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Schicksal 2.0 - Vorsicht, Gejammer

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Sandra82

202 Aufrufe

Also vor etwa einem Jahr habe ich einen Eintrag geschrieben, in dem ich mitgeteilt habe, dass das Schicksal mich mal kann. Damals ist meine Mutter gestorben.

Anfang dieser Woche ist mein Vater, dem Tode nahe, ins Krankenhaus gekommen. Er ist seit 10 Jahren Epileptiker, anscheinend hatte er am Wochenende Krämpfe, hat alles an Tabletten genommen, was er nur finden konnte und ist dann zusammengebrochen oder hat geschlafen, oder beides, keine Ahnung. Jedenfalls lag er im Flur der Wohnung auf kaltem Laminatboden, nur mit Shorts bekleidet, und das mindestens 2 ganze Tage und Nächte lang, also von Sonntag früh bis Dienstag früh. Da hat meine Schwester dann die Feuerwehr gerufen, die Tür wurde aufgebrochen und er war natürlich total unterkühlt. Seine Körperkerntemperatur betrug 31 Grad.

Man hat ihn reanimieren müssen, da kaum noch Lebenszeichen vorhanden waren, mittlerweile liegt er angeschlossen an allem, was nur geht, und ohne die Maschinen wäre er nicht mehr. Die Nieren arbeiten so gut wie gar nicht, er hängt an einem permanenten Dialysegerät.

Das Krankenhaus ist zu weit weg, ich kann nicht jeden Tag hin, aber heute war ich da, und es war natürlich sehr aufwühlend. Gestern hab ich mich ja noch mit Lernen ablenken können, gestern abend hieß es dann aber, sein Zustand sei schlechter geworden. Heute ist es ein bisschen besser, er braucht nicht mehr ganz so viel Sauerstoff und die Nieren haben eine minimale Tätigkeit aufgenommen.

Ihr wisst gar nicht, wie mich das alles nervt. Diese Ungewissheit, wird er, und wenn ja, wie? Und wenn nein, wann? Er wollte immer eine Patientenverfügung machen, seine größte Angst, irgendwann nur noch von Maschinen am Leben gehalten zu werden, genau das wollte er immer verhindern. Aber es ist nie zu der Verfügung gekommen und nun ist es tatsächlich so. Wenn er sich selbst sehen könnte, dann würde er nur wollen, dass man die Maschinen ausmacht.

Ehrlich? Selbst wenn es eine Verfügung gäbe, weiß ich nicht, ob ich sie abgeben könnte. Es war zwar sein Wunsch, den sollte man respektieren, andererseits die Frage: hätte er es vielleicht doch nochmal geschafft?

Der Arzt sagt, rein theoretisch könnte er sich so erholen, dass er genau so wird wie vorher. Aber man kann eben überhaupt keine Prognose abgeben. Es kann so kommen, aber auch so.

Ich weiß ja, dass er krank war und viele Tabletten schlucken musste. Auch, dass er immerhin "schon" 70 ist, obwohl ich ihn für 70 Jahre noch recht fit fand. Es war mir also klar, dass er auch mal gehen muss, aber so? Wegen einer Unterkühlung, da er Tage auf dem Boden vor sich hinsiecht? Das ist echt traurig.

Freitag haben wir noch telefoniert und er sagte, dass er wenigstens noch 5 Jahre "machen" will.

Trotzdem hat es mir gut getan, ihn heute zu sehen. Sollte er jetzt für immer einschlafen, hab ich mich wenigstens nochmal verabschieden können.

Es tut mir leid, ich weiß, dass das hier kein Forum für Trauernde ist, aber ich möchte mir das einfach mal von der Seele schreiben. Denn es betrifft ja auch mein Leben, und somit mein für mich sehr wichtiges Studium. Ich möchte unbedingt lernen, es ist schon schwer genug, mit drei kleinen Kindern und einem Mann, der fast täglich 12 Stunden weg ist. Ich habe den riesen Schock, dass meine Mutter gegangen ist, verkraften müssen. Und jetzt noch mein Vater. Dabei möchte ich einfach nur in Ruhe leben, lernen, studieren, an meiner Zukunft basteln.

Der erste Schock ist schon vorbei, den hatte ich Dienstag früh, als man ihn gefunden hat. Mittlerweile möchte ich nur in Ruhe schlafen können. Aber das geht nicht, da man ständig aufs Handy achtet. Letzte Nacht war extrem schlimm, da der Arzt auch noch meinte, wir sollten uns bereit halten, falls etwas ist. Es ist so extrem nervenaufreibend, nicht zu wissen, was jetzt passiert. Man weiß auch noch nicht, wann man ihn wecken kann, diese Woche bestimmt nicht mehr, vielleicht nächste oder übernächste. Und wenn er dann bei Bewusstsein ist, und sagt, dass er das alles nicht möchte, dann können sie die Maschinen erst ausstellen.

Irgendwie hab ich das Gefühl, es ist immer was. Irgendwas ist immer und irgendwer wird entweder immer krank oder stirbt. Tja, selbst daran kann man was gutes sehen: danach habe ich niemanden mehr, bei dem in naher Zukunft ein Tod zu erwarten ist. Ohne Eltern zu sein ist nicht schön, niemand wird einen jemals so lieben wie die Eltern.

Ich weiß, dass ich das schaffe, ich bin ziemlich stark, wenn es sein muss. Aber ich wünsche mir nur, dass sich das ganze nicht allzu lange hinzieht und sich bald eine Tendenz abzeichnet, ob es nun bergauf oder eher bergab geht.

Morgen stürz ich mich wieder ins Studium, komme, was wolle. Es lenkt mich ab und tut mir gut. Ändern kann ich an der Situation eh nichts mehr.

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24 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Mensch, das tut mir wirklich leid. Ich wünsche dir und natürlich deinem Vater alles Gute! Klingt irgendwie auch doof, aber ist schwer dafür die richtigen Worte zu finden. :(

Ich finde übrigens schon, dass auch solche Themen hier Platz haben und es völlig in Ordnung ist so etwas hier zu schreiben. Wird ja niemand gezwungen es zu lesen.

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Da ich dir sonst nicht helfen kann, bleibt nur dir viel Kraft und deinem Vater Besserung zu wünschen. :(

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Weiterbildungswilliger

Geschrieben

Auch ich möchte dir mein tiefes Mitgefühl aussprechen.

Wir haben hier einen ähnlichen Fall bei dem Vater meiner Freundin. Auch 70, auch an allen möglichen Maschinen angeschlossen (künstliches Koma) aber wegen heftiger Lungenentzündung aufgrund vom Blutkrebs geschwächten Immunsystems. Aufgrund dieser besonderen Situation und meines krankheitsbedingten Lernausfalls letzte Woche, hatte ich heute auch das Thema hier im Forum eröffnet, wie man damit umgeht wenn man als Fernstudent aus der Bahn geworfen wird (http://www.fernstudium-infos.de/lernen-technik-methoden/34134-turnaround-nachdem-man-bahn-geworfen-wurde.html)

Alles Gute!

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Das tut auch mir sehr leid für dich. Und natürlich ist hier Platz, auch diese Situation zu schildern. Ich kann mir vorstellen, dass das Schlimmste die Ungewissheit ist - und die Unmöglichkeit, etwas zu tun. Dir kann ich nur wünschen, dass sich die Situation klärt, auf irgend eine Weise.

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Auch ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit! Ich hatte gerade eine ähnliche Situation mit meiner Oma, allerdings ist diese bereits 93 und da kann man anders damit umgehen. Und den eigenen Eltern steht man im Normalfall ja noch näher. Aber du wirst das schaffen und es werden wieder einfachere Zeiten kommen!

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Bei dir kommt ja einiges an Pech zusammen. Das muss sehr anstrengend und schwer sein, ich kann mir so eine Situation zum Glück noch gar nicht vorstellen. Gibt es denn einen bestimmten Zeitrahmen in dem die Hoffnung aus medizinischer Sicht noch größer ist? Also dass man weiß, wenn er bis X nicht aufwacht, entstehen größere Schäden? Ich weiß gar nicht, wie die Situation rechtlich ist, wenn es keine Patientenverfügung gibt. Entscheiden dann die Ärzte? Oder die Familie? Du musst das jetzt nicht beantworten, wenn du es selbst erst herausfinden müsstest - das wären nur die Fragen, die mir durch den Kopf gehen und die vielleicht hilfreich sind (?), um einen Blick dafür zu bekommen, wie es jetzt weiter geht.

Ich hoffe, dir hilft es etwas, dich ins Studium zu stürzen, das kann gut zumindest für einen Moment andere Gedanken in den Vordergrund rücken. Aber wenn es nicht klappt, hast du jetzt wenigstens noch etwas mehr Zeit bis zur Klausur, so dass du dir eine Pause nehmen kannst. Manchmal geht einfach gar nichts mehr und gerade in so einer Situation ist das auch voll ok.

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Ihr seid so lieb, vielen, vielen Dank. Das tut echt gut!

Ich weiß, dass wieder bessere Zeiten kommen, und ich freue mich darauf. Beim Tod meiner Mutter hat einer von hier (ich weiß gar nicht mehr wer, leider), geschrieben, dass die Zeit kommen wird, in der man dafür dankbar ist, selbst noch mitten im Leben zu stehen. Und das ist wirklich so. Bei all der Trauer, Wut, Ohnmacht etc. lernt man dennoch das Leben anders zu schätzen, einfach, weil man hautnah mitbekommt, dass es gar nicht selbstverständlich ist, am Leben und gesund zu sein.

Ich bin es gewohnt, ohne Großeltern zu sein, diese sind schon alle früh gestorben (also für mich früh, sie selbst waren alt genug), aber auch noch ohne Eltern zu sein, das ist doof. Ich habe das Gefühl, dass sich meine Wurzeln in Luft auflösen, das hört sich echt blöd an, aber es ist sehr seltsam. Vor allem betrifft das aber meine Mutter, zu der ich ja eine sehr enge Bindung hatte und die mir nicht nur die beste Mutter, sondern auch noch die beste Freundin war. Zu meinem Vater war die Bindung nie so eng, dennoch liebe ich ihn und hoffe, dass sich alles noch zum Guten wendet, wobei hier offen bleiben muss, was genau das Gute ist, denn was ich gut fände, könnte für ihn eher schlecht sein.

@Weiterbildungswilliger: danke für den Link, ich schau da demnächst mal rein. Ja, sowas wirft einen total aus der Bahn und bringt einen total aus dem Lernrhythmus. Trotzdem bin ich gerade jetzt unheimlich froh das Studium zu haben, denn ohne würde ich wahrscheinlich nicht wissen, wo oder an was ich mich festhalten, orientieren soll.

Danke fürs Lesen!

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@ Zitrone: ich wünschte, ich hätte einen Zeitrahmen oder irgendwelche Angaben zu Erfahrungswerten bekommen. Aber nichts, das ist ja das, was mich verrückt macht. Alles ist möglich, von Tod über Pflegefall bis hin zu kerngesund. Das einzige was ich weiß, ist, dass sie wahrscheinlich vor der nächsten Woche die Schlafmittel nicht absetzen werden, da er das nicht schaffen würde.

Ohne die Verfügung sieht es so aus, dass er, wenn er wach wird und bei Bewusstsein ist, entscheiden kann, ob er weiter an den Maschinen sein will, oder ob sie ausgestellt werden sollen und er sterben möchte. Wenn das so ist, dann wird die Familie dazu geholt und die Maschinen werden ausgestellt. Und DAS wäre für mich die Hölle, wenn er bei Bewusstsein wäre und man dann die Knöpfe ausmacht - nee, das könnte ich nicht verkraften. Ich weiß, um mich geht es nicht primär, aber ich kenne ihn, ich weiß, dass er die Maschinen auch selbst ausmachen würde, ohne aber darüber nachzudenken, dass das Leben vielleicht doch noch was nettes für ihn bereit hält, wenn es auch nicht viel ist.

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Ach Mensch, das klingt ja schlimm. Ich wünsch dir und deinem Vater alles Gute und viel Kraft für die vor euch liegende Zeit!

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Das kann ich gut verstehen, dass die Unsicherheit alles noch schlimmer macht. Ich finde es schön, dass du trotz allem daran denken kannst und die Sicherheit hast, dass auch bessere Zeiten kommen werden.

Wenn er zu Bewusstsein kommt und so eine Entscheidung fällt, kannst du wahrscheinlich nicht viel machen (außer ihm vielleicht deine Meinung dazu zu sagen und ihn zu bitten, darüber nachzudenken, aber letztlich bleibt es dann wohl seine Entscheidung). Aber auch wenn du die Entscheidung dann nicht direkt beeinflussen kannst, geht es schon auch um dich. Seine potentielle Entscheidung hätte gewaltigen Einfluss auf dein Leben und da ist es nicht nur normal, sondern auch sehr wichtig, dass du in all dem auch an dich selbst und deine Wünsche und Bedürfnisse denken kannst.

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Ohje, wie schlimm. Ich wünsche dir, deinem Vater und deiner Familie viel Kraft.

Es wird sicherlich alles wieder gut.

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oh, das tut mir leid für dich.... ich wünsch dir viel Kraft, um diese Situation zu überstehen

für deinen Vater alles Gute - was immer das auch sein mag

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Auch ich wünsche deinem Vater und dir, dass sich alles zum Guten wendet - auch wenn das Gute hier wohl wirklich eine Definitionsfrage ist... :(

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Du machst eine harte Zeit durch und besonders die Unsicherheit was kommen wird ist hart. Im Dezember 2011 habe ich miterlebt wie etwas ähnliches bei meiner Ex passiert ist. Ich wünsche dir viel Kraft und finde es gut das du dich mit dem Studium ablenken kannst. Eine Beschäftigung tut manchem gut. Nimm dir die Zeit die du brauchst und mach das was du für richtig hälst. Und lass dich von deinem Mann trösten. Ich wünsche euch das Beste, wie auch immer das für euch aussehen mag.

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Danke ihr Lieben :-)

Wir können heute weiterhin eine leichte Verbesserung seines Zustandes verzeichnen: der Kreislauf ist stabiler als gestern und die Nieren haben noch ein bisschen mehr Tätigkeit aufgenommen. Ans Aufwecken ist aber noch nicht zu denken und natürlich funktioniert ohne Maschinen auch noch nichts, aber die Tendenz ist erstmal positiv. Das freut mich natürlich. Nachdem ich heute nacht recht gut geschlafen habe, mein Kopf jetzt wieder freier ist und ich nicht mehr so durcheinander bin, könnte ich ihm durchaus zutrauen, wieder gesund zu werden.

Er lag schonmal im künstlichen Koma wegen einer Vergiftung seiner Leber, und das 2 Wochen lang. Wir haben schon über die Beerdigung gesprochen und über den Grabstein diskutiert. Das ist jetzt fast 10 Jahre her und er hat sich wieder erholt. Mal gucken, ob er das nochmal hinbekommt.

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Viel kann man hier eh nicht schreiben und das wenige, was möglich ist, haben andere schon formuliert. Ich möchte mich daher nur anschließen und dir und deinem Vater alles Gute wünschen. Hat mich zumindest gefreut, dass dein letzer Beitrag ein wenig hoffnungsvoller klingt und es eine kleine positive Entwicklung zu geben scheint.

Zu etwas möchte ich noch was schreiben:

Es tut mir leid, ich weiß, dass das hier kein Forum für Trauernde ist, aber ich möchte mir das einfach mal von der Seele schreiben.

Danke für das Vertrauen, dass du uns, die du ja nicht von Angesicht zu Angesicht kennst, hier entgegen gebracht hast. Ich finde es schön, dass du uns das anvertraut hast und freue mich, wenn dir die Kommentare der Benutzer ein klein wenig Mut und Hilfe geben konnten.

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Ein Update für die, die es interessiert:

es geht ihm besser! Dialyse ist seit Freitag ab, die Nieren arbeiten ganz allein, die Beatmungsmaschine kommt morgen oder übermorgen ab, da er auch schon alleine atmen möchte. Kreislauf stabil, aber im Koma lassen sie ihn noch, aber bisher macht er sich super. Er hat eine beidseitige Lungenentzündung mit Fieber, aber auch diese Werte haben sich von gestern zu heute verbessert.

Ich bin so froh und traue mich zu hoffen, dass doch wieder alles ziemlich gut wird. :thumbup:

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