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Kaffeepause

Raus aus der Pflege - Branchenwechsel gesucht

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Dies ist jetzt meine dritte Stelle, die ich angetreten habe, welche explizit für Masterabsolventen aus der Pflege ausgeschrieben ist. Das System Pflege krankt einfach und ist nicht mit anderen Branchen vergleichbar - der Markt für akademische Pflege ist leider sehr überschaubar.

Es gibt bundesweit nur eine handvoll Kliniken, die ernsthafte Bestrebungen haben und solche Jobs offerieren, wie ich sie gerne hätte.

Ich bin es leid zu kämpfen, ich mache das seit mehreren Jahren - das ist ein Kampf gegen Windmühlen

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Am 20.11.2019 um 15:11 , Silberpfeil schrieb:

dass Du bis zum Master studiert hast und scheinbar gedacht hast, das würde etwas an Deiner Situation ändern. Das System ist, wie es ist: für Master ist da (noch?) kein Platz. Und man kann es kaum von innen heraus verändern.

 

Ja, ich habe tatsächlich gedacht, dass man etwas bewegen könnte und habe eigentlich zunächst aus Interesse das Studium begonnen. Ich hab dann ganz schnell festgestellt, dass das Studium (sowohl der Bachelor, als auch der Master - hab in verschiedenen Städten studiert) quasi mein zweites Zuhause geworden ist - ich habe mich sauwohl gefühlt. Inhaltlich war es genau das Richtige, tolle Profs, nette Kommilitonen.

Umso erfreuter war ich, als ich die Entwicklung in der bereits erwähnten Handvoll Kliniken gesehen habe, dass so ganz langsam der Veränderungswille aufkam und man zusehends Pflegestudium-Absolventen einstellen wollte. Ich habe dann auch direkt nach dem Masterabschluss eine solche Stelle bekommen - auch mit guter Eingruppierung und zahlreichen Visionen/Versprechungen.

Zusammenfassend kann ich sagen - bei all meinen Masterabsolventenstellen (davon waren zwei an Unikliniken):

Absolut kein Unterschied zu den bereits oben angedeuteten Tätigkeiten - aber zugleich wurde mit mir angegeben à la "schaut her, und das ist unsere Masterabsolventin und wir sind ganz toll innovativ" bei gleichzeitigem Desinteresse daran, was ich tatsächlich entwickelt/entworfen/erarbeitet habe. Mit mir hatten in diesen Kliniken noch andere Masterabsolventen begonnen, mittlerweile ist keiner mehr dort geblieben, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist bzw. weil man einfach nicht die Kompetenzen einbringen kann, die man hat.

Für mich klingt es mittlerweile fast wie Hohn, wenn ich dann höre "ja schau dich um und wechsel den Arbeitgeber". Ich weiß, dass dieser Rat gut gemeint ist - aber die Pflegebranche ist einfach anders und es läuft nicht so wie in anderen Branchen. Ich war örtlich wirklich sehr flexibel (bin für den ersten Job, über 400 km weit und für den vorletzten Job über 600 km umgezogen), nur um eben eine dieser raren Stellen zu bekommen. Nun mittlerweile lebe ich wieder in Heimatnähe, was ich auch sehr schön finde. Das Gesundheitswesen ist so ein ganz eigener Bereich - ich habe den Eindruck, wenn ich hier Beiträge lese, wie es in anderen Branchen so läuft, dass wir in den Kliniken tatsächlich auf einem ganz anderen Planeten leben. Und eigentlich würde ich diesen Planeten gerne verlassen.

Fachlich - bin ich absolut dabei. Das interessiert mich, das würde ich auch gerne beibehalten.

Aber ich bin auch nicht naiv und bin auch bereit, etwas komplett anderes zu machen und auf dieses fachliche Interesse zu verzichten.

Natürlich habe ich mich mit anderen Berufen innerhalb der Pflegeszene befasst, aber keiner davon sagt mir richtig zu. Die Auseinandersetzung mit Alternativen im Pflegebereich ist für mich nicht neu (wäre ja auch seltsam 😉 )

Ich habe vor vier Jahren an einer Pflegeschule ein Praktikum absolviert, um zu schauen, ob das etwas sein könnte.

Ja, grundsätzlich schon, aber ich weiß nicht, ob ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann, hunderte junger Menschen diesen Beruf anzupreisen, der so überaus belastend ist. Dass ich ihnen Dinge beibringen soll, von denen ich genau weiß, dass sie in der Praxis ignoriert werden bzw. untergehen.

PDL bzw. Managementebene - auch das sehe ich problematisch - Stichwort Mängelverwaltung. Soll ich ernsthaft im QM Vorgaben erstellen, obwohl ich genau weiß, dass die Stationen nur mit Notbesetzung laufen und dann auf die Einhaltung dieser Vorgaben pochen? Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Pflegeberatung - ja, das wäre etwas, leider kaum Stellen.

 

 

Bearbeitet von Markus Jung
Vollzitat gekürzt

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vor 9 Stunden, Kaffeepause schrieb:

 

Ja, grundsätzlich schon, aber ich weiß nicht, ob ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann, hunderte junger Menschen diesen Beruf anzupreisen, der so überaus belastend ist. Dass ich ihnen Dinge beibringen soll, von denen ich genau weiß, dass sie in der Praxis ignoriert werden bzw. untergehen.

 

Unterricht ist keine Werbeveranstaltung, und als Pädagoge ist man kein Verkäufer. Was man vermitteln kann ist kritisches Denken, Hinterfragen, Fachlichkeit statt Halbwissen.

Dass der Beruf belastend ist, wissen die Schüler selbst sehr genau. Was sie brauchen ist Resilienz und ein Rollenvorbild, das ihnen eben nicht die „Schwester“ mit Helfersyndrom vorlebt, sondern ein neues professionelles Bild vermittelt.

 

Zusammengefasst klingen Deine Texte tatsächlich nach einem Ausstieg aus der Branche.

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Ich werfe auch mal naiv ein, dass es in vielen Berufsfeldern üblich ist, als auf dem Papier Fachremde(r) zu arbeiten. Vielleicht ist es gar nicht notwendig, x Jahre in eine neue theoretische Ausbildung zu investieren, die dann ja doch keine Garantie auf beruflichen Erfolg und persönliches Glück und Zufriedenheit gibt – zumal die am Horizont aufziehende Altersdiskriminierung ja auch noch droht.

 

Wenn Politik ein Thema ist, könntest du  dir z.B. überlegen, dich in Richtung von Verbänden oder Lobbyorganisationen zu orientieren, oder z.B. entsprechende Fachpolitiker anzusprechen. Das sind alles keine großen Job-Pools, aber komplett unmöglich wäre es sicher auch nicht. Zumal dort, wo jemand mit deinem Profil gut gebraucht werden könnte, das Angebot ja auch nicht sehr groß sein dürfte. Wer hat schon die akademische Ausbildung plus die Praxiserfahrung aus der Mühle des Systems in Kombination zu bieten?

 

(Ist sicher auch typabhängig. Ich kenne aus meinem Umfeld Menschen, die setzen sich in den Kopf, so etwas zu machen, glauben dann ganz fest daran (am Rande der Realitätsverzerrung), und bekommen am Ende was sie wollen. Das sind wohl die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.)

Bearbeitet von thb

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