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Bildungsaufsteiger - Einmal Arbeiterkind, immer Arbeiterkind? | FAZ Campus, 01.06.2018


SirAdrianFish
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Zitat

Wer aus einfachen Verhältnissen kommt, schafft es seltener auf eine Hochschule. Das liegt allerdings nicht nur am Geld.

 

Die Erleichterung nach der letzten Abiturprüfung währte für Lena Mädje nicht lange. Nur kurz nach der Anfangseuphorie war die Frage wieder da, die schon länger an ihr zerrte: Was soll ich denn werden? Und: Schaffe ich ein Studium überhaupt? „Ich wollte das Bestmögliche aus meinem Abschluss rausholen. Ich wusste nur nicht, wie. Denn das Bestmögliche meiner Familie war Handwerk“, sagt sie. (...)


Quelle: BILDUNGSAUFSTEIGER - Einmal Arbeiterkind, immer Arbeiterkind? | FAZ Campus vom 01.06.2018, Artikel von Natalia Warkentin

 

 

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Guten Morgen,

 

zwei interessante Artikel :) Als katholische Arbeitertochter vom Lande finde ich Aufstiegsgeschichten aus der sozialen Mobilität sehr spannend. Leider wird generell mehr auf den klassischen Fall eingegangen, dass die Familie das begabte Kind als "Ersten in der Familie" sieht, der sogar mal studieren soll. Selten wird dabei aber auf ein anregungsarmes Elternbild eingegangen, das sich strikt gegen Abitur oder gar Studium beim Kind ausspricht und dieses nicht in die Richtung fördert - so war es aber insbesondere früher oft, denn es fehlte überall an Aufklärung in solchen Fällen. 
Ich habe aber auch das Gefühl, dass es diese Vorurteile von damals ("Dann zahlen wir dich ja durch, bis du 30 bist", "Heiratest doch eh, was willst'n da mit Abi", "Studieren, das machen doch nur Arztkinder" usw.) heute definitiv selten gibt. Durch mein Patenkind (18) weiß ich, dass ganz viele Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien in ihrem Abijahrgang sind. Darüber hinaus gibt es heute für viele Arbeiterkinder auch viele Hilfsangebote, z.B. arbeiterkind.de. 
Das ist doch zunächst mal ein super Trend und anders als vor 25 Jahren. 

Im Artikel wird ja der ungewohnte Unialltag angesprochen. Da muss ich allerdings sagen, dass meine Freunde mit Akademiker-Hintergrund dies ganz genau so empfanden, zumal die Unistruktur zu Zeiten des Studiums ihrer Eltern noch ganz anders war. Meine Freunde (und auch Mann zB) haben sich oft darüber beklagt, dass die Generationen hier aneinander vorbeireden.
Die Akademiker-Eltern hatten - geprägt von ihren eigenen Erfahrungen aus der Uni - auch ganz andere, oft überholte und unrealistische Anforderungen an das Studium der Kinder und waren alles andere als helfende Hände (selbst, wenn exakt das gleiche studiert wurde!)
Ich glaube, das wurde bisher auch noch nicht so gut sozial erforscht. 

Bei der Überschrift

 

Zitat

Einmal Arbeiterkind, immer Arbeiterkind? 


ist ganz unabhängig solch eine Aussage immer Grund, dass die Trotz-Lämpchen auf Alarmstufe Rot anspringen sollten 😉 Das ist eine sehr deterministische Fragestellung und ich denke, da hat man durchaus auch die Entscheidung, sich die Frage selbst zu beantworten :) 

LG 

Bearbeitet von Vica
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Ich sehe das Problem vor allem auch in der fehlenden Aufklärung und das bekomme ich regelmäßig bei der Arbeit mit: viele Abiturienten / Studienanfänger wissen überhaupt nicht, wo sie einen Antrag stellen sollen, wo sie Hilfe bekommen, wo sie anrufen können, wie sie Anträge stellen. Viele haben schlichtweg auch eine gewisse 'Angst' vor den vielen Anträgen oder sind geprägt durch unfreundliche Mitarbeiter von Ämtern, die ihnen ggf. noch das Leben schwer machen. Sehr oft existieren massive Selbstzweifel in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten, was mitunter oft auch an der elterlichen Seite liegt. Und wenn dann noch die finanzielle Komponente fehlt und einbricht, weil die Eltern z.B. keinen Unterhalt zahlen können und die Studienanfänger nicht wissen, ob sie überhaupt Anspruch auf Bafög haben, dann erschwert es den Prozess und einige lassen sich davon auch abschrecken. 

Wenn in der Familie noch niemand selbst studiert hat, sind die eigenen Hemmungen und Zweifel oft auch wesentlich größer. Denn der Vater oder die Mutter kann dem Schüler oft gar keine Unterstützung bieten, da sie es selbst nicht kennen. Oft erlebe ich auch, dass Eltern bewusst eher zu einer Ausbildung raten, statt das Kind in seinem Willen zu unterstützen ein Studium aufzunehmen.

Viele Arbeiterkinder fühlen sich zum Beginn des Studiums verunsichert und unwohl, vor allem wenn sie mitkriegen, dass ihre Kommilitonen den elterlichen Background und die erforderliche Unterstützung haben. 

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vor einer Stunde, flowergarden schrieb:

weil die Eltern z.B. keinen Unterhalt zahlen können und die Studienanfänger nicht wissen, ob sie überhaupt Anspruch auf Bafög haben, 

Und viele mit den Reformen nicht mitkommen. Denn viele haben im Kopf z.B. Student = Bafög und kein ALG II. Das hat sich dieses Jahr geändert. Wer als Studierender noch zu Hause wohnt und U25 ist hat auch als Student ergänzend zum Bafög einen ALG II anspruch. So kann es sein, dass auch wenn beide Eltern arbeiten es abzüglich aller anrechenvaren Beträge zur Möglichkeit ergänzender Sozialleistungen kommt. Denn nicht jeder Studierende zieht von zu Hause aus. (Für die die nicht mehr zu Hause wohnen ust der Ausschluss leider bestehen geblieben). 

 

Die Frage ist aber auch, ob es immer überall Akademiker braucht. Mein Papa (Landwirtschaftlicher Lohnunternehmer) baut sich Maschinen, die ihm fehlen oder bestimmte Schneidwerke einfach selbst. Er hat nie Maschinenbau studiert oder eine technische Ausbildung gemacht. So lange es kein Computer ist macht er alles selbst. Er ist der älteste Sohn einer Bauersfamilie ein Studium wäre nie in Frage gekommen und ich glaube da ist er auch nicht der Typ für. Wenngleich ich ihm meinen IQ zu verdanken habe. Ich bin in der Linie, die erste, die studiert hat entsprechend war der Anschluss jetzt auch für ihn etwas besonderes und er hat sich alles von diesem Bachelor, der keine Frau sucht erklären lassen ;). Auf der Seite meiner Mutter, eine Krankenschwester Tochter eines Milchkontrolleurs (Eltern Gutsherren) und Gemeindekrankenschwester (Eltern Bauern) ebenfalls. Am Anfang bin ich oft in Richtung Abitur und Musikstudium gedrängt worden von meiner Mutter. Aber ich hatte meinen eigenen Kopf es brauchte seine Zeit und vor allem musste es passen. Der Weg war sicher nicht so leicht, wie mit der Bank von Mama und Papa und wenn  ich in den Strukturen aufgewachsen wäre. Aber ich stehe nicht auf dem Standpunkt dass eine bildungsferne Familiengeschichte und fehlende Förderung grundsätzlich der beruflichen Entwicklung und einer akademischen Laufbahn entgegen stehen. Der Weg ist leider nur steiniger und das dürfte entmutigen. Rückschläge treffen härter und da fehlt es dann bei einem Auffangnetz, dass nicht signalisiert "Schuster bleib bei deinen Leisten" sondern würdigt, was die Studierenden wirklich leisten, denn es ist weitaus mehr als einen Hörsaal zu besuchen.

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