht, sowohl im Studiengang "Web- und Medieninformatik" als auch im Studiengang "Wirtschaftsinformatik". Als inhaltliche Voraussetzung gilt das Modul "Softwaretechnik 1", bei dem es um Basistechniken und die Basiskonzepte Statik, Dynamik und Logik geht. Dieser Einschätzung würde ich mich anschließen. In SWT1 wird vor allem eine solide Grundlage in UML vermittelt, die man in SWT2 braucht. Springer Campus empfiehlt, auch das Modul "Softwaremanagement 1" vorher zu belegen, weil es das Verständnis von SWT2 erleichtere. Dazu kann ich nichts näheres sagen, weil ich SWM1 nicht vorher belegt hatte. Ich hatte den Eindruck, mit dem Stoff gut zurecht zu kommen und SWM1 als Grundlage nicht unbedingt zu brauchen. Möglicherweise wären mir die Kursabschnitte zur Aufwandsschätzung so leichter gefallen.

 

SWT2 ist auch ein Pflichtmodul in den Weiterbildungszertifikaten "Requirements Engineer", "Software-Architekt" und "Software-Manager". Wer sich für eine dieser wissenschaftlichen Weiterbildungen interessiert, sei es als Etappenziel auf dem Weg zum Bachelor oder auch als eigenständige Weiterbildung, der muss sich mit den Inhalten dieses Moduls beschäftigen.

 

Das Lehrbuch

 

Inhaltlich geht es in SWT2 um Requirements Engineering, Aufwandsabschätzung und die Modellierung von Anforderungen. Ein neues Lehrbuch bekommt man nicht. Man bearbeitet die verbleibenden Kapitel vom (hervorragenden) "Lehrbuch der Softwaretechnik - Basiskonzepte und Requirements Engineering" von Helmut Balzert, welches ja schon SWT1 zu Grunde lag. Während SWT1 mit über 400 Seiten ein umfangreicher Kurs war, fällt SWT2 mit nur ca. 150 restlichen Seiten deutlich kompakter aus. Ich habe den Eindruck, dass sich das nicht ganz im Zeitaufwand niederschlägt. Viele Kapitel zum Requirements-Engineering sind vergleichsweise trockene Themen, durch die man sich mühsam durchbeißen muss. In SWT1 nahmen große UML-Diagramme viel Raum auf den Seiten ein, so dass man oft schneller voran kam. Dieses Modul ist etwas textlastiger. Gleichwohl scheint mir, dass der Arbeitsaufwand ungleichmäßig verteilt ist. Ich hätte es besser gefunden, die Kapitel zur Logik aus SWT1 noch SWT2 zuzuteilen. Allerdings ginge dabei die klare thematische Gliederung der Module verloren. Wahrscheinlich muss man sich damit abfinden, dass die Module trotz formal gleichem Workload mal anstrengender und mal etwas leichter ausfallen. Dies bezieht sich allerdings nur auf den Arbeitsumfang. Inhaltlich ist SWT2 anspruchsvoll und relevant.

 

Requirements Engineering

 

Beim Requirements Engineering geht es im wesentlichen um das Erfassen von Anforderungen für Software-Projekte. In der Vergangenheit sind immer wieder große Software-Projekte spektakulär gescheitert. Ein wesentlicher Grund war, dass die Anforderungen an das Produkt zu Beginn nicht präzise ermittelt wurden, Entwurf und Implementierung also schon vorangeschritten waren, als wesentliche Anforderungen erst bekannt wurden. So etwas endete oft damit, dass sich der erstellte Code als unbrauchbar erwiest, weil der Entwurf schon in den Grundzügen an den Anforderungen vorbei ging. Die nötigen Änderungen wären teurer gewesen als ein kompletter Neubeginn. Requirements Engineering beschäftigt sich mit Techniken und Vorgehensweisen, um relevante Anforderungen zu Beginn eines Projektes (und im laufenden Projekt) zu ermitteln, um ausufernde Kosten, Terminverzögerungen oder gar ein Scheitern des Projektes zu vermeiden.

 

Das klassische Vorgehen ist ein dreistufiges. Die Anforderungen werden aus Kundensicht definiert. Das Ergebnis ist ein Lastenheft, das i.d.R. auch Angebotsgrundlage ist. Dann werden die Anforderungen aus dem Lastenheft spezifiziert. Das Ergebnis ist das deutlich umfangreichere Pflichtenheft, zu dem auch Abnahmekriterien gehören. Die im Pflichtenheft spezifizierten Anforderungen werden dann klassischerweise in eine fachliche Lösung in Form eines OOA-Modells überführt. Damit sind wir aber schon im Bereich Anforderungs-Modellierung.

 

Es gibt aber auch agile Softwareentwicklung. Hier ist das Ziel mit möglichst wenig Dokumenten außer dem Code auszukommen. Ein Kunde oder Kundenrepräsentant wird ins Entwicklungsteam integriert, die Anforderungen werden in Form von User Stories erhoben, die beschreiben, was das Softwaresystem für die Benutzer leisten soll. Kennzeichnend für agile Entwicklung ist, dass die Anforderungen nicht vollständig vor sondern nach und nach während des Projektes ermittelt werden.

 

Der inhaltliche Fokus von SWT2 liegt aber klar auf dem klassischen sequentiellen Vorgehen. Im Rahmen der Einsendeaufgaben erstellt man auch selbst ein Lasten- und ein Pflichtenheft, was sich vergleichsweise lange hinzieht und ungewohnt viel Schreibarbeit ist. Hier geht es unter anderem darum, Anforderungsschablonen anzuwenden, die eine klare inhaltliche Gliederung vorgeben und zum Teil auch mit einheitlichen Formulierungen arbeiten. Hier muss man sich ein bisschen disziplinieren. Man muss zum Beispiel sehr präzise unterscheiden, was ein System leisten SOLL und was es leisten MUSS. Beim Pflichtenheft ist es wesentlich, Abnahmekriterien zu formulieren, die eindeutig überprüfbar sind. Hier kam es mir tatsächlich einmal zu Gute, dass ich eine pädagogische Ausbildung habe. Bildungs- und Förderziele sollten ebenfalls so formuliert sein, dass sie konkretes und beobachtbares Verhalten beschreiben, damit man nachprüfbar ist, ob der Lernende sie erreicht hat. Schwammige Formulierungen wie "das Sozialverhalten der Schüler soll sich verbessern", lassen viel Interpretationsspielraum. Man kann mir so zwar nicht beweisen, dass meine Maßnahme wirkungslos war, aber ich kann umgekehrt auch nicht beweisen, dass ich etwas erreicht habe. Hier sah ich also eine gewisse Analogie, die mir das Verständnis erleichterte.

 

Aufwandsschätzung

 

In den folgenden Kapiteln geht es um das Schätzen des Entwicklungsaufwandes. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, weil ein Unternehmen, das Software entwickelt, dem Kunden ein Angebot machen muss. Schätzt man den Aufwand zu hoch ein, geht der Kunde zu einem günstigeren Mitbewerber und man bekommt den Auftrag nicht. Schätzt man ihn zu niedrig ein, sind die Entwicklungskosten höher als der vereinbarte Preis und man verliert Geld. Eine möglichst gute Aufwandsschätzung ist also wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg, auch wenn es gute Gründe geben kann, eine Software unter den tatsächlichen Entwicklungskosten anzubieten. Zum Beispiel weil man damit in eine neue Anwendungsdomäne vordringen kann und sich eine Codebasis erarbeitet, die man in künftigen, ähnlichen Projekten wiederverwenden kann. Solche Entscheidungen sollte man dann aber bewusst und strategisch treffen.

 

Aufwandsschätzung ist leider alles andere als einfach. Im Kurs lernt man verschiedene Schätzverfahren kennen, wozu auch algorithmische Verfahren wie Function Points oder Object Points gehören. Viele der Verfahren sind selbst recht aufwendig, so dass allein die Durchführung der Schätzung schon beträchtliche Kosten verursacht. Auch formalere Verfahren wie Functions Points müssen mit Erfahrungswerten aus dem Unternehmen sozusagen kalibriert werden, um ermittelte Aufwandspunkte in Entwicklermonate umrechnen zu können. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Eine Rolle spielt zum Beispiel die Erfahrung der Entwickler mit ähnlichen Projekten, der Anteil von Code, der wiederverwendet werden kann, aber auch die Sprache, in der entwickelt werden soll.

 

Natürlich darf man nicht erwarten, allein auf Grundlage eines Studienmoduls in der Lage zu sein, eine Aufwandsschätzung vorzunehmen. Man lernt Methoden kennen, mit denen Unternehmen versuchen, dieses Problem zu lösen. Man lernt relevante Begriffe und Konzepte. Und man entwickelt ein Bewusstsein, für die damit verbundenen Probleme. Einsendeaufgaben hier beinhalten z.B. das Bestimmen von Function Points für ein skizziertes Projekt.

 

Anforderungen modellieren

 

Im letzten Kursabschnitt geht es um objektorientierte Analyse, also das Erstellen eines OOA-Modells auf Grundlage einer Spezifikation. Wichtigstes Ergebnis ist in der Regel ein UML-Klassendiagramm, das die Statik des Systems modelliert. Der Kurs vermittelt 10 sogenannte OOA-Muster, wiederkehrende Formen der Verknüpfung von Klassen, mit charakteristischer Semantik und charakteristischen Multiplizitäten. Hier muss man wieder Diagramme zeichnen und dieser Kursteil war dann schon wieder lebendiger und näher dran an der Programmierung. Für mich persönlich war das der Teil des Kurses, der mir am meisten Spaß gemacht hat. Eine typische Einsendeaufgabe hier wäre das Wiedererkennen der behandelten Muster in kleinen Spezifikationen, die man modellieren soll.

 

Prüfungen

 

Online-Test und Online-Klausur deckten die Inhalte des Kurses noch einmal breit ab. Eine kleine Warnung vorweg: Ich hatte ein Lastenheft mit Glossar zu schreiben. Da steckt viel Schreibarbeit drin und es ist nicht ganz einfach, sich die Zeit gut einzuteilen. Hier habe ich Punkte verschenkt, weil ich mich mit Schreiben zu lange aufgehalten habe und die verlorene Zeit beim Modellieren nicht mehr rausholen konnte. Hilfreich wäre vielleicht, gewisse Text- und UML-Schablonen schon griffbereit zu haben.

 

Ich hatte den gleichen Tutor wie in SWT1. Auch in SWT3 er mich voraussichtlich wieder begleiten. Die Kurse bauen aufeinander auf und es ist sehr schön, hier einen kontinuierlichen Ansprechpartner zu haben, der einen durch einen längeren Lernprozess begleitet.

 

Die Präsenzklausur deckte die Inhalte breit ab, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Ich hatte relativ viel Modellierung, was mir eigentlich Spaß gemacht hat. Mal sehen, ob ich das auch in eine gute Note umsetzen konnte. Der Zeitdruck war im Vergleich zur Online-Klausur geringer, so dass die Online-Klausur hier als gute Vorbereitung gelten kann. So ist es mir am liebsten.

 

Ausblick

 

Ich bin nun sehr gespannt auf SWT3, wo es unter anderem um Entwurfsmuster gehen wird. Laut meinem Tutor wird dort auch wieder mehr programmiert. Darauf freue ich mich schon richtig.

kurtchen

Stand des Studiums

4. Semester - Sommersemester 2017

- Web-Anwendungen 2

- Softwaretechnik 2

 

3. Semester - Wintersemester 2016/2017

- Mathematik 3

- Softwaretechnik 1

- Nicht-sequentielle Programmierung

- Statistik

- IT-Sicherheit

- Mobile Computing

 

2. Semester - Sommersemester 2016

- Grundlagen der Informatik 3

- Grundlagen der Informatik 4

- Web-Anwendungen 1

- Web-Ergonomie und Web-Design

- Computernetze

- Mathematik 2

 

1. Semester - Wintersemester 2015/2016

- Grundlagen der Informatik 1

- Grundlagen der Informatik 2

- Rechnerstrukturen und Betriebssysteme

- Datenbanken und SQL

- Mathematik 1

- Web-Programmierung

 

Zusätzlich belegte Module an anderen FHs

- theoretische Informatik (WINGS Wismar)

- Programmieren in C++ (Virtuelle Hochschule Bayern)

 

Aktuell in Bearbeitung bei Springer Campus

- Softwaretechnik 3

- CMS

- Data Mining

 

Noch geplant für das 4. Semester

- künstliche Intelligenz (WINGS WISMAR)

kurtchen

Warum ich das Modul "Programmieren in C++" belegt habe

 

Das Modul "Grundlagen der Informatik 2" ist im Curriculum von Springer Campus das einführende Modul in die objektorientierte Programmierung; und zwar sowohl im Studiengang "Web- und Medieninformatik" als auch in "Wirtschaftsinformatik". Die Lehrsprache ist Java, was derzeit an deutschen FHs und Uni nicht unüblich sein dürfte. Ergänzend gibt es im Lehrbuch aber auch je ein Kapitel zu C++ und C#. Die Idee ist, dass der Studierende auch andere objektorientierte Sprachen als Java kennenlernt. Ich war damals ziemlich gespannt auf diese Kapitel, zu denen es auch je eine Einsendeaufgabe gab. Allerdings war ich nach dem Durcharbeiten ein bisschen enttäuscht. Denn es ist natürlich nicht möglich, in der knappen Form eine weitere objektorientierte Sprache zu lernen. Vielmehr haben diese Kapitel mein Verständnis für die Besonderheiten der Sprache Java - sozusagen in Abgrenzung zu C++ und C# - geschärft. Das war auch ein schönes Ergebnis.

 

Dennoch blieb bei mir der Wunsch, zumindest C++ und C noch einmal näher kennen zu lernen. Interessant daran war für mich, dass sowohl C++ als auch C echte Compilersprachen sind. An C interessierte mich vor allem der Umgang mit Zeigern, die ja in Java nicht zur Verfügung stehen. An C++ interessierte mich die Mehrfachvererbung und die dynamische Speicherverwaltung, um die man sich selbst kümmern muss.

 

Leider bietet Springer Campus aktuell keine gründliche Einführung in C oder C++ an. Ich schaute mich also nach anderen Anbietern um. Und wurde fündig bei der Virtuellen Hochschule Bayern (VHB). Diese bietet zum einen das Modul "Programmieren in C++". Das ist eine Einführung in die strukturierte und objektorientierte Programmierung in C++. Es steht somit inhaltich irgendwo zwischen GdI1 und GdI2 im Lehrplan von Springer Campus. Außerdem kann man dort das Modul "Programmieren in C" belegen. Das ist ein Programmierpraktikum in C und richtet sich an Studierende, die Erfahrung mit einer objektorientierten Programmiersprache haben. (Idealerweise natürlich C++, aber auch Java wäre denkbar.) Interessant an diesem Modul ist, dass es in Kooperation mehrerer Hochschulen entwickelt wurde, die im Laufe des Kurses verschiedene "Sichten" auf die Programmiersprache C vermitteln.

 

Man könnte also, von Java kommend, zunächst C++ belegen, um die bekannten objektorientierten Konzepte aus der Perspektive von C++ zu erfahren. Und dann in einem zweiten Schritt das Programmierpraktikum in C buchen, um ohne objektorientierung auszukommen und auch noch etwas maschinennäher zu programmieren. Dieser Top-Down Ansatz war mein Plan, von dem ich nun den ersten Teil umgesetzt habe.

 

Was ist die Virtuelle Hochschule Bayern?

 

Die Virtuelle Hochschule Bayern ist eine gemeinsame Plattform von 9 Universitäten, 17 FHs und 5 weiteren Hochschulen in Bayern, die sich auf diesem Wege gegenseitig Module in Form von Online-Kursen zur Verfügung stellen. So kann man das den Präsenzstudenten lokal gebotene Spektrum an Lehrveranstaltungen erweitern. Die Hochschulen haben Vereinbarungen über gegenseitige Anerkennung bestimmter Module in bestimmten Studiengängen. Das Angebot ist recht breit, umfasst naturwissenschaftliche, geistes- und sozialwissenschaftliche Kurse, aber auch Fächer wie Medizin, Jura, ingenieurwissenschaftliche Fächer, Soziale Arbeit und Sprachen. Außerdem werden im Bereich "Schlüsselqualifikationen" interessante Kurse angeboten, die fächerübergreifende Kompetenzen vermitteln. Das Angebot der VHB findet ihr unter diesem Link:
https://www.vhb.org/startseite/

 

Ein wichtiger Unterschied zu einer Fern-FH oder Fern-Uni: Die VHB bietet lediglich einzelne Module, die als Teil eines Präsenz-Studiums belegt werden können. Es gibt also keinen kompletten Fernstudiengang.

 

Das Angebot der VHB richtet sich in erster Linie an Studierende der Hochschulen des VHB Verbundes. Sie können die Kurse kostenfrei nutzen. Man kann sich aber auch als "sonstiger Nutzer" registrieren. In diesem Fall zahlt man eine Gebühr, die sich nach dem Workload des Moduls richtet. Die Kosten sind recht überschaubar. Als sonstiger Studierender registriert man sich online. Danach erhält man eine Rechnung per Briefpost aus Bamberg. Nach Überweisung der Gebühr wird der Kurs freigeschaltet. Bei der Registrierung sind Fristen zu beachten. In der Regel gibt es EINEN Klausurtermin pro Modul. Die Klausur wird aber oft zeitgleich an mehreren Partnerhochschulen angeboten. Für C++ hatte ich die Wahl zwischen 3 FHs in Bayern. Auch sonstige Nutzer dürfen also Module mit einer Prüfung abschließen, z.B. als Weiterbildung. Eine Anerkennung der ECTS bei Hochschulen außerhalb des VHB-Verbundes muss man aber selbst abklären.

 

Der Kurs "Programmieren in C++"

 

Das Modul basiert auf einem Skript von Professor Herbert Fischer von der TH Deggendorf. Zur Verfügung gestellt wird es als PDF im A4-Format. Wer es auf Papier will, muss es selbst ausdrucken. Das Skript wie auch der Kurs hat 2 Teile. Der erste Teil hat 77 Seiten. Themen sind zum Beispiel:
- Ausdrücke, Anweisungen, Variablen und Datentypen
- Rechenoperatoren
- Funktionen
- Ein- und Ausgabe
- Kontrollstrukturen, Verzweigungen, Schleifen
- Felder und Strings
- Objekte und Klassen
- Vererbung
- Fallbeispiel: Kontoverwaltung

 

Programmiert werden ausschließlich Konsolenanwendungen. GUIs spielen noch keine Rolle. Dynamische Speicherverwaltung ist im ersten Kursteil ausgeklammert. Man kann eine Klausur lediglich über diesen ersten Kursteil schreiben. Die bringt dann 2 ECTS. Die meisten Studierenden werden aber eine Klausur schreiben wollen, die beide Kursteile abdeckt. Die bringt dann 6 ECTS.

 

Das Skript zum zweiten Kurs-Teil hat noch mal 58 Seiten. Hier werden folgende Themen ergänzt:
- Bibliotheken
- Arrays
- Referenzen und Zeiger
- Zeiger auf Zeiger
- Elementoperatoren
- Inline-Funktionen
- Const-Objekte
- der this-Zeiger
- Objekte als Argumente und return-Wert.
- verschiedene Arten der Parameterübergabe
- Dynamische Speicherverwaltung mit new und delete
- Verkettete Listen, doppelt und einfach.
- Bäume und Graphen (sehr knapp)
- Mehrfachvererbung
- Polymorphismus
- Abstrakte Klassen
- Überladen von Operatoren
- Templates (generische Programmierung)
- Dateioperationen
- Exceptions

 

Ergänzend zu den Skripten gibt es auf der Lernplattform Tests und Übungsaufgaben, deren Musterlösungen man sich anzeigen lassen kann. Für jeden Kursteil gibt es 2 Einsendeaufgaben, die von einem Tutor korrigiert werden. Hier muss eine Mindestpunktzahl erreicht werden, um zur Klausur zugelassen zu werden. Insgesamt 4 Aufgaben sind natürlich nicht viel. Die Einsende-Aufgaben sind aber ein bisschen umfangreicher als die Übungsaufgaben. Die letzte und komplexeste ist eine Verwaltung für eine Motorradvermietung mit dynamischer Speicherverwaltung. Bei den Einsendeaufgaben habe ich am meisten gelernt, weil die Aufgabenstellung ein bisschen offener formuliert ist und man sich etwas einfallen lassen muss. Von Java kommend habe ich viele Fehler gemacht, weil die Syntax auf den ersten Blick sehr ähnlich wirkt, aber im Detail dann doch anders ist. Leider hatte ich im ersten Kursteil eine andere Tutorin als im zweiten. Viel Tutorinteraktion kommt so nicht zustande, zumal meine eingereichten Lösungen ganz gut waren, so dass das Feedback knapp ausfiel. Erwartungsgemäß fielen mir vor allen solche Themen schwerer, in denen C++ sich von Java unterscheidet: dynamische Speicherverwaltung, Umgang mit Zeigern, Überladen von Operatoren.

 

Da der Kurs von Studierenden vieler Unis und FH belegt werden kann, sind die Teilnehmerzahlen recht hoch. Es waren über 400. Es gibt auch ein Forum zum Kurs, in dem recht lebhaft diskutiert wird.

 

Die Klausur

 

Die Präsenzklausur dauert 90 Minuten und deckte die Themen des Kurses gut ab. Es gab viele praktische Aufgaben, aber auch solche, in denen Wissen abgefragt wurde. Den Umfang fand ich für die Zeit angemessen, den Schwierigkeitsgrad auch. Manche Fragen fand ich etwas speziell und nicht so praxisrelevant. Im wesentlichen konzentrierte sich die Klausur auf den Aspekt objektorientierte Konzepte, was ich ganz vernünftig finde.

 

Fazit

 

Dem Skript merkt man stellenweise an, dass der Kurs schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Allerdings ist C++ eine nicht mehr ganz neue Sprache. Die Grundkonzepte, die hier vermittelt werden, sollten ziemlich zeitlos sein, so dass das Alter des Kurses sich eigentlich nicht nachteilig auswirkt. Was ich vermisst habe: In den Kursen bei Springer Campus wurde schon bei der Vermittlung der objektorientierten Konzepte auf guten Klassenentwurf eingegangen. Es wurden also schon ein paar Ideen aus der Softwaretechnik angerissen. Das sollte uns ermutigen, von Anfang an recht sauber zu arbeiten. Das war in diesem Kurs nicht so. Manche Code-Beispiele kamen mir aus Java-Perspektive ein bisschen "quick and dirty" vor.

 

Eines habe ich in dem Kurs nicht gelernt: C++-Code idiomatisch zu schreiben. Man merkt meinen Programmen an, dass ich objektorientierte Programmierung mit Java gelernt habe. Um hier mehr wie ein C++-Programmierer zu denken und zu schreiben, müsste ich mich noch wesentlich länger mit der Sprache beschäftigen. Den Ehrgeiz, in C++ richtig sicher zu werden, habe ich aber nicht. Zumal C++ auch nicht besonders zum Schwerpunkt meines Studiums - Web- und Medieninformatik - passt. Mir ging es einfach darum, diese sehr wichtige Sprache ein bisschen besser kennen zu lernen.

 

Lust auf das Programmierpraktikum C hätte ich aber schon noch. Ich habe mich nämlich sehr an die objektorientierte Denkweise gewöhnt. Da würde ich gerne mal erleben, wie ich ohne diesen "Luxus" auskomme. Mal schauen, ob mir im nächsten Semester Luft für solche Extratouren bleibt.

 

Im Vergleich zu den Kursen bei Springer Campus (aber auch zur WINGS) ist man bei der VHB mehr auf sich gestellt. Es gibt eine tutorielle Betreuung, aber sie fällt im Vergleich recht knapp aus. Man merkt, dass hier viele Studierende betreut werden. Die VHB bietet einen strukturierten Rahmen, in dem man etwas anspruchsvolles Lernen kann. Aber man muss schon sehr selbstständig arbeiten. Dafür sind die Kosten sehr moderat.

 

Der Begriff "lebenslanges Lernen" wird in den Medien oft im Zusammenhang mit älteren Arbeitnehmern gebraucht, die auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig bleiben sollen. Lebenslanges Lernen meint also meist berufliche Weiterbildung. Man kann lebenslanges Lernen aber auch breiter Denken; nämlich als lebenslange Freude an neuer Erkenntnis und an Wissenschaft.

 

Die VHB ist auf jeden Fall etwas, das ich im Hinterkopf behalten möchte, auch für die Zeit nach meinem Fernstudium.

kurtchen

Modul: IT-Sicherheit

Das Modul "IT-Sicherheit" ist ein Pflichtmodul im Studiengang "Web- und Medieninformatik" und wird dort dem Studienbereich "IT-Systeme" zugerechnet. Laut Studienplan wird es für das 3. Semester empfohlen. Als sinnvolle Vorbereitung werden die Module "Angewandte Mathematik" und "Computernetze" genannt. Dieser Empfehlung möchte ich mich anschließen. Wer Computernetze noch nicht belegt hat, dürfte es schwierig finden, den Kapiteln zur Sicherheit in Netzen zu folgen. Ein grundlegendes Verständnis für die im Internet üblichen Protokolle und sowie Kenntnis der OSI-Referenzmodells sowie des TCP/IP-Referenzmodells ist nötig. Dies wird zwar im Kurs noch einmal kurz behandelt, hätte mir aber in der knappen Form nicht gereicht, um die darauf aufbauenden Ausführungen zu verstehen. Mathe3 ist hilfreich, weil dort eine Einführung in kryptographische Basistechniken gegeben wird und einige kryptographische Verfahren auch schon recht detailliert behandelt werden. Als Beispiele seien hier die asymmetrische Verschlüsselung mit RSA sowie der Schlüsseltausch nach Diffie-Hellman genannt. Diese Themen werden zwar auch im Modul "IT-Sicherheit" genau erklärt, aber die mathematischen Grundlagen werden in Mathe3 ausführlicher behandelt und man hat in den Übungsaufgaben die Chance, aktiv damit zu arbeiten und ein "Gefühl" für diesen Stoff zu bekommen.

 

Studierende im Studiengang "Wirtschaftsinformatik" müssen "IT-Sicherheit" nicht belegen, dürfen es aber als Vertiefungsmodul belegen. Da Sicherheit im Internet und im Intranet von Firmen und Organisationen angesichts immer raffinierterer Bedrohungen immer wichtiger wird, halte ich es für sehr sinnvoll, gerade dieses Modul in seinen Studienplan aufzunehmen. Dafür muss man allerdings in Kauf nehmen, dass die 5 ECTS bei diesem Modul ein bisschen mühsamer erarbeitet werden müssen als in den meisten anderen Modulen.

 

Auch wenn die mathematischen Grundlagen in Mathe3 gelegt wurden: IT-Sicherheit hat viel mit Kryptographie zu tun und Kryptographie hat viel mit Mathematik zu tun. Für ideal hielte ich, wenn der zeitliche Abstand zu Mathe3 und Computernetze nicht zu groß wäre. Manche Kommilitonen, die IT-Sicherheit lange nach diesen beiden Modulen belegt hatten, klagten darüber, wie schwer es ihnen gefallen war, den inhaltlichen Bezug wieder herzustellen.

 

Grundlage für den Kurs ist das Buch "IT-Sicherheit" von Werner Poguntke. Es ist mit knapp 300 Seiten ein bisschen dünner als das durchschnittliche Lehrbuch der W3L. Wie bei vielen Lehrbüchern mit mathematischem Inhalt, wird hier auf knappen Raum viel ausgedrückt. Man sollte also nicht erwarten, diesen Kurs besonders schnell durcharbeiten zu können. Dies gilt insbesondere für das zweite Kapitel, in dem die kryptographischen Verfahren und Protokolle vorgestellt werden. Diese knapp 100 Seiten bilden das Fundament, auf dem die folgenden Kapitel zur Computersicherheit und zur Sicherheit in Netzen aufbauen. Hier wird man am meisten Arbeit investieren müssen. Die gute Nachricht: Hat man diese schwere Kost verdaut, ist der Rest des Kurses schon fast ein nettes kleines Dessert. Es ist erstaunlich, wie schnell man begreift, wenn die theoretische Grundlage erst mal da ist.

 

Das Buch finde ich hervorragend geschrieben. Besonders gefällt mir am Stil des Autors, dass er innerhalb des Buches inhaltliche Bezüge herstellt, indem er sowohl auf folgende Kapitel und Abschnitte verweist, die auf dem aktuellen Thema aufbauen werden, als auch auf vorangehende Abschnitte zurück verweist. So weiß man einerseits, wofür der aktuelle Stoff später nützlich sein wird; und andererseits, wo man noch einmal nachschlagen müsste, wenn man etwas vergessen hat. Letzteres ginge natürlich auch mit dem Index, aber so kann man viel schneller arbeiten. Gerade Gliederung und Aufbau des Stoffes finde ich sehr gelungen. In meinen Augen eines der besten Lehrbücher im Studiengang.

 

Nach dem einführenden ersten Kapitel steigt im zweiten Kapitel "Kryptologische Verfahren und Protokolle" das Niveau rasch an. Hier geht es um:
- symmetrische Verschlüsselungsverfahren wie DES, 3DES und AES
- Stromchiffren wie z.B. der im Mobilfunk verwendete A5
- asymmetrische Verschlüsslung z.B. mit RSA oder mit elliptischen Kurven
- Digitale Signaturen
- kryptographische Hashfunktionen, wie z.B. SHA
- Zero-Knowledge-Protokolle
- Fiat-Shamir-Algorithmus
- Schlüsselmanagement und Schlüsseltausch, z.B. nach Diffie-Hellman
- Zertifikate
- Kryptoanalyse
- Steganographie und digitale Wasserzeichen

 

Die Aufgaben für diesen Kursteil können relativ schwierig sein, weil es hier schon recht mathematisch zugehen kann. Reine Reproduktion genügt hier oft nicht. Hier können auch mal eigene Ideen gefragt sein, wenn z.B. ein Beweis geführt werden soll.

 

Im dritten Kapitel "Computersicherheit" geht es z.B. um:
- Ansätze der Zugangskontrolle
- Authentifikation durch Wissen
- Sichere Passwörter
- Authentifikation durch Besitz, z.B. Smartcards
- Authentifikation bei GSM
- Authentifikation durch biometrische Merkmale
- Authentifikation in verteilten Systemen
- Kerberos
- Zugriffkontrolle, z.B. bei UNIX
- Sicherheit von Betriebssystemen
- Trusted Computing, also den Versuch Sicherheit in die Hardware zu verlagern
- Softwaregesteuerte Angriffe
- Viren, Würmer, Trojaner, Malware
- Sichere Software
- Sicherheit in eingebetteten Systemen

 

Mit den fachlichen Grundlagen aus dem anstrengenden zweiten Kapitel kann man sich diese Themen überraschend leicht erarbeiten. Hier merkt man, dass das didaktische Konzept gut funktionert.

 

Im vierten und letzten Kapitel "Sicherheit in Netzen" geht es dann um:
- Firewalls, Paketfilter, Identifizierung von Angreifern
- Sicherheit auf den verschiedenen Schichten des Internets, also auf der...
- IP-Schicht mit IPSec
- TCP-Schicht z.B. mit SSH und SSL
- auf der Anwendungsschicht, z.B. beim Remote Terminal Access oder beim File Transfer
- Sicherheit von E-Mails
- Sichere Webanwendungen
- Sicherheit in GSM-Netzen
- Smartphones und Appstores
- Anonymität in Netzen und das Mix-Konzept
- Sicherheit im Intranet
- ARP-Poisoning
- WLAN, Bluetooth und VoIP

 

Dieses Kapitel ist wieder ein bisschen schwieriger, weil man sich an diverse technische Details aus dem Modul "Computernetze" erinnern musss. Auf der anderen Seite ist es besonders spannend, weil jeder, der sich im Internet bewegt, sich auch mit Fragen der Sicherheit befassen muss. Hier sind bei mir - wieder auf der Grundlage des zweiten Kapitels - einige Groschen gefallen.

 

Die Einsendeaufgaben decken den Inhalt des Kurses recht breit ab. Sie sind recht unterschiedlich. Es gibt Reproduktionsaufgaben aber auch solche, wo man ein bisschen programmieren muss. Man experimentiert mit Wireshark und soll dann wieder ein Thema selbstständig im Netz recherchieren, dass im Kurs nicht abgedeckt ist. Die Rückmeldungen zu den Aufgaben kamen zügig und waren vor allem dann sehr interessant, wenn nicht alles richtig war. Mein Tutor versuchte, mich mit ein Hinweisen zum selbstständigen Weiterdenken anzuregen. Bei den Aufgaben zum mathelastigen zweiten Kapitel ist es mir leider nicht immer gelungen, diese Tipps zu verwerten. Hier spielte sicher auch mein Wunsch eine Rolle, zügig weiter zu kommen.

 

Im Hinblick auf die Klausur wäre es vorteilhaft gewesen, mich auf diese Anregungen zum Weiterarbeiten einzulassen. Die Präsenzklausur fand ich sehr gut gestellt. Es gab einen Sockel von Aufgaben, die eher auf Reproduktion des gelernten hinausliefen, so dass jeder eine realistische Chance hat, das Modul durch Fleiß zu bestehen. Es gab aber auch eine größere Aufgabe, bei der Problemlösen und eigenes Denken gefragt war. Wer gut abschneiden will, muss sich also aktiv mit dem Stoff auseinander setzen. Die beste Vorbereitung sind hier die schwierigeren Einsendeaufgaben. Mit den Rückmeldungen des Tutors sollte man sich aktiv auseinandersetzen und seine Lösungen noch mal "polieren bis sie glänzen". Das hätte mich noch ein bisschen weiter gebracht.

 

Der Abschluss-Test ist machbar, wenn man die Tests aus dem Modul gut wiederholt. Auch in der Online-Klausur wird nichts unmögliches verlangt. Mit ihr kann man gut ein paar Bonuspunkte sammeln. Der Schwierigkeitsgrad ist aus meiner Sicht etwas niedriger als in der Präsenzklausur.

 

Das Modul hat mir viel Spaß gemacht und ich verstehe nun einige Dinge besser, die im Hintergrund ablaufen, wenn ich z.B. online eine Überweisung tätige oder meine SIM-Karte in ein neues Handy einlege. IT-Sicherheit ist ein vergleichsweise schwieriger Kurs, der die Mühe wert ist.

kurtchen

Modul: Statistik

Bislang war ich von allen Mathematik-Modulen bei Springer Campus begeistert. An Mathe 1 "Mathematisch-logische Grundlagen der Informatik" habe ich vor allem die sehr intensive Betreuung durch meinen Tutor geschätzt. Das war gerade bei meinem ersten Mathe-Modul sehr hilfreich war. An Mathe 2 "Lineare Algebra" und "Analysis" und Mathe 3 "Angewandte Mathematik" gefielen mir die sehr guten PDF-Tools von Herrn Lenze, mit denen man sich selbst nach Bedarf Übungsaufgaben generieren konnte. Die Messlatte für das letzte Mathematik-Modul "Statistik" lag also schon ziemlich hoch. Nachdem ich diesen Kurs am letzten Freitag abgeschlossen habe, kann ich sagen: Das beste kommt zum Schluss.

 

Auf das Modul Statistik war ich... sagen wir mal gespannt. Ich gehöre ja zu denen, die Mathematik zu Schulzeiten mochten. Aber mit Statistik habe ich mich tatsächlich in der Schule nie beschäftigt. Nicht mal mit Wahrscheinlichkeitsrechnung. In der Mittelstufe legte unser Lehrer das Thema immer ans Ende des Schuljahres, weil er es für unwichtig hielt. Und Jahr für Jahr kamen wir mit dem Stoff nicht schnell genug voran, so dass es am Ende wegfiel. In der Oberstufe war in meinem Bundesland Analysis für alle Abiturienten Pflicht. Außerdem konnte wahlweise Statistik oder Lineare Algebra mit analytischer Geometrie behandelt werden. An meiner Schule wurde nur lineare Algebra angeboten. Das war natürlich eine gute Grundlage für das Modul Mathe 2. Aber was Statistik angeht, hatte ich tatsächlich nur ganz geringe Vorkenntnisse.

 

Dabei spräche vieles dafür, gerade dieses Gebiet der Mathematik im Schulunterricht zu betonen. Analysis und lineare Algebra sind wichtig in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen. Statistik braucht man in Biologie und Medizin, in den Wirtschaftswissenschaften und in allen Sozialwissenschaften. Und wenn Geisteswissenschaftler überhaupt Mathematik brauchen, so ist es wohl Statistik. Wer Nachrichten schaut oder Zeitung liest, ist laufend mit Statistiken konfrontiert. Statistische Grundkenntnisse müssten eigentlich zur Allgemeinbildung gehören. Last but not least ist die Statistik der Teil der Mathematik, der sich mit dem Ungewissen und Unpräzisen beschäftigt, während die meisten anderen Gebiete der Schulmathematik den Eindruck erwecken, Mathematik handele allein vom Exakten. Ich war also sehr neugierig darauf, diese Lücke meiner Bildungsbiographie zu schließen.

 

Das Lehrbuch "Basiswissen Statistik" von Michael Müller und Werner Poguntke ist Grundlage für diesen Kurs. Es hat an die 180 Seiten, was für ein Modul bei Springer Campus sehr wenig ist. Wie schon bei den anderen mathematischen Kursen ist die Informationsdichte sehr hoch. Die 180 Seiten erfordern durchaus vergleichbar viel Arbeit wie 500 Seiten Software-Engineering. Das Buch ist aber keine reine Formel- und Beweisorgie. Anwendungsbeispiele zu allen Themen machen dieses Buch besonders lebendig und praxisnah. Man merkt, dass Statistik ein Fach ist, dass man in vielen Wissens- und Lebensbereichen brauchen kann. Während in anderen Mathematik-Modulen die Anwendungsbeispiele gelegentlich ein bisschen konstruiert wirkten, konnte man hier immer gleich den Nutzen des ganzen erkennen.

 

Wie schon beim Lehrbuch "IT-Sicherheit" hat Herr Poguntke auch hier viele Verweise innerhalb des Buches eingebaut. Er verweist auf künftige Kapitel, in denen ein aktuell behandeltes Thema noch einmal relevant werden wird. Und er verweist auf vorangegangene Kapitel, in denen man Grundlagen für den aktuellen Stoff noch einmal nachlesen kann. Das hat mir sehr geholfen, die Bezüge zwischen den Kursthemen zu erkennen und den Stoff im Zusammenhang zu denken. Darum bin ich der Meinung, "Basiswissen Statistik" ist das beste unter den guten Mathematik-Lehrbüchern im Studiengang.

 

Lehrbuch, Online-Tests und Übungsaufgaben sind in diesem Modul besonders gut aufeinander abgestimmt. Es gibt Übungsaufgaben zu allen Themen des Kurses. PDF-Tools, mit denen man sich selbst neue Aufgaben generieren kann, gibt es in diesem Kurs leider nicht. Ich habe aber festgestellt, dass das Übungsmaterial genügt, um sich gut auf die Prüfung vorzubereiten.

 

Der Kurs zerfällt im wesentlichen in zwei Teile:
- deskriptive Statistik
- induktive Statistik

 

Der Unterschied ist folgender: In der deskriptiven Statistik habe ich eine vollständige Sammlung von Daten oder Werten, die ich verdichten möchte, um eine allgemeine Aussage zu treffen. Aus dem Alltag geläufig ist zum Beispiel der Durchschnitt, der in der deskriptiven Statistik Mittelwert heißt. Er fasst zum Beispiel alle Noten eines Studium in einem Wert zusammen.


In der induktiven Statistik habe ich eine Stichprobe, von der ich auf eine Gesamtmenge schließen möchte. Es gibt Millionen Wahlberechtigte Bürger, aber befragt habe ich nur ein paar Tausend. Nun möchte ich eine Prognose abgeben, wie die Wahl ausfallen wird und ich möchte abschätzen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit meine Prognose zutrifft. Kennzeichnend für die induktive Statistik ist also, dass...
... mir ein großer Teil der relevanten Daten unbekannt ist.
... ich wahrscheinlichkeitstheoretische Überlegungen anstellen muss.

 

Themen in der deskriptiven Statistik sind:
- Lage- und Streuungsmaße
- Graphische Darstellungen von Häufigkeiten
- Konzentration und Disparität
- Lorenzkurve
- Konzentrationskoeffizient nach Gini
- Messzahlen und Indizes
- Geometrisches Mittel
- Zusammenhangsanalyse
- Kreuztabellen
- Unabhängigkeit und Kontingenzmaße
- der Korrelationskoeffizient nach Pearson und nach Spearman
- Lineare Regression
- Zeitreihenanalyse

 

Die Themen sind sehr lebensnah präsentiert. Mathematisch ist relativ leicht nachzuvollziehen, was hier geschieht. Dieser Teil des Kurses ist vergleichsweise einfacher. Wer sich mit Mathematik schwer tut, sollte sich auf diesen Teil konzentrieren, weil man hiermit in der Klausur einen guten Punktesockel aufbauen kann, so dass man zumindest nicht durchfällt.

 

Die induktive Statistik ist ein bisschen schwieriger und mathematisch raffinierter. Im Grunde wird die Sache in drei Schritten aufgebaut:
1. Die Kombinatorik handelt davon, auf wieviele Arten man aus Mengen etwas auswählen kann. Ein aus dem Alltag bekanntes Beispiel ist die Ziehung von 6 Lottozahlen aus 49.
2. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung weist auf dieser Grundlage bestimmten Ereignissen und Kombinationen von Ereignissen eine Zahl zwischen 0 und 1 zu, die man Wahrscheinlichkeit nennt. Was genau eine Wahrscheinlichkeit ist, bleibt letztlich eine philosophische Frage. (Psychologisch interessant ist, dass man beim Umgang mit Wahrscheinlichkeiten leicht in gewisse "kognitive Tunnel" rennt. Das sind Irrwege des Denkens, die einem zeigen, dass man leider gerade im praktisch relevanten Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht gut beraten ist, auf Intuition zu setzen. Die Autoren präsentieren in diesem Zusammenhang ein paar interessante Paradoxien, z.B. das Simpson Paradox. Dieses wird im Lehrbuch anhand von zwei Gruppen präsentiert, in denen der Anteil der nichtrauchenden Männer höher ist als der der nichtrauchenden Frauen. Vereint man diese beiden Gruppen zu einer, so ist der Anteil nichtrauchender Frauen höher. Das überrascht und verwirrt, auch wenn man alles wiederholt nachrechnet.)
3. Auf der Grundlage von Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt man sich nun mit verschiedenen Wahrscheinlichkeitsverteilungen, von denen die bekannteste die Standard-Normalverteilung ist. Sie ist auch als Glockenkurve bekannt. Normalverteilungen sind deshalb so nützlich, weil dort, wo sich viele zufällige Phänomene überlagern, regelmäßig eine Normalverteilung zu beobachten ist.

 

Themen in der induktiven Statistik sind:
- Kombinatorik
- Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten
- Bedingte Wahrscheinlichkeiten
- Kontingenztabellen und Wahrscheinlichkeitsbäume
- die Bayes-Formel
- Gemeinsame Wahrscheinlichkeiten
- Zufallsvariablen
- Bernoulli-Verteilung
- Binomial-Verteilung
- Hypergeometrische Verteilung
- Poisson-Verteilung
- Stetige Verteilungen
- Exponential-Verteilung
- Normalverteilung
- t-Verteilung
- zentraler Grenzwertsatz
- Approximation mit der Normalverteilung
- Schätzen und Testen
- Schätzung unbekannter Parameter
- Testverfahren

 

Es folgt ein knappes Kapitel über Statistik mit Rechnern, das aber nicht klausurrelevant ist. In diesem Kurs lernt man, Statistik sozusagen mit Papier und Bleistift zu treiben. Dabei merkt man durchaus, dass viel mechanische Rechenarbeit anfällt. Aus diesem Grund darf in der Klausur ein nicht-programmierbarer Taschenrechner verwendet werden. Wer einmal erlebt hat, wie viel Mühe es macht, eine größere Menge von Messwerten zu verdichten, der kommt schnell auf die Idee, das man das mit Software automatisieren müsste. Das ist allerdings nicht mehr Thema dieses Moduls.

 

Die Betreuung durch meinen Tutor war auch in diesem Mathematik-Modul hervorragend. Die Rückmeldungen kamen schnell. Spannend wurde es gerade dann, wenn ich nicht alles richtig hatte. Hier gab es dann Anregungen, wie man doch noch selbst auf die richtige Lösung kommen konnte. Einmal bin ich in einen der besagten kognitiven Tunnel getappt, so dass ich alles richtig gerechnet und am Ende doch die falschen Schlüsse gezogen habe. Das war ein recht witziger Austausch, bis bei mir endlich der Groschen fiel. (Kurz gesagt, bin ich auf eine Variante des bekannten "Ziegenproblems" reingefallen. Wer das nicht kennt, einfach mal googlen.)

 

Der Online-Test und die Online-Klausur waren beide gut machbar, wenn man seine "Hausaufgaben" erledigt hatte. Hier konnte man sich noch mal ein kleines Bonuspunktepolster für die Klausur erarbeiten. Geschenkt bekommt man es aber nicht. Die Online-Klausur gibt einen realistischen Vorgeschmack auf das Niveau der Präsenzklausur. Schwierig für mich war: Mein gewohnter Taschenrechner ist programmierbar und funktioniert mit RPN-Logik. Für die Klausur musste ich mir den Taschenrechner meiner Tochter ausleihen. Es hat mich tatsächlich ausgebremst, ständig suchen zu müssen, wo welche Taste ist. Mal schauen, wie verheerend sich das ausgewirkt hat. Unterm Strich ist das aber eine faire Klausur, die die Themen des Kurses breit abdeckt. Man hat ein bisschen Zeitdruck, kann aber alles schaffen, wenn man ordentlich vorbereitet ist.

 

Damit wäre nun der Studienbereich Mathematik abgeschlossen. Was mir jetzt noch gefallen würde, wäre ein aufbauendes Modul zur Statistik mit Rechnern. Ich denke zum Beispiel an Datenanalyse mit R oder Statistik-Programmierung mit Python. (Da gibt es ein tolles Buch von Allen B. Downey.) Auch ein Modul zur Datenvisualisierung fände ich für einen Studiengang Web- und Medieninformatik ziemlich cool. Gibt es leider bislang nicht, aber ein paar Wünsche dürfen ja noch offen bleiben.

kurtchen

Modul: Mobile Computing

Das Modul "Mobile Computing" kann als eines von drei Vertiefungsmodulen im Studiengang Web- und Medieninformatik gewählt werden. Springer Campus schlägt vor, es in den letzten beiden Semestern zu belegen.

 

Gleich vier Module werden als sinnvolle Vorbereitung genannt:
- Grundlagen der Informatik 1
- Grundlagen der Informatik 2
- Web-Programmierung
- Web-Design und Web-Ergonomie


Der Grund dafür ist der siebte Kursabschnitt "Programmierung für mobile Endgeräte", der eine Einführung in die Android-Programmierung gibt. Um hier folgen zu können, benötigt man Grundkenntnisse der objektorientierten Programmierung in Java. Die Layouts für die GUIs werden mit XML beschrieben. Darum sind Vorkenntnisse in Web-Programmierung von Vorteil.

 

Für Studierende im Studiengang "Wirtschaftsinformatik" ist "Mobile Computing" ein Pflichtmodul und wird dem Studienbereich "Grundlagen der Informatik" zugerechnet. Für die Web- und Medieninformatiker gibt es zwei gute Gründe, ausgerechnet dieses Modul als Vertiefung zu belegen: Es ist Pflichtmodul für die Hochschulzertifikate "Anwendungs-Programmierer" und "Software-Architekt", die als Meilensteine auf dem langen Weg zum Bachelor dienen können.

 

Ich persönlich hätte erwartet, dass es in diesem Modul vorwiegend um Android-Programmierung gehen würde. Tatsächlich nimmt diese aber nur einen relativ kleinen Teil des Kurses ein. Hier wird eher ein Einblick gegeben, der meiner Meinung nach noch nicht ausreicht, um wirklich loszulegen. Es ist allenfalls ein Einstieg und man wird auf jeden Fall vertiefende Literatur benötigen, um Fortschritte zu machen. Tatsächlich geht es in diesem Modul allgemein um mobile Rechner, die vernetzt sind und standortbezogene Informationen einbeziehen. Das Smartphone ist dafür nur das prominenteste Beispiel.

 

Mobile Computing ist etwas schneller durchgearbeitet als andere Module bei Springer Campus. Das Lehrbuch hat lediglich 200 Seiten, wenngleich diese ein bisschen größer ausfallen als bei anderen Lehrbüchern und auch ein bisschen enger bedruckt sind. Das Lehrbuch wird ergänzt durch 84 Tests und 12 Einsendeaufgaben, von denen lediglich eine mit Android-Programmierung zu tun hat. Die meisten Aufgaben haben eine Art Aufsatzform. Es sind oft Texte bei denen man etwas abwägen muss. So soll man z.B. entscheiden, ob man für einen bestimmten Einsatzzweck einem Android- oder IOS-Gerät den Vorzug geben würde, ob man ein bestimmtes Projekt nativ oder plattformübergreifend entwickeln würde oder was für Sicherheitsmaßnahmen man für die Handynutzung eines hochrangigen Politikers für nötig erachtet. Diese Art der Aufgaben, bei denen man in erster Linie Text produziert, fällt etwas aus dem Rahmen, den ich im Studium sonst gewohnt bin. Die Rückmeldungen meines Tutors kamen in diesem Modul sehr zügig.

 

Die 7 Kapitel decken folgende Themen ab:
1. Was ist mobile Computing? Hier geht es auch um technische Meilensteine auf dem Weg zum mobile Computing.
2. Mobile Geräte. Hier werden verschiedene Mobiltelefon-Plattformen vergleichend betrachtet. Obwohl die zweite Auflage des Lehrbuches von 2015 ist, merkt man hier deutlich, dass der Markt sich rasant weiterentwickelt. So werden z.B. die Vorzüge von Blackberry diskutiert, was ja mittlerweile Geschichte ist.
3. Hardware für mobile Geräte: Hier erfährt man etwas über die Besonderheit von Prozessoren für mobile Geräte, aber auch über Akkutechnik und Grafikhardware.
4. Drahtlose Kommmunikation: Hier beschäftigt man sich mit verschiedenen Mobilfunkstandards, mit Formen der Modulation und des Multiplexings, mit WLAN, Bluetooth aber auch mit Nahfeldkommunikation mit RFIDs.
5. Location Based Services: Hier geht es um verschiedene Verfahren der Positionsbestimmung per Satellit (GPS) oder gestützt durch stationäre Netze (Handynetze oder auch WLAN-Accesspoints). Außerdem geht es um Techniken zur Positionsbestimmung in Gebäuden.
6. Sicherheit für mobile Geräte und mobile Kommunikation: Aus meiner Sicht das interessanteste Kapitel. Hier werden verschiedene Bedrohungsszenarien für mobile Geräte vorgestellt und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen erörtert.
7. Programmierung für mobile Endgeräte: Ich hätte erwartet, dass es nun endlich um Android-Programmierung geht. Aber hier spielten zum Beispiel auch Besonderheiten des UI-Designs für mobile Geräte eine größere Rolle, unabhängig von bestimmten Platformen. Im Schnelldurchgang lernt man dann, wie man ein einfaches GUI programmiert, Positionsbestimmung nutzt und Google Maps in eine eigene Applikation einbindet. Auch persistente Datenspeicherung - unter anderem mit SQLite - wird knapp behandelt.

 

Obwohl ich noch nicht weiß, wie ich in der Klausur abgeschnitten habe, würde ich sagen, dass dies einer der leichtesten Kurse im Angebot von Springer Campus ist. Das berichten mir auch immer wieder Kommilitonen. Mobile Computing gilt als ein Modul, mit dem man seinen Notendurchschnitt etwas verbessern kann. Bei mir hinterlässt das Modul einen gemischten Eindruck. Viele Inhalte könnten einem durchaus geläufig sein, wenn man regelmäßig Meldungen bei Heise oder Golem verfolgt. Mir fehlte hier das Erlebnis, ab und zu auch mal eine richtige harte Nuss knacken zu müssen.

 

Auch die Abschlussklausur fiel etwas aus dem Rahmen. Sie besteht aus ungewöhnlich vielen Fragen, bei denen in erster Linie Faktenwissen abgeprüft wird. Selbstständiges Problemlösen steht bei dieser Klausur nicht im Mittelpunkt. Kann man so machen, aber ich persönlich bevorzuge Aufgaben, bei denen mehr Kreativität gefragt ist.

 

Weil ich es insgesamt ein bisschen zu einfach fand und mir die echte Herausforderung fehlte, würde ich dieses Modul nur solchen Studierenden empfehlen, die - so wie ich - eines der Hochschulzertifikate als Etappenziel und kleinen Motivationskick in den Händen halten wollen. Wer eine gründliche Einführung in die Android-Programmierung sucht, wird sich an anderer Stelle umsehen müssen.

 

Wegen Umfang, Schwierigkeitsgrad und dem sehr hohen Rückmeldetempo des Tutors ist Mobile Computing ein Modul, dass man sich für Situationen aufsparen könnte, in denen die Zeit fürs Studium knapp ist und man trotzdem zum nächsten Prüfungstermin noch etwas abschließen möchte. Solche Situationen, in denen Arbeit oder Familienleben einem kaum Zeit zum Studieren lassen, kennt wohl jeder Fernstudent. Da ist es vielleicht ganz schön, wenn es im Studium auch ein Modul gibt, dass man sozusagen "als Joker" spielen kann.



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