Die Zeit ist ein so kostbares Gut,
daß man es nicht einmal für Geld kaufen kann.
Dieses alte israelische Sprichwort ist nicht nur wahr, sondern auch leider ein Problem vieler Fernstudenten, die sich gerade erst mit der Materie Fernstudium beschäftigen.
Viele Dinge während des Fernstudiums lassen sich relativ einfach beschaffen, sei es Geld, Hilfe, Wissen, Materialien, Unterstützung. Was dabei meist auf der Strecke bleibt ist und bleibt die Zeit.
Die Ausgangslage
Es ist anzunehmen, dass jeder Fernstudent auch ein Leben vor dem Beginn des Fernstudiums hatte. Wer nicht direkt von einem anderen Fernstudium umschwenkt muss sich also umorientieren - und das wirklich komplett. Absolventen einer Präsenzweiterbildung oder eines Präsenzstudiums müssen sich auf andere Dinge nicht so sehr umstellen, aber die Zeitproblematik bleibt auch ihnen.
Zusammen mit der Immatrikulation oder der Anmeldung heisst es ab sofort: "
Hiermit möchten wir Ihren neuen Lebensabschnittsgefährten herzlich willkommen heissen, Ihr Fernstudium". Bitte nicht falsch verstehen, man muss deswegen seinen Partner nicht verlassen, aber man sollte ihn schonend auf eine mittelfristig polygame Beziehung vorbereiten!
Um es mal aus der Sicht des Fernstudiums zu betrachten (man stelle sich vor, man lernt seinen zukünftigen Fernstudenten kennen und freut sich auf die Zeit mit ihm) - gibt es mehrere Dinge auf die man eifersüchtig werden könnte:
- Partner
- Kinder
- Haustier
- Hobby
- Freunde
- Arbeit
- Angehörige
- ...
Somit kämpft das arme Fernstudium gegen viele Dinge, die schon vorher im Leben des Fernstudenten da waren. Irgendwo muss also der Platz her, damit sich in diese Liste noch das Fernstudium einfinden und am besten für eine absehbare Zeit einnisten kann, schließlich wollen wir ja alle, das es unserem Fernstudium für ein paar Jahre gut bei uns geht.
Die Zahl
Eines haben alle Fernstudien gemeinsam, durch die ZFU-Zulassung wird auch eine Workload (Lernbelastung) festgelegt, welche durch die Anbieter natürlich als Richtgröße an den Fernstudenten weiter kommuniziert wird.
Bei einem nicht akademischen Fernkurs liegt diese Workload meist bei ca.
5-10Std pro Woche, bei einem akademischen Fernkurs zwischen
12-18Std pro Woche.
So auf den ersten Blick sehen diese Zahlen eigentlich ganz nett aus, nicht wahr? Leider werden diese kleinen süßen arabischen Ziffern leider schnell zu gefräßigen Biestern, die einen die Haare vom Kopf... nein, eher die Zeit vom Zifferblatt fressen.
Wie alles im Leben ist aber eben das das lernen und studieren eine sehr individuelle Geschichte. Insgesamt sind diese Richtzeiten auch auf das komplette Studium zu betrachten. Sie sind keineswegs linear - im Gegenteil je nach Vorkenntnis, Stoffvermittlung ... und ja, auch Zeit zur Klausur sinkt und fällt die tatsächliche Belastung.
Wichtig ist für den frisch gebackenen Fernstudenten die Zahl weder unter- noch überschätzen.
Unterschätzt man die Zahl, so läuft man Gefahr seine Lernplanung auf wackelige Füße zu stellen. Die Folge ist permanenter Zeitmangel, gefolgt von permanenter Frustration
Überschätzt man wiederum die Angaben der Anbieter, setzt man sich unnötig unter Druck. Plant zu viel und vergeudet wertvolle Zeit damit, sich wertvolle Zeit schaffen zu wollen.
Generell gilt, die Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen. Erfahrungen anderer Fernstudenten haben gezeigt das z.B. der Umfang für ein akademisches Fernstudium wirklich ca. 12-15Std. beträgt,
wenn man denn in der Regelstudienzeit verbleiben möchte.
Die Einflussgrößen auf "Die Zahl"
Und schon sind wir beim nächsten Thema. Wie kann ich "Die Zahl" denn nun beeinflussen?
Ich sage es gleich - nur mit Abstrichen.
Hat man (augenscheinlich) weniger Zeit, als man zum Studium benötigt, muss man noch keine Studienbriefe in höherer Mathematik gewälzt haben um festzustellen... negative Zeiteinheiten wurden noch nicht erfunden!
Es gibt auch nur eine wirkliche Möglichkeit "Die Zahl" in den Griff zu bekommen - man steckt mit seinen Zielen zurück. Die Regelstudiendauer rückt dann leider etwas weiter weg.
Dies erleichtert dann zum einen das Studium (ohne ständigen Zeitdruck arbeitet es sich nunmal leichter) zum anderen sind private Einschnitte nur marginal notwendig.
Übertreiben sollte man es natürlich nicht - zum einen geht es ums Geld, wenn man die kostenlose Überschreitungsfrist vieler Anbieter erreicht hat - zum anderen wird 50% Lernaufwand eher selten zu 50% längerer Studiendauer sondern eher zum scheitern führen. (es geht hier wohlgemerkt nicht um ein paar Tage oder 1-2 Wochen, sondern um einen längeren Zeitraum).
So, nun haben wir also ein neues Fernstudium. Es fühlt sich bei uns wohl und nach reichlichen überlegen, haben wir ihm angeboten, es bei einer Affäre zu belassen. Das kann gut gehen - ... aber um nicht pokern zu müssen gibt es zum Glück noch andere Möglichkeiten.
Tick..Tack... das Zeitmanagement
Bisher wollten wir also auf Studienzeit verzichten - das kann nun aber nicht die endgültige Lösung sein. Unser aller Leben besteht aus vielen Facetten, vielen Aufgaben und vielen Leerzeiten.
Um dies alles in den Griff zu bekommen haben schlaue Unternehmensberater das Zeitmanagement erfunden... bereits ein paar Jahre vorher hat aber die Natur zum Glück schon dem Menschen die Fähigkeit gegeben Abhängigkeiten zu erkennen und Aufgaben einzuordnen.
Leider ist es in der modernen Welt nicht mehr einfach so möglich alles genau im Blick zu behalten. Sind wir mal ehrlich, aufstehen -> essen -> jagen -> essen -> schlafen bekommt man etwas einfacher geregelt als den Standard Tagesablauf eines Mitteleuropäers ... absolviert dieser auch noch ein Fernstudium ist eben mehr gefragt als das Hirn oder die Höhlenwand.
Man braucht einen Plan!
Step 1 - Was tu' ich eigentlich?
Bevor man mit der Planung für sein Fernstudium beginnt sollte man sich die große Frage stellen und sich am besten nicht vor einer Antwort drücken.
Um herauszufinden was man eigentlich den lieben langen Tag macht, sollte man sich (wer hätte es gedacht) Zeit nehmen. Was man innerhalb weniger Minuten auf ein Blatt Papier schreiben kann ist meist sowieso das wichtigste, dessen man sich bewusst ist - somit sind das auch die Teile des Tages/der Woche, an denen man am wenigsten drehen kann.
Nach dem Motto Vorbereitungszeit verdoppeln, Ausführungszeit halbieren ist es sinnvoll sich einen Wochenplan zu gestalten und je nach dem, wie Abwechslungsreich der Tages- und Wochenablauf ist über 1-2 Wochen erfassen was man so den lieben langen Tag tut.
Die daraus gewonnenen Informationen sind Gold wert.
Am besten analysiert man seinen Wochenplan nach Kategorien wie Arbeit, Freizeit, Familie usw. - ganz wichtig dabei ist auch Leerlaufzeiten und Leerlaufhandlungen auszumachen und deutlich hervorzuheben. Denn da setzen wir den Rotstift zuerst an!
Step 2 - Planlos mit Plan
Nun wissen wir, was wir tun - was nun?
Wie bereits erwähnt sollte der erste Schritt sein die Leerlaufzeiten (keine Erholungszeiten!) auszumachen, aufzusummieren und von der vorgesehenen Workload abzuziehen.
Diese Minuten und Stunden kann man am leichtesten aktivieren und nutzen, je mehr man hat um so weniger muss man an seinem sonstigen Lebensstil ändern. Leider (oder eher zum Glück) hat niemand 15Std. in der Woche "einfach so" frei.
Darum geht man nun ein Stücken weiter - Leerlaufhandlungen wie Fernsehen nur des Zeitvertreibs willen, Shopping nur aus Langeweile, den Englischen-Rasen mit dem Rasierer trimmen oder auch Pendlerzeit ohne praktischen Nutzen... hier gehen die ersten Abstriche los und hier fängt es auch schon an etwas weh zu tun. Also auch hier wieder die mögliche Zeit der Woche addieren und von der restlichen Workload-Zeit abziehen. Mit viel Glück ist vllt. jetzt schon eine untere einstellige Zahl zu sehen.
Wenn es noch nicht reicht rückt man wieder ein Stückchen nach vorne ... und nun wird es sehr individuell... individuell heisst auch schmerzhaft. Worauf kann man von der restlichen Zeit, am ehesten Verzichten?
Klar doch... auf die Arbeit natürlich. Aber Spaß beiseite, auch das kann eine Lösung sein. Es kommt eben ganz auf die Prioritäten an.
Nun muss man sich je nach Schmerzgrenze die restlichen Stunden von den Hobbies, von der Partnerzeit usw. abringen.
Man sollte sich aber nicht selbst bemogeln, alles was nicht mehr als 1 Std. die Woche bringt kann man unmöglich nachhalten. Bei 10 Hobbies 6 Minuten pro Woche abzuziehen und eine Stunde Lernzeit zu gewinnen ist eher unwahrscheinlich.
Step 3 - Jetzt hab' ich die Zeit, wohin damit?
Das ist durchaus eine berechtigte Frage, denn das, was man sich mühsam abgerungen hat, ist sicherlich in keinster Weise regelmässig auf die Woche verteilt. Und sicherlich auch nicht in lernrelevante Blöcke unterzubringen.
Nachdem man nun also schon schmerzhaft Zeit für das Fernstudium errungen hat geht es nun darum auch noch den Rest des Tagesablaufs durcheinander zu würfeln.
Mit mehr Zeit hat man mehr Freiräume. Das Ziel sollte nun sein, seine beweglichen Zeitelemente an die eher wenig beweglichen (wie Arbeit) anzupassen. Dabei sollte man nicht vergessen, das auch Schlaf ein bewegliches Element ist ... warum nicht mal etwas eher aufstehen und morgens die Bücher wälzen?
Eine sinnvolle Vorgabe für eine Lerneinheit gibt es nicht - allerdings hat sich die Wissenschaft die Zeit genommen die Lernzeit zu untersuchen. Dabei gilt das alles unter 20 Minuten eher keine konzentrierte Einheit ist - und nach 90 Minuten eine Pause fällig ist. Lernen nach 23.00 Uhr sei auch nicht mehr so produktiv usw. usw.
Wer sich hierfür interessiert, dem lege ich ein einschlägiges Buch der Lerntechniken nahe. Dort wird entsprechend auf die aktuelle wissenschaftliche Lage eingegangen. Allerdings sind Fernstudenten ja Menschen und jeder Mensch ist anders, darum kann man das sicher nur als Anhaltspunkt lernen. Der Eulen-Typ wird morgens, wenn der Körper wissenschaftlich gesehen am fitesten ist, eher nicht lernen können.
Step 4ff - Und nu'?
So nun haben wir das Handwerkszeug zusammen um zu bestimmen wie wir das Studium zeitlich angehen, wir wissen wie viel Stunden angesetzt sind - womit wir unsere Tage verbringen (oder besser gesagt, bisher verbracht haben!) - und wir haben einen Plan davon wie man den Tag am besten angehen sollte... wie geht es nun weiter?
Das Stichwort heisst: "Try & Error" - der Plan ist nunmal nur ein theoretisches Machwerk. Nun heisst es die Ideen umzusetzen und auszuprobieren, sich selbst Feedback geben, Augen und Ohren offen halten und jederzeit bereit sein den Plan zu modifizieren oder evtl. sogar neu aufzustellen.
Irgendwann (optimalerweise sofort) kommt der Punkt an dem man sein altes Leben mit dem neuen Fernstudentenleben so gut synchronisiert hat, das man nichts mehr ändern muss. Der Körper gewöhnt sich an Lernzeiten und ist an denen aufnahmefähig, lernen wird zu Gewohnheit.
Wenn es so weit ist, hat man es geschafft.
Allen die daran noch arbeiten müssen, wünsche ich mit diesen Gedanken viel Erfolg beim ausprobieren und Erfahrungen sammeln.
Abschließend noch ein kleines Zitat ... denn schon die Römer wussten:
Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zuviel Zeit, die wir nicht nutzen.
Lucius Annaeus Seneca